DTM Zolder: Auf historischem Geläuf!

Die DTM kehrt auf ein historisches Geläuf zurück: Am kommenden Wochenende wird im belgischen Zolder die zweite Runde der DTM-Saison 2019 ausgetragen. Dort fand 1984 das erste DTM-Rennen überhaupt statt, und den Sieg sicherte sich damals Harald Grohs im BMW 635 CSi. Zuletzt fuhr die DTM 2002 in Zolder, nun gastiert die Tourenwagenserie wieder auf der traditionsreichen Strecke!

BMW DTM-Fahrer Marco Wittmann reist als Führender der Fahrerwertung nach Zolder. Beim Saisonauftakt vor zwei Wochen in Hockenheim hatte Wittmann am Samstag die Poleposition und den Sieg geholt, am Sonntag sammelte er mit Startplatz zwei und Rang acht im Rennen weitere Zähler. Nach den ersten beiden Läufen der Saison hat Wittmann 34 Punkte auf seinem Konto. Seit 1984 wurden in Zolder 22 DTM-Rennen ausgetragen. In 21 davon gingen BMW Fahrer mit an den Start, und sie fuhren dabei neun Siege sowie insgesamt 24 Podiumsplätze ein. Für das belgische BMW Team RBM ist das Rennwochenende in Zolder das erste Heimspiel in der DTM.

Für Audi ist die Rückkehr nach Zolder eine Reise ins Ungewisse. Die vier Kilometer lange Rennstrecke bei Hasselt gilt als höchst anspruchsvoll. Lokalmatador Robin Frijns, der nur rund 20 Autominuten entfernt in Lanaken lebt, spricht von einer Mini-Nordschleife. Ein kleiner Fehler, und du hängst in der Mauer. René Rast nennt es eine Reise ins Ungewisse, vor der er Respekt habe. „Keiner von uns kann so richtig einschätzen, wie sich Zolder mit einem DTM-Auto fahren lässt.“ Mike Rockenfeller bestritt dort zuletzt vor 17 Jahren ein Rennen. Loïc Duval, Jamie Green und Nico Müller kennen den Kurs nur aus dem Simulator. Vor 35 Jahren, am 11. März 1984, war Zolder Schauplatz des ersten DTM-Rennens der Geschichte – noch unter dem offiziellen Namen Deutsche Produktionswagen-Meisterschaft. Duval und Green waren damals ein Jahr alt, Rockenfeller vier Monate, Frijns, Müller und Rast noch gar nicht auf der Welt.

Auch für Audi Sport ist Zolder ein Rennen mit besonderer Historie. Im April 1990 startete die Marke beim traditionellen Bergischen Löwen erstmals werkseitig in der DTM. An die Aufholjagd und die wilden Drifts von Hans-Joachim Stuck mit dem im Vergleich zur Konkurrenz riesigen Audi V8 quattro erinnern sich noch viele DTM-Fans. Sie brachte den heutigen DMSB-Präsidenten von Startposition 14 auf Platz drei nach vorn. Es war die erste von inzwischen 312 Podiumsplatzierungen für Audi in der DTM. Im Mai 2002 gewann Laurent Aiello mit dem kompakten Abt-Audi TT-R das bisher letzte DTM-Rennen in Zolder. Christian Abt, Onkel des heutigen Audi-Formel-E-Piloten Daniel Abt, machte im strömenden Regen einen Audi-Doppelsieg perfekt.

Audi-Motorsportchef Dieter Gass hatte in Zolder seinen ersten Renneinsatz mit Audi Sport. „Das war 1995 beim Saisonstart der Supertourenwagen“, erinnert sich Gass. „Ich war Teambetreuer für das ROC-Team aus Frankreich. Das Rennen wurde im Nassen gestartet und endete auf trockener Strecke. Audi hat einen Doppelsieg geholt – vor drei BMW!

Aufgrund der Streckencharakteristik erwartet Gass beim Comeback der DTM in Zolder eine extreme Belastung für die Bremsen. Gleich an vier Stellen müssen die über 610 PS starken Audi RS 5 DTM aus hoher Geschwindigkeit heruntergebremst werden.

„Es wird ein ganz besonderes Erlebnis, in Zolder mit einem DTM-Auto zu fahren“, sagt Robin Frijns, dessen Leidenschaft für den Motorsport im Alter von sechs Jahren mit einem Rennbesuch in Zolder entflammte. „Ich kenne die Strecke sehr gut und bin dort schon viele Rennen gefahren, zuletzt in der GT3 mit dem Audi R8 LMS. Der Kurs hat seine Tücken, auch das Wetter spielt in Belgien oft verrückt. Im schnellen ersten Sektor kann man besonders viel Zeit gewinnen oder verlieren. Überholen kann man am besten vor der ersten Kurve oder der Schikane vor Start-und-Ziel!“

Sat1 ist am Samstag und Sonntag ab 13 Uhr wieder live dabei. Insbesondere die beiden Qualifying-Sessions (Samstag, 10:35 Uhr und Sonntag, 10:25 Uhr live auf ran.de) dürften von großem Interesse sein. Dein wenn es in Zolder etwas gibt, was beinahe gar nicht geht, dann ist es Überholen. Die Strecke gehört in dieser Hinsicht zu den schwierigsten in ganz Europa. Umso wichtiger ist es, ein gutes Ergebnis im Qualifying einzufahren, schnelle Boxenstopps hinzulegen und eine clevere Strategie zu wählen.

Gleichzeitig verlangt die Strecke den Fahrzeugen alles ab. Dabei ist sie vor allem hart für die Bremsen, die in Ermangelung von langen Geraden nur schwer gekühlt werden können, und die Aufhängung, da die Autos immer wieder über die hohen Curbs fahren müssen. Auch die Reifen werden durch den alten, rauen Asphalt sehr hart gefordert, was zu einem erhöhten Reifenabbau führt. Die Fahrer müssen also darauf achten, dass sie ihre Autos nicht überfahren.

Bei der Fahrzeugabstimmung liegt das Hauptaugenmerk auf den langsamen und mittelschnellen Kurven und weniger auf der Balance für schnelle Passagen. Die Simulationen sagen Rundenzeiten um die 1:21.000 Minuten und Topspeedwerte von ca. 250 km/h ohne DRS voraus. Es gibt drei Streckenabschnitte, auf denen die Fahrer jeweils für rund 400 Meter Vollgas fahren: die Start-/Zielgerade, die lange Gegengerade nach Kurve vier und nach der Villeneuve Schikane in Kurve 10.

Als DTM-Neuling besitzt R-Motorsport zu Beginn seiner Debütsaison in der Tourenwagenserie grundsätzlich noch relativ wenig Erfahrung und Informationen über den neuen Aston Martin Vantage DTM, der nur zwei Monate vor seinem ersten Renneinsatz in Hockenheim sein Streckendebüt gegeben hat.

Somit stellt sich durchaus die Frage, ob es eher ein Vor- oder ein Nachteil ist, gleich zu Saisonbeginn mit einem noch unbekannten Auto auf einer neuen Strecke zu fahren. Grundsätzlich ist es für alle Teams etwas einfacher, wenn eine neue Strecke eher im späteren Saisonverlauf ansteht. Bis dahin haben die Fahrer und Ingenieure das Setup im Griff und wissen, was bei der Abstimmung des Fahrzeugs funktioniert oder auch nicht funktioniert. Dadurch gibt es weniger Variablen, mit denen sie auf der unbekannten Strecke zurechtkommen müssen. Dennoch ist die Situation für alle Hersteller gleich, sodass in Zolder jeder bei null beginnt.

Fotos (c) Audi Communication Motorsport, BMW AG, R-Motorsport