WRC Italien: Neuville, der Teufelskerl!

Die zurückliegende WRC Rally Italia Sardegna wurde zu einem der spannendsten Rallye-WM-Läufe der Geschichte. Hyundai-Pilot Thierry Neuville gelang nach einem Husarenritt das Unmögliche. Mit einer Serie von Etappensiegen entriß der Belgier dem Weltmeister Sebastien Ogier die Führung und verdampfte einen 3,9 Sekunden Rückstand. Teufelskerl Neuville fuhr mit einem Vorsprung von 0,7 Sekunden ins Ziel.

„Wir wussten, dass wir alles geben mussten“, sagte ein jubelnder Thierry im Ziel. „Es war ein wahrhaft fantastischer Kampf mit Seb. Dies ist ein kostbarer Sieg und wir senden ein riesiges Dankeschön an das ganze Team, das uns so ein tolles Auto gegeben hat!“ Der Abstand von 0,7 Sekunden ist eines der knappsten Ergebnisse aller Zeiten, entspricht demselben Ergebnis der Rally Argentina von 2017, als das belgische Hyundai-Team Elfyn Evans schlug. Das Ergebnis ist Hyundais insgesamt zehnter WRC-Sieg und das 40. Podiumsergebnis. Hyundai-Teamchef Michel Nandan war zu Recht war voll des Lobes über die Leistung. „Ich bin höchst erfreut“, sagte er am Ende der Power Stage. „Es war ein perfekter Sieg. Ich konnte vor lauter Spannung nicht stillsitzen, wie der Rest des Teams auch. Es ist der ideale Aufbruch in die Sommerpause!“ Am letzten Vormittag gab es an anderer Stelle weitere Gründe für Optimismus. Hayden Paddon und sein Beifahrer Seb Marshall belegten den vierten Platz, ihr bisher bestes Ergebnis in der Saison, während Andreas Mikkelsen und Anders Jaeger zwei Punkte aus einem schwierigen Wochenende retteten, als sie die Power Stage als Vierte abschlossen. „Wir gaben in der Power Stage alles, was wir hatten, um wenigstens etwas von einem frustrierenden Wochenende zu retten“, sagte Andreas Mikkelsen. „Wir verlassen Sardinien mit dem Gefühl einer verpassten Chance, aber wir werden für Finnland bereit sein.“ Hayden Paddon ergänzte: „Wir wollten mehr aus dieser Veranstaltung herausholen, aber ein vierter Platz gibt uns wichtiges Vertrauen. Es war schön, die Rally Italia Sardegna das erste Mal nach drei Jahren zu absolvieren und wichtige Punkte für die Herstellerwertung zu erzielen!“

Mit dem zweiten Rallyesieg in Folge nach Portugal hat Hyundai Motorsport die Führung in der WM-Wertung auf 212 Punkte ausgebaut, M-Sport Ford liegt bei 184 Zählern. Mit fünf zusätzlichen Punkten für seine Power-Stage-Leistung hat Thierry die maximalen 30 Punkte zum Ausbau seines Vorsprungs in der Fahrerwertung auf 27 vor Ogier geholt. „Einer der besten Siege unserer Karriere“, schloss Thierry. „Die Führung in beiden Meisterschaften auf dem Weg in die Pause gibt uns die Motivation, die wir für die zweite Hälfte der Saison brauchen!“

Die amtierenden Rallye-Weltmeister Sébastien Ogier und sein Copilot Julien Ingrassia fuhren bei der WM-Rallye Italien mit ihrem Ford Fiesta WRC des Teams M-Sport Ford auf Platz zwei ins Ziel. Trotz des knappen Rückstands blickt Ogier dem bevorstehenden Kampf um den Weltmeistertitel optimistisch entgegen. Mit Rang zwei sowie vier Zusatzpunkten für die zweitschnellste Zeit auf der abschließenden Power Stage sicherte sich der 34-Jährige zwar wichtige WM-Zähler, rangiert im Gesamtklassement aktuell aber nur auf Position zwei. Auf der letzten Etappe der WM-Rallye Italien lieferten sich die amtierenden Weltmeister mit Thierry Neuville/Nicolas Gilsoul einen packenden Zweikampf um den Sieg. In seinem Ford Fiesta WRC hatte Ogier am Freitagnachmittag die Gesamtführung übernommen. Diese verteidigte der Franzose bis zum Start der letzten Wertungsprüfung. Vor Beginn der sonntäglichen Schleife war das Zeitpolster auf seinen Verfolger jedoch auf 3,9 Sekunden zusammengeschmolzen. Daher stand der Champion vor einem schwierigen Balanceakt: Auf der Jagd nach dem Sieg wollten Sébastien Ogier und sein Copilot Julien Ingrassia einen Ausfall vermeiden und am Ende dennoch möglichst viele WM-Punkte mit nach Hause nehmen. Ogier gab Vollgas und es entbrannte ein hochspannendes Duell um die erste Position. Letztlich musste sich der Fiesta-Pilot um lediglich 0,7 Sekunden geschlagen geben – dies war zugleich das drittknappste Ergebnis in der Geschichte der Rallye-WM.

Mit einem weiteren Podiumsplatz verabschiedet sich das Toyota GAZOO Racing World Rally Team in die Sommerpause: Esapekka Lappi und Janne Ferm landeten bei der Rallye Sardinien, dem siebten Lauf der Rallye-Weltmeisterschaft, auf dem dritten Platz.

Auf den Schotterpisten der Mittelmeerinsel hatte das Duo in seinem Toyota Yaris WRC schon vor dem Finaltag einen großen Vorsprung auf die Verfolger. Entsprechend verhalten wurden die vier letzten Wertungsprüfungen angegangen, trotzdem stand im Ziel ein Vorsprung von satten 58,9 Sekunden. Mit dem zweiten Podium seiner Karriere kletterte Lappi in der Gesamtwertung auf den vierten Rang – knapp hinter Ott Tänak. Der Este und sein Beifahrer Martin Järveoja sammelten als Neunte ebenso Punkte wie Jari-Matti Latvala und Miikka Anttila, die sogar auf Platz sieben ins Ziel kamen. Beide Fahrer-Duos hatten die Rallye Sardinien unter Rally 2-Regeln wieder aufgenommen, nachdem eine Fahrzeugbeschädigung am Freitag bei Tänak bzw. ein technischer Defekt am Samstag bei Latvala für das vorzeitige Aus sorgten. „Glückwunsch an Esapekka zum Podiumsplatz. Am ersten Tag hat er etwas Zeit verloren, aber dann eine wirklich gute Figur gemacht, sich konzentriert und keine Fehler begangen. Dieses Podium ist das verdiente Ergebnis“, freute sich Teamchef Tommi Mäkinen. „Natürlich können wir mit unserem Wochenende nicht ganz zufrieden sein. Es wäre schön gewesen, wenn auch Jari-Matti und Ott bis zum Schluss um die Podestplätze gekämpft hätten. Es ist wirklich bedauerlich, was beiden passiert ist, aber das ist Rallyesport und kann passieren, besonders bei einem so harten Event!“ In der Fahrerwertung liegt Ott Tänak unverändert auf Platz drei, dahinter folgt nun Esapekka Lappi. Auf Position neun rangiert Jari-Matti Latvala. Bei den Herstellern liegt Toyota als Dritter weiterhin auf Podiumskurs.


Die WRC pausiert jetzt rund sieben Wochen: Der nächste Lauf ist die vom 26. bis 29. Juli stattfindende Rallye Finnland. Die Veranstaltung ist die schnellste Rallye im Kalender, glatte Schotterpisten inmitten finnischer Wälder und Seen umfassen zahlreiche Sprünge. Der Servicepark ist in Jyväskylä beheimatet, unweit der Zentrale des Toyota GAZOO Racing World Rally Teams. 2017 konnte Esapekka Lappi sein Heimrennen und das des Teams gewinnen.

Citroen Racing lieferte nach dem Rausschmiss von Kris Meeke eine gute Teamleistung ab. Auf den für Mensch und Maschine anspruchsvollen Schotterpisten des italienischen Laufs zur Rallye-Weltmeisterschaft erkämpften Mads Östberg und Craig Breen die Plätze fünf und sechs. Trotz allem wird so manchem Beobachter aufgefallen sein, das Meeke womöglich mehr hätte draus machen können als Östberg und Breen. Doch die beiden Citroen-Piloten gingen keine unnötigen Risiken ein und konzentrierten sich darauf, ihre Positionen fünf und sechs sicher ins Ziel zu bringen – was ihnen gelang. Diese extrem anspruchsvolle Rallye ohne große Probleme und mit einem soliden Mannschaftsergebnis für das Citroën Total Abu Dhabi World Rally Team abgeschlossen zu haben ist für das Citroen Racing World Rally Team ein positives Signal für die zweite Saisonhälfte.

Endgültige Gesamtwertung – Rally Italia Sardegna

1 T. Neuville / N. Gilsoul (Hyundai i20 Coupe WRC) 3:29:18.7
2 S. Ogier / J. Ingrassia (Ford Fiesta WRC) +0.7
3 E. Lappi / J. Ferm (Toyota Yaris WRC) +1:56.3
4 H. Paddon / S. Marshall (Hyundai i20 Coupe WRC) +2:55.2
5 M. Østberg / T. Eriksen (Citroën C3 WRC) +3:10.9
6 C. Breen / S. Martin (Citroën C3 WRC) +4:31.7
7 J.M. Latvala / M. Anttila (Toyota Yaris WRC) +11:22.1
8 O. Tänak / M. Järveoja (Toyota Yaris WRC) +12:38.2
9 J. Kopecky / P. Dresler (Škoda Fabia R5) +13:14.6
10 T. Suninen / M. Markkula (Ford Fiesta WRC) +15:30.4

Fotos (c) Rally Italia Sardegna, Citroen Racing/World Media, Hyundai Motorsport, GmbH, Toyota GAZOO Racing, Ford GmbH