WRC Spanien: Ein historischer Sieg!

Die Rallye Spanien, der vorletzte WM-Lauf der Saison, endete mit einem packenden Finish und einem historischen Sieg. Sebastien Loeb entschied die Rallye für sich. Sebastien Ogier, Thierry Neuville und Außenseiter Ott Tänak kämpfen beim letzten Saisonlauf genauso um den Titel wie Toyota und Hyundai um die Herstellerwertung. Die spannendste WRC-Saison seit langem steuert ihrem Höhepunkt entgegen!

Nach einem meisterlichen Reifenpoker am letzten Tag der Rallye Spanien feierten Sébastien Loeb und Copilot Daniel Elena im Citroën C3 WRC den 79. Sieg ihrer Rallye-WM-Karriere. Für Citroën war es der erste Saisonsieg in der FIA-Rallye-Weltmeisterschaft und der 99. Erfolg insgesamt. Damit blieb die französische Marke zum zweiten Mal in Folge in Spanien ungeschlagen. Craig Breen/Scott Martin fuhren auf Platz neun, Khalid Al Qassimi/Chris Patterson beendeten die Rallye im dritten Citroën C3 WRC auf dem 21. Platz. Als auf der letzten Etappe Regen fiel, schien es die sicherste Option, sich für weiche Michelin-Slicks zu entscheiden. Doch das Citroën Total Abu Dhabi WRT zeigte erneut seine Fähigkeiten, die Wetterlage genau zu analysieren. Im Gegensatz zu den Rivalen sagten die Wetterexperten des Teams korrekt voraus, dass die Strecken abtrocknen würden. Daher entschied sich Citroën-Pilot Sébastien Loeb für harte Slicks, nutzte sie perfekt und fuhr zwei Bestzeiten in Folge. Den Service am Sonntagmittag erreichte der Franzose als Gesamtführender mit 7,1 Sekunden Vorsprung. Als Loeb im berühmten Kreisverkehr von Riudecanyes kurz den Motor abwürgte, konnte Gegenspieler Sébastien Ogier vor der letzten Wertungsprüfung bis auf 3,6 Sekunden herankommen. Doch der neunmalige Rallye-Weltmeister Sébastien Loeb blieb vorn und errang fünf Jahre nach seinem letzten Triumph den 79. Sieg seiner WRC-Karriere. Nach drei Podiumserfolgen in Schweden, Mexiko und Finnland war es der erste Saisonsieg für Citroën.

Craig Breen, der nach Drehern an den Tagen zuvor weit zurückgefallen war, konzentrierte sich auf der letzten Etappe darauf, wieder Selbstvertrauen aufzubauen, und belegte den neunten Platz. Unterdessen profitierte Khalid Al Qassimi im dritten Citroën C3 WRC von den beständigeren Streckenbedingungen und beendete die Rallye ohne größere Schwierigkeiten auf dem 21. Platz.

Für Sebastien Loeb war sein 79. WRC Erfolg ein unglaubliches Gefühl, wie er im Ziel zu Protokoll gab: „Es war so toll, dass ich es geschafft hatte, nach diesen Jahren wieder vorn dabei zu sein. Denn die anderen Fahrer haben ja nicht geschlafen, als ich weg war, und sie haben hier immer Druck gemacht. Es war vielleicht sogar mein schönster Sieg und ein verdienter Erfolg für das Team!“

Mit einem hervorragenden zweiten Platz in der Gesamtwertung und der zweitschnellsten Zeit auf der abschließenden Power Stage haben Sébastien Ogier und Beifahrer Julien Ingrassia mit dem Ford Fiesta WRC beim vorletzten Saisonlauf der Rallye-Weltmeisterschaft wieder die Tabellenführung übernommen. Die französischen Titelverteidiger schrammten in Spanien nach 18 Wertungsprüfungen über eine Distanz von 331,58 Kilometer nur um 2,9 Sekunden an ihrem fünften WM-Laufsieg des Jahres vorbei. Im Gegenzug gelang ihren Teamkollegen Elfyn Evans/Daniel Barritt auf den letzten Metern das Kunststück, mit einem Vorsprung von 0,5 Sekunden noch den dritten Podiumsrang zu erobern. Ogier und Ingrassia reisen mit einem Dreipunktepolster zum Schotterfinale nach Australien. „Ein großartiges Wochenende: zwei Fiesta WRC auf dem Podest sowie Sébastien Ogier und Julien Ingrassia zurück an der Tabellenspitze – diese Rallye-WM-Saison ist so spannend wie nie. Wir dürfen uns auf ein tolles Finale in Australien und über eine faszinierende Ära dieses Sports freuen. Die Gewinner stehen schon jetzt fest: Es sind die Fans!“, betont M-Sport-Teamchef Malcolm Wilson. „Die Bedingungen hier in Spanien entwickelten sich wie erwartet sehr wechselhaft, aber Sébastien und Julien ließen sich davon ebenso wenig beeindrucken wie von ihrer ungünstigen Startposition auf den Schotterprüfungen des Freitags. Als es ab Samstag auf Asphalt ging, haben sie weiter voll angegriffen – auch wenn wir in puncto Reifenwahl nicht jedes Mal zu 100 Prozent richtig lagen. Sie gaben nie auf und wurden dafür mit einem hervorragenden Resultat belohnt. Auch Elfyn Evans hat uns mit einer wirklich starken Performance überzeugt. Gemeinsam mit seinem Beifahrer war er auf beiden Untergründen konkurrenzfähig und zur Stelle, als es am Ende darauf ankam. Den dritten Platz haben er und das Team sich zu Recht verdient. Für Teemu Suninen erwies sich die Rallye Spanien als schwierig. Wir wissen, wie viel Zeit nötig ist, um einen jungen Fahrer an die Weltspitze heranzuführen. Er hat unter den unterschiedlichsten Bedingungen wieder eine Menge gelernt und sich schon im Laufe des Wochenendes deutlich verbessert.“


Mit großem Kampfgeist gingen Sébastien Ogier und Julien Ingrassia in den letzten Tag der WM-Rallye Spanien, entschieden sich für die morgendliche Schleife aber für eine zu konservative Reifenwahl – im Gegensatz zu ihrem Landsmann Sébastien Loeb, der bei seinem WM-Gastspiel ein mutiges und glücklicheres Händchen bewies. Vor den letzten beiden Prüfungen lag Ogier mehr als zehn Sekunden hinter seinem Landsmann zurück, setzte aber auf Attacke und kam noch einmal bis auf 2,9 Sekunden heran. Dabei fuhr er auf der abschließenden Power Stage die zweitschnellste Zeit, wofür er mit vier weiteren WM-Punkten belohnt wurde. Sein Titelkonkurrent Thierry Neuville erreichte lediglich Gesamtrang vier und fiel dadurch in der Fahrerwertung vor dem Saisonfinale in Australien drei Zähler hinter dem Titelverteidiger zurück. „Das war ein ereignisreiches Wochenende, aber jetzt fühlen wir uns umso besser“, strahlte Ogier im Ziel. „Wir wussten heute Morgen, dass es für uns als zweites Auto auf den noch feuchten Straßen schwierig würde. Aber wir haben nicht aufgegeben, sondern attackiert. Es ist natürlich immer etwas frustrierend, einen Sieg so knapp zu verlieren. Dennoch ziehe ich eine positive Bilanz, denn wir konnten die Tabellenführung zurückerobern. Dadurch müssen wir auf den Schotterprüfungen in Australien zunächst als Erste starten, das wird zwar nicht einfach, aber ich halte die WM-Punkte lieber jetzt schon in der Hand. Für uns gibt es nur ein Ziel: Wir wollen den Titel verteidigen“

Für Toyota GAZOO Racing wurde Spanien zu einer sportlichen Achterbahn. Doch trotz des Wochenendes mit Höhen und Tiefen verliess das Team den vorletzten Saisonlauf mit wichtigen Punkten im Gepäck. Ott Tänak fuhr im Toyota Yaris WRC die schnellste Zeit auf der abschließenden Power Stage der Rallye Spanien und sammelte so wertvolle Bonuspunkte. Damit wahrt er seine Chance auf den WM-Titel. In der Herstellerwertung bleibt Toyota vor dem letzten Saisonlauf in Führung. Die zwölfte Rallye der Saison – die letzte auf europäischem Boden – verlief für Toyota durchwachsen. Der Toyota Yaris WRC erwies sich erneut als äußerst konkurrenzfähig auf einer der anspruchsvollsten Strecken im Kalender: Asphalt und Schotter wechselten sich ebenso ab wie das Wetter. Tänak führte den Wettbewerb lange an, bis ein Reifenschaden am Samstagmorgen alle Siegchancen zunichtemachte. Mit dem sechsten Platz in der Gesamtwertung und der besten Power Stage leistete er Schadensbegrenzung: Vor dem abschließenden Lauf beträgt der Rückstand auf die Spitze nur 23 Punkte – bei noch 30 ausstehenden Punkten. Jari-Matti Latvala lieferte sich im zweiten Toyota mit der Startnummer 7 einen atemberaubenden Kampf: Nach einem Reifenschaden freitags führte er Samstagabend eine sechsköpfige Spitzengruppe an. Eine Kollision mit einer Barriere auf der vorletzten Etappe verursachte jedoch Radschäden und eine Reifenpanne. Er konnte die Rallye aber auf Platz acht beenden. Esapekka Lappi platzierte sich als Siebter zwischen seinen beiden Teamkollegen.

„Es war ein unglaubliches Wochenende mit vielen Höhen und Tiefen und einem fantastischen Kampf von Anfang bis Ende“, erklärte Teamchef Tommi Mäkinen. „Es hätte so viel besser laufen können. Dennoch kamen alle drei Piloten ins Ziel, holten Punkte für die Herstellerwertung und Ott leistete auf der Power Stage hervorragende Arbeit, um den Traum vom Fahrertitel am Leben zu erhalten. Wir gehen immer noch sehr zuversichtlich nach Australien: Wir haben schnelle Fahrer und ein schnelles, zuverlässiges Auto!“

Mit 331 Punkten führt das Toyota GAZOO Racing World Rally Team die Herstellerwertung an. Der nächste Verfolger, Hyundai Motorsport, hat zwölf Punkte Rückstand. Bei den Fahrern hat Ott Tänak als Dritter momentan einen Podiumsplatz inne, kann die Spitze aber noch einholen. Lappi und Latvala folgen auf den Plätzen vier und fünf.

Für Hyundai Motorsport gilt es nun, in Australien alles in die Waagschale zu werfen, sollten Fahrer- und Herstellertitel nicht auf der Zielgeraden verloren gehen. „Wir haben an der Spitze der Fahrer eine Änderung erlebt, mit Sébastien Ogier nun in Führung liegend, aber wenigstens bedeutet das, dass Thierry Neuville in Australien nicht die Straße eröffnen wird“, sagte Hyundai Motorsport Teamchef Michel Nandan. „Wir haben es geschafft, in der Herstellerwertung den Abstand zu Toyota zu verringern. Der Kampf wird in der letzten Runde der Saison entschieden. Sie können sicher sein: Wir werden alles geben, das wir haben!“

Die Entscheidung fällt bei der Rallye Australien vom 15. bis 18. November 2019: Das Finale findet auf abwechslungsreichen Schotterstraßen statt – mit einer Kombination aus engen und kurvenreichen Waldwegen sowie schnellen Abschnitten durch die offene Landschaft. Bäume säumen vielerorts die Straßenränder und bilden genauso eine Herausforderung wie aufsteigender Staub.

Historisch war auch die Fahrt von Skoda-Junior Kalle Rovanperä und Beifahrer Jonne Halttunen. Die beiden Finnen gewannen die WRC 2-Kategorie bei der Rallye Spanien, dem zwölften Lauf zur FIA Rallye-Weltmeisterschaft 2018. Am Tag der Feiern zum 100. Geburtstag der Tschechoslowakei krönte das tschechische Skoda Werksteam Jan Kopecky/Pavel Dresler außerdem ihren vorzeitigen Gewinn des WRC 2-Championats 2018 mit einem zweiten Platz. Bereits vor der Veranstaltung hatte Skoda Motorsport auch den Gesamtsieg in der Teamwertung WRC 2 sichergestellt und damit das Jahr 2018 zum erfolgreichsten in seiner Geschichte gemacht.

Fotos (c) Citroen Racing, Ford Werke GmbH/M-Sport Ford, Hyundai Motorsport GmbH, Skoda Auto Deutschland, Toyota GAZOO Racing WRT