F1 Sao Paulo: Noch ein Pokal!

Mexiko war für das Mercedes F1-Team ein bittersüßes Wochenende. Auf der einen Seite freue ich mich für Lewis. Er ist der beste Fahrer seiner Generation und mit seinem fünften Weltmeistertitel in der Formel 1 steht er mit den Größten in unserem Sport auf einer Stufe. Auf der anderen Seite konnte man mit der Rennperformance in Mexiko nicht zufrieden sein. Das Qualifying sah vielversprechend aus, aber schon nach einigen Rennrunden machten sich große Schwierigkeiten mit den Reifen bemerkbar. Das Team hat sofort nach dem Rennen mit der Analyse dieser Probleme begonnen und Fortschritte beim Verständnis für diese Herausforderungen und deren Ursache gemacht. Es ist wichtig, dass alle diese Lehren anzuwenden, um sich in Brasilien gestärkt zurückzumelden.

Das Ziel für diese Saison war es, beide Weltmeisterschaften zu gewinnen, nicht nur den einen oder den anderen Titel. Deshalb hat Mercedes in Sao Paulo noch eine unvollendete Aufgabe zu lösen. In der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft wartet ein harter Kampf. Die Silberpfeile haben an den vergangenen Rennwochenenden Boden auf Ferrari verloren, obwohl sie die Basis-Performance hatten, um besser abzuschneiden. Jetzt muss man mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben, sich klar auf die Ziele konzentrieren und Vertrauen in Abläufe und das Personal haben. Klar, sowohl Lewis als auch Valtteri sind fest entschlossen, die Saison jeweils positiv abzuschließen. Auch als Team will man das Jahr erhobenen Hauptes mit zwei Leistungen beenden, die dem Performance-Niveau aus diesem Jahr entsprechen. In Sao Paulo beginnt die Jagd auf den Konstrukteurs-Titel. Noch ein Pokal muss her!

Für Sebastian Vettel und Ferrari bleibt nur die Flucht nach vorn. Mit dem Gewinn der Konstrukteurswertung könnte die Scuderia ein Zeichen in Richtung Zukunft setzen. „Wir werden versuchen, Mercedes dort vom Thron zu stoßen“, sagte Vettel vor dem Großen Preis von Brasilien am Sonntag. „Wir wollen ihnen damit einen Vorgeschmack für das nächste Jahr geben!“ Denn so sehr sich diese Saison 2018 mit der nächsten Niederlage gegen Lewis Hamilton auch einreiht in die Pleiten der vergangenen Jahre, etwas ist doch anders: Ferrari hat in der Schlussphase noch immer Chancen, die Saison als bester Konstrukteur zu beenden.

In den vergangenen Jahren der Mercedes-Dominanz hatte sich diese Hoffnung stets schon im Oktober zerschlagen, nun könnte die Entscheidung sogar erst beim Saisonfinale in Abu Dhabi am 25. November fallen. Und das ist dann doch ein Beleg für die neue Stärke der Scuderia und damit ein Mutmacher: Am Auto lag es in diesem Jahr nicht, das war in der Mehrzahl der Rennen sogar besser als der Silberpfeil. Die Fahrer-WM verlor Ferrari durch Fehler von Vettel und des Kommandostandes. „Wir haben weiterhin viel zu lernen, wir müssen die richtigen Schlüsse ziehen“, sagt der Heppenheimer: „Wir haben riesiges Potenzial, das noch immer nicht komplett genutzt wurde.“ Dass Vettel auch 2019, in seinem fünften Jahr in Rot, mit voller Motivation dem Titel nachjagen wird, steht für ihn daher außer Frage. „Ich darf mich bei jedem Rennen in das Auto meiner Träume setzen“, sagt er, „also gibt es vieles, worauf ich mich freuen kann.“ Übrigens: Michael Schumacher holte in seinem fünften Jahr bei den Roten den ersten Titel – und ließ vier weitere folgen. Für einen Triumph in der Konstrukteurs-WM braucht Ferrari nun zwei äußerst erfolgreiche Rennen in Sao Paulo und Abu Dhabi. 55 Punkte beträgt der Rückstand auf Mercedes, noch 86 Zähler sind maximal zu gewinnen. Allerdings machen die jüngsten Eindrücke Mut.

Denn Mercedes ist längst nicht mehr so stark wie im September und Anfang Oktober. In dieser Zeit leitete Hamilton mit vier Siegen in Serie seinen erneuten Titelgewinn ein, schon in den USA und in Mexiko fielen die Silberpfeile dann aber deutlich ab. Bezeichnend, dass Hamilton die WM letztlich mit einem vierten Platz in Mexiko-Stadt klarmachte. Auch in Brasilien ist denkbar, dass Mercedes nicht nur mit Ferrari sondern erneut auch mit Red Bull zu kämpfen hat. Einen derart schwachen Saisonabschluss, womöglich sogar den erstmaligen Verlust der Team-WM nach vier Jahren, wollen die einstigen Seriensieger mit allen Mitteln verhindern.

„Wir wollen uns doch nicht über die Ziellinie dieser Saison schleppen“, sagt Technikchef James Allison: „Wir wollen in Brasilien aus allen Rohren feuern. Und natürlich gewinnen.“ Die Saison ist längst noch nicht vorbei!

Fotos (c) Daimler AG, Ferrari