WRC Australien: Sechster Titel für Ogier?

Für die Freunde des Rallyesports wird das kommende Wochenende der Höhepunkt des Jahres. Im WM-Finale kämpfen Toyota und Hyundai um die Herstellerkrone. Selbst Ford hat noch Aussenseiterchancen. Doch richtig spannend wird der Kampf um den Fahrertitel. Ott Tänak und Thierry Neuville jagen Sebastien Ogier, der mit einem Dreipunktevorsprung nach Australien reist!

Die Weichen für eines der spannendsten Finale in der Geschichte der Rallye-Weltmeisterschaft sind gestellt: Mit ihrem Ford Fiesta WRC gehen die amtierenden Champions Sébastien Ogier/Julien Ingrassia als Tabellenführer an den Start der Schotter-Rallye Australien. Erst beim vorletzten Saisonlauf in Spanien konnten sich die beiden Franzosen wieder an die Spitze der Fahrer- und Beifahrerwertung setzen. Vor dem großen Show-down rund um Coffs Harbour verteidigen sie einen Vorsprung von lediglich drei Punkten auf ihren Herausforderer, den Hyundai-Piloten Thierry Neuville. Auch das Team M-Sport Ford besitzt rein rechnerisch noch Chancen auf die Verteidigung des Herstellertitels. Mit dem Ford Fiesta World Rally Car belegt M-Sport in der Tabelle mit 25 Punkten Rückstand aktuell den dritten Rang. Als WM-Führende müssen Ogier und Copilot Ingrassia auf den acht Wertungsprüfungen der ersten Etappe jeweils als Erste auf die harten Schotterpisten – ein Umstand, der ihnen speziell bei sommerlich-trockenen Bedingungen zum Nachteil gereichen kann: Die Schotterstrecken rund um das Rallye-Zentrum in Coffs Harbour an der Goldküste zwischen Brisbane und Sidney sind berüchtigt für ihren dicken Staubbelag. Er handicapt die frühen Starter besonders stark, während nachfolgende Teilnehmer bereits eine saubere Spur vorfinden. Setzt Regen ein, verwandeln sich die Wege in heimtückische Rutschbahnen. Mit ihrem Mix aus schnellen, harmonisch geschwungenen Abschnitten entlang des Meeres und engen, sehr technischen Passagen durch den Regenwald im Landesinneren, die oftmals nur im Millimeterabstand an massiven Bäumen vorbeiführen, besitzt die Rallye Australien einen ganz eigenen Charakter. Staubbildung in den Wäldern und Sonnenstrahlen, die wie ein Stroboskop-Licht durch die Baumkronen brechen, können erschwerend hinzukommen.

„Ich kann mich nicht erinnern, wann wir zuletzt einer so knappen und spannenden WM-Entscheidung beim Finallauf entgegen geblickt haben“, betont M-Sport-Teamchef Malcolm Wilson. „Das ist Rallye-Sport, wie er im Idealfall sein sollte. Ich bin enorm gespannt, wie sich das Geschehen in Australien entwickelt. Sébastien Ogier und Julien Ingrassia gehen als Tabellenführer an den Start, auch wenn ihr Vorsprung nur drei Punkte beträgt. Als fünffache Weltmeister wissen sie aber, wie Titel gewonnen werden, und nach drei Siegen in Australien kennen sie sich auch mit den dortigen Bedingungen ganz gut aus. Das ganze Team steht geschlossen hinter ihnen. Wir alle wollen, dass unsere gemeinsame Zeit mit dem bestmöglichen Ergebnis endet. Auch im Kampf um die Hersteller-Weltmeisterschaft besitzen wir noch eine mathematische Chance und wer weiß – im Rallye-Sport ist alles möglich. Elfyn Evans und Teemu Suninen sind schon ganz scharf darauf, mit starken Resultaten ihren Beitrag zu leisten, es noch möglich zu machen.“ Ein Selbstläufer wird das Saisonfinale für Sebastien Ogier und Julien Ingrassia deswegen aber bei weitem nicht: Als Erste auf dem losen australischen Schotter stehen sie vor einer schwierigen Aufgabe. Dennoch sind es nicht Ogier und Ingrassia, die beim Finale angreifen müssen. Mit einem vierten Sieg bei dem Rallye-Klassiker am anderen Ende der Welt wären alle Rechenspiele erledigt – dann käme es auch nicht mehr darauf an, wie viele WM-Punkte sein belgischer Konkurrent Thierry Neuville auf der abschließenden Power-Stage am Sonntagmittag erringen kann.

„Im Kampf um den Titel könnte es kaum enger zugehen“, bestätigt Ogier. „Wir liegen vor dem letzten Lauf in Australien mit drei Punkten vorne – das ist eine gute Ausgangsbasis verglichen mit dem 23-Punkte-Rückstand, dem wir noch zwei Rallyes zuvor gegenüberstanden. Der Druck liegt jetzt auf unseren Kontrahenten, die aufholen müssen. Klar wissen wir, dass uns als Erste auf der Strecke keine einfache Aufgabe bevorsteht. Aber wir sind bereit für die Herausforderung, im Rallye-Sport kann alles passieren. Wir konnten in den vergangenen Jahren in Australien tolle Erfolge feiern, dies möchten wir am kommenden Wochenende fortsetzen. Wir wollen zwei tolle Jahre mit Malcolm Wilson und seinem Team auf die bestmögliche Weise krönen.“ Für Ogier, der in der nächsten Saison zu Citroen wechselt, wäre der sechste WM-Titel die erneute Krönung einer äußerst erfolgreichen Karriere.

WRCplus überträgt kostenpflichtig alle Wertungsprüfungen live. Red Bull TV ist auch in Australien vor Ort und überträgt die Live Stage am 17. November um 01:45 Uhr MEZ. Die Tageszusammenfassung gibt es bei Red Bull TV am 16., 17. und 18. November jeweils ab 12:00 Uhr MEZ!

Doch auch Hyundai Motorsport will mit Thierry Neuville den Titel. Für das Team aus Alzenau und den Mann aus St. Vith wäre es der erste WM-Titel. Doch alle Beobachter wissen: In Australien steht viel auf dem Spiel! Lediglich drei Punkte trennen Neuville von Ogier. In der Herstellerwertung liegt Hyundai 12 Punkte hinter Toyota. „Wir befinden uns in einem unglaublich intensiven Kampf um die Meisterschaft, sagte Thierry. „Alle Hersteller und Crews hatten in dieser Saison Höhen und Tiefen. Wir müssen dies alles hinter uns lassen und uns auf ein perfektes Wochenende in Australien konzentrieren!“ Die staubigen Schotter- und Waldpisten bieten allen Crews eine hinreichend geeignete Arena. Insgesamt 24 Zeitprüfungen erstrecken sich über eine Gesamtlänge von 318,64 km auf einer gegenüber dem Vorjahr stark veränderten Strecke. Hyundai Motorsport wird drei Hyundai i20 Coupe WRC in die letzte Runde der Saison schicken, einer Veranstaltung, die Thierry Neuville vor zwölf Monaten gewinnen konnte. Neben Thierry und Nicolas werden Andreas Mikkelsen/Anders Jaeger und Hayden Paddon/Seb Marshall antreten; Letztere belegten 2017 in Australien den dritten Platz. „Ich freue mich, in Australien wieder im i20 Coupe WRC unterwegs zu sein“, sagte Hayden. „Wir haben im Verlauf dieser Saison unseren Leistungsgrad gesteigert, so dass wir hoffentlich auf einem Hoch abschließen können!“ Andreas Mikkelsen ist hinsichtlich Erfolge in Australien auch kein Unbekannter. „Sie war für uns immer eine gute Rallye“, sagte der Norweger. „Wir gewannen 2016 und führten 2017 mit Hyundai nach dem ersten Tag. Wir haben nicht die gewünschte Saison gehabt, weshalb ich das Jahr mit einem starken Ergebnis abschließen möchte!“

Thierry Neuville und Nicolas Gilsoul werden sich bestimmt nicht zurückhalten: „Vor zwölf Monaten gewannen wir aus der zweiten Startposition heraus, und wir zielen auf das gleiche Ergebnis ab. Das wird die beste Art und Weise sein, den Titel zu holen!“

Citroen Racing wird beim WRC-Finale keine Rolle im Titelkampf spielen. Die Equipe wird fro sein, das die durchwachsene Saison endlich beendet ist. Nach dem Sieg von Sebastien Loeb in Spanien kehrt nun wieder die Normalität ein. Mads Östberg und Craig Breen sind aber motiviert genug, um im Kampf um die Podestplätze ein Wörtchen mitreden zu können. Beide werden auf die Erfahrungen mit dem Citroën C3 WRC zurückgreifen können, der 2017 in Australien nicht nur lange ums Podium gekämpft hat, sondern auch in der aktuellen Saison seine Wettbewerbsfähigkeit beweisen konnte. Obwohl Craig Breen 2017 zum ersten Mal in Australien antrat, konnte er bis vier Wertungsprüfungen vor dem Ende den vierten Platz verteidigen. Sein Teamkollege Mads Östberg musste die Rallye Australien zwar 2017 auslassen, doch der Norweger startete in der Vergangenheit bereits dreimal in Downunder. Er weiß, wie wichtig es ist, gleich von Beginn an das Tempo der Spitze mitzugehen. Mads Östberg könnte in Australien bei trockenen Bedingungen seine späte Startposition als elfter Starter nutzen und von den sauber gefahrenen Schotterstrecken profitieren. Sollte es jedoch regnen, werden die Strecken extrem rutschig, damit wäre eine frühe Startposition von Vorteil.

Für Citroen zählt die Zukunft! Mit Sebastien Ogier und Esapekka Lappi hat sich die Equipe für 2019 gezielt verstärkt. Die Rallye-WM bleibt also auch im nächsten Jahr spannend!

Die Rallyefans dürfen sich am Wochenende auf ein Megaspektakel freuen. Möge das beste Team gewinnen!

Fotos (c) Citroen Racing, Ford Werke GmbH, Hyundai Motorsport GmbH