F1 Bahrain: Erkenntnisse!

Der Große Preis von Bahrain brachte hier im Dorf zwei, nein, eigentlich drei Erkenntnisse. Zum ersten: Hamilton ist wieder da und holt für Mercedes Benz den zweiten Doppelsieg in Folge. Zweitens: Ferrari Youngster Charles LeClerc lässt seinen Chefpiloten Sebastian Vettel ziemlich als aussehen. Dadurch steigt in der Formel 1 ein bisschen die Spannung. Und drittens: Robert Kubica ist in der Formel 1 völlig überfordert!

Lewis Hamilton ist wieder da. Der Brite fuhr den 74. Sieg in seiner Karriere ein, seinen ersten in dieser Saison und seinen dritten auf dem Bahrain International Circuit. Valtteri Bottas fiel nach dem Hoch von Melbourne in ein Tief und war auf dem von starken Windböen beeinträchtigen Rennen, mehr mit seinem Auto beschäftigt, als es dem Finnen lieb war. Mit einer Reifenstrategie aus Soft, Medium und Soft und einem Quentchen Glück schob sich Bottas auf die zweite Position vor und sicherte den Silberpfeilen den zweiten Doppelsieg in der noch jungen Saison. Insbesondere Lewis Hamilton musste alles geben, denn nach dem Qualifying standen die Zeichen für Ferrari besser. Hamilton sagte nach dem Rennen: „Wir hatten sehr viel Glück, diesen Doppelsieg einzufahren. Ferrari war das gesamte Wochenende über besser als wir. Letztlich wünschst du dir einen echten Kampf und möchtest jemanden überholen, weil du schneller bist. So fühlt es sich ein wenig komisch an und man kann sein Glück kaum glauben. Ich war schon in ähnlichen Situationen und weiß, wie es sich anfühlt. Aber Charles hat das ganze Wochenende über großartige Arbeit abgeliefert und es liegt eine wundervolle, große Zukunft vor ihm. Wir sind erst zwei Rennen gefahren, bei einem waren wir schnell und weit vorne, beim anderen hatte Ferrari die Oberhand. Es ist schwer zu sagen, wie die nächsten Rennen verlaufen werden. Aber ich erwarte, dass es ein harter Kampf wird und es zwischen den beiden Teams hin- und hergehen wird. Wir müssen weiter hart arbeiten, um zu verstehen, was an diesem Wochenende falsch gelaufen ist, und wie wir das Auto verbessern können. Aber wir haben heute gesehen, dass auch die Zuverlässigkeit eine entscheidende Rolle spielt. Deshalb müssen wir auf allen Ebenen weiterarbeiten. Wir nehmen die Punkte heute mit und dann geht es in China weiter!“

Trotz der ersten Startreihe verließ Ferrari Bahrain als Geschlagener. Sebastian Vettel überholte seinen Teamkollegen am Start und führte in der ersten Kurve. Charles LeClerc lag im Mercedes hinter Valtteri Bottas auf Platz drei, aber in der zweiten Runde kam der monegassische Pilot an dem Finnen vorbei und schloss auf seinen Teamkollegen auf. Charles meldete sein besseres Tempo an die Box und passierte Sebastian in Runde 5, um die Führung zu übernehmen. In Runde 13 kam Charles zu seinem ersten Boxenstopp und wechselte von den Soft- auf die Medium-Reifen, ebenso wie Sebastian in der folgenden Runde. Doch Vettel kam hinter Hamilton ins Rennen zurück und musste attackieren. Nach acht Runden überholte Vettel seinen Rivalen in Turn 4. In Runde 35 machte Sebastian seinen zweiten Stopp und duellierte sich erneut mit Hamilton. Dabei unterlief Vettel ein folgenschwerer Fehler. Vettel drehte sich und fing sich einen Bremsplatten ein, was dazu führte, dass der Frontflügel aufgrund der starken Vibrationen aus der Fassung geriet. Vettel musste an die Box. Derweil fuhr LeClerc in Runde 36 mit 1’33″411 die schnellsten Runde. Der junge Monegasse fuhr das Rennen seines Lebens und hatte beinahe den Sieg vor Augen, da machten an seinem Dienstwagen die Elektrischen Helfer schlapp. LeClerc schleppte sich um den Kurs und wurde natürlich von beiden Silberpfeilen noch vor der Zielline aufgeschnupft. Vettel arbeitete sich nach seinem selbstverschuldeten Dreher vom neunten auf den fünften Rang hoch, blieb aber der große Verlierer.

„In Leclerc geht ein Stern auf“, schmachtete die ‚Gazzetta dello Sport‘. Vettel verlor dagegen ‚La Repubblica‘ zufolge unter Druck „die Nerven und den Frontflügel“. Am Persischen Golf stand sich der 31-Jährige selbst im Weg, als er sich bei einem Zweikampf mit Hamilton drehte. „Wir müssen unsere Fahrer ermutigen, weil sie nur die besten Ergebnisse einfahren können, wenn sie an die Grenze gehen“, sprach Ferrari-Teamchef Mattia Binotto Mut zu. „Vettel macht da weiter, wo er im vergangenen Jahr aufgehört hat: Er vermasselt es wieder“, ätzte dagegen TV-Experte Nico Rosberg. „Es ist unglaublich, dass ihm das wieder und wieder passiert.“ Der bis dato letzte deutsche Formel-1-Weltmeister konstatierte: „Er muss einen Ausweg finden!“ Für Vettel brechen harte Zeiten an. Der Weg zum fünften Titel im fünften Jahr bei Ferrari wird längst kein Selbstläufer mehr. Denn inzwischen hat Vettel nicht nur Hamilton als Gegner. LeClers, als Gegner im eigenen Team, zerrt noch mehr an Vettels Nerven. als das ihm das lieb sein kann!

Bleibt noch eine Erkenntnis: Robert Kubica mühte sich in Bahrain vergeblich und ist offensichtlich mit sich überfordert. Im Williams FW42 verlor der Pole allein gegen Teamkollegen George Russell im Rennen eine Runde. Diese Entwicklung gibt dem Team Rätsel auf, denn der FW42 ist nicht nur langsam, die Autos von Russel und Kubica sind wohl grundverschieden. Wir haben hier exakt das gleiche Setup an beiden Fahrzeugen verwendet und die Charakteristik war wieder komplett anders. Die Rundenzeiten sind in dieser Situation völlig egal“, schimpft Kubica: „Es ist unabdingbar, dass sich beide Autos gleich verhalten – alles andere ist reines Glücksspiel!“ Nun soll der legendäre Patrick Head ins Team zurückkehren und das Problem lösen. Vielleicht sollte sich aber auch Robert Kubica mal so seine Gedanken machen. Ich habe den Eindruck, der Pole ist mit der Formel 1 des Jahres 2019 ziemlich belastet. Das kann nicht gutgehen!

Fotos (c) Daimler AG, Ferrari