Dakar 2019: Höhen und Tiefen bei Toyota!

Toyota Gazoo Racing erlebt in Peru alle Höhen und Tiefen der Mutter aller Rallyes. Während Nasser Al-Attiyah gestern erneut einen Etappensieg feiern kann und die Gesamtführung ausbaut, kommt es für die zweite Hilux Crew richtig dicke!

Giniel de Villiers und Dirk von Zitzewitz gehen als die blau-weißen-roter Engel der vierten Etappe ins Protokoll der Rallye Dakar 2019 ein. Nachdem die Dakar-Sieger von 2009 am Vortag hinter einem Teilnehmer der Quad-Wertung im dichten Staub einen Stein so unglücklich trafen, dass Unterfahrschutz und Ölwanne ihres Toyota Hilux barsten sowie Ölleitungen und -Filter beschädigt wurden, hatten sie mit den daraus resultierenden viereinhalb Stunden Zeitverlust auch ihre Gesamtsieg-Chancen eingebüßt. Von nun an ist das südafrikanisch-norddeutsche Duo als sogenanntes Chasecar ihrer Toyota-Teamkollegen Nasser Al Attiyah/Mattieu Baumel und Bernhard Ten Brinke/Xavier Panseri unterwegs – um bei Bedarf schnelle Pannen-Hilfe zu leisten. Reichlich Übergewicht für Extra-Ersatzteile und -Werkzeug inklusive. An Tag vier, der die Teilnehmer von Arequipa nach Tacna führte, waren ihre Mechaniker-Fähigkeiten bereits bei Kilometer 63 gefragt. Giniel und Dirk hielten für Ten Brinke/Panseri an, um ihnen bei der Reparatur eines Schadens am linken Hinterrad ihres Hilux zur Hand zu gehen. Der Zeitverlust von de Villiers/von Zitzewitz, die in den weiß-roten Farben von Toyota sowie im Blau von Sponsor Red Bull antreten – von Zitzewitz repräsentiert somit gleichzeitig die Landesfarben seiner Heimat Schleswig-Holstein –, summierte sich entsprechend um weitere 1:31 Stunden.

Um sich als schnelle Eingreiftruppe zu bewähren, war ein Kraftakt des Teams nötig: Bis fünf Minuten vor dem Verlassen des nächtlichen Biwaks dauerten die Reparaturen am Hilux von Giniel de Villiers und Dirk von Zitzewitz an – also die ganze Nacht hindurch. Um ihren Teamkollegen im Falle eines Falles zu Hilfe eilen zu können, wurde dem Pritschenwagen mit der #302 zusätzliche Ersatzteile und Werkzeuge zugeladen: Querlenker und Achsträger beispielsweise. Insgesamt summierte sich das Extra-Gewicht auf rund 75 Kilogramm. Gerade auf der sogenannten Marathon-Etappe ein womöglich praktischer „Rucksack“: Am Abend ist in diesem Fall der Service durch das Team nicht erlaubt, nur durch die Teilnehmer selbst, gegenseitige Hilfe inklusive.

Teamkollege Nasser Al-Attiyah dominierte erneut die vierte Etappe mit einer Zeit von 3 Stunden und 38 Minuten. Der gestrige Etappensieger Stéphane Peterhansel vom X-Raid Mini Jcw Team erzielte erneut eine starke Leistung und verlor nur knapp zwei Minuten auf Al-Attiyah. Der Katari hat sich in der Gesamtwertung gegenüber Peterhansel jetzt knapp 9 Minuten Vorsprung herausgearbeitet. Nasser sagte: „Ich bin heute ziemlich glücklich. Wir haben die Etappe gewonnen, aber es gibt vielleicht noch ein schnelleres Auto. Es war sehr wichtig, Stéphane zu fangen und den ganzen Weg bei ihm zu bleiben. Ja, ich bin ziemlich glücklich. Alles ist in Ordnung – es gibt keine Probleme. Später werden wir das Auto überprüfen. Es ist noch ein weiter Weg. Ich und Stéphane sind jetzt in Führung, und ich bin ziemlich glücklich, wir werden einfach so weitermachen!“

Red Bull Privatier Sebastian Loeb erlitt nach drei Reifenpannen 30 Minuten Zeitverlust, konnte sich aber als Fünfter gut behaupten und hatte im Ziel einen Rückstand von knapp 12 Minuten.
Carlos Sainz im X-Raid MINI Buggy erholte sich gut von der gestrigen Suspendierungskatastrophe, die ihn seinen Titel kostete und nach der vierten Etappe auf Rang 7 in den Top 10 blieb. Vor seinem Teamkollegen X-Raid Mini JCW, Cyril Desires, belegte er Platz acht.

Dakar 2019 Gesamtwertung nach der vierten Etappe
01. Nasser Al-Atiiyah/Matthieu Baumel (QA/FR), Toyota, 12:12.57 Std.
02. Stéphane Peterhansel/David Castera (FR/FR), Mini, 12:21.52 Std.
03. Joan „Nani“ Roma/Alex Haro Bravo (ES/ES), Mini, 12:33.48 Std.
04. Jakub Przygonski/Tom Colsoul (PL/BE), Mini, 12:35.14 Std.
05. Yazeed Al Rajhi/Timo Gottschalk (SA/DE), Mini, 12:37.56 Std.
06. Sébastien Loeb/Daniel Elena (FR/MC), Peugeot, 13:03.19 Std.
07. Cyril Despres/Jean-Paul Cottret (FR/FR), Mini, 13:03.28 Std.

Die fünfte Etappe führt heute von Tacna nach Arequipa. 450 Wertungskilometer sind zu bewältigen. Die Gesamtdistanz des Tages führt über 714 Kilometer. Hilux Navigator Dirk von Zitzewitz analysiert die Etappe mit treffenden Worten: „Ich denke, dass der Veranstalter A.S.O. uns vor dem Ruhetag wieder hart arbeiten lassen wird. Ein schwierige und fürs Material harte Etappe erwartet uns. Hier ist Taktik und Ruhe gefragt. Normalerweise sind 450 Kilometer nach „Dakar“-Standard nicht wirklich viel – aber in dem Gelände und als zweiter Teil der Marathon-Etappe sieht die Sache schon ganz anders aus – und es ist die längste Prüfung der Rallye. Hier wird uns nichts geschenkt.

Fotos (c) Toyota GAZOO Racing SA, Red Bull Content Pool