WRC Finnland: Ready For Take Off!

Mit dem achten Lauf der FIA-Rallye-Weltmeisterschaft wartet auf die Teams der Rallye-WM am Wochenende eine der schnellsten und spektakulärsten Veranstaltungen des Jahres. Insbesondere Sebastien Ogier muss auf finnischen Schotter aufdrehen. Hyundai-Pilot Thierry Neuville ist dem Weltmeister bereits um 27 Punkte enteilt!

M-Sport Ford und Sebastien Ogier sind bereit für das unglaubliche Weitsprung-Schotterspektakel der Rallye Finnland. Der achte von 13 Läufen zählt alljährlich zu den absoluten Höhepunkten des WM-Kalenders und beendet am letzten Juli-Wochenende die fast sechswöchige Sommerpause. Die Titelverteidiger schicken erneut drei der gut 380 PS starken, von Ford EcoBoost-Turbomotoren mit Benzindirekteinspritzung angetriebenen Fiesta WRC ins Rennen. Allein das Fahrzeug der amtierenden Weltmeisterteams Sébastien Ogier/Julien Ingrassia kommt aber in den Genuss der ersten neuen Aerodynamik-Bauteile, die das Team nach ausführlichen Tests im US-amerikanischen Ford Performance-Windkanal von Charlotte in Rekordzeit für die Highspeed-Veranstaltung angefertigt hat. Die Chancen von Elfyn Evans/Daniel Barritt und Teemu Suninen/Mikko Markkula auf ein Topresultat beim superschnellen ‚Finnland-Grand Prix‘ schmälert dies jedoch nicht. Während Ogier bereits 2013 als einem von wenigen Kontinentaleuropäern das Kunststück gelang, die spektakuläre Sprungkuppenorgie für sich zu entscheiden, haben Evans und WRC-Rookie Suninen im Vorjahr ihre Konkurrenzfähigkeit aufgezeigt: Sie erreichten das Ziel auf den Plätzen zwei und vier.

„In der langen Sommerpause haben wir die Hände nicht in den Schoß gelegt, sondern praktisch rund um die Uhr gearbeitet, um die neuen Aerodynamik-Komponenten rechtzeitig für die Rallye Finnland fertig zu bekommen“, erläutert M-Sport-Teamchef Malcolm Wilson sein Vorhaben. „Aktuell können wir damit leider nur den Fiesta WRC von Sébastien Ogier ausrüsten. Ich hoffe, es gibt ihm jenes kleine Extra an Konkurrenzfähigkeit, das er angesichts der enormen Konkurrenzdichte benötigt. Unser Ziel für die zweite Saisonhälfte steht fest: Wir wollen den Rückstand auf die Führenden in allen drei WM-Wertungen reduzieren – also in der Marken-, Fahrer- und Beifahrertabelle. Wir werden alles geben und ich bin mir sicher, dass wir bei den kommenden Läufen mit starken Ergebnissen aufwarten können. In Finnland wollen wir damit beginnen. 2017 haben unsere Fiesta auf diesen Strecken extrem gut funktioniert, alle drei Fahrer konnten um ein Spitzenergebnis kämpfen!“

Auch Citroen Racing will in Finnland zurück in die Erfolgsspur. Die Equipe präsentiert drei weiterentwickelte Citroën C3, die von den Fahrer-Duos Craig Breen/Scott Martin, Mads Östberg/Torstein Eriksen und Khalid Al Qassimi/Chris Patterson pilotiert werden. Citroën kann im Land der tausend Seen auf zahlreiche Erfolge zurückblicken. Bereits 2008, 2011, 2012 und 2016 siegte das Team Citroën Total Abu Dhabi auf den Schotterprüfungen in den finnischen Wäldern und hat damit seine Anpassungsfähigkeit an die speziellen Anforderungen der Rallye bewiesen. Im Gegensatz zu vielen anderen Events steht bei der Fahrzeugabstimmung nicht der Grip im Vordergrund, sondern ein besonders präzise zu fahrendes Fahrzeug. Citroën setzt daher auf eine neue Vorderachsgeometrie, die zuletzt von Craig Breen bei der Rallye Estland, einem Testeinsatz für Finnland, erprobt wurde. „Die Rallye war eine tolle Vorbereitung“, sagte der Nordire. „Wir hatten die Gelegenheit ein paar Dinge auszuprobieren. Mit der neuen Vorderradaufhängung ist die Balance des C3 WRC noch besser. Ich bin zuversichtlich für Finnland, denn es ist eine der Rallyes, bei denen ich die meiste Erfahrung habe. Diese ist dort entscheidend, auch wenn einige der Wertungsprüfungen in diesem Jahr neu sind.“ Bisher startete Breen acht Mal in Finnland, sein bestes Resultat ist ein dritter Rang.

Teamkollege Mads Östberg nimmt wieder den Platz von Kris Meeke ein und wurde vor einem Monat mit dem Werksfahrerstatus belohnt. ‚Mad‘ Mads trat bereits zwölf Mal in Finnland an. Das beste Ergebnis des Norwegers bisher: ebenfalls ein dritter Rang. „Die Rallye Finnland ist eine meiner Lieblingsveranstaltungen im Kalender“, so Östberg. „Es ist wichtig, dass man einen genauen Aufschrieb erstellt, aber danach heißt es nur noch angreifen. Man braucht sich in Finnland keine Sorgen über den Reifenverschleiß oder schlechter werdende Strecken machen. Ich habe gute Erinnerungen an die Veranstaltung, insbesondere an das Podium mit Citroën im Jahr 2015. Ich hoffe, ich kann von den zweitägigen Testfahrten profitieren, die wir vor der Rallye absolvieren, und eine ähnliche Leistung zeigen!“ Der dritte Citroën wird erstmals seit Argentinien wieder von Khalid Al Qassimi gefahren. Für den Piloten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten geht es vor allem darum, viel Erfahrung zu sammeln.

Aufgrund der hohen Geschwindigkeiten bei der Rallye Finland ist eine gute Streckenkenntnis sehr wichtig. Allerdings sind für 2018 rund mehr als die Hälfte der mit unzähligen Hügeln versehenen Strecken neu. Dazu gehören der Shakedown sowie Prüfungen wie Ässämäki und Äänekoski am Freitag und Laukaa am Sonntag. Bei anderen Prüfungen wurden dagegen einzelne Abschnitte verändert. Rund 40 Prozent der anspruchsvollen Schotterpisten werden am kommenden Wochenende erstmalig befahren. Die Fahrercrews stehen daher vor der Herausforderung – insbesondere bei der der ersten Passage der Prüfungen –, einerseits möglichst schnell zu fahren und andererseits den Aufschrieb, der bei deutlich geringeren Geschwindigkeiten erstellt wurde, zu verifizieren.

„Man muss alles abwerfen, um in Finnland schnell zu sein“, sagt Pierre Budar, Teamchef von Citroën Racing. „Da wir die Rallye Estland und einen viertägigen Test absolviert haben, sind wir gut gerüstet. Die Rallye zählt zu denen, die das Team am besten kennt. Mit den Updates am Citroën C3 WRC glaube ich, dass wir an der Spitze mitkämpfen werden – auch wenn die Konkurrenz wieder stark sein wird!“

Dazu zählt auch Toyota, die in Finnland auf ihren Heimvorteil setzen. Mit dem Vorjahressieger dürfte am Wochenend zu rechnen sein. Esapekka Lappi trieb den Toyota Yaris WRC im letzten Jahr zu 22 Bestzeiten. Hyundai Motorsport will dagegen den kleinen Finnland-Fluch besiegen und wertvolle WM-Punkte sammeln. Bei den vier, bisher von Hyundai Motorsport gefahrenen Finnland Rallies kam das Team aus Alzenau nicht über den vierten Platz hinaus. Ein Podium wäre natürlich ein toller Erfolg, doch Teamchef Michel Nandan schielt auch auf WM-Zähler, die für die drei Hyundai i20 WRC vermutlich wichtiger sind. Interessant wird der Auftritt von Hayden Paddon. Der Kiwi nahm ebenfalls an der Rallye Estonia teil und kam beim Finnland-Test auf den zweiten Rang. Gesamtsieger wurde übrigens Ott Tänak. Damit setzte der Toyota-Pilot bereits eine erste Duftmarke für die Rallye Finnland

WRC plus überträgt alle finnischen Sonderprüfungen live gegen Entgeld. Kostenlos kann man wieder mit Red Bull TV dabeisein. Der Brausesender übertragt die Super Stage am Samstag ab 14:45 Uhr live und bringt Freitag, Samstag und Sonntag ab 9 Uhr eine Zusammenfassung des Vortages.

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Fotos (c) Citroen Racing, Ford Werke, Hyundai Motorsport GmbH, Toyota Gazoo Racing