WRC Sardinien: Ogier will WM-Führung verteidigen!

Am kommenden Wochenende startet die FIA-Rallye-Weltmeisterschaft WRC mit der Rallye in die zweite Saisonhälfte. Als Tabellenführer reisen Sébastien Ogier und Beifahrer Julien Ingrassia vom Citroën Total World Rally Team auf die Mittelmeerinsel. Die beiden Franzosen und ihre finnischen Teamkollegen Esapekka Lappi und Janne Ferm im zweiten Citroën C3 WRC erwartet eine besondere Herausforderung: Die kurvigen und staubigen Schotterpisten sowie die zu erwartende Hitze sind ein echter Härtetest für Mensch und Material!

Sechs Podiumsplätze in sieben Rallyes und mindestens ein Etappensieg in jedem Lauf! Aktuell sind Sébastien Ogier und Co-Pilot Julien Ingrassia ein Musterbeispiel an Konstanz. Und auch Sardinien liegt den beiden, was drei Gesamtsiege 2013, 2014 und 2015 auf dem Eiland unterstreichen. Mit fünf Triumphen ist Citroën sogar noch erfolgreicher auf Sardinien. Und trotzdem geht Ogier nur verhalten optimistisch in die 19 Wertungsprüfungen über 310,52 Wertungskilometer des siebten Saisonlaufs, denn als Tabellenführer muss er am ersten Tag als Erster auf die staubigen Pisten. Als Staubsauger hat er selbst wenig Grip, räumt dafür aber seinen Verfolgern den Weg frei. „Einen weiteren Sieg kann ich daher so gut wie abschreiben“, ist sich Ogier sicher. „Nichtsdestotrotz werde ich alles geben, um aus der Situation das Beste zu machen!“ Der Blick zurück auf den vorangegangenen Lauf in Portugal macht dabei Mut: Bei ähnlichen schwierigen Vorzeichen schaffte Ogier dort immerhin als Dritter den Sprung aufs Podium und verteidigte so seine Tabellenführung. Dazu kommt der OgierPlus-Effekt, den der Mann aus Gap bereits mehrfach, zuletzt auf dem Schotter Portugals, unter Beweis stellte!

Mit Esapekka Lappi hat Citroën einen weiteren Podiumskandidaten am Start. 2017 fuhr der Finne auf Sardinien sechs WP-Bestzeiten, mehr als jeder andere Fahrer im Feld. „Wir gehen am ersten Tag als Neunter auf die Strecke. Es ist an uns, das Beste aus dieser guten Ausgangslage zu machen“, sagt Lappi. Dass der Weg ins Ziel aber lang und tückisch ist, weiß er nur allzu gut: „Auf den Pisten in Sardinien musst du ständig auf der Hut sein, besonders bei der zweiten Durchfahrt, wenn sehr viele Steine auf der Strecke sein können!“ Der Wetterbericht sagt viel Sonne für das Rallye-Wochenende voraus. Bei Lufttemperaturen von über 30 Grad im Schatten heizt sich der Schotter schnell auf 50 Grad auf. Im Cockpit wird es dann bis zu 60 Grad heiß. „Nicht zuletzt deswegen ist diese Rallye eine echte Herausforderung für unsere Fahrer und Autos“, sagt Citroen-Teamchef Pierre Budar. „Aber bei Tests auf Sardinien im Mai und der anschließenden Rallye in Portugal hat sich der von uns nochmals nachgebesserte Citroën C3 WRC bei ähnlichen Bedingungen sehr gut bewährt!“

Gefahr droht auf Sardinien von den üblichen Verdächtigen. Toyota Gazoo Racing hat dem Vorjahressieger mit Ott Tänak ein heißes Eisen im Feuer. Auch Hyundai mit Chefpilot Thierry Neuville, der Sardinien 2016 gewinnen konnte, ist hoch einzuschätzen. Und dann ist da ja auch noch das Team Ford M-Sport. Doch die Mechaniker mussten in den letzten Tagen richtig zaubern…

Nur drei Tage blieben ihnen daheim im M-Sport Workshop Dovenby Hall, um die World Rally Cars von Elfyn Evans und Teemu Suninen nach der Rückkehr aus Portugal für den Einsatz bei der bevorstehenden Sardinien-Rallye Italien vorzubereiten. Und dies bedeutete: Einmal komplett demontieren, warten und reparieren sowie neu zusammensetzen. Das war mehr als knapp bemessen und verlangte vollen Einsatz. Die Lichter in den Werkstatthallen von M-Sport brannten in der zweiten Wochenhälfte nahezu nonstop. Los ging es am frühen Mittwochmorgen, als der Lkw-Konvoi aus Porto im Nordwesten Englands eintraf. Am Freitagnachmittag machte sich der Tross bereits wieder auf den Weg Richtung Genua, wo am Samstag die Nachtfähre gen Sizilien wartete. Vom Hafen in Porto Torres war es dann nur noch eine Stunde Fahrt bis Alghero, dem Dreh- und Angelpunkt des achten WM-Saisonlaufs.

Zeit für ausgiebige Testfahrten zur Vorbereitung auf die Schotterveranstaltung blieb angesichts des eng gesteckten Zeitplans nicht. Evans und Suninen zehren allerdings noch von den Erfahrungen, die sie in Portugal auf ähnlichem Geläuf und bei vergleichbar heißen, staubigen Bedingungen mit dem rund 380 PS starken Fiesta WRC gesammelt haben. Als Viert- und Fünftplatzierte schrammten sie nur knapp an Podestplatzierungen vorbei. Der Rallye Italien auf der wunderschönen Mittelmeerinsel Sardinien blickt M-Sport Ford gerne entgegen. Die schnellen und engen Pisten in den schroffen Bergen mit ihren alten Wäldern und scheinbar unberührten Landschaften halten schwierige Bedingungen bereit. Sie werden von Felsblöcken und Steinen gesäumt, die jeden Fehler unbarmherzig bestrafen. Also kommt es auf die präzise Zusammenarbeit zwischen Fahrer und Copilot ganz besonders an. „Die Jungs bei uns im Workshop haben ein paar kurzweilige Tage hinter sich“, betont M-Sport-Teamchef Richard Millener. „Unsere Ford Fiesta WRC trafen erst am Mittwoch aus Portugal ein, da war mehr als eine Nachtschicht notwendig, damit sie am Freitag bereit standen für den Transport nach Italien. Aber wir haben eine exzellente Mechaniker-Mannschaft, die es natürlich geschafft haben – auch wenn wir dafür ein paar Mal die Auslagen der örtlichen Konditorei plündern mussten…“

„Mit unseren Fiesta WRC haben wir in den vergangenen Jahren auf Sardinien gute Resultate erzielt“, so der 35-Jährige. „Ott Tänak hat mit uns in 2017 die Rallye gewonnen, 2018 schrammte Sébastien Ogier nur 0,7 Sekunden am Sieg vorbei. Auch Elfyn Evans und Teemu Suninen kennen sich mit der Veranstaltung gut aus. Sie wissen, worauf es ankommt, um bei diesem Event schnell und erfolgreich zu sein. In Portugal hatten wir Podestplätze bereits in Sichtweite. Die peilen wir auch dieses Mal an: Wir würden gerne den einen oder anderen Pokal mit in die Sommerpause nehmen.“

Für die beiden deutschen Ford Fiesta R2T-Fahrer in der Junioren-Weltmeisterschaft wartet auf Sizilien die nächste schwierige Aufgabe. Julius Tannert aus Zwickau reist nach seinem Klassensieg auf Korsika mit hohen Erwartungen gen Italien. Gemeinsam mit Beifahrer Jürgen Heigl hat er sich eine Platzierung unter den besten Drei zum Ziel gesetzt. „Das wird eine extrem anspruchsvolle Rallye. Von meinem Start vor zwei Jahren weiß ich, dass bei dieser Rallye alles passieren kann und wir mit Köpfchen fahren müssen“, so der 29-Jährige. „Die Wertungsprüfungen sind nach den World Rally Cars und R5-Autos, die vor uns starten, extrem ausgefahren. Teilweise liegen fußballgroße Steine auf der Strecke. Wir sind besonders motiviert und wollen unsere Erfahrung ausspielen.“ Die Rally Italia Sardegna besteht aus schnellen, schmalen Prüfungen mit einer feinen Sandfläche auf steinigen, zerklüfteten Straßen. Freiliegende Felsen und Bäume am Straßenrand bilden genauso eine zusätzliche Herausforderung wie die oftmals sehr hohen Temperaturen. Die Rallye gastiert wieder in Alghero. Den Auftakt bildet eine Super Special -Sonderprüfung am Donnerstagabend auf der nahegelegenen Motocross-Strecke Ittiri. Der weitere Streckenverlauf ähnelt weitgehend dem der Rallye 2018: Am Freitag gibt es vier Wertungsprüfungen im Nordosten, die alle zweimal gefahren werden, während samstags zwei Schleifen über drei Prüfungen im östlichsten Teil folgen, darunter der Monte Lerno, Heimat des berühmten Micky‘s Jump. Der Sonntag findet an der Küste nördlich von Alghero mit zwei sich wiederholenden Prüfungen statt.
Hier ein Blick auf die Special Stages mit Startzeiten in MESZ!

Donnerstag, 13. Juni
09.00 Uhr – Shakedown Olmedo (3,92 km)
19.00 Uhr – SS 1 – Ittiri Arena Show (2,00 km)

Freitag, 14. Juni
08.03 Uhr – SS 2 – Tula 1 (22,25 km)
09.20 Uhr – SS 3 – Castelsardo 1 (14,72 km)
10.09 Uhr – SS 4 – Tergu – Osilo 1 (14,14 km)
11.18 Uhr – SS 5 – Monte Baranta 1 (10,99 km)
14.42 Uhr – SS 6 – Tula 2 (22,25 km)
15:59 Uhr – SS 7 – Castelsardo 2 (14,72 km)
16:48 Uhr – SS 8 – Tergu – Osilo 2 (14,14 km)
18:04 Uhr – SS 9 – Monte Baranta 2 (10,99 km)

Samstag, 15. Juni
08.08 Uhr – SS 10 – Coiluna – Loelle 1 (14,97 km)
09.11 Uhr – SS 11 – Monti di Ala’ (28,21 km)
10.03 Uhr – SS 12 – Monte Lerno 1 (28,03 km)
16:08 Uhr – SS 13 – Coiluna – Loelle 2 (14,97 km)
17:11 Uhr – SS 14 – Monti di Ala’ 2 (28,21 km)
18:03 Uhr – SS 15 – Monte Lerno 2 (28,03 km)

Sonntag, 16. Juni
08.15 Uhr – SS 16 – Cala Flumini 1 (14,06 km)
09:08 Uhr – SS 17 – Sassari – Argentiera 1 (6,89 km)
11.15 Uhr – SS 18 – Cala Flumini 2 (14,06 km)
12:18 Uhr – SS 19 – Sassari – Argentiera 2 Power Stage (6,89 km)

Wie bei den beiden vorangegangenen Rallyes in Argentinien und Chile sind auch die Veranstaltungen in Portugal und Sardinien aufgrund der unmittelbaren Nähe durch das Reglement als vernetzte Rallyes definiert. Dadurch müssen in Sardinien dieselben Fahrgestelle, Motoren und Getriebe (einschließlich Ersatzgetriebe) verwendet werden wie in Portugal.

Natürlich ist auf Sardinien WRCplus bei jeder Prüfung Live dabei. Red Bull TV sendet Freitag, Samstag und Sonntag ab 22 Uhr eine Zusammenfassung des Tages. Die Super Live Stage SS13 überträgt Red Bull TC am Samstag ab 15:50 Uhr Live! Mehr zur Rallye Sardinien am Wochenende auch an dieser Stelle!

Fotos (c) Citroen Racing, Ford Werke GmbH/M-Sport Ford