DTM Budapest: Chaos, Drama und ein Überraschungstrio!

Spätestens nach dem Samstagsrennen war den meisten Beobachtern klar: Mercedes-Benz beherrscht den Hungaroring. Doch zur Überraschung aller kam am Sonntag alles anders!

Der sechste DTM-Lauf auf dem Hungaroring wurde überschattet von einem kurzen, aber heftigen Regenschauer, der für ordentlich Chaos sorgte. Hauptleidtragende waren ein Offizieller und zwei Mechaniker die mit Beinbrüchen und schweren Prellungen ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Während eines Regenschauers steuerten die DTM-Boliden die Boxengasse an, doch die Betonfläche vor den Garagen war glatt wie Schmierseife. Lukas Auer, Bruno Spengler und Edo Mortara rutschen über ihre Box hinaus und trafen unglücklicherweise dort wartende Personen. Mehrere Rettungsfahrzeuge bemühten sich unverzüglich zu den Unfallstellen. Sicherheitshalber wurde das Rennen abgebrochen. Während der knapp 30-minütigen Pause trocknete die Strecke ab und das Rennen wurde forgesetzt. Pech für die fünf Piloten, die ihren Pflichtboxenstopp noch nicht abgeleistet hatten. Pascal Wehrlein verlor seine Führung, Auch Daniel Juncadella, Nico Müller, Jamie Green und Gary Paffett mussten zum Reifenwechsel und verloren eine aussichtsreiche Position im Rennen. Die noch am Samstag chancenlos hinterherfahrenden BMW-Piloten waen plötzlich wieder im Geschäft. Als nach dem Re-Start die bisherige Spitzengruppe zum obligatorischen Reifenwechsel die Box ansteuern musste, übernahm Wittmann im BMW M$ DTM Platz eins und fuhr seinen zehnten DTM-Sieg souverän nach Hause. Marco Wittmann feierte seinen ersten Saisonsieg vor Timo Glock, der Zweiter wurde und sich mit 90 Punkten wieder an die Spitze der Fahrerwertung setzte. Das BMW Team RMR übernahm mit 131 Zählern die Führung bei den Teams. Als dritter komplettierte DTM-Rookie Philipp Eng einen überraschenden BMW Dreifacherfolg, den so wohl niemand auf der Rechung hatte.

Mercedes erlebte am Sonntag ein Desaster. Bereits der Mercedes-Doppelsieg am Samstag sorgte für Diskussionen. Paul Di Resta gewann das Rennen vor Lucas Auer. Auer musste sich dabei einer vermutlichen Teamorder beugen, die nach dem taktisch geprägten Samstagsrennen für reichlich Diskussionstoff sorgte. Für DTM-Chef Gerhard Berger war diese Aktion völlig inakzeptabel. Mercedes-Teamchef Ulrich Fritz bestritt vor den laufenden SAT1-Kameras eine Stallregie. Schwamm drüber! Teamorder ist seit einer gefühlten Ewigkeit im Motorsport verwurzelt. Das SAT1-Experte Timo Scheider kein Blatt vor den Mund nahm und die Mercedes-Aktion mit den Worten kommentierte „Das ist Scheisse. Sorry das sagen zu müssen, aber es ist so. Di Resta hat Auer nach dem Stopp erst vorbeifahren lassen, später wurde zurückgetauscht. Das ist eigentlich ein No-Go und wollen wir nicht sehen“, ist nach Timos Rausschmeiss-Geschichte durchaus amüsant. Mercedes hat am Samstag als Team gut funktioniert und selbst Lucas Auser hatte keine Ambitionen, sich gegen Paul Di Resta zu wehren. „Ja klar. Audi war zu dem Zeitpunkt nicht weit weg. Da denke ich gar nicht an Paul, sondern an mich selbst. Wenn ich schon nicht gewinne, will ich wenigstens Zweiter werden. Da muss man einfach weiter denken“, sagte Auer in der SPEEDWEEK. Am Sonntag ging Auer von der Pole ins Rennen, musste sich aber nach einem turbulenten Rennen mit den neunten Platz zufrieden geben. Paul Di Resta und Edoardo Mortara belegten die Ränge fünf und zehn. Daniel Juncadella und Pascal Wehrlein führten das Rennen nach dem Re-Start zwischenzeitlich an, kamen nach ihrem Pflichtboxenstopp auf den Plätzen 14 und 16 ins Ziel. Gary Paffett beendete das Rennen auf Rang 18.

Audi sah in Budapest wieder ein wenig Land. Am Samstag fuhr Nico Müller aufs Podium. Am Sonntag verpasste Mike Rockenfeller das Treppchen nur knapp. Einer der Gewinner der DTM-Lotterie von Budapest war Mike Rockenfeller vom Audi Sport Team Phoenix. Von Startplatz 16 ins Rennen gegangen, wechselte Rocky gleich in der ersten Runde die Reifen. Nach sieben Runden sorgte ein starker Regenschauer für drei schwere Unfälle in der Boxengasse und eine längere Rennunterbrechung, die all jene Fahrer benachteiligte, die noch nicht gestoppt hatten oder zum Zeitpunkt des Abbruchs gerade an der Box waren. Außer Rockenfeller traf das auf alle anderen fünf Audi-Piloten zu. „Das war ein verrücktes Rennen“, sagte der DTM-Champion von 2013, der nach dem Restart Vierter wurde. „Dass ich es fast aufs Podium geschafft hätte, ist heute völlig nebensächlich“ „Am wichtigsten ist, dass die Unfälle in der Boxengasse zum Glück offenbar nicht ganz so schlimm ausgegangen sind, wie man es zunächst befürchten musste“, sagte Audi-Motorsportchef Dieter Gass. „Die Situation war für alle Fahrer schwierig, denn sie wussten nicht, welche Bedingungen sie in der Boxengasse erwarteten. Durch die Rote Flagge war das Rennen für alle gelaufen, die zuvor noch nicht an der Box waren. Am Ende ist noch ein vierter Platz für Mike Rockenfeller herausgesprungen. Das ist nicht schlecht, aber nach dem gestrigen Tag hatten wir uns mehr versprochen!“

Weiter geht es in der DTM am 23. und 24. Juni beim Rennen auf dem Norisring.

Fotos (c) Audi Communications Motorsport, BMW AG, Daimler AG