IMSA Rolex 24: Alex Zanardi bittet zum Tanz!

Nach seinem erfolgreichen DTM-Gaststart in Misano steht das nächste Highlight für Alessandro Zanardi kurz bevor: In gut zwei Wochen, am 26./27. Januar, wird der BMW Werksfahrer im BMW M8 GTE des BMW Team RLL das 24-Stunden-Rennen von Daytona bestreiten!

Für Zanardi bedeutet dies die Umstellung auf ganz andere Herausforderungen: vom Sprint- auf Langstreckenrennen, vom BMW M4 DTM in den BMW M8 GTE und vom Rennfahren allein zum gemeinsamen Start mit Teamkollegen. Dennoch war der DTM-Gaststart im BMW M4 DTM der perfekte Testlauf für die Road to Daytona. Die beiden DTM-Rennen in Misano gingen über je 55 Minuten plus eine Runde – in Daytona wartet nun ein Marathon zweimal rund um die Uhr auf Zanardi. Egal ob Sprint oder Langstrecke, der Italiener liebt beides. „Es wäre, als ob man gefragt wird, ob man Fisch oder Fleisch mag. Ich habe das Privileg, beides zu tun. Für mich ist es immer ein Geschenk, Teil eines professionellen Rennteams zu sein und so tolle Autos wie den BMW M4 DTM oder den BMW M8 GTE zu fahren“, sagt er. Bei seinem DTM-Gastauftritt in Misano war Zanardi im Cockpit auf sich allein gestellt. Trotz schwierigster Bedingungen mit Regen und Dunkelheit fuhr Zanardi im Sonntagsrennen in Misano auf den hervorragenden fünften Platz. Eine sensationelle Leistung – und er rechnet damit, dass es über die Distanz des 24-Stunden-Rennens in Daytona „theoretisch sogar einfacher für mich sein sollte, auf dem notwendigen Niveau meine Performance zu bringen, als auf einer einzelnen Runde, auf der man gegen sehr talentierte und schnelle Mittzwanziger antritt!“ Dass er in Misano dennoch ein sehr starkes Resultat geholt hat, sei hoffentlich ein gutes Omen für Daytona.

Beim 24-Stunden-Rennen in Daytona ist Zanardi Teil eines Quartetts und wechselt sich am Steuer mit seinen Kollegen John Edwards, Jesse Krohn und Chaz Mostert ab. „In Misano hatte ich diesen Hauch von Unabhängigkeit und Selbstbezogenheit, um mein Ego zu befriedigen“, sagt Alex schmunzelnd. „Doch nun bereiten wir uns auf dieses neue fantastische Abenteuer vor. Ich weiß, dass es sehr großen Spaß macht, sich das Auto mit anderen Fahrern zu teilen. Diese Erfahrung habe ich bereits 2015 in Spa gemacht, als ich gemeinsam mit Bruno Spengler und Timo Glock das dortige 24-Stunden-Rennen bestritten habe. Und bis heute gehört dies zu einer der schönsten Erfahrungen in meiner Rennsportkarriere!“

Aus dem BMW M4 DTM in den BMW M8 GTE.

Der BMW M4 DTM ist ein reinrassiger Renn-Prototyp, 4,725 Meter lang, 1,950 Meter breit und mit einem Basisgewicht von 1.031 Kilogramm. „Was die Performance in der DTM angeht, werden 100 Prozent verlangt“, sagt Zanardi. „Man muss Vollgas geben und jede mögliche Performance aus dem Auto herausquetschen. Das Rennen dauert nur eine Stunde, also muss man es genauso angehen wie ein Qualifying. Und genau darauf ist der BMW M4 DTM ausgelegt. Jedes Detail wurde nur für den Einsatz im Rennsport entwickelt!“

Im Vergleich dazu hat der BMW M8 GTE einen Serien-Bruder: das BMW 8er Coupé. Die Entwicklung beider Fahrzeuge lief parallel, die BMW M Motorsport Ingenieure arbeiteten Hand in Hand mit ihren Kollegen aus der Serienentwicklung zusammen. Die BMW GT-Speerspitze ist 4,980 Meter lang, 2,050 Meter breit und wiegt 1.220 Kilogramm. Während der BMW M4 DTM Karbonbremsen hat, sind die Bremsscheiben im BMW M8 GTE aus Stahl. Für die BMW M Motorsport Ingenieure war es jedoch kein Problem, das spezielle Hebel-Bremssystem für Zanardi nach dem BMW M4 DTM nun auch in den GT-Rennwagen zu integrieren. Im Gegenteil: Das von vornherein für das Rennen in Daytona geplante System im DTM-Fahrzeug testen zu können, war sowohl für Zanardi also auch für die Ingenieure ein Glücksfall.

Und was sagt Zanardi über sein Arbeitsgerät für die 24 Stunden von Daytona? „Der BMW M8 GTE ist ein fantastisches Auto, vielleicht das hochwertigste, das ich jemals in meiner Karriere gefahren bin – und eine echte Schönheit. Vom Fahrgefühl her liegt er zwischen dem BMW M6 GT3 auf der einen und dem BMW M4 DTM auf der anderen Seite. Das Handling ist großartig, und die Ingenieure in München haben einen beeindruckenden Job gemacht, als sie die speziell auf mich ausgelegten Systeme in das Auto eingebaut haben!“

Alex Zanardi bittet bei den 24 Stunden von Daytona am 26./27. Januar zum Tanz. So nennt er den bis ins letzte Detail choreografierten und trainierten Fahrerwechsel zwischen ihm und seinen Fahrerkollegen im BMW M8 GTE mit der Startnummer 24. „Es ist ein Tanz, bei dem es darauf ankommt, alle Schritte in genau der richtigen Reihenfolge und in der begrenzten Zeit, die man zur Verfügung hat, zu machen“, beschreibt Zanardi. „Wir dürfen also keine einzige Sekunde verschenken!“

Um das sicherzustellen, feilt Zanardi gemeinsam mit den anderen Fahrern und dem gesamten BMW Team RLL permanent am perfekten Ablauf der Boxenstopps. Dafür nutzte das Team bereits die vergangenen Testfahrten intensiv, und das Training wird auch am Rennwochenende selbst noch weitergehen. Der Erfolg zeichnet sich bereits jetzt ab. „Natürlich mussten wir einige Abläufe auf meine speziellen Bedürfnisse abstimmen, und die anderen Fahrer müssen für mich ein wenig Extra-Arbeit leisten, aber es läuft sehr gut und macht viel Spaß“, sagt Zanardi und betont: „Wir sind schon jetzt besser, als ich es jemals für möglich gehalten hätte!“

So läuft ein Fahrerwechsel zwischen Zanardi und seinen Fahrerkollegen ab: Zanardi sitzt auf der Boxenmauer und erwartet dort das ankommende Fahrzeug. Dann schwingt er sich neben dem Fahrzeug auf den Boden und zieht sich hinein, sobald sein Fahrerkollege ausgestiegen ist und Zanardis Sitzeinlage in Position gelegt hat. Der Fahrerkollege hilft ihm dann auch beim Anschnallen. Es folgt der Wechsel des Lenkrads, das von einem zusätzlichen, von der IMSA zugelassenen Mechaniker gereicht wird. Beim Aussteigen zieht sich Zanardi zunächst aus dem Fahrzeug und dann auf die Boxenmauer. Erst hinter der Boxenmauer steigt er wieder in seinen Rollstuhl. Maximale Sicherheit hat auch hier höchste Priorität, und der gesamte Fahrerwechsel ist darauf abgestimmt. Damit Zanardi nach dem Aussteigen aus dem Auto den Gefahrenbereich in der Boxengasse schnellstmöglich verlassen kann, hat die IMSA zudem zugestimmt, dass der zusätzliche Mechaniker das Sicherheitsnetz und die Tür schließen darf. Diese Aufgaben erledigen normalerweise die Fahrer, die gerade ausgestiegen sind. Zanardi muss dies nicht tun, sondern kann in dieser Zeit bereits die Boxengasse über die Pitwall verlassen.

Den Fahrerwechsel schaffen Zanardi und seine Kollegen mittlerweile in unter 20 Sekunden – einer Zeit, die in Anbetracht der Dauer der Tankvorgänge keinen Nachteil gegenüber der Konkurrenz bedeutet. „Vor allem der Wechsel des Lenkrads kostet uns ein wenig Zeit“, erklärt Zanardi. „Aber ich bin beim Ein- und Aussteigen sehr schnell und kann das dadurch kompensieren!“

Fotos (c) BMW AG