WRC Korsika: Höhen und Tiefen!

Hyundai Motorsport und Thierry Neuville waren auf Korsika stark genug und fuhren nach dem enttäuschenden Resultat von Mexiko den Sieg ein. Während einer dramatischen Powerstage nutzte Neuville die Schwäche von Elfyn Evans gnadenlos aus. Der britische M Sport Pilot erlebte die Höhen und Tiefen des Rallyesports!

Für Hyundai Motorsport war der elfte Sieg in der WRC gleichzeitig der zweite auf Korsika. Damit sicherte sich das Team aus Alzenau vorerst die Plätze an der Sonne in allen drei Wertungen der WRC. Hyundai Teamchef Andrea Adamo äußerte sich aber nach der Rallye mit gemischten Gefühlten: „Wir kamen am Ende der Tour de Corse auf dem ersten Platz an, aber wir können nicht behaupten, wir hätten die Rallye gewonnen. Das Erreichen des ersten Platzes ist natürlich für unser Team eine sehr positive Sache. Wir haben viel Druck gemacht und dies wird definitiv die Stimmung fördern, aber wir müssen uns selbst gegenüber ehrlich sein, wo wir leistungsmäßig sind, und wo wir sein müssen!“ Neuville bleibt die Speerspitze bei Hyundai, während Dani Sordo mit dem vierten Gesamtrang nicht die Kontinuität hatte, im Kampf um einen der Podiumsplätze einzugreifen. Ein ähnliches Schicksal erlebte Sebastien Loeb. Bereits auf der Eröffnungsetappe rutsche Loeb von der Strecke und verlor entscheidende Sekunden. Am Ende blieb der achte Platz und ein paar Punkte. „Ein großartiges Ergebnis für das Team“, kommentierte Sébastien. „Leider war unsere eigene Rallye effektiv nach unseren Problemen auf der ersten Etappe am Freitag vorbei. Trotz unserer Herausforderungen war es eine erfreuliche Rallye. Hoffentlich sind wir nächstes Mal besser!“

Höhen und Tiefen durchlebten auch Sébastien Ogier und Julien Ingrassia. Doch die Citroen-Crew bewies im C3 WRC echten Kampfgeist und liess sich nie unterkriegen. Mit dieser Motivation erzielten sie bei der Rallye Korsika ihr drittes Podiumsergebnis der aktuellen Saison. Für den Citroën C3 WRC war es bereits die vierte Top-3-Platzierung in Folge. Mit Platz zwei rückten die amtierenden Weltmeister aus Frankreich auch auf Platz zwei der Fahrerwertung vor, sie trennen nur zwei Punkte von der Tabellenspitze. Das Citroën Total World Rally Team liegt ebenfalls auf Platz zwei der Herstellerwertung. Das finnische Nachwuchsduo Esapekka Lappi/Janne Ferm belegte auf Korsika Rang sieben und sammelte ebenfalls Punkte. Ogier und Ingrassia waren als Dritte in die entscheidende letzte Schleife gestartet, sie bauten ihren Vorsprung auf die nächsten Verfolger auf der vorletzten Prüfung auf über eine halbe Minute aus. Auf der abschließenden Powerstage errangen sie Platz fünf und holten so einen Zusatzpunkt für die WM. Als zudem der bislang Führende Elfyn Evans durch einen Reifenschaden zurückfiel, rückte das Citroën-Duo auf den zweiten Gesamtrang vor.

Der vierte WM-Lauf hatte für das Citroën World Rallye Team am Freitag anspruchsvoll begonnen: Beide Citroën-Crews kämpften mit Abstimmungsproblemen. Da für den Mittag kein Service, sondern nur eine Reifenwechselzone vorgesehen war, hatten die Techniker keine Möglichkeit, das Setup während der Etappe zu überarbeiten. Die sechsmaligen Rallye-Weltmeister Sébastien Ogier und Julien Ingrassia machten das Beste aus ihrer Situation und beendeten den ersten Rallyetag auf Platz sechs. Im Laufe des Samstags kämpfte sich Ogier auf einen Podiumsplatz vor. Der amtierende Rallye-Weltmeister glänzte vor allem auf der neuen, 47,18 Kilometer langen Wertungsprüfung Castagniccia. Beim ersten Durchgang auf der extrem engen und kurvigen Strecke verbuchte der Franzose die drittschnellste Zeit, am Nachmittag war er Zweitschnellster und sorgte so für eine gute Ausgangsposition am Finaltag. Die Teamneulinge Esapekka Lappi und Janne Ferm hatten nach anfänglichen Problemen mit der Abstimmung nur wenig Möglichkeiten, Boden gutzumachen. Sie nutzten die Rallye, um verschiedene Setup-Optionen zu erarbeiten und weitere Erfahrungen mit dem Citroën C3 WRC auf Asphalt zu sammeln. Die beiden Finnen beendeten die Rallye schließlich auf Platz sieben.

Sébastien Ogier und Julien Ingrassia haben nach der Rallye Korsika drei Podiumsergebnisse in vier Rallyes auf ihrem Konto. Das Citroën Total World Rally Team hat bei allen vier bisherigen Events entweder den ersten oder zweiten Platz belegt: In Monte Carlo und Mexiko siegten die Roten, in Schweden und auf Korsika belegten sie jeweils Platz zwei. Ein gutes Ergebnis, das Sébastien Ogier dennoch kritisch analysierte: „Wenn man die Punkte betrachtet, haben wir ein gutes Resultat errungen, wir konnten bei dieser schwierigen Rallye 19 Zähler holen. Andererseits hatten wir Schwierigkeiten mit der reinen Performance. Wir müssen daran arbeiten, damit wir dieses Problem nicht erneut auf Asphalt bekommen, einem Untergrund, auf dem der C3 WRC bislang gut funktioniert hat. Aber ich freue mich, dass ich viel aus meinem Auto herausholen konnte und dass ich die Prüfungen bei der kommenden Schotterrallye in Argentinien nicht eröffnen muss!“

Die M Sport Crew, Elfyn Evans und sein Beifahrer Scott Martin haben die Sensation knapp verpasst: Mit ihrem Ford Fiesta WRC sahen die beiden bereits wie die sicheren Sieger der Rallye Korsika aus. Ein unglücklich eingefangener Reifenschaden machte diesen Traum jedoch auf der 14. und letzten Wertungsprüfung buchstäblich auf den letzten der insgesamt 347,51 WP-Kilometern noch zunichte. Der Waliser und sein britischer Copilot erreichten das Ziel in Calvi auf Rang drei. Es ist die zweite Podiumsplatzierung für die beiden und ihr Team M-Sport Ford in Folge. Auch Teemu Suninen und Co Marko Salminen lieferten im zweiten Fiesta WRC auf der Mittelmeerinsel eine starke Vorstellung ab: Die Finnen fuhren bei Suninens Korsika-Debüt am Steuer eines World Rally Cars fehlerfrei auf Rang fünf und wehrten dabei auch die Attacken ihres früheren Teamkollegen Ott Tänak ab.

Evans war klar der Fahrer, den es an diesem Wochenende zu schlagen galt. Gleich auf der ersten Prüfung setzte er sich mit einer Bestzeit an die Spitze des Feldes und eroberte die Führungsposition mit drei weiteren gewonnenen WP noch zweimal wieder zurück – so auch am Sonntagmorgen, als er mit einem wahren Parforce-Ritt seinen Hauptgegner Thierry Neuville um 16 Sekunden niederkämpfte und sich mit 11,5 Sekunden Vorsprung als Erstplatzierter auf den Weg zur abschließenden Power Stage machte. Bei noch ausstehenden 19,34 Prüfungskilometern eine scheinbar sichere Sache. Ein aufgewirbelter Stein, der auf der Ideallinie lag, zog jedoch den vorderen rechten Reifen in Mitleidenschaft und kostete bis zur Ziellichtschranke die entscheidenden Sekunden.

Teemu Suninen wollte nach Null-Punkte-Runden in Schweden und Mexiko auf Korsika definitiv das Ziel erreichen und fuhr mit entsprechend kontrolliertem Tempo. Dennoch ließ der 25-Jährige sein Talent in dem schwierigen Kurvenlabyrinth speziell am Finaltag aufblitzen, als er jeweils als Drittschnellster aus den letzten beiden Prüfungen zurückkehrte – und sich damit neben den zehn Punkten für Rang fünf noch drei weitere Zähler in der Power Stage sicherte.

„Das ist schwer zu verdauen – Elfyn Evans und Scott Martin waren an diesem Wochenende klar die schnellste Crew und haben allen gezeigt, zu was sie und der Ford Fiesta WRC in der Lage sind“, gestand M-Sport-Teamchef Richard Millener. „Ihre erste Prüfung am Sonntagmorgen lief einfach sensationell. Niemand würde behaupten, dass sie den Sieg nicht absolut verdient gehabt hätten. Platz eins auf der letzten WP noch zu verlieren, trifft das gesamte Team ins Herz. Aber wir behalten die positiven Punkte der Rallye Korsika im Blick – und da konnten wir einige sammeln. Wir stehen zum zweiten Mal in Folge auf dem Podest und haben mit dem Fiesta bemerkenswerte Fortschritte erzielt. Jeder Einzelne bei M-Sport Ford arbeitet enorm hart, damit wir auch weiterhin für Topresultate in Frage kommen. Ich bin mir sicher, dass wir das können. Neben Elfyns unglaublicher Vorstellung hat auch Teemu Suninen eine ziemlich bemerkenswerte Rallye abgeliefert. Er ist sicher über die Runden gekommen und hat seinen fünften Platz gegen Ott Tänak verteidigt, dabei enorm wichtige Erfahrung auf Asphalt gesammelt und sich für seinen Speed mit drei Zusatzpunkten auf der ,Power Stage‘ belohnt. Ich denke, damit haben wir deutlich gezeigt, dass mit M-Sport Ford auch in dieser Saison gerechnet werden muss. Teemu hat in Schweden eine WM-Rallye angeführt, Elfyn lag auf Platz eins, der Fiesta WRC ist auf praktisch jedem Geläuf ziemlich schnell. Wir sind fest gewillt, genau so weiterzumachen.“

Elfyn Evans ergänzte: „Natürlich fühlt sich die Enttäuschung im Moment groß an – alles in allem aber haben wir ein sehr positives Wochenende erlebt und den Speed, um zu gewinnen“, bilanziert Evans. „Die erste Prüfung am Sonntagmorgen lief wirklich gut, wir sind auch in die abschließende ,Power Stage‘ mit einem guten Rhythmus gestartet. Ich weiß nicht genau, was exakt passiert ist, aber es fühlte sich wie ein Stein mitten auf der Ideallinie an. Wir haben ihn so unglücklich getroffen, ich wusste anhand des Geräuschs auch gleich, dass dies nicht gut war. Wenige hundert Meter später ging auch schon der Reifendruckalarm los. Da lagen noch elf Kilometer vor uns, ein Stopp zum Reifenwechsel kam nicht in Frage. Darum sind wir weitergefahren und haben es glücklicherweise noch ins Ziel geschafft. Platz drei ist nicht unbedingt das Ergebnis, das wir uns gewünscht haben, aber unser Speed passt und diese Fortentwicklung stimmt uns alle froh. Mit dem Start in die Saison können wir zufrieden sein, ich war mit dem Fiesta bei allen vier bisherigen Rallyes glücklich. Die Jungs und Mädels bei M-Sport spucken wirklich in die Hände, ständig kommen neue Entwicklungen. Ich bin sicher, dass wir unsere Form bei den bevorstehenden Veranstaltungen bewahren können.“

Die Entscheidung um den Klassensieg in der Junior-Weltmeisterschaft fiel erst in der letzten Wertungsprüfung: Der 28 Jahre alte Julius Tannert aus Zwickau und sein österreichischer Beifahrer Jürgen Heigl haben im Cockpit ihres frontgetriebenen Ford Fiesta R2T mit einer begeisternden Aufholjagd ihren ersten Saisonerfolg eingefahren. Dabei mussten sie einen Rückstand von gut einer Minute aufholen, den sie sich auf der WP 7 durch einen Dreher eingefangen hatten. Einen großen Teil machten sie dabei am Samstagmorgen durch eine wahre Fabelzeit auf der WP 9 wieder wett, mit fast 50 Kilometern ihre längste der gesamten Asphalt-Rallye. In der Junior-WM-Zwischenwertung haben sie mit nunmehr 28 Punkten und Rang vier den Kontakt zur Spitze wieder hergestellt. „Ein fantastisches Gefühl – es ist, als würde für mich ein Traum in Erfüllung geben“, freut sich Tannert über den Erfolg. „Ein tolles Ergebnis nach so einem intensiven Kampf. Vielen Dank an Dennis Radström und Tom Kristensson für die harte Konkurrenz, das hat wirklich Spaß gemacht. Wir haben am Samstagmorgen eine Minute verloren und dachten bereits, damit wäre die Rallye für uns gelaufen. Aber wir haben nicht aufgegeben und bis zur letzten Wertungsprüfung alles gegeben.“

Toyota musste auf Korsika mit einigen Enttäuschung fertig werden. Da war der Doppelsieg auf der Powerstage nur ein kleiner Trost. Kris Meeke landete im Toyota Yaris WRC auf Platz eins, Ott Tänak wurde Zweiter und sammelte damit wichtige Punkte für die Weltmeisterschaft in einer Rallye, die viel mehr versprach.

Die schnellen Toyota Yaris WRC zeigten das ganze Wochenende über eine herausragende Performance. Ott Tänak führte die anspruchsvolle Rallye der 10.000 Kurven am Samstag sogar an, ehe ein Reifenschaden und die wechselbedingte Zwangspause ihn auf Platz sechs zurückfallen ließ – eine Position, die er auch im Ziel inne hatte. Noch mehr Zeit verlor Kris Meeke, der sich bereits am Freitag den linken Vorderreifen beschädigte. Auch Jari-Matti Latvala musste einen Reifenstopp einlegen. In der Gesamtwertung fielen sie dadurch auf die Ränge neun und zehn zurück. Auf der abschließenden Power Stage zeigten alle drei Fahrer jedoch nochmals ihr Können: Kris Meeke war auf dem Weg nach Calvi 4,5 Sekunden schneller als sein Teamkollege Ott Tänak und gewann die Etappe. Latvala wurde Sechster in der Power Stage und verpasste einen Extrapunkt um nur 0,3 Sekunden. „Die Power Stage war unser Hauptziel und sowohl Kris als auch Ott haben gute Arbeit geleistet, um die Zusatzpunkte zu erreichen“, freute sich Teamchef Tommi Mäkinen. „Das Ergebnis zeigt auch, wie schnell unser Auto auf Asphalt ist: Das ist das, was von diesem Wochenende bleibt. Jetzt müssen wir die Probleme untersuchen, die wir während der Rallye hatten, denn es hätte ein sehr gutes Ergebnis für uns werden können und wir müssen daraus lernen. Dennoch sind die Meisterschaften sehr eng und wir sehen selbstbewusst auf die nächsten Rallyes in Argentinien und Chile!“

In der Fahrerwertung rangiert Ott Tänak nun auf dem dritten Platz. Allerdings trennen ihn gerade einmal fünf Punkte von der Spitzenposition. Kris Meeke ist Fünfter, Jari-Matti Latvala Neunter. Das Toyota GAZOO Racing World Rally Team rangiert in der Herstellerwertung auf Platz drei, zur Spitze fehlen aber auch nur 14 Punkte.

Bereits bei der Rallye Argentinien, vom 25. bis 28. April, lässt sich dieser Rückstand aufholen. Der fünfte Lauf ist der Auftakt zu gleich zwei Schotter-Events in Südamerika, im Mai folgt die Rallye Chile. Einige Etappen finden auf weichen und sandigen Hochgeschwindigkeitsstraßen in den Tälern statt, während andere über felsige Bergpfade führen. Ein echter Parforceritt für die Teams und die Logistiker, die sich auf zwei Südamerika-Rallyes in Folge vorbereiten müssen!

Fotos (c) Citroen Racing, Ford Werke GmbH, Hyundai Motorsport GmbH, Red Bull Content Pool, Toyota GAZOO Racing WRT