WRC & Dakar: Im Umbruch!

Die internationale Rallyeszene ist mitten im Umbruch. Während sich die WRC auf ihre Südamerika-Tour vorbereitet, hat sich der Dakar-Veranstalter ASO neu orientiert. Die Rallye Dakar wird in den kommenden Jahr in Saudi Arabien ausgetragen!

Die WRC boomt. Spektakuläre Rallyes, ein Klassefeld und engagierte Hersteller garantieren Action. Kein Wunder, das die Verantwortlichen die Rallye Weltmeisterschaft um nahezu jeden Preis ausbauen wollen. 2018 expandierte die WRC in die Türkei. In diesem Jahr folgt der WM-Lauf in Chile, das logistisch gut in die Lücke zwischen Argentinien und Portugal eingepasst wurde. Doch damit ist es längst noch nicht genug. Toyota wünscht sich einen WM-Lauf in Japan. Die Asphaltrallye in der Provinz Gifu und Aichi gilt für 2020 bereits als fester Bestandteil des Kalenders. Auch Kenia will zurück auf die WM-Bühne und hat mit der Safari Rallye ein traditionelles Schwergewicht, das jedoch nicht überall auf offene Ohren stößt. Die schwierigen Strecken und großen Herausforderungen, aber auch der Schutz von Zuschauern und Wildtieren, stellt die Organisatoren vor Probleme. Die FIA Sicherheitsbeauftragte Michele Mouton reise vor einer Woche durch Kenia, um die Sonderprüfungen für den ‚Candidate Event‘ vom 3. bis 5. Juli zu begutachten. Der Testlauf gehört zur Afrikanischen Rallyemeisterschaft ARC und ist die Hoffnung vieler ostafrikanischer Fans, endlich wieder einen WRC-Lauf ausrichten zu dürfen. Die letzte Safari Rallye unter dem Patronat der WRC fand 2002 statt. Das kenianische Sportministerium plant die klassische Safari Rallye ab 2020 wieder auszutragen und im Rahmen der WRC stattfinden zu lassen. Es wäre ein Comeback nach 18 Jahren Abstinenz auf der Weltbühne.

Doch ganz so einfach lässt sich der afrikanische WM-Lauf nicht aus dem Hut zaubern. Die mehr als 300 Kilometer langen Prüfungen durch Savanne und Busch wirken bereits jetzt abschreckend auf Privatiers und Werksteams. Schließlich galt die Safari bereits kurz nach ihrer Einführung im Jahr 1953 als extrem materialmordend. In der großen Zeit der Rallye, von 1979 bis 1983, als der Inder Shekhar Mehta und Copilot Mike Daughty die Safari viermal in Folge auf Datsun gewinnen konnten, rückten die Teams mit extra für die Safari aufgebauten Rallyeboliden an. Das kann sich heute nun wirklich kein Hersteller mehr leisten. Ein weiteres Problem: Für eine WRC-Saison mit 14 Läufen inclusive der Safari müssten zwei europäische WM-Läufe über die Klinge springen. Bereits jetzt wird darüber diskutiert, ob die Asphaltläufe auf Korsika und die Rallye Deutschland aus der WM fliegen. Bei den Schotterläufen gilt Sardinien als großer Wackelkandidat. Man darf gespannt sein, wie sich die FIA diesem Dilemma stellt, denn der neue WM-Kalender für 2020 soll bereits Mitte Juni durch den FIA Weltrat bestätigt werden!

Diese Probleme hat der ASO nicht. Nach elf Jahren verlässt die Rallye Dakar Südamerika und konzentriert sich auf die Wüsten und Gebirge Saudi Arabiens. Nach Afrika und Südamerika nun der Nahe Osten. Der Fünfjahresvertrag gilt bereits als unterschrieben. Ab Januar 2020 wird die ASO ihre Teams also in die arabische Wüste schicken. 2021 könnten bereits die Nachbarländer mit in die Rallye integriert werden. Ein schwieriges Terrain mit zahlreichen Unsicherheitsfaktoren. Wie zum Beispiel die komplizierten Einreiseformalitäten, speziell für Frauen. Ob sich der ASO mit der neuen Heimat der Dakar einen Gefallen getan hat, bleibt abzuwarten!

Fotos (c) AP News, Audi AG, Column.com, Toyota GAZOO Racing WRT