F1 2019: Hamilton oder… Hamilton!

Die neue Formel 1 Saison beginnt am Wochenende und irgendwie graust es mich bereits jetzt. Hört man sich hier im Dorf mal um, dann sagt der mit Abstand größte Teil der Freunde des gepflegten Motorsports aus dem Dorf an der Düssel so etwas wie: Ach, geht das F1-Gedöns schon wieder los, gäähn… !

Vor dem Saisonstart heizte zahlreiche Experten und Medien die Spannung künstlich auf. Schließlich gibt es pünktlich zum neuen Anlauf ein paar Fakten:  Da ist Robert Kubica, der nach acht Jahren in die Formel 1 zurück kehrt. Lange schien eine Rückkehr des Mannes aus Krakau in die Formel 1 wegen seiner Behinderung höchst unwahrscheinlich. Zweifel werden Kubica auch in den kommenden Monaten begleiten. „Wir brauchen jetzt seinen Kampfgeist“, sagte Vize-Teamchefin Claire Williams, als sie im vergangenen Herbst die Beförderung des Routiniers zum Stammpiloten verkündete. Sein enormer Wille hat Kubica nach jenem schrecklichen Crash vom 6. Februar 2011 zurück in die Königsklasse gebracht.

Damals galt der Pole als kommender Weltmeister. Im BMW-Sauber hatte er 2008 in Montréal für den einzigen Formel-1-Rennsieg des Teams gesorgt, später im Renault ebenfalls überzeugt. Für 2012 hatte er dem Vernehmen nach schon eine Abmachung mit Ferrari. Dann verunglückte er schwer bei einem Rallye-Gaststart in Italien. Eine Leitplanke bohrte sich in sein Auto, in Notoperationen konnte sein rechter Arm noch gerettet werden. Bis heute ist der Arm von Narben gezeichnet, Kubica hat dort wohl bestenfalls noch die Hälfte der Kraft von früher.

Doch der Motorsport lässt ihn nicht los. Bald fährt er wieder im Rallye-Auto und zeigt, welch außergewöhnliches Talent er hat. 2017 dann darf er ein Formel-1-Auto von Lotus testen, seine Leistung überzeugt. Williams holt ihn für die folgende Saison als Testfahrer und macht ihn nun wieder zur Stammkraft. „Er ist einer der talentiertesten Fahrer, gegen die ich je angetreten bin. Es ist toll für den Sport, dass er zurück ist“, sagt Weltmeister Lewis Hamilton.

Auch Kimi Räikkönen will es noch einmal wissen. Der Iceman, der im Oktober 40 Jahre alt wird, ist älteste Pilot im Fahrerlager und dreht nach dem erzwungenen Abschied bei Ferrari in diesem Jahr bei Alfa Romeo seine Runden und genießt die neue Herausforderung und seinen Status ‚Back To The Roots‘. Hinter dem neuen Namen Alfa Romeo verbirgt sich der Schweizer Rennstall Sauber, für den der „Iceman“ vor 18 Jahren sein Debüt in der Formel 1 gab. „Er hatte das Gefühl, dass er noch nicht fertig ist“, sagte sein Manager Steve Robertson. Als Räikkönen im Herbst erfuhr, dass Ferrari ihn gegen den 18 Jahre jüngeren Charles Leclerc austauscht, einigte er sich in kürzester Zeit mit seinem ersten Arbeitgeber in der Formel 1 auf eine Neuauflage für zwei weitere Jahre.

Und jener Charles LeClerc gilt als DER Herausforder für einen gewissen Sebastian Vettel. Der Heppenheimer startet am Sonntag beim Großen Preis von Australien in sein fünftes Jahr bei Ferrari und will endlich den ersten WM-Titel mit der Scuderia gewinnen. Immerhin benötigte selbst der große Michael Schumacher einige Jahre bei der Scuderia. Erst im fünften Jahr gelang Schumi der Durchbruch bei den Roten. Darauf setzt insgeheim auch Vettel. Seine vier WM-Triumphe feierte er von 2010 bis 2013 mit Red Bull. „Wir wollen ein neues Kapitel aufschlagen. Die Moral ist hoch, das Team ist auf dem richtigen Weg“, sagte Vettel, der erneut Titelverteidiger Lewis Hamilton im Mercedes herausfordert, sich aber auch teamintern stellen muss.

Mini-Senna und Ferrari Youngster LeClerc überzeugte bereits bei don Vortests in Barcelona. Nicht wenige sehen im Duell Vettel vs. LeClerc das Sahnehäubchen der 2019er Saison, in das sich ein weiterer Pilot von Beginn an einmischen wird. Lewis Hamilton wird aus seinem Mercedes wieder alles herauskitzeln. Mercedes-Teamchef Toto Wolff formulierte es so: „Angesichts der Eindrücke aus Barcelona erwartet uns in Melbourne ein harter Kampf. Aber in einer Formel 1-Saison kommt es nicht nur darauf an, wer am besten aus den Startblöcken kommt. Unter einem neuen Reglement wie in diesem Jahr geht es auch darum, wer sich am besten an die neuen Regeln, die neuen Reifen und die neuen Herausforderungen anpasst, die wir in dieser Saison meistern müssen. Am Ende wird das anpassungsfähigste und agilste Team an der Spitze stehen. Wir haben in der Vergangenheit bewiesen, dass wir schnell und flexibel sind und dass wir gut mit Überraschungen umgehen können. Wir sind bereit für den Kampf und freuen uns im Laufe der neuen Formel 1-Saison auf eine verrückte Achterbahnfahrt!“

Überschattet wurde der Saisonstart allerdings vom plötzlichen Tod des F1 Renndirektors Charley Whiting. Der Brite starb am Donnerstag im Alter von 66 Jahren in Melbourne an einer Lungenembolie, wie der Motorsport-Weltverband FIA mitteilte. Noch am Tag vor seinem Tod war Whiting in Australien im Fahrerlager gewesen und hatte die Vorbereitungen auf das Auftaktrennen überwacht. „Die Formel 1 hat in Charlie einen treuen Freund und charismatischen Botschafter verloren“, sagte FIA-Präsident Jean Todt. Die Rennställe und Piloten zeigten sich in tiefer Trauer und würdigten die wichtige Rolle Whitings in der Königsklasse. Seit 1997 war er als Renndirektor für den organisatorischen Ablauf aller Grand Prix, die Sicherheit und die Klärung technischer Streitfragen verantwortlich. Formel-1-Sportchef Ross Brawn reagierte tief betroffen auf die Nachricht vom Tod seines Freundes: „Das ist nicht nur für mich ein großer Verlust, sondern für die ganze Formel-1-Familie, die FIA und den gesamten Motorsport!“

Mögen die Spiele beginnen! Und wenn es langweilig wird.. keine Sorge! In gut zwei Stunden ist so ein Grand Prix vorbei. Das hält Mann, Frau oder *d* doch durch! Oder?

Fotos (c) Daimler AG