DTM Abschied: 30 Jahre Mercedes-Benz!

Wenn am Sonntag der zweite DTM-Lauf des Finalwochenendes in Hockenheim abgewunken wird, ist auch die Uhr für Mercedes-AMG in der DTM abgelaufen. Eines der erfahrendsten Teams nimmt seinen Hut. Schade, denn damit endet eine lange Erfolgsgeschichte, die vor dreissig Jahren begann. Ein Rückblick!

Kapitel I – 1988 bis 1993

In der Saison 1988 steigt Mercedes-Benz gemeinsam mit seinem Partner AMG werksseitig in die Deutsche Tourenwagen Meisterschaft ein. Die Marke gewinnt sechs Rennen und Roland Asch wird im Mercedes-Benz 190 E 2.3-16 des Berliner BMK-Teams Vizemeister. Mercedes-AMG Motorsport gewinnt auch 1989 acht Mal. Mit Klaus Ludwig verpflichtet die Marke den amtierenden Meister, der zukünftig noch für Furore sorgen wird. Kurt Thiim beendet die Saison auf dem vierten Platz der Fahrerwertung. In der DTM-Saison 1990 erzielt Mercedes-AMG Motorsport fünf Siege, vier Pole Positions und 15 Podestplatzierungen. Kurt Thiim belegt am Ende der Saison mit drei Siegen den dritten Rang in der Fahrerwertung. Trotz oder wegen der Erfolge strukturiert Mercedes-Benz sein Motorsport-Engagement neu. Ab dem 1. Oktober übernimmt der vorherige Journalist Norbert Haug die Leitung der Motorsportabteilung. Er sollte über zwei Jahrzehnte lang bis Ende 2012 die motorsportlichen Geschicke der Marke als Motorsportchef leiten. Und Haug ist erfolgreich. In der Saison 1991 kommen ersten beiden großen Erfolge: Mercedes-AMG Motorsport gewinnt zum ersten Mal den Team- und den Markentitel in der DTM. In der Fahrerwertung hat Klaus Ludwig bis zum letzten Rennen in Hockenheim Chancen auf den Titelgewinn, am Ende wird er mit fünf Siegen Vizemeister. Insgesamt erzielt die Marke mit dem Stern sechs Siege und 26 Podestplätze.

1992 sollte die Saison von Mercedes-AMG Motorsport werden: Insgesamt 16 Siege und 46 Podestplätze gehen auf das Konto des AMG-Mercedes 190 E 2.5-16 Evolution II. 1991 gewann die Marke bereits den jeweils ersten Team- und Markentitel. 1992 war endlich der erste Fahrertitel fällig: Klaus Ludwig gewinnt mit fünf Siegen seinen ersten DTM-Titel mit der Marke aus Stuttgart. Der 24. Mai 1992 sollte in die DTM-Geschichte eingehen: Mit Ellen Lohr steht in Hockenheim zum ersten Mal eine Frau auf dem obersten Podesttreppchen. Drei Runden vor Schluss schnappt sie ihrem Teamkollegen Keke Rosberg den Sieg weg. Es ist der erste und bis heute einzige Sieg einer Frau in der DTM. Trotz der Absagen anderer Hersteller bleibt Mercedes-AMG Motorsport der DTM auch in der Saison 1993 treu. Aufgrund des neuen Klasse-1-Reglements haben die Ingenieure jedoch nur acht Wochen, um das Auto an das neue Reglement anzupassen. Ein Kraftakt, der sich lohnen sollte! Zum Saisonbeginn wird das neue Klasse-1-Reglement eingeführt (Motoren mit max. 2,5 Litern Hubraum und max. sechs Zylindern). Kleines Jubiläum: Mercedes-AMG Motorsport feiert im September auf der Avus seinen 50. DTM-Sieg. Im Laufe der Saison gewinnt die Marke insgesamt acht Rennen. Roland Asch wird mit drei Siegen Vizemeister.

Kapitel II 1994 bis 1996

1994 kontert Mercedes-AMG Motorsport im Kampf mit Alfa Romeo: Die neue AMG-Mercedes C-Klasse DTM gewinnt elf von 24 Rennen und den Markentitel. Klaus Ludwig sichert sich mit drei Siegen seinen dritten DTM-Titel, den zweiten für die Marke mit dem Stern. Mit seinem dritten DTM-Titelgewinn krönt sich „König Ludwig“ für viele Jahre zum Rekordmeister der DTM. Erst in der Saison 2003 sollte ihn ein gewisser Bernd Schneider überflügeln. Dieser ist übrigens der Pechvogel des Jahres 1994: 13 Mal geht er leer aus. Aber das sollte sich 1995 ändern. Parallel zur DTM wird 1995 die International Touring Car Series (ITC) mit Rennen in Italien, Finnland, Großbritannien, Portugal und Frankreich ins Leben gerufen. Bernd Schneider gewinnt überlegen den Titel in beiden Rennserien. Mercedes-AMG Motorsport sichert sich den Team- und Markentitel. Vom Pechvogel zum Überflieger: Nach dem Katastrophenjahr 1994 setzt Bernd Schneider zu seinem ersten Höhenflug in der DTM an. Auf dem Weg zu beiden Meistertiteln gewinnt er insgesamt neun DTM- und acht ITC-Rennen. Es ist der Beginn einer langen Erfolgsgeschichte.

Kapitel III 2000 – 2003

Beim Comeback der DTM im Jahr 2000 setzt sich ein alter Bekannter durch: Bernd Schneider gewinnt sechs Rennen und den ersten Titel im neuen Jahrtausend. Klaus Ludwig belegt den dritten Platz. Acht von 16 möglichen Rennsiegen gehen an das Team, darunter sechs Doppelsiege. Auch die Herstellerwertung gewinnt Mercedes-AMG Motorsport. Im ersten Jahr der neuen DTM kehrt eine Legende zurück: Klaus Ludwig hatte eigentlich Ende 1998 seinen Rücktritt verkündet, doch 2000 kehrt der dreimalige DTM-Meister noch einmal für eine Saison ins Cockpit zurück. Das lohnt sich: Als 50-Jähriger gewinnt er zwei Rennen auf dem Sachsenring und wird Dritter in der Fahrerwertung. Wir schreiben das Jahr 2001. Im zweiten Jahr der neuen DTM teilen sich sechs Fahrer die zehn Siege untereinander auf. Während Bernd Schneider bereits zwei Rennen vor Saisonende seinen zweiten Meistertitel in Serie feiern darf, gewinnt Mercedes-AMG Motorsport auch die Teammeisterschaft. Eine Legende wird geboren: Bernd Schneider wird zum dritten Mal nach 1995 und 2000 DTM-Champion und ist damit der erste Fahrer in der Geschichte der DTM, der seinen Meistertitel erfolgreich verteidigen kann. Mit drei Titeln stellt er den Rekord von Klaus Ludwig ein.

Am Ende der Saison 2002 steht es zwischen Mercedes-AMG Motorsport und Audi nach Siegen 5:5; Meister wird Laurent Aiello im Abt-Audi TT, Bernd Schneider wird mit zwei Siegen Zweiter. Die anderen Mercedes-AMG Erfolge gehen an Jean Alesi, Uwe Alzen und Marcel Fässler. Das Team Vodafone/AMG Mercedes gewinnt die Teamwertung. Genau zehn Jahre nachdem Keke Rosberg aus der Formel 1 in die DTM gewechselt ist, holt Mercedes-AMG Motorsport mit Jean Alesi erneut einen ehemaligen F1-Star in die Tourenwagenserie. Bereits bei seinem dritten DTM-Rennen in Donington steht Alesi das erste Mal ganz oben auf dem Siegerpodest.Dreifacher Erfolg in der DTM-Saison 2003: Mercedes-AMG Motorsport stellt jeweils den Meister in der Fahrer-, Team- und Markenwertung. Das Team gewinnt neun von zehn Rennen: Christijan Albers vier, Jean Alesi und Bernd Schneider je zwei und Marcel Fässler eines. Bernd Schneider ist nicht zu bremsen. Der Serienmeister punktet in jedem Saisonrennen und gewinnt seinen vierten Titel in der DTM. In den ersten vier Jahren der neuen DTM ab der Saison 2000 wird Schneider damit insgesamt drei Mal Meister. Seinen ersten Titel gewann er bereits 1995.

Kapitel IV 2004 bis 2011

2004 gewinnt HWA-Neuzugang Gary Paffett drei Rennen und wird Vizemeister hinter Audi-Pilot Mattias Ekström. Christijan Albers und Bernd Schneider gewinnen je einmal und belegen in der Gesamtwertung die Plätze drei und sechs. Mercedes-AMG Motorsport belegt in der Hersteller- und Teamwertung jeweils den zweiten Platz. Gary Paffett wird in seiner zweiten DTM-Saison nicht nur auf Anhieb Vizemeister, er glänzt auch beim Einladungsrennen der DTM in den Straßen von Schanghai. Gary startet von der Pole Position und fährt gemeinsam mit seinem Teamkollegen Bernd Schneider einen Doppelsieg ein. In der Saison 2005 gehen alle drei Titel nach Stuttgart. Gary Paffett gewinnt fünf von elf Rennen und den Fahrertitel. Weitere Siege erzielen Jean Alesi, Bernd Schneider und Mika Häkkinen, der nach dreijähriger Pause in den Rennsport zurückkehrt und bei seinem dritten DTM-Rennen als Sieger hervorgeht. Mercedes-AMG Motorsport gewinnt die Markenwertung, DaimlerChrysler Bank AMG Mercedes holt den Teamtitel. Gary Paffet erlebt in der DTM einen kometenhaften Aufstieg. In seinem erst dritten Jahr in der Tourenwagenserie sichert er sich mit fünf Siegen und neun Podestplätzen den Meistertitel. Bereits im Vorjahr belegte Paffett mit drei Siegen den zweiten Platz der Fahrerwertung. 2006 gewinnt Mercedes-AMG Motorsport den Fahrer- und Teamtitel. Bruno Spengler ist mit vier Siegen der siegreichste Fahrer des Jahres und wird hinter Bernd Schneider Vizemeister. Das Team Vodafone/Salzgitter AMG Mercedes gewinnt mit Schneider und Jamie Green den Teamtitel. Jean Alesi verabschiedet sich nach 51 Rennen, in denen er 30 Mal in die Punkteränge fuhr, aus der DTM. Bernd Schneider gewinnt zwei Rennen, holt vier zweite Plätze und ist der einzige Fahrer im Feld, der in allen zehn Saisonrennen punktet. Damit gewinnt der 42-Jährige seinen fünften DTM-Meistertitel und ist bis heute der unangefochtene DTM-Rekordchampion. In der Saison 2007 gewinnt Mercedes-AMG Motorsport sieben der zehn Rennen, darunter ein Sieg von Gary Paffett im Jahreswagen. Die Mercedes-AMG Motorsport DTM-Fahrer belegen 60 Prozent aller Punkteränge, neun der insgesamt zehn Fahrer sammeln Punkte. Bruno Spengler wird zum zweiten Mal in Folge Vizemeister, ihm fehlen am Ende nur drei Punkte zum Titel.

Die Mercedes-AMG Motorsport DTM-Fahrer gewinnen 2008 fünf der elf Rennen; je zweimal siegen Vizemeister Paul Di Resta und Jamie Green, einmal ist Bernd Schneider erfolgreich. Das Team Mercedes-Benz Bank AMG gewinnt mit Di Resta und Bruno Spengler die Teamwertung. Ralf Schumacher gibt sein DTM-Debüt. Am Ende der Saison gibt der fünfmalige DTM-Champion Bernd Schneider seinen Rücktritt bekannt. Schneider ist mit 43 Rennerfolgen auch Rekordsieger der DTM. Neben GT-Renneinsätzen beginnt er bei Mercedes-AMG eine zweite Karriere als Markenbotschafter, Instruktor und Testfahrer für die Performance-Marke. Die Mercedes-AMG Motorsport DTM-Fahrer gewinnen 2009 sechs von zehn Rennen: viermal siegt Gary Paffett, je einmal sind Paul Di Resta und Jahreswagenfahrer Jamie Green erfolgreich. Paffett wird Vizemeister, das Team Salzgitter / Mercedes-Benz Bank gewinnt mit Paffett und Bruno Spengler die Teamwertung. Mit genau 100 Punkten sichern sich Gary Paffett und Bruno Spengler den Meistertitel in der Teamwertung. Dabei haben sie 15 Zähler Vorsprung auf das zweitplatzierte Audi-Team. In der Fahrerwertung kommt Paffett mit seinen vier Siegen bis auf fünf Punkte an Meister Timo Scheider heran. Was für ein Jahr für Mercedes-AMG Motorsport: Sowohl der Fahrer- als auch der Teamtitel gehen in der Saison 2010 nach Stuttgart. In der Fahrerwertung belegen Paul Di Resta, Gary Paffett und Bruno Spengler die ersten drei Plätze. Jamie Green wiederholt als erfolgreichster Jahreswagenfahrer seinen Sieg auf dem Norisring. Gary Paffett und Paul Di Resta beenden die Saison mit einem Doppelsieg in Schanghai. Damit besiegelt das Duo nicht nur den Meistertitel von Di Resta, sondern auch die bis dahin erfolgreichste DTM-Saison für die Marke: Mit neun Siegen aus elf Rennen ist Mercedes-AMG Motorsport 2010 klar der erfolgreichste Hersteller. 2011 erzielt das Team bei zehn Wertungsläufen drei Siege und vier Pole Positions. Bei acht von zehn DTM-Rennen steht ein Fahrer des Teams in Reihe eins. Beim Saisonfinale in Hockenheim erzielt Jamie Green im letzten Einsatz der AMG Mercedes C-Klasse DTM ihren letzten Sieg. Das Auto ist mit 85 Siegen aus 159 Rennen das erfolgreichste DTM-Fahrzeug der Geschichte.


Kapitel V 2012 bis 2018

2012 erzielen Gary Paffett und Jamie Green beim ersten Renneinsatz des DTM Mercedes-AMG C-Coupé in Hockenheim einen Doppelsieg. Paffett gewinnt zudem sein Heimrennen in Brands Hatch, Green triumphiert zum vierten Mal auf dem Norisring. In einem spannenden Saisonfinale wird Paffett Vizemeister, nachdem er die Fahrerwertung vom ersten Saisonlauf bis zum Finale ununterbrochen angeführt hatte. 2013 startet Mercedes-AMG Motorsport mit sechs DTM Mercedes-AMG C-Coupé in die neue Saison. Christian Vietoris erzielt beim Saisonauftakt in Hockenheim sein erstes DTM-Podium. Im Verlauf der Saison fährt er noch drei weitere Male auf das Podest und wird am Ende des Jahres bestplatzierter Fahrer des Mercedes-AMG Motorsport DTM Teams. 2014 gewinnt das Mercedes-AMG Motorsport DTM Team mit Christian Vietoris, Robert Wickens und Pascal Wehrlein drei Saisonrennen. Für Vietoris und Wehrlein ist es jeweils der Debütsieg in der DTM. Vietoris beendet die Saison zum zweiten Mal in Folge als bester Mercedes-AMG Motorsport DTM-Fahrer als Gesamtvierter. Pascal Wehrlein erlebt Mitte September eine perfekte Motorsport-Woche: Zunächst sein erster Formel 1-Test für Mercedes-AMG Petronas, dann seine erste DTM-Pole gefolgt von seinem ersten DTM-Sieg, der ihn in der Lausitz zum jüngsten Sieger in der Geschichte der DTM macht. 2015 wird wieder ein erfolgreiches Jahr für Mercedes-AMG Motorsport: Nach dem Gewinn des Fahrertitels durch Pascal Wehrlein sichert sich das Team gooix/Original-Teile Mercedes-AMG im letzten Saisonrennen den ersten Platz in der Teamwertung der DTM. Wehrlein und sein Teamkollege Christian Vietoris sammeln insgesamt 225 Punkte. Pascal Wehrlein gewinnt beim Saisonfinale in Hockenheim den Meistertitel in der DTM. Er ist der fünfte Fahrer, der mit der Marke den Fahrertitel gewinnt, und tritt damit in die Fußstapfen seiner Vorgänger Klaus Ludwig (1992, 1994), Bernd Schneider (1995, 2000, 2001, 2003, 2006), Gary Paffett (2005) und Paul Di Resta (2010).

2016 geht Mercedes-AMG Motorsport als Titelverteidiger in die letzte Saison vor den umfangreichen Regeländerungen 2017. Robert Wickens kämpft mit zwei Siegen in Zandvoort und Moskau bis zum vorletzten Rennwochenende in Budapest um den Titel. Das Saisonhighlight: Im verregneten Samstagsrennen in Moskau erzielt das Team einen Vierfachsieg. Auf dem Lausitzring gelingt Lucas Auer sein erster Sieg in der DTM. In seinem erst 23. DTM-Rennen kürt sich der Neffe von Ex-Formel-1-Pilot Gerhard Berger zum ersten österreichischen Sieger in der Geschichte der Serie. Alle sechs Mercedes-AMG Motorsport DTM-Piloten stehen im Saisonverlauf 2017 mindestens einmal auf dem Podium. Die meisten Siege gehen auf das Konto von Lucas Auer. Das erfolgreichste Wochenende erlebt das Team auf dem Nürburgring: Nach einem Vierfachsieg am Samstag und einem Doppelsieg am Sonntag gehen sieben der acht möglichen Pokale nach Affalterbach. Die DTM-Saison 2018 stand ganz im Zeichen des großen Jubiläums: Vor 30 Jahren schrieb Mercedes-AMG Motorsport mit dem werksseitigen Einstieg in die Tourenwagenserie das erste Kapitel in seiner DTM-Erfolgsstory. Im Verlauf der Abschiedssaison sollten noch einige weitere Rekorde, Siege und Titel hinzukommen… In zwei der drei Meisterschaften reist Mercedes-AMG Motorsport schon als neuer Champion zum Saisonfinale nach Hockenheim. Bereits am vorletzten Rennwochenende in Spielberg sicherte sich die Marke mit dem Stern zum 14. Mal den Titel in der Teamwertung und zum siebten Mal den in der Herstellerwertung!

Die Freundes des gepflegten Motorsports aus dem Dorf an der Düssel wünschen dem scheidenden Mercedes-AMG DTM Team einen erfolgreichen Abschied in Style! Und wir wünschen Euch auch, dass das angeschobene Formel E Projekt nicht zum Langweiler wird. Der Stern wird der DTM fehlen!

Fotos (c) Daimler AG, Hoch Zwei, Stephan Kremer