WRC Wales: Toyota baut WM-Führung aus!

Mit zwei Podiumsplatzierungen hat das Toyota GAZOO Racing World Rally Team seine WM-Führung in der FIA Rallye-Weltmeisterschaft WRC weiter ausgebaut: Jari-Matti Latvala landete bei der Wales Rally GB auf dem zweiten Platz – sein drittes Podest in den letzten vier Läufen. Esapekka Lappi komplettierte als Dritter das Treppchen. Pech hatte dagegen Ott Tänak!

Jari-Matti Latvala und sein Copilot Miikka Anttila kämpften im Toyota Yaris WRC bis zum Schluss um den Sieg: Mit einem Etappenerfolg am Finaltag konnten sie zeitweise die Führung übernehmen. Nach weiteren spannenden Duellen auf Augenhöhe fehlten im Ziel gerade einmal 10,6 Sekunden auf den Gesamtsieger Sebastien Ogier. Esapekka Lappi und Janne Ferm verteidigten im zweiten Yaris WRC mit der Startnummer 9 ihren dritten Platz und bauten den Vorsprung auf die Verfolger sogar sukzessive aus: Mehr als eine halbe Minute stand im Ziel zu Buche und machte das dritte Podium im fünften Rennen perfekt. „Wir haben heute einen brillanten Kampf von Jari-Matti gesehen. Er hat alles versucht, aber Ogier war diesmal zu stark. Es ist schön, dass wieder zwei unserer Crews auf dem Podium stehen. Dieses Ergebnis lässt uns in der Herstellerwertung gut dastehen“, erklärte Teamchef Tommi Mäkinen. „Wir sind natürlich noch enttäuscht über das, was Ott am Samstag passiert ist. Das erschwert seine Titelchancen, aber es werden noch viele Punkte vergeben und er ist eindeutig der stärkste Fahrer, sodass sich alles noch drehen könnte!“

Für Ott Tänak und Martin Järveoja blieb dagegen nur Schadensbegrenzung. Nach einem Feuerwerk am Freitag musste die estnische Crew ihr Fahrzeug samstags vorzeitig abstellen. Ein gravierendes Problem mit dem Unterfahrschutz und dem Kühler zwang Tanak zum vorzeitigen Abbruch seiner Rallye. Doch rechtzeitig zum Finaltag hatten die Mechaniker Tanaks Dienstwagen wieder gerichtet. Auf der abschließenden Power Stage sammelte das Duo noch vier Punkte und hielt so seine WM-Chancen aufrecht. Zur Spitze fehlen lediglich 21 Punkte.

Mit nunmehr 317 Punkten führt das Toyota GAZOO Racing World Rally Team die Herstellerwertung an: Der Abstand zum ärgsten Verfolger Hyundai beträgt bereits 20 Punkte. In der Fahrerwertung rangieren die Toyota Piloten auf den Plätzen drei bis fünf.

Sebastien Ogier meldet sich in Wales zurück!

Mit dem Sieg bei der Wales-Rallye Großbritannien haben Sébastien Ogier und Copilot Julien Ingrassia ihre Chancen auf die Titelverteidigung in der FIA Rallye-Weltmeisterschaft verbessert. Die Franzosen rückten in der Fahrerwertung auf die zweite Position vor, nur noch sieben Punkte trennen sie bei zwei noch ausstehenden WM-Läufen von den Tabellenführern Thierry Neuville/Nicolas Gilsoul. Am Steuer ihres über 380 PS starken Ford Fiesta WRC haben die amtierenden Weltmeister bei 60 noch zu vergebenden Punkten alle Möglichkeiten in ihrer Hand. Ogier/Ingrassia gewannen die Wales-Rallye zum insgesamt fünften Mal und sind damit das erfolgreichste Team in der Geschichte dieses Klassikers. M-Sport Ford wiederholte den Erfolg des Vorjahres.

„Dieser Sieg bedeutet mir und der gesamten Mannschaft wirklich unheimlich viel“, betont M-Sport-Teamchef Malcolm Wilson. „Wir wussten, dass wir ein starkes Resultat in der Hand haben und dass alle unsere drei Ford Fiesta WRC um ein Topergebnis kämpfen können. Doch am Freitagabend sah es bereits so aus, als müssten wir alle Hoffnungen auf einen zweiten Sieg in Folge bei unserem Heimspiel aufgeben: Sébastien Ogier hatte Zeit wegen eines Problems im Antriebsstrang verloren, Elfyn Evans musste sein Auto mit Fehlzündungen abstellen und Teemu Suninen war mit einem beschädigten Überrollkäfig für den Rest der Rallye aus dem Rennen. Ich hatte schon darüber sinniert, wie krass der Unterschied zu unserem mega erfolgreichen Rallye-England-Wochenende ein Jahr zuvor ausfallen würde. Doch Sébastien sollte eben niemals abgeschrieben werden: Gemeinsam mit Julien Ingrassia lieferte er anschließend eine wahrlich weltmeisterliche Vorstellung ab – und am Samstagabend habe ich darüber nachgedacht, welchen Unterschied 24 Stunden ausmachen können… Speziell auf den letzten drei Wertungsprüfungen am Sonntag fuhr Ogier einfach brillant, das hat uns in puncto WM-Kampf wieder auf Spur gebracht. Wie wohl jeder Rallye-Fan bin ich nun gespannt, was bei den letzten beiden Rallyes der Saison passiert.“

Sébastien Ogier und Julien Ingrassia stellten bei der WM-Rallye Großbritannien einmal mehr unter Beweis, warum sie vier Weltmeisterschaften eingefahren haben – mit einem hart erkämpften Sieg meldeten sie sich in den Titelkampf zurück. Die Franzosen verstrickten sich am Schlusstag in ein intensives Duell mit ihren ehemaligen Teamkollegen Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila. Dabei konnten die Finnen einen 4,4-Sekunden-Rückstand mit zwei starken Wertungsprüfungszeiten zunächst in einen 3,6-Sekunden-Vorsprung verwandeln, doch Ogier schlug machtvoll zurück, ließ die letzten drei Bestzeiten folgen – und setzte sich um 10,6 Sekunden von seinem Verfolger ab.

„Das war ein großartiges Wochenende, das für uns ein ganzes Bündel an Emotionen bereit hielt“, so Ogier. „Ich bin unheimlich stolz darauf, diese Veranstaltung zum fünften Mal gewonnen zu haben – vor allem, weil es bei der Wales-Rallye Großbritannien so schwierig ist, immer auf der Straße zu bleiben und bei diesen anspruchsvollen Bedingungen keine Fehler zu begehen. Der Freitag begann für uns problematisch, ich dachte bereits, die Rallye wäre für uns gelaufen. Aber dann konnten wir uns mit allem, was wir zu geben hatten, zurückkämpfen. Plötzlich lag ein Podiumsergebnis wieder in Reichweite, und als Ott Tänak in Schwierigkeiten geriet, ging es sogar wieder um den Sieg. Jari-Matti Latvala war wirklich schnell unterwegs und wild entschlossen, selbst auf Platz eins zu fahren. Darauf mussten wir reagieren. Glücklicherweise konnte ich zum Schluss drei wirklich gute Wertungsprüfungszeiten hinlegen, speziell die WP 22 war nahezu perfekt. Toll, dass wir dort das Ruder herumreißen konnten. Wir haben mit Blick auf die Titelverteidigung einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht, wir sind zurück im Spiel. Die verbleibenden zwei WM-Rallyes werden sehr aufregend, in puncto Intensität könnte es so spannend wie nie zuvor werden. Ich schaue jetzt der Rallye Spanien entgegen, wo ich mir einiges ausrechne. Danach folgt die Rallye Australien, wo vermutlich die Entscheidung fallen wird – das Saisonfinale begeistert mich ebenso wie die Fans.“

Die Vorjahressieger Elfyn Evans und Co Daniel Barritt hätten ihren Erfolg von 2017 bei ihrem Heimspiel gerne wiederholt, doch als ihr Fiesta WRC am Freitagnachmittag unter Fehlzündungen litt, mussten der Waliser Evans und sein britischer Beifahrer Barritt auf dem Weg zur zweiten Schleife vorzeitig aufgeben – auch zur tiefen Trauer ihrer treuen Fans. Unter Rallye-2-Reglement führen sie die Veranstaltung zu Ende.

Die irisch-britische Fahrerpaarung Craig Breen und Scott Martin belegte in ihrem Citroën C3 WRC nach einer insgesamt starken Leistung beim Rallye-WM-Lauf in Großbritannien Platz vier. Die norwegischen Teamkollegen Mads Östberg/Torstein Eriksen fügten der Erfolgsbilanz des Teams Citroën Total Abu Dhabi WRT in der Rallye-WM einen weiteren Prüfungssieg hinzu und erkämpften Platz acht. Schlamm, Regen, Nebel – die Rallye Großbritannien, elfter von 13 Läufen der WM-Saison 2018, zeigte sich einmal mehr von ihrer rutschigen, tückischen Seite. Dass die Strecken, die erstmals auch Asphalt-Passagen enthielten, mit jedem darüber gefahrenen Auto schlechter wurden, spielte den beiden zu Beginn im Mittelfeld gestarteten Citroën C3 WRC nicht in die Karten. Aber sowohl Breen als auch Östberg hielten sich unter den erschwerten Bedingungen schadlos und belegten am Ende der ersten Etappe und neun absolvierten Prüfungen die aussichtsreichen Positionen sechs und acht – bereit, am nächsten Tag mit besseren Ausgangspositionen anzugreifen. Und tatsächlich: Mit einer Reihe sehr schneller Zeiten verbesserte sich Breen auf der zweiten und mit 150,24 Kilometern längsten Etappe der Rallye auf den vierten Platz – nur 1,7 Sekunden hinter dem Drittplatzierten und nur 13,5 Sekunden hinter dem Spitzenreiter. Auch Teamkollege Östberg trumpfte auf: Bestzeit auf der elften Prüfung und jeweils Zweiter auf den Prüfungen 13 und 14. Er rückte auf Platz 5 vor. Auf der Abschlussetappe am Sonntag setzte Breen seine Aufholjagd zunächst fort, musste aber auf der zweiten Prüfung des Tages den extrem rutschigen Bedingungen Tribut zollen: Durch einen kleinen Fahrfehler verlor der Ire den Anschluss an die Spitzengruppe, rettete aber immerhin den guten vierten Platz ins Ziel. Auch Östberg konnte das am Vortag eindrucksvoll aufgezeigte Potenzial des Citroën C3 WRC nicht auf die Straße bringen. Ein Dreher auf der 22. Prüfung warf den Skandinavier auf Platz acht zurück.

Hyundai Motorsport hatte mit Thierry Neuville noch Glück im Unglück. Der Belgier minimierte den Schaden für das Team aus Alzenau und kam als glücklicher fünfter ins Ziel. Dabei hätte der Samstag für Neuville bitter enden können. Neuville rutschte mit seinem Hyundai i20 Coupe in einen Graben und konnte nur durch das beherzte Zupacken einiger Fans aus dem Schlamassel befreit werden. Der Zeitverlust war entsprechend hoch, doch Neuville ist keiner, der so schnell aufgibt. Auf der Powerstage holte er zwei Zusatzpunkte, die im WM-Kampf noch von Wert sein können. „Wir haben an diesem Wochenende alles gegeben“, sagte Thierry. „Wir können nicht darüber grübeln, was bei den letzten Rallyes passiert ist. Wir mussten uns zusammenreißen und in den letzten Runden um den Gesamtsieg kämpfen. Es steht in unserer Macht!“ Teamchef Michel Nandan fasste das Resultat seines Team zusammen: „Wir haben uns erlaubt, in der Meisterschaft abzufallen, und jetzt haben wir nur noch zwei Rallyes übrig, auf denen wir zurückschlagen können. Es wird ein harter Kampf, aber wir müssen alles Mögliche daransetzen!“

Ergebnis Rallye Großbritannien
1. S. Ogier/J. Ingrassia, Ford Fiesta WRC, 3:06.12,5 Std.
2. J.-M. Latvala/M. Anttila, Toyota Yaris WRC, +10,6 Sek.
3. E. Lappi/J. Ferm, Toyota Yaris WRC, +35,1 Sek.
4. C. Breen/S. Martin, Citroën C3 WRC, +1.10,4 Min.
5. T. Neuville/N. Gilsoul, Hyundai i20 Coupe WRC, +1.14,4 Min.
6. A. Mikkelsen/A. Jæger, Hyundai i20 Coupe WRC, +1.15,9 Min.
7. H. Paddon/S. Marshall, Hyundai i20 Coupe WRC, +1.18,4 Min.
8. M. Østberg /T. Eriksen, Citroën C3 WRC, +1.21,6 Min.
9. K. Rovanperä/J. Halttunen, Škoda Fabia R5, +9.14,7 Min.
10. P. Tidemand/J. Andersson, Škoda Fabia R5, +10.48,9 Min.

WM-Stand Fahrerwertung
1. T. Neuville, 189 Punkte
2. S. Ogier, 182
3. O. Tänak, 168
4. E. Lappi, 104
5. J.-M. Latvala, 98
6. A. Mikkelsen, 83
7. D. Sordo, 60
8. C. Breen, 59
9. H. Paddon, 55
10. T. Suninen, 54
11. E. Evans, 53
12. M. Østberg, 52

WM-Stand Herstellerwertung
1. Toyota Gazoo Racing World Rally Team, 317 Punkte
2. Hyundai Shell Mobis World Rally Team, 297
3. M-Sport Ford World Rally Team, 273
4. Citroën Total Abu Dhabi World Rally Team, 187

Weiter geht’s bereits Ende des Monats mit der Rally de España vom 25. bis 28. Oktober. Der zwölfte und vorletzte WRC-Lauf dieser Saison findet als Einziger sowohl auf Schotter als auch auf Asphalt statt. Nach den Schotter-Passagen am ersten Tag haben die Teams nur 75 Minuten Zeit, um ihr Fahrzeug für den Asphalt abzustimmen. Die dortigen Prüfungen erfolgen auf schnellen, gleichmäßigen Straßen, die in ihrer Charakteristik mit Rennstrecken vergleichbar sind. Stationiert ist der WRC-Tross rund um den Ferienort Costa Daurada südlich von Barcelona. Und in Spanien treffen wir wieder auf einen alten Bekannten. Sebastien Loeb schaut noch einmal in der WRC vorbei und pilotiert einen Citroen C3 WRC!

Fotos (c) Citroen Racing/@World, Hyundai Motorsport GmbH, Toyota GAZOO Racing WRC, obs/Ford-Werke GmbH/M-Sport Ford“