F1 Monza: Lewis knockt Ferrari aus!

Lewis Hamilton gewinnt den Grand Prix in Monza. Sebastian Vettel erleidet im Kampf um den Fahrertitel einen herben Rückschlag. Zum sonntäglichen Mittagsschlaf war der Große Preis von Italien ganz und gar nicht geeignet!

Weit mehr als 80.000 Tifosi wollten am Sonntag nur eins erleben: Einen Ferrari-Doppelsieg, den Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel von der ersten Startreihe in Angriff nehmen sollten. Doch daraus wurde nichts! Zwar kamen Kimi und Seb gut vom Start weg, doch hinter den beiden Ferrari lauerten bereits die Benz-Buben. Insbesondere Lewis Hamilton war vom Start weg heiß auf das Duell mit Intimfeind Vettel. Der Brite machte Druck und legte sich Vettel nach der ersten Schikane schön zurecht. In der zweiten Schikane ging Hamilton längsseits. Vettel wollte kontern, verhakte seinen Ferrari aber in Hamiltons Silberpfeil. Mit beschädiger Nase rollte Vettel in die Box und lieferte nach dem Rennen eine seiner typischen Erklärungen: „Ich habe versucht zu attackieren, und mir war nicht klar, wo Lewis hinwollte“, meinte Vettel hinterher deutlich genervt. „Das war dumm. Wo wollte er da hin? Ich hatte da keinen Platz. Und ich hatte Pech, dass bei mir alles kaputt war und bei ihm gar nichts. Ich würde das natürlich beim nächsten Mal anders machen. Wenn man so eingekeilt wird, gibt es auf einmal gar keinen Grip mehr. Man weiß dann, dass es schon ein bisschen gelaufen ist. Danach war der Speed in Ordnung – dafür, dass die halbe Kiste kaputt war!“

An der Spitze war der Weg frei für ein grandioses Duell zwischen Kimi Räikönen und Lewis Hamilton. Damit begann ein Ferrari Debakel, das weit mehr war als nur ein Mercedes-Nadelstich. Zwar konnte Kimi Räikkönen den Mercedes von Hamilton hinter sich lassen. Doch mit nach dem späten Boxenstopp von Hamiltons Wing Man Valtteri Bottas lagen die Strategiekarten offen auf dem Tisch. Bottas bremste Räikkönen ein. Hamiton, ein echter Monza-Experte, bremste sich immer näher an den Finnen heran. In der 45. Runde war es dann soweit. Am Ende der Start- Zielgeraden ging Hamilton am finnischen Ferrari-Piloten vorbei, der zu diesem Zeitpunkt bereits auf seine Reifen achten musste. Nach 2012, 2014, 2015 und 2017 holte sich Hamilton seinen nächsten Monza-Erfolg. Für den 33-jährigen war es der 68. Sieg seiner Karriere und der sechste in der laufenden Saison. Lewis (256 Punkte) führt die Fahrer-Weltmeisterschaft mit 33 Zählern Vorsprung auf Sebastian Vettel (226 Punkte) an. Auch in der Kontrukteurswertung führt Mercedes-AMG Motorsport mit 415 Punkten vor Ferrari, die 390 Punkte auf dem Konto haben.

Für Lewis Hamilton war der Große Preis von Italien ein großartiges Rennen. Der Brite sagte im Daimler Mediendienst: „Das war ein hartes, aber richtig schönes Rennen. Darüber bin ich wirklich sehr glücklich. Der heutige Nachmittag sollte sich als einer der besten entpuppen. Es ist sehr eng zwischen Ferrari und uns und in diesem Rennen kam es wirklich darauf an, wer die wenigsten Fehler macht und am besten auf die Reifen achtet. Valtteri hat großartige Arbeit geleistet und seinen Stint verlängert, wodurch ich auf Kimi aufholen konnte. Das war heute richtig starkes Teamwork mit einem großartigen Boxenstopp und einer klasse Kommunikation innerhalb der Mannschaft. Die erste Runde war richtig spannend. Wir hatten ähnliche Starts und als wir in Kurve vier einbogen, war ich etwas überrascht, dass Sebastian die Innenseite wählte und nicht nach außen ging. Das war meine Chance und ich musste sicherstellen, dass ich weit genug vor ihm lag. Wir haben uns ganz kurz berührt und mein Auto war danach leicht beschädigt, aber zum Glück konnte ich weiterfahren und mit Kimi mithalten. Sobald ich im zweiten Stint den Rückstand auf Kimi aufgeholt hatte, konnte ich sehen, wie seine Reifen Blasen warfen. Deshalb achtete ich mehr auf meine Pneus und stellte sicher, dass sich auf diesen keine Blasen bildeten. Als Valtteri dann zu seinem Boxenstopp abbog, war es ein wenig schwierig, mit Kimi mitzuhalten. Aber ich wusste, dass meine Reifen in einer besseren Verfassung waren. Ich musste alles geben, um die Lücke zu schließen, besonders in den Lesmos und Ascari. Aber diese Strecke ist einfach unglaublich, es ist so ein phänomenaler Kurs mit vielen schnellen Kurven. Und hier kann man dem Vordermann auch durch die Kurven und Schikanen hindurch folgen. Das macht es zu einem der besten Kurse auf der Welt. Es ist immer ein echtes Privileg, hier in Italien zu gewinnen. Aber wir müssen hart weiterarbeiten und dafür sorgen, dass wir ihnen auch in Singapur einen guten Kampf liefern!“

Daimler-Boss Dr. Zett und Teamchef Toto Wolff waren mit der Leistung seiner Piloten überaus zufrieden. Wolff sagte: „Das ist das Besondere am Rennsport: die Punkte werden erst am Sonntag und nicht schon am Samstag vergeben. Und heute durften wir das gesamte Rennen über einen fantastischen Kampf zwischen zwei Champions erleben. Lewis hat eine fehlerlose Leistung gezeigt. Er war mit seinem Auto immer am richtigen Ort, zeigte Geduld, wenn es nötig war, und fuhr einen fantastischen Sieg ein – seinen fünften hier in Monza. Aber wir dürfen auch Valtteri nicht vergessen: er ist ein großartiges Rennen gefahren und hat es verdient, auf dem Podium zu stehen. Die Plätze eins und drei sind für uns ein fantastisches Ergebnis und eine großartige Belohnung für all die harte Arbeit, welche die Mannschaft in Brixworth und Brackley in den vergangenen Wochen geleistet hat. Vergangene Woche hatten wir mit den Reifen zu kämpfen, heute warfen die weichen Reifen bei Ferrari Blasen. Ich glaube, dass wir heute Nachmittag mit Blick auf die Rennpace das schnellste Auto hatten – obwohl wir etwas vorsichtig sein müssen, weil wir nie Sebastians Pace ohne Schäden an seinem Auto gesehen haben. Aber wir konnten Kimi das gesamte Rennen über unter Druck setzen. Außerdem haben wir die Strategie genau richtig gewählt: Bei den Stopps von Kimi und Lewis waren wir darauf eingestellt, dass Gegenteil von Ferrari zu machen. Danach haben wir den Stint verlängert, um den größten Unterschied beim Alter der Reifen zu haben, nachdem Kimi an der Box gewesen ist. Bei Valtteri war es genauso: es war die richtige Strategie, ihn auf der Strecke zu lassen und so einen Unterschied zu Verstappen zu haben. So konnte er ihn in den Schlussrunden mit frischen Reifen angreifen. Genau das hat er geschafft und sich so seinen Podestplatz geholt. Alles in allem war es in jeder Hinsicht ein sehr guter Tag für das Team. Jetzt geht es nach Singapur, das in den vergangenen Jahren nicht zu unseren stärksten Strecken gezählt hat. Aber wir werden in den nächsten Wochen keinen Stein auf dem anderen lassen, um noch mehr Performance zu finden und weiter mit Volldampf daran arbeiten, unsere Führung in beiden Weltmeisterschaften auszubauen!“

Fazit: Monza war ein äußerst unterhaltsames und spannendes Rennen. Mercedes setzte auf eine clevere Strategie und hatte Glück mit den Reifen. Nach Kimis zu frühem Boxenstopp kämpfte Ferrari in Monza mit den Reifenproblemen, mit denen sich Mercedes in Spa herumschlagen musste. Dazu machte die Scuderia wohl einen großen strategischen Fehler. Anstatt bereits am Start alles auf Vettel zu setzen, ließ das Team beide Piloten frei gegeneinander fahren. Offiziell aus Respekt vor dem kürzlich verstorbenen Sergio Marchionne. Karin Sturm beschrieb die Lage bei Ferrari auf Spiegel Online mit diesen Worten: „Auch für den Rennstart gab es keine klare Regelung. Im Gegenteil: Aus Ferrari-Kreisen war vorher zu hören, wie die Wunschvorstellung von Präsident John Elkann aussah. Kimi Räikkönen solle gewinnen – und dann nach dem Rennen von sich aus seinen Rücktritt erklären. Was Ferrari ein wenig der Peinlichkeit enthoben hätte, demnächst offiziell erklären zu müssen, warum man den Finnen nun doch für 2019 durch Nachwuchsmann Charles Leclerc ersetzen wird. Obwohl die Mehrheit des Teams, einschließlich Teamchef Maurizio Arrrivabene und Vettel, Räikkönen behalten wollte.“ Schenkt man diesen Sätzen glauben, herrscht bei Ferrari wieder einmal ziemlich konfuses Chaos. Bei Mercedes ist der Status längst entschieden. Bottas ging in Monza als braver Sekundant für Hamilton ins Rennen und sicherte seinen Teamkollegen clever ab.

Noch ist diese Auf-Und-Ab Weltmeisterschaft nicht entschieden. Bei noch sieben Rennen startet der Schlußspurt am 16. September in Singapur. Im vergangenen Jahr wurde das Stadtrennen zur Vorentscheidung in Sachen Titelkampf. Beide Ferrari räumten sich selbst von der Strecke und Hamilton gewann das Rennen.

Fotos (c) Daimler AG, Ferrari, Red Bull CP