F1 Hockenheim: Lewis siegt, Vettel schmeisst weg!

Beim Großen Preis von Deutschland fährt Lewis Hamilton von Platz 14 zum Sieg. Sebastian Vettel wirft den sicher geglaubten Erfolg einfach weg und verabschiedet sich von der WM-Führung!

Mercedes gelingt in Hockenheim ein bravouröser Konter. Nach der Niederlage von Silverstone holten die Silberpfeile das Beste aus der schwierigen Situation und hofften auch auf ein wenig Glück. Der Regen und eine Safety Car Phase spülten Lewis zurück auf die Siegerstraße. Sebastian Vettel vergeigte das Rennen und flog in der Sachskurve unbedrängt von der Strecke. Valtteri Bottas machte den Doppelsieg für Mercedes perfekt. Kimi Räikkönen kam im zweiten Ferrari auf den dritten Rang. „So ein Rennen habe ich noch nie erlebt“, sagte Lewis Hamilton im Daimler-Mediendienst. „Ich wusste von Anfang an, dass ich die Spitze einholen musste. Das war mein Ziel. Ich fuhr einen sehr langen ersten Stint, aber kurz bevor es anfing zu regnen, musste ich an die Box gehen, da die Reifen einfach nicht mehr länger gehalten hätten. Es regnete immer mehr und die Bedingungen waren richtig schwierig. Aber ich war schon soweit gekommen, dass ich unter keinen Umständen aufgeben wollte. Dieser Doppelsieg für Mercedes ist absolut fantastisch, gerade an einem Wochenende, an dem das Team uns mit der Vertragsverlängerung sein Vertrauen ausgesprochen hat. Ich hätte das niemals für möglich gehalten, aber ich habe einfach weiter alles gegeben, daran geglaubt und dann hat es geklappt. Vor dem Rennen habe ich wie immer gebetet und es scheint, als ob diese Gebete erhört wurden. An diesem Wochenende gab es viel Negatives, aber ich habe das Gefühl, dass der Regen das alles weggewaschen hat. Es ist wie ein Traum und ich werde diesen Tag niemals vergessen!“ Teamkollege Bottas hätte das Rennen selbstverständlich auch gerne gewonnen. Der Finne kämpfte um den Sieg und sah dabei nicht einmal schlecht aus. Doch Lewis lieferte eine fulminante Aufholjagd und hatte etwas mehr Glück mit dem Safetycar. Mit Hamiltons Entscheidung auf den geplanten zweiten Boxenstopp zu verzichten, setzte sich Lewis gegen sein Team durch und entschied sich im Sekundenbruchteil gegen den Halt. Danach sicherte Mercedes den Doppelsieg ab während sich dahinter ein Drama abspielte.

Sebastian Vettel gelang ein Traumstart, Doch dem Heppenheimer, der sein Heimrennen noch nie gewinnen konnte, unterlief ein schwerer Fehler. Bei einsetzendem Regen versenkte Vettel seinen Ferrari unbedrängt in die Streckenbegrenzung der Sachs-Kurve. Der Ausfall schmerzt gleich doppelt. Zum einen war der Ausrutscher ein dummer Anfängerfehler, den man vom Vierfachen so nicht erwarten konnte, denn bis dahin hatte Vettel sein Rennen unter Kontrolle. Zum anderen kostete der Ausfall die WM-Führung, die nun wieder an Hamilton und Mercedes wechselte. Vettel verpasste wieder einmal seinen Sieg in Hockenheim. Platz drei 2010, als der Hesse in Hockenheim ebenfalls von Pole gestartet war, bleibt sein bestes Resultat. Den einzigen Formel-1-Sieg in Deutschland feierte er 2013 auf dem Nürburgring beim letzten Rennen dort. Stand gestern war der zunächst ereignislose, am Ende aber hoch dramatische und mitreißende Grand Prix am Sonntag auf dem Hockenheimring vermutlich doch nicht der letzte Rennen. „Wir arbeiten gemeinsam an einer Lösung. Ich habe den Eindruck, dass Liberty Media den deutschen Grand Prix nicht aus dem Kalender streichen will“, sagte Hockenheimring-Chef Georg Seiler im Interview mit der Montagsausgabe des Mannheimer Morgen. Der Grund: Der Grand Prix in Miami steht wegen offener Finanzierungsfragen zur Disposition. Als Formel-1-Boss Chase Carey und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer vor dem Rennen am Sonntag ein paar Sätze wechselten, musste bei den Unterstützern des Großen Preises von Deutschland zwangsläufig Hoffnung aufkeimen. Und tatsächlich: Er werde für den Erhalt der Formel 1 im Lande kämpfen, erklärte Scheuer vor Journalisten. In welcher Form, ließ der CSU-Politiker allerdings offen. Kein Wunder, denn die CSU und ihre Politiker haben zur Zeit ganz andere Probleme!

Die italienische Medienlandschaft hatte keine guten Schlagzeilen für Vettels Aussetzer. „Das Verhalten der beiden Starpiloten macht den Unterschied“, schrieb der Corriere della Sera: „Hamilton siegt mit einem Meisterwerk von Durchsetzungskraft und Konzentration.“ Von Platz 14 hatte tatsächlich auch der fulminante Brite zuvor noch nicht gewonnen. Ein Sieg, der ihm allerdings nur gelingen konnte, weil Vettel unter ganz leichtem Druck des Mercedes-Piloten bei Nässe in der engen Sachs-Kurve zu viel riskierte. La Reppublica und La Stampa schrieben unisono von einer „weiteren verschwendeten Gelegenheit“. Dass Vettel zum wiederholten Mal die Schuld ausschließlich bei sich selbst suchte, konnte die Weltuntergangsstimmung rund um die Scuderia nicht aufhellen. Im Gegenteil: Unterschwellig wirft man Vettel vor, durch derartige Eingeständnisse gezielt besänftigen zu wollen. Ebenso unterschwellig trauern die italienischen Medien der Tatsache nach, dass sich Weltmeister und Hockenheim-Gewinner Lewis Hamilton erst in der vergangenen Woche bis 2020 an Mercedes gebunden hat – und die Silbernen womöglich in diesem Jahr zum fünften Mal in Folge zum Konstrukteurstitel führen wird!

Zugegeben: Hier im Dorf hält eine gewisse Schadensfreude über Vettels Aussetzer auch heute noch an. Am kommenden Sonntag in Budapest muss Vettel alles riskieren. Der Kampf um die Weltmeisterschaft ist längst noch nicht beendet!

Fotos (c) Daimler AG, Ferrari, RTL