24H Nürburgring: Hell’s Angels!

Kein Zweifel! Mit den 24 Stunden vom Nürburgring erlebte der Freund des gepflegten Motorsports am vergangenen Wochenende einen Rennsportgipfel, der nichts – aber auch gar nichts – zu wünschen übrig ließ. Manthey Racing fuhr mit dem zweiten ‚Grello‘ einen hart erkämpften Gesamtsieg ein. Der Kraftprotz mit der Startnummer 912 holte nach über fünf Jahren den Titel zurück in die Vulkaneifel und verwies die Black Falcon Benz auf die Plätze. Der hoch eingeschätze Aston Martin Zwölfzylinder musste sich mit Rang vier begnügen!

Wieder einmal lieferte die kleine Landstraße im Herzen der Eifel einen Ringkampf, der alles in den Schatten stellte, was sich in diesem Jahr mit dem Prädikat 24-Stunden-Rennen geschmückt hat oder noch schmücken wird. Annähernd 210.000 eingefleischte Motorsportfans trotzten den heißen Sonnenstrahlen am Samstag und machten auch am Sonntag, bei heftigstem Dauerregen mehr als nur ein Faß auf. Pünktlich um 15:30 Uhr setzte sich das 147 Wagen umfassende Feld in Bewegung. Mantheys Porsche 911 GT3 R mit dem Spitznamen ‚Grello‘ und der Startnummer 911 verteidigte seine Pole Position und bog als erster auf die Nordschleife ein. Das Schwesterauto kämpfte nach dem ersten Umlauf bereits mit einem Reifenschaden und fiel weit zurück. In der Nacht schloss die Besatzung mit Richard Lietz, Patrick Pilet, Frédéric Makowiecki und Nick Tandy jedoch wieder zur Spitze auf und behauptete trotz einer Zeitstrafe Platz zwei. Als das Rennen am Sonntag nach einer Nebelunterbrechung um 13:45 Uhr wieder gestartet wurde, übernahm Schlussfahrer Frédéric Makowiecki nach einem mutigen und gekonnten Überholmanöver die Führung und fuhr nach 135 Runden als Erster über die Ziellinie.

Das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring war von zwei sehr unterschiedlichen Hälften geprägt: Bis in die Nacht hinein erlebten die 210.000 Zuschauer bei optimalen äußeren Bedingungen eine spannende Tempojagd über die Nordschleife, bei der sich die Mercedes-AMG GT3 Fahrzeuge von Anfang an in der Spitzengruppe festsetzen konnten. Ab der Rennmitte sorgte ein heftiges Unwetter und bis zum Rennschluss anhaltender Regen für dramatische Szenen und zusätzliche Spannung. Am Ende machten die Sportwagenmarken Mercedes-AMG und Porsche in einem packenden Finish den Sieg unter sich aus.

Von Beginn an mit an der Spitze lag der vom vierten Platz mit Startnummer 4 gestartete Mercedes-AMG GT3 des Mercedes-AMG Teams BLACK FALCON. Adam Christodoulou, Maro Engel , Manuel Metzger und Dirk Müller übernahmen in er Nacht die Führung und bauten diese deutlich aus. Zudem wurde der bis dato Zweitplatzierte mit einer Zeitstrafe belegt. Dreieinhalb Stunden vor Ende des Rennens kam es wegen zunehmend schlechter Sichtverhältnisse zu einer Unterbrechung des Rennens.

Durch den Restart hinter dem Safety-Car war der Vorsprung jedoch dahin und der einzige Verfolger, der noch in der gleichen Runde wie der führende Mercedes-AMG GT3 war, konnte sofort Druck auf Schlussfahrer Adam Christodoulou aufbauen. Eine Stunde vor Rennende musste Christodoulou den gelben Manthey-Porsche schließlich passieren lassen. Auf regennasser Strecke lieferten sich die Führenden noch einige packende Duelle um den Sieg. Mit zunehmender Renndauer verlegte sich Christodoulou jedoch darauf, den zweiten Platz sicher ins Ziel zu bringen.

Hinter dem Führungsduo setzte sich die Startnummer 5 des Mercedes-AMG Teams BLACK FALCON im Kampf um den verbleibenden Podiumsplatz durch. Beim Restart nahm das Fahrzeug von Yelmer Buurman, Thomas Jäger, Jan Seyffarth und Luca Stolz den Rest des Rennens vom fünften Platz aus in Angriff. Schlussfahrer Buurmann zog zunächst am BLACK FALCON Mercedes-AMG GT3 Nummer 6 vorbei und kassierte mit einer fahrerisch starken Leistung eine halbe Stunde vor Schluss noch den vor ihm liegenden Aston Martin. Nach 135 Runden machte der Niederländer das Doppelpodium für Mercedes-AMG und BLACK FALCON perfekt.

Im Mercedes-AMG GT3 mit der Startnummer 6 konnte Schlussfahrer Hubert Haupt nicht mehr in den Kampf um das Podest eingreifen. Eine halbe Stunde nach dem Restart büßte er seinen zwischenzeitlichen dritten Rang ein. Im Ziel wurde das neben Haupt noch von Nico Bastian, Erik Johansson und Gabriele Piana pilotierte Customer Racing Fahrzeug schließlich auf dem fünften Platz gewertet. Das starke Team-Ergebnis der Mercedes-AMG GT3 vervollständigte die Nummer 16 von Landgraf Motorsport mit dem zehnten Gesamtrang für Sebastian Asch, Kenneth Heyer, Edward Sandström und Tristan Vautier.

Pech hatten beim 24-Stunden-Rennen die beiden Mercedes-AMG GT3 von Mercedes-AMG Team MANN-FILTER. In der Nacht schied die 47 von Dominik Baumann, Daniel Juncadella, Edoardo Mortara und Renger van der Zande nach einem Unfall auf dem dritten Rang liegend aus. Das Schesterauto des Teams wurde durch Reparaturpausen weit zurückgeworfen: Indy Dontje, Maximilian Götz, Christian Hohenadel und Doppelstarter Renger van der Zande beendeten das Rennen nach einer bravurösen Aufholjagd noch auf dem 17. Rang.

Für Vorjahressieger Audi endete die 46. Auflage des Langstreckenklassikers mit einer Entäuschung. Auf dem Nürburgring hat das Audi Sport Team Land bis Sonntagvormittag um einen Podestplatz gekämpft. Kelvin van der Linde, einer der Vorjahressieger mit Audi, lieferte sich einen spannenden Kampf mit dem Aston Martin um Platz drei, als er dem wechselhaften Wetter zum Opfer fiel. An der Streckenstelle Hohe Acht touchierte der Südafrikaner auf Intermediate-Reifen die Leitplanke und verlor bei der Reparatur der Schäden drei Runden. Zusammen mit seinem Bruder Sheldon, Christopher Mies und René Rast erreichte er am Ende Platz sechs. Direkt dahinter folgte das Audi Sport Team Phoenix mit Christopher Haase, Nico Müller, Frank Stippler und Frédéric Vervisch. Das Audi Sport Team BWT fuhr bei seiner ersten Teilnahme an den 24 Stunden auf dem Nürburgring mit Christopher Haase, Nico Müller, Mike Rockenfeller und Markus Winkelhock auf Platz zwölf. Das Team BWT Mücke Motorsport erreichte mit Marcel Fässler, Christer Jöns, Pierre Kaffer und Stefan Mücke Platz 14. Auch die Langstrecken-Experten von Car Collection Motorsport trotzten mit ihren Privatfahrern den widrigen Bedingungen. Adrien de Leener, Simon Trummer, Christopher Friedrich und Pierre Kaffer sahen die Zielflagge auf Platz 20. Das Schwesterauto von Stefan Aust, Christian Bollrath, Ronnie Saurenmann und Peter Schmidt belegte als bestes Pro-Am-Team Platz 56. Das Audi Sport Team WRT, die Siegermannschaft von 2015, schied nach einem Unfall aus. Bei einem äusserst optimistisch angesetzten Überholvorgang kam Dries Vanthoor von der Strecke ab und drehte sich bei Höchstgeschwindigkeit vor der Hohenrain-Schikane heftig in die Leitplanken. Der Audi R8 LMS blieb arg kaltverformt auf der Strecke stehen. Doch die Streckenposten leisteten auch hier großartige Arbeit. Dries Vanthoor konnte sein Fahrzeug unverletzt verlassen. Die Engel der grünen Hölle hatten alle Hände voll zu tun, denn auch alle anderen Unfälle blieben ohne schwerwiegende Folgen!

Auch BMW musste im Vierkampf der großen deutschen Automobilhersteller Federn lassen und erlebte eine Enttäuschung. Augusto Farfus, Markus Palttala, Christian Krognes und Fabian Schiller belegten im Shell Helix BMW M6 GT3 mit der Startnummer 102 als bestplatzierte BMW den 13. Rang im Gesamtklassement. Das Quartett verlor in der Anfangsphase durch eine leichte Kollision Zeit, kam danach aber ohne größere Schwierigkeiten über die Renndistanz. Bei wechselhaften Wetterbedingungen und nach zahlreichen Zwischenfällen erreichten nur zwei der vier in der SP9-Kategorie gestarteten BMW M6 GT3 das Ziel.

ROWE Racing hatte nach Platz zwei im Vorjahr viel Pech. Der Der 99 BMW M6 GT3 –mit den Fahrern Connor De Phillipp, Alexander Sims, Jesse Krohn und Martin Tomczyk – schied nach einer Verkettung unglücklicher Umstände am Samstagabend aus: In Folge eines Kühlerschadens nach einer leichten Kollision wurde der Motor beschädigt, so dass das Fahrzeug aufgeben musste. Das Schwesterfahrzeug mit der Startnummer 98 und den Piloten Nick Catsburg, John Edwards, Richard Westbrook und Tom Blomqvist lag in der Anfangsphase mehrmals in Führung, ehe es durch eine Zeitstrafe zurückgeworfen wurde. In der Nacht traten dann Probleme mit dem elektrischen Drosselklappensteller auf, die alle Chancen auf eine gute Platzierung zunichte machten und zum Ausscheiden führten.

Der BMW M6 GT3 von Falken Motorsports verlor im ersten Renndrittel ebenfalls zunächst Zeit bei einer Reparatur, kam nach 24 Stunden aber auf Rang 15 ins Ziel. Jens Klingmann, Alexandre Imperatori, Step Dusseldorp und Peter Dumbreck (GBR) hatten sich am Steuer abgewechselt.

BMW Motorsportdirektor Jens Marquardt zog nach dem Rennen ein durchwachsenes Fazit: „Das war für uns leider nicht das 24-Stunden-Rennen, das wir uns erhofft hatten. In Sachen Pace waren wir absolut in der Spitzengruppe mit dabei und hatten phasenweise das schnellste Auto im Feld. Umso größer ist die Enttäuschung darüber, dass wir aufgrund von Zwischenfällen und technischen Schwierigkeiten nicht in den Kampf um die Spitzenplätze im Gesamtklassement eingreifen konnten. Das ist bitter für alle, die in der Vorbereitung und hier im Rennen alles gegeben haben. So war am Ende der BMW M6 GT3 mit der Nummer 102 auf Rang 13 der bestplatzierte BMW im Feld. In den weiteren Klassen haben die BMW Teams super gekämpft und drei Siege errungen. Das ist die positive Seite eines für uns insgesamt sehr schwierigen Rennens. Glückwunsch an Porsche zum Gesamtsieg. Im nächsten Jahr greifen wir wieder an!“

Einen Glückwunsch hat sich aber auch die Crew des Livestreams verdient. Die Kommentatoren bewiesen Ausdauer und Fachkompetenz und waren selbst in aller Herrgottsfrühe auf der Höhe des Geschehens. Selbst in den Minuten, bei denen auf der Strecke mal nichts los war, zauberten die Moderatoren. Selbst die abgedroschensten Worthülsen kamen fröhlich über den Funk. Schließlich war der Initiator dieser Aktion niemand anderes als Vodafone, die mit ihrem Gigaspeed-Livestream neue Maßstäbe setzten. Das ganze via Chromecast auf den heimischen Bildschirm gezaubert war ein Renngenuß, selbst wenn ab und zu auch ein wenig Dumpfbackenplauderei über die Mattscheibe kam. Geschenkt! Denn der kostenlos Vodafone Gigaspeed Livestream setzte Maßstäbe, an denen selbst die 24 Stunden von Le Mans zerbrechen werden. Wer will schon für einen Ruckelstream eine Gebühr abdrücken und einer Toyota Flotte ohne ernsthaften Gegner beim Siegen zuschauen. Das es aber auch einige Landsleute gibt, die dafür zahlen und Schadenfreude nicht verheimlichen können, sollte sich Toyota in Le Mans selbst ein Bein stellen, will ich heute noch gar nicht an die große Glocke hängen!

Fotos (c) BMW AG, Daimler AG, Ferdi Kräling Motorsport-Bild GmbH, Porsche AG