F1 Suzuka: Das perfekte Wochenende!

Lewis Hamilton steht vor seinem fünften Titelgewinn. Mit seinem Sieg in Japan steht die Tür zum Titel für den Briten sperrangelweit offen. Auch dank Ferrari und Sebastian Vettel, die am Samstag und am Sonntag von Pech und Dummheit verfolgt wurden!

Der groß angekündigte Kampf des Sebastian Vettel blieb in Japan aus. Bereits im Qualifying kassierte die Scuderia die erste Pleite. Das Team verzockte sich mit der Reifenwahl und setzte bei schnell abtrockender Strecke auf Intermediates. Hamilton und Bottas bereiften ihre Boliden mit Slicks, zogen auf und davon und besetzten die erste Startreihe. Vettel musste als neunter ins Rennen, startete aber dank der Rückversetzung eines Konkurrenten vom achten Startplatz. Auch von dort hätte durchaus was gehen können, denn nur wenige Runden nach dem Start fuhr ein kämpferisch agierender Vettel bereits auf dem vierten Platz. Am Ferrari-Kommandostand hellten sich die Mienen für kurze Zeit auf. Doch Vettel konnte sich nicht lange an seiner Aufholjagd erfreuen. Das völlig unnötige Ende der Hatz folgte in der achten Runde. Der Ferrari-Pilot verstieg sich in ein überhastet und gedankenlos vorgetragenes Überholmanöver, ausgerechnet gegen den aggressiv fahrenden Max Verstappen. Dabei knallte Vettel seinen Dienstwagen an den Seitenkasten von Verstappens Red Bull. Der leicht beschädigte Ferrari kreiselte von der Strecke und Vettel fand sich am Ende des Feldes wieder. Klarer Fehler des Vierfachen, der mit ein bisschen mehr Geduld mühelos an Verstappen vorbeigekommen wäre. Nur eben nicht in besagter Spoon-Kurve. Damit endete die vage Hoffnung auf Vettels erstem Suzuka-Sieg im Ferrari, der sich im nachhinein noch bei der Rennleitung bedanken durfte. Die ziemlich dumme Aktion des Heppenheimers wurde von der Rennleistung nicht geahndet! Der Scuderia im besonderen und Vettel im speziellen dürfte eine massive Schelte in den italienenschen Medien sicher sein. Doch Vettel blieb auch nach dem endgültigen Aus seiner WM-Träume ganz der alte Unbelehrbare und sagte nach dem Rennen: „Wenn die Lücke da ist und ich nicht versuche da reinzustoßen, kann ich gleich zuhause bleiben!“ Okay, aber die Lücke war nunmal nicht da. Und das ein Youngster wie Max Verstappen nicht brav wartet, bis Vettel – oder wer auch sonst – überholt hat, sollte sich im F1-Zirkus längst rumgesprochen haben. Der junge Holländer im Brauserenner legte sich im frühen Stadium des Rennens bereits Kimi Räikkönen an und wurde dafür mit einer 5-Sekunden-Strafe belegt. Verstappen war es egal. Der Kimi hätte doch auch bremsen können, kam als Reaktion über den Funk. Doch Vettel schimpfte wie ein Rohrspatz auf Max und ließ sich auf RTL zu einer unüberlegten Aussage hinreissen: „Es war Platz für mich da, er hat mir aber keinen Platz gelassen. Es ist ein Problem mit ihm. Er hält dagegen wenn er es nicht sollte…!“ Trotzig reagierte Vettel auch nach der berechtigten Kritik der TV-Experten: „Im Fernehen sieht es halt anders aus. Ich habe meine Sicht!“ Den Unfall auf die Taktik „Ich musste volles Risiko gehen im Hinblick auf die WM“, zu schieben, zeigt die Überheblichkeit des Heppenheimers, der sich wieder einmal selbst ein Bein stellte. Doch Schuld sind beim Seb natürlich immer die anderen.

Verstappen machte das Beste aus seinem Rennen und wurde am Ende dritter hinter den Silberpfeilfen von Bottas und Hamilton. Und Ferrari? Die machten sich nicht einmal mehr die Mühe ihren Chefpiloten Vettel per Teamorder an Räikkönen vorbei zu winken. Vermutlich weil Teamchef Arrivabene Kimis Antwort darauf bereits ahnte. Und weil sich das Blatt des Ferrari Desasters in Suzuka sowieso nicht mehr wenden ließ! Die Scuderia ergab sich ihrem Schicksal.

Lewis Hamilton und die Silberpfeile fuhren dagegen in einer eigenen Liga. Vom Start weg dominierte der Brite und sein Wingman Bottas das Rennen. Lewis fuhr heute seinen 71. Sieg in der Formel 1 ein – seinen 50. mit Mercedes-AMG Petronas Motorsport, den neunten in dieser Saison und den vierten auf dem Suzuka International Racing Circuit. Nach dem Rennen war Lewis rundum begeistert und sagte: „Auf dieser Strecke macht das Fahren wahnsinnig viel Spaß. Ich konnte den Moment voll ausschöpfen und jede einzelne Runde, jede einzelne Kurve und das Gefühl im Auto richtig genießen. Suzuka ist eine absolut einzigartige Strecke. Man fährt zur ersten Kurve den Berg hinab, dann geht es bergauf, man fährt unter der Strecke hindurch – es ist eine meiner Lieblingsstrecken. Die Pace war richtig klasse und es war eindeutig das beste Wochenende, das wir hier bislang hatten. Auch die Balance war hier besser als je zuvor. Es war absolut fantastisch. Jeder hier an der Strecke und Zuhause in den Werken verdient ein riesiges Dankeschön für den unablässigen Einsatz, den alle an den Tag legen, um Wochenende für Wochenende immer weiter zu pushen. Dieses Ergebnis war der beste Weg, um sie für all ihre harte Arbeit zu belohnen. Noch sind 100 Punkte zu vergeben, wir müssen also weiter konzentriert bleiben und dürfen nicht nachlässig werden. Das Team hat an den vergangenen Wochenenden fantastische Arbeit abgeliefert. Diese Konzentration und Performance müssen wir weiterhin bringen. Die Harmonie im Team und die Leistung jedes Einzelnen in der Mannschaft ist besser, als alles, was ich bisher erlebt habe. Aber es gibt immer Bereiche, in denen wir uns weiter verbessern können – wir alle zusammen, aber auch ich persönlich. Deshalb werden wir weiter pushen und versuchen, die Messlatte immer höher zu legen!“

Die Quintessenz dieses perfekten Wochenendes kann man auch leicht an ein paar Zahlen ablesen: Lewis (331 Punkte) führt die Fahrer-Weltmeisterschaft mit 67 Zählern Vorsprung auf Sebastian Vettel (264 Punkte) an, Valtteri Bottas (207 Punkte) belegt Platz drei. In der Konstrukteurswertung führt Mercedes-AMG Petronas Motorsport mit 538 Punkten an. Der Vorsprung auf Ferrari beträgt 78 Zähler. In den restlichen vier Rennen dieser Saison sind noch 172 Konstrukteurspunkte zu vergeben.

Für Lewis Hamilton sollte sich bereits in 14 Tagen der Traum vom fünften Titel erfüllen. Auf seiner Paradestrecke, dem Circuit Of The Americas im texanischen Austin, reicht dem 33-jährigen ein Sieg zum Titel. Wird Vettel in Texas zweiter, dann verschiebt sich die Titelentscheidung um eine Woche. Spätestens in Mexiko City sollte es dann aber soweit sein mit dem WM-Pokal! Der Titel ist dem exzentrischen Briten nicht mehr zu nehmen!

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