WRC Portugal: Höhenflüge und Rückschläge!

Alle Werksteams kämpften in Portugal hart. Toyota, Hyundai, Citroen und Ford M-Sport erlebten Höhenflüge und Rückschläge. Toyota versenkte sogar einen ziemlich sicheren Doppelsieg durch einen Fehler von Kris Meeke. Bei Hyundai wurde Thierry Neuville zum Einzelkämpfer. Doch der Belgier wurde belohnt!

An einem dramatischen Abschlusstag bei der Rally Portugal erzielte Hyundai Motorsport sein 50. WRC-Podiumsergebnis. Thierry Neuville und Nicolas Gilsoul kämpften hart bis zum Ende, um den zweiten Platz zu sichern, und holten auf der Power Stage vier zusätzliche Punkte. Nachdem die 2019er Saison mit sieben absolvierten Veranstaltungen ihre Halbzeit erreicht hat, hält Hyundai mit einem Vorsprung von 20 Punkten an der Führung in der Herstellerwertung fest. Thierry sicherte unterdessen den dritten Platz in der eng umkämpften Fahrerwertung, zehn Punkte hinter dem Spitzenreiter Sébastien Ogier.

Über 35.000 Fans strömten am letzten Vormittag zum berühmten Fafe-Sprung, um die WRC-Autos auf dem Weg ins Ziel auf spektakuläre Weise fliegen zu sehen. Es war ein angemessenes Ende für ein aufreibendes Wochenende, das auch bei Hyundai Opfer forderte. Dani Sordo und Co Carlos del Barrio und Sébastien Loeb mit Copilot Daniel Elena wurden auf der dritten Etappe Arganil von technischen Problemen getroffen. Zwar ging die Reise weiter, doch das Team musste sich neu aufstellen, um so viele Punkte wie möglich aus dem Wochenende zu retten. Die vereinten Kräfte zahlten sich aus und Hyundai Teamdirektor Andrea Adamo war schnell mit Lob für die Arbeit aller drei Crews, aber insbesondere der Belgier zur Stelle. „Thierry und Nicolas haben mit den Tools, die wir ihnen an die Hand geben, eine hervorragende Saison“, sagte er. „Sie erzielen weiterhin Ergebnisse, die unserem Leistungspegel schmeicheln. Ich ärgere mich, dass unsere Probleme am Freitag unsere beiden anderen Crews hinderten, am Kampf um das Podium teilzunehmen; eine weitere vertane Chance!“

Für Thierry war sein fünftes Podium der Saison ein willkommenes Ergebnis. „Nach dem schweren Unfall in Chile war es wichtig wieder kämpferisch aufzutreten“, sagte er. „Es war kein vollkommen reibungsloses Wochenende, aber wir haben ein gutes Tempo vorgelegt, dazu einige Etappensiege. Die Meisterschaft ist jetzt bei Mitte der Saison gut austariert!“ Keine Frage, die WRC ist gerade durch ihre Ausgeglichenheit an Spannung kaum zu überbieten. Dafür sorgte in Portugal auch wieder Citroen, die sich mit Sebastien Ogier den dritten Podiumsrang erkämpften. Doch auch Citroen blieb nicht von Verlusten verschont. Esapekka Lappi und Janne Ferm waren im zweiten Citroën C3 WRC ebenfalls schnell unterwegs, zollten jedoch wie viele Kontrahenten den schwierigen Bedingungen Tribut und mussten am letzten Tag auf Platz sechs liegend aufgeben.

Als WM-Spitzenreiter musste Ogier beim Schotter-Klassiker vor den Toren Portos den Nachteil in Kauf nehmen, als erster Fahrer auf die staubigen Strecken zu müssen. Der Titelverteidiger machte aber das Beste aus seiner Rolle als Straßenfeger: Als Gesamtfünfter hatte er am Ende des ersten Tages nur drei Sekunden Rückstand auf einen der angestrebten Podiumsränge. Teamkollege Lappi war ebenfalls solide in die Rallye gestartet, büßte aber auf WP 3 durch einen Reifenschaden nach einem Sprung über eine Minute ein. Auf WP 5 raubte ihm die Staubwolke eines langsameren Vordermanns die Sicht und damit weitere wertvolle Zeit. Als Achter behauptete er sich trotz alledem in den Punkterängen. Auch am zweiten Tag startete Ogier vor seinen direkten Kontrahenten ums Podium – und wieder machte er das Beste aus der Situation. Obwohl ein Feinschliff an der Abstimmung im Mittagsservice in die falsche Richtung ging, behielt der Routinier einen kühlen Kopf und verbesserte sich um eine Position auf Platz vier. Bei Teamkollege Lappi zahlten sich die zwischenzeitlichen Anpassungen am Citroën C3 WRC hingegen voll aus: Während einige Kontrahenten strauchelten, war der Finne schnell und fehlerfrei unterwegs und schob sich auf den fünften Platz vor.

Am dritten Tag endete Lappis Portugal-Einsatz vorzeitig: Nachdem er trotz eines Überschlags auf WP16 mit fehlendem Heckflügel weiterfahren konnte, rutschte er auf WP 17, der berühmten Fafe-Prüfung, erneut von der Strecke. Das Ergebnis: ein Reifenschaden und eine gebrochene Aufhängung. Die Beschädigungen waren zu groß, um die Zeitenjagd fortzusetzen. Dagegen gab es für Ogier ein Happy End: Mit einem Sieg auf der abschließenden Powerstage schob er sich nicht nur auf den erhofften Podiumsplatz nach vorn, er sicherte sich zusätzlich fünf Bonuspunkte. Dank dieser behauptete er auch seine WM-Führung vor Portugal-Sieger Ott Tänak.

Ein wenig unter Wert geschlagen wurde Ford M-Sport. Teemu Sunninen belegte den vierten Rang, Elfyn Evans wurde fünfter. Gus Greensmith erlebte bei seinem WRC-Debüt einen haarigen Abflug beim Fafe-Sprung. Speziell Suninen legte gleich zu Beginn des Schotterklassikers mit bemerkenswertem Tempo los. Der 25-Jährige glänzte auf der Freitagsetappe mit Topergebnissen und setzte auf der fünften Wertungsprüfung sogar eine Gesamtbestzeit. Dies führte ihn bis auf 13,2 Sekunden an den Spitzenreiter heran. Auf der nächsten Prüfung büßte er aufgrund einer geborstenen Bremsleitung jedoch über eine Minute ein. Dies warf den Finnen und seinen 40-jährigen Beifahrer zunächst auf die sechste Position zurück. Mit einer beständigen Fahrt auf den verbliebenen 14 Prüfungen kämpfte sich das Duo wieder nach vorne und schrammte nur knapp an einem Podiumsergebnis vorbei. Als Viertschnellster der finalen Power Stage fügte er seiner Punkteausbeute zwei weitere Zähler zu und machte in der Fahrer-WM-Wertung einen großen Sprung von der zehnten auf die sechste Position.

Auch Evans sah zu Beginn der in Porto beheimateten Rallye wie ein Kandidat für eine Podestplatzierung aus. Auf der WP 5 lockerte sich jedoch eine Steckverbindung des elektronisch geregelten Gaspedals. Der auch als Mechaniker begabte Waliser konnte den Fehler noch auf der Prüfung beheben, verlor jedoch mehr als vier Minuten. Da ihn dies Missgeschick ans Ende des World Rally Car-Felds zurückwarf, musste Evans am Samstag und Sonntag als jeweils Erster auf die dann noch staubigen Strecken. Das hiermit verbundene Handicap vereitelte jede weitere Chance auf konkurrenzfähige Zeiten. Gemeinsam mit Copilot Scott Martin behielt der 30-Jährige jedoch die Konzentration aufrecht, vermied auch weiterhin jeden Fehler und profitierte von Missgeschicken oder Ausfällen anderer Teilnehmer und rückte bis zur Zielrampe am Sonntagmittag wieder auf den sechsten Rang nach vorne. In der Fahrertabelle verbesserte sich der Brite von Platz fünf auf vier.

Letztlich unbelohnt blieb das starke Debüt von Gus Greensmith am Steuer eines World Rally Cars der neuen Generation: Der Engländer ließ mit einer ganzen Reihe schneller Zeiten aufhorchen und wäre in die Punkteränge gefahren. Auf der letzten WP ging der Sprung über die berühmte Fafe-Kuppe jedoch schief und Greensmith musste seinen Ford Fiesta WRC kurz vor dem Ziel abstellen.

„Am Ende des Tages haben wir eine für uns enttäuschend verlaufene Rallye noch mit einem annehmbaren Ergebnis beendet – sowohl Teemu Suninen als auch Elfyn Evans waren mit unserem Ford Fiesta WRC definitiv schnell genug, um wie im Vorjahr den Sprung aufs Podium zu schaffen“, erläutert M-Sport-Teamchef Richard Millener. „Nachdem beide Autos jedoch von Problemen zurückgeworfen wurden, konnten wir nicht mehr viel unternehmen. Jeder weiß, welchen Nachteil es bei diesem WM-Lauf mit sich bringt, als Erste auf die Strecke gehen zu müssen. Unglücklicherweise lag diese Aufgabe am Samstag und Sonntag bei uns. Dennoch haben unsere beiden Werksfahrer einen kühlen Kopf bewahrt und für uns noch vergleichsweise viele WM-Punkte herausgeholt. Beeindruckt hat uns das Debüt von Gus Greensmith am Steuer des Fiesta WRC. Ich denke, mit seinem Speed und ganz generell mit seiner positiven Herangehensweise konnte er einige Leute positiv überraschen. Auch wenn er das Ziel nicht erreicht hat, so lief er das gesamte Wochenende mit einem breiten Lachen im Gesicht durch den Service-Park. Mal abwarten, ob wir ihn im Laufe der Saison ein weiteres Mal in einem World Rally Car erleben werden.“

Der neue Skoda Fabia R5 evo fuhr bei seiner Premiere in der FIA Rallye-Weltmeisterschaft zu einem ungefährdeten Doppelsieg in der Kategorie WRC 2 Pro. Bei der Rallye Portugal war das neue tschechische Rallye-Auto mit Werkspilot Kalle Rovanperä und Beifahrer Jonne Halttunen unschlagbar. Während Rovanperä mit diesem Erfolg auch die Meisterschaftsführung in dieser Kategorie übernahm, sicherten die Teamkollegen Jan Kopecky/Pavel Dresler einen Doppelsieg für Skoda. Geschichte wiederholte sich bei der Rallye Portugal: 2015 feierte die erste Generation des Skoda Fabia R5 ein erfolgreiches WM-Debüt bei der Rallye Portugal. Genau vier Jahre später erwies sich an gleicher Stelle der Nachfolger Skoda Fabia R5 evo im ursprünglich 32 Teilnehmer starken Feld der R5-Fahrzeuge als unschlagbar. Lediglich ein Reifenschaden in der vierten Wertungsprüfung kostete Kalle Rovanperä und Jonne Halttunen vorübergehend die Führung in der Kategorie WRC 2 Pro. Aber nur vier Prüfungen später eroberten sie die erste Position zurück und verteidigten sie bis ins Ziel in Matosinhos unweit von Porto.

In der Klasse WRC2 Pro jubelte Citroën ebenfalls auf dem Podium: Nach Siegen in Schweden und Argentinien sowie Platz zwei in Chile belegten ‚Mad‘ Mads Östberg und Torstein Eriksen im C3 R5 in Portugal wie Seb Ogier Platz drei!

Endgültige Gesamtwertung – Rally de Portugal
1 O. Tänak / M. Järveoja (Toyota Yaris WRC) 3:20:22.8
2 T. Neuville / N. Gilsoul (Hyundai i20 Coupe WRC) +15.9
3 S. Ogier / J. Ingrassia (Citroën C3 WRC) +57.1
4 T. Suninen / M. Salminen (Ford Fiesta WRC) +2:41.5
5 E. Evans / S. Martin (Ford Fiesta WRC) +7:08.3
6 K. Rovanperä / J. Halttunen (Škoda Fabia R5) +10:34.2
7 J.M Latvala / M. Anttila (Toyota Yaris WRC) +11:28.2
8 J. Kopecky / P. Dresler (Škoda Fabia R5) +11:41.9
9 P. Loubet / V. Landais (Škoda Fabia R5) +12:46.3
10 E. Bergkvist / P. Barth (Ford Fiesta R5) +14:28.4

FIA Rallye-Weltmeisterschaft 2019 – Fahrerwertung nach Lauf 7
1 S. Ogier 142
2 O. Tanak 140
3 T. Neuville 132
4 E. Evans 65
5 K. Meeke 56
6 T. Suninen 44
7 S.Loeb 39
8 J.M Latvala 38
9 A. Mikkelsen 36
10 E. Lappi 34
11 D. Sordo 27

FIA Rallye-Weltmeisterschaft 2019 – Herstellerwertung nach Lauf 7
1 Hyundai Shell Mobis World Rally Team 202
2 Toyota Gazoo Racing World Rally Team 182
3 Citroën Total World Rally Team 158
4 M-Sport Ford World Rally Team122

Die Halbzeitpause in der WRC ist nur kurz. Bereits am 13. Juni startet auf Sardinien der nächste Schotterklassiker!

Fotos (c) Citroen Racing, Toyota Gazoo Racing WRT, Hyundai Motorsport GmbH, Skoda Auto Deutschland GmbH/HONZA FRONEK