WRC Mexiko: Die Nachlese!

Der erste Schotterlauf der diesjährigen Rallye-Weltmeisterschaft war eine spannende und staubige Angelegenheit. Sebastien Ogier und Citroen waren die Schnellsten, doch Toyota verteidigte die Gesamtführung. Ford M-Sport holte sich einen großartigen dritten Platz. Hyundai kämpfte aufopferungsvoll, enttäuschte am Ende aber doch!

Mit einem zweiten Platz bei der Rallye Mexiko verteidigte Ott Tänak seine Führung in der FIA Rallye-Weltmeisterschaft. Nach dem Sieg in Schweden und dem dritten Rang in Monte Carlo meisterte der schnelle Este im Toyota Yaris WRC die anspruchsvolle Hitze- und Höhenrallye genauso wie seine beiden Teamkollegen, die unter den besten Acht weitere wertvolle Punkte sammelten. Das Toyota Gazoo Racing World Rally Team konnte dadurch den Vorsprung in der Herstellerwertung sogar ausbauen. Nachdem Tänak am Freitag zum ersten Mal in seiner WM-Karriere als Tabellenführer den den Straßenkehrer spielen musste, schob er sich über das Wochenende sukzessive nach vorne. Mit zwei erfolgreichen Wertungsprüfungen am Sonntag eroberte er gemeinsam mit Copilot Martin Järveoja Platz zwei und hielt ihn bis ins Ziel – trotz eines Reifenschadens, der Bonuspunkte auf der abschließenden Power Stage verhinderte.

Kris Meeke zeigte bei seiner ersten Schotterrallye im Toyota Yaris WRC eine starke Leistung und übernahm am Samstagmorgen sogar kurzzeitig die Führung, ehe ihn ein Reifenschaden zurückwarf. In der Gesamtwertung reichte es noch für den fünften Platz, wozu auch die Power Stage beitrug, wo Meeke als Zweiter vier Bonuspunkte sammelte und die Bestzeit nur um eine Zehntelsekunde verpasste. Meeke machte sich in Mexiko allerdings nicht nur Freunde. Nach dem Abbruch der Prüfung Guanajuatito am Samstagmorgen stänkerte Meeke gegen Citroen. Nach Lappis Ausfall stoppten die Verantwortlichen die Prüfung just in dem Moment, als sich Ogier einen Reifenschaden einhandelte. Meekes Verdächtigung: Lappi hätte absichtlich einen Notfall gemeldet un seinem Teamkollegen Ogier nach dem Reifenschaden zu helfen. Citroen reagierte dennoch gelassen und Teamchef Pierre Budar reagierte entsprechend. „Ich werde Kris Aussagen nicht kommentieren. Das ist natürlich kompletter Unfug. Die rote Flagge zu zeigen, war Entscheidung des Rennleisters. Esapekka hat den grünen Knopf gedrückt und nicht den roten. Das kann man auf den Daten klar sehen!“ Meeke zeigte in Mexiko ein wenig Nerven. Einen Fehler, den sich der Toyota-Pilot nicht zu häufig leisten sollte.

Für Jari-Matti Latvala und Beifahrer Miikka Anttila blieb nach dem Restart der Rallye aufgrund eines technischen Fehlers und einer Reparatur vor der letzten Etappe nur Rang acht. „Es war eine sehr schwierige Rallye für die Fahrer, Ingenieure und Mechaniker, aber wir haben uns hier im Vergleich zu den beiden Vorjahren deutlich verbessert“, freute sich Teamchef Tommi Mäkinen. „Es gab keine Probleme mit den Kühlpaketen und die Leistung war stark. Ott war zum ersten Mal problemlos unterwegs und ich denke, er hat das Maximum aus der Situation herausgeholt. Kris und Jari-Matti hatten Pech, aber sie kämpften weiter und holten einige Punkte, was uns in der Meisterschaft hilft!“

M-Sport Ford lieferte mit Elfyn Evans in Mexiko eine fehlerfreie Leistung ab. Der 30-Jährige Waliser fuhr gemeinsam mit seinem Beifahrer Scott Martin nach einem intensiven Duell mit dem aktuellen Tabellenführer Ott Tänak auf den dritten Platz. Die Schotter-Rallye in den Höhenlagen des nordwestlich gelegenen Bundesstaats Guanajuato zählt zu den anspruchsvollsten Veranstaltungen im WM-Kalender. Auch in diesem Jahr mussten zahlreiche Teilnehmer den schwierigen Bedingungen Tribut zollen. Evans kam mit seinem rund 380 PS starken Turbo-Allradler, dank einer großartigen Vorstellung, ohne Probleme durch. Für den Sieger der WM-Rallye Wales von 2017 war es das achte Top-3-Ergebnis am Steuer eines World Rally Cars und das erste, das er gemeinsam mit seinem 36 Jahre alten Copiloten errungen hat. Der Ford Fiesta WRC blickt jetzt auf 29 Podiumsresultate zurück und hat einmal mehr unter Beweis gestellt, dass er auf jeder Fahrbahnqualität konkurrenzfähig ist.

Evans verteidigte über weite Strecken des 21 Wertungsprüfungen umfassenden WM-Laufs die zweite Position. Erst beim zweiten Durchgang über die für ihren besonders rutschigen Schotter gefürchtete WP 14 Otates musste er Tänak ziehen lassen. Teemu Suninen und Beifahrer Marko Salminen hatten die Rallye Mexiko bereits nach der ersten WP des Freitagmorgens beendet. Die Finnen trafen in einer Kurve einen Stein, der eine Vorderradaufhängung beschädigte und zu einem Ausrutscher führte. Dabei wurde ihr Fiesta WRC stark in Mitleidenschaft gezogen und konnte an Ort und Stelle nicht mehr repariert werden.

„Wir wussten, dass wir bei der Rallye Mexiko eine gute Chance auf ein Topergebnis haben“, betont M-Sport-Teamchef Richard Millener. „Elfyn Evans und Scott Martin lieferten eine wirklich starke Vorstellung ab. Sie gehörten zu den ganz wenigen Crews, die sich keinen Fehler erlaubten, und konnten das Potenzial unseres Ford Fiesta WRC auch auf Schotter aufzeigen. Dies werte ich als klaren Beweis, dass wir mit unserem fortlaufenden Entwicklungsprogramm für das Auto den richtigen Kurs verfolgen. Leider haben wir am Samstagnachmittag auf einer einzigen Prüfung relativ viel Zeit verloren, der zweite Platz in der Gesamtwertung lag für uns zum Greifen nah – aber so geht es im Rallye-Sport eben manchmal zu. Dieses Podiumsergebnis belohnt das gesamte Team für seinen beeindruckenden Einsatz. Für Teemu Suninen lief es leider nicht ganz so gut, seine Rallye war sehr früh beendet. Der Kontakt mit einem Stein auf der Straße katapultierte ihn bei hoher Geschwindigkeit ins Aus. Dabei wurde sein Auto vorne rechts zu stark beschädigt, als dass wir dies hier in Mexiko hätten reparieren können.“

Hyundai Motorsport und Thierry Neuville mussten sich mit dem vierten Platz begnügen. „Dies sind nicht die Ergebnisse, die wir bei WRC-Veranstaltungen erzielen wollen, aber wir können nicht frustriert oder gar enttäuscht sein“, sagte Hyundai Teamdirektor Andrea Adamo. „Unsere Rally México war vom Eröffnungstag an beeinträchtigt, und seitdem ging es um Schadensbegrenzung!“ Was war passiert?

Nach einem motivierten Start holten Andreas Mikkelsen und Copilot Anders Jaeger in der Eröffnungsschleife am Freitag zwei Etappensiege und führten die Rallye an. Leider war die Crew bei der Wiederholung der Etappe von El Chocolate gezwungen, aufgrund des bei einer Kollision mit einem Stein erlittenen Schadens aufzugeben. „Es ist wichtig, dass wir die vielen positiven Punkte dieses Wochenendes im Auge behalten“, sagte Andreas Mikkelsen. „Die Leistung des i20 Coupe WRC entsprach viel mehr meinen Vorstellungen, und dies spiegelte sich in unseren konkurrenzfähigen Etappenzeiten am Freitag wider!“ Dani Sordo und Carlos de Barrio bewiesen ebenfalls das Potenzial, eine Rallye anzuführen, hielten den zweiten Platz, bevor sie ein Problem mit der Elektrik auf dem Straßenabschnitt der Ortega-Etappe am Nachmittag stoppte.

Thierry Neuville und Co Nicolas Gilsoul kämpften am Freitag auf der ersten Etappe mit einem schleichender Plattfuß und fielen auf den neunten Platz zurück. Neuville und Gilsoul kämpften beharrlich dagegen an und beendeten den Eröffnungstag mit einem Etappensieg. Die Belgier machten weiter Boden gut, als sie sich am Samstagabend an weiteren Etappensiegen erfreuten. Andreas Mikkelsen führte auf der V-Power Shell Stage im Autodromo León das Trio an, bevor Dani Sordo bei der Wiederholung der Straßenetappe von León die Führung übernahm. Neuvilles Fazit nach der Rallye war eindeutig: „Das war nicht das Wochenende, das wir wollten. Ab dem Platten am frühen Freitagmorgen, und mit unserer Startposition, war es vom Anfang bis zum Ende eine wirklich herausfordernde Veranstaltung. Wir müssen diese Rallye ad acta legen und uns für Korsika neu aufstellen!“

Mit der Tour de Corse steht vom 28. bis 31. März die erste echte Asphalt-Rallye der Saison an: Auf den kurvigen Straßen der französischen Insel Korsika warten lange, bergige Etappen, die von Felswänden auf der einen Seite und steilen Abgründen auf der anderen Seite gesäumt sind. Zahlreiche Wechsel der Oberfläche bilden eine zusätzliche Herausforderung. Auf Korsika setzt Hyundai wieder auf die Dienste von Sebastien Loeb. Andreas Mikkelsen wird pausieren müssen!

Fotos (c) Ford Werke GmbH, M-Sport Ford, Hyundai Motorsport GmbH, Toyota GAZOO Racing WRT