Le Mans Classic 2018: Sommerfest der Superlative!

Das 24-Stunden-Rennen von Le Mans schreibt unzählige Geschichten und das alle zwei Jahre stattfindende Le Mans Classic erzählt diese Geschichten. Am vergangenen Wochenende war es wieder soweit!

Das Le Mans Classic fand zum neunten Mal statt. Das dieser automobil- und rennsporthistorisch so wertvolle Termin nur alle zwei Jahre stattfindet, hat auch sein Gutes! Die Veranstaltung, die vor knapp 20 Jahren vom Automobile Club de l’Ouest und Peter Auto ins Leben gerufen wurde, ist zu einem absoluten MUST in der Welt der historischen Automobile geworden. Alle bisherigen Le Mans Classic Events haben das Publikum, die Teilnehmer, die Markenclubs, die Wächter unseres großartigen automobilen Erbes sowie die Aussteller im Sturm erobert, die in immer größerer Zahl auf den Circuit de la Sarthe strömten. Im Jahr 2016 gab es 123 000 Zuschauer, 600 Autos auf der Strecke und 8500 von den Clubs mitgebrachte Fahrzeuge. Im Jahr 2018 fielen gleich mehrere Rekorde. Denn bei bestem Sommerwetter wurden gleich mehrere Jubiläen gefeiert, darunter insbesondere der 40. Geburtstag von Alpine bei den 24 Stunden von Le Mans sowie der 70. Geburtstag des Porsche 356. Über 135.000 Zuschauer fanden den Weg an die Strecke und waren hellauf begeistert von den knapp 1.000 Rennfahrzeugen, die sich in sechs, nach Alter sortierten Grids, den Le Mans Classic stellten. Dabei sorgte ein gut bekannter deutscher Motorsportler für beste Unterhaltung. Sport1 Experte Patrick Simon nahm als Gaststarter Platz in einem Jaguar D Tye aus dem Jahr 1955. Im Grid 2 gab Simon herzerfrischend den Ton an und ließ die Katze von der Kette. Simons Windschattenduelle auf der Hunaudieres und seine Drifts in Arnage, aber auch die spürbar riesengroße Freude, dieses Auto im Grenzbereich zu bewegen, waren absolut sehenswert!

Auch übertragungstechnisch setzte das Le Mans Classic 2018 wieder Maßstäbe. Alle wichtigen Entscheidungen wurde liive ins World Wide Web gestreamt, versehen mit dem fachkundigen Kommentar von Martin Haven, der zu jedem Auto eine oder zwei Anekdoten parat hatte.


Ganz besondere Aufmerksamkeit verdient an dieser Stelle selbstverständlich der gigantische Aufmarsch der historischen Gruppe C Autos aus den Jahren 1982 bis 1993, die wie fast keine andere Rennsportwagen-Gruppe die Popularität der 24 Stunden von Le Mans geprägt haben. Das diese wertvollen Kulturgüter des internationalen Motorsports aber auch noch spektakuläre Rennen fahren können, bewiesen diese faszinierenden Maschinen in den Händen kundiger Privatiers. Da musste selbst der beinahe 1.000 PS starke und klar favorisierte FromA-Nissan R90 CK auf der Strecke mächtig kämpfen. Auch der zweite Favorit musste Federn lassen. Der TRUST-Porsche 962 mit der Startnummer 82 verfehlte beim historischen Aufeinandertreffen den Sieg. Beinahe makaber, war der TRUST 962C mit der Chassisnummer 962-170 einer der letzten Neun Zweiundsechsziger die von Porsche im Jahr 1990 gebaut wurden und beinahe ohne jeden echten Renneinsatz. Ausgerüstet mit dem 3,2 Liter Turbomotor ging der Wagen 1991 nach Japan, jedoch ohne die Antriebseinheit. Der Motor wurde seperat verschifft um Zollgebühren zu sparen. Das TRUST Team setzte den 962 allerdings nur zu Testzwecken ein. Nach einer gründlichen Restaurierung durch Bruce Canepa startete der TRUST 962 seine Karriere im historischen Motorsport und gastierte 2015 bei der Monterrey Motorsports Reunion und der fünften Porsche Rennsport Reunion. Die Krönung seiner Laufbahn erlebte der TRUST 962 am Samstag im Gruppe C Revival der Le Mans Classic 2018. Gesamtsieger des Gruppe C Rennens wurde der vom Deutschen Fritz Gebahrdt im Jahre 1991 gebaute Gebhardt C91 mit Michael Lyons am Steuer.

Allein der Sound dieser Gruppe C Meute ist über jeden Zweifel erhaben! Das großartigste Symphonieorchester der großen alten Zeit des Motorsports muss man einfach erleben. In zwei Jahren ist es wieder soweit. Dann wartet die zehnte Ausgabe des Le Mans Classic. Ganz sicher mit neuen Rekorden und Geschichten!

Fotos (c) Pierre-Yves Riom, Pascal Saivet, Laurent Cartalde, Kristof Vermeulen, Christophe Jouniaux, Mathieu Bonnevie