WRC Argentinien: Tanaks beeindruckende Fahrt!

Das Toyota GAZOO Racing World Rally Team hat die Rallye Argentinien gewonnen: Beim fünften Lauf der FIA Rallye-Weltmeisterschaft WRC holten Ott Tänak und sein Beifahrer Martin Järveoja im Toyota Yaris WRC ihren ersten Sieg – beim erst fünften Start für das Team!

Das estnische Duo überzeugte von Anfang an mit einer beeindruckenden Performance: Mit der schnellsten Zeit konnten Tänak und Järveoja sowohl freitags – dem ersten vollen Rallyetag – als auch samstags jeweils fünf Prüfungen für sich entscheiden. Das Ergebnis war ein so großer Vorsprung, dass die anspruchsvollen Etappen am Sonntag mit der richtigen Mischung aus Kontrolle und Schnelligkeit angegangen werden konnten. Im Ziel hatte der Toyota Yaris WRC mit der Startnummer 8 beachtliche 37,7 Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzieren. „Das ist ein fantastisches Ergebnis für unser Team. Ott war das ganze Wochenende über so stark. Natürlich ist er den letzten Tag etwas ruhiger angegangen, die letzten Etappen waren so schwierig, dass man den Sieg nicht riskieren musste. Es ist sein erster Sieg für uns – auf einer der härtesten Rallyes“, freute sich Teamchef Tommi Mäkinen. „Jeder hat gesehen, was unser Auto unter diesen Bedingungen leisten kann und dass es stark genug ist!“ Teamkollege Esapekka Lappi beendete gemeinsam mit Janne Ferm seine erste Rallye Argentinien auf einem starken achten Platz. Mit der zweitschnellsten Zeit auf dem längsten Teilstück am Samstag hat das finnische Duo eindrucksvoll seine Schnelligkeit unter Beweis gestellt. Jari-Matti Latvala und Miikka Anttila mussten dagegen vorzeitig aufgeben, nachdem ein Fels ihr Fahrzeug zerstört hatte.

In der Gesamtwertung liegen Ott Tänak und Toyota GAZOO Racing weiterhin auf Platz drei, konnten ihren Rückstand zur Spitze aber weiter verkürzen. Tänak hat nun 72 Punkte, Lappi und Latvala liegen mit 40 respektive 31 Punkten auf den Rängen sieben und acht. Toyota GAZOO Racing fehlen in der Teamwertung lediglich fünf Punkte auf Position zwei.

Platz Zwei und Drei ging an das Hyundai-Pärchen Thierry Neuville und Dani Dordo. Andreas Mikkelsen im dritten Hyundai i20 WRC Coupe musste sich mit dem fünften Rang zufrieden geben. Für Hyundai Motorsport war das Ergebnis wichtig, baute das Team aus Alzenau seinen Punktestand in der Herstellerwertung auf Konkurrent Ford um weiter aus. Dabei hatte Hyundai auch ein wenig das Glück des Tüchtigen, denn beide fürs Podium gesetzten Citroen C3 WRC mussten dem härtesten WRC-Lauf der Saison Tribut zollen. Kris Meeke fuhr im Citroën C3 WRC bis kurz vor Ende des zweiten Tages auf Podiumskurs, fiel aber durch einen Reifenschaden zurück und wurde am Ende Siebter. Teamkollege Craig Breen musste nach einem Unfall auf der zweiten Etappe aufgeben. Khalid Al Qassimi belegte bei seinem ersten Saisoneinsatz im Citroën C3 WRC Platz 14.

Nach zwei Podesterfolgen in den ersten vier WM-Rallyes wollte das Citroën Total Abu Dhabi World Rally Team beim fünften Lauf in Argentinien mit einem an der Hinterachse modifizierten Citroën C3 WRC nachlegen. Es fing vielversprechend an: Craig Breen/Scott Martin sowie Kris Meeke/Paul Nagle fuhren beim Shakedown die zweit- respektive drittbeste Zeit. Auch nach der ersten, sehr langen Etappe am Freitag, auf der bereits 43 Prozent der insgesamt 358 Wertungskilometer absolviert wurden, lagen Meeke und Breen gut im Wettbewerb. Meeke hatte sich als Zweitplatzierter mit 22,7 Sekunden Rückstand an die Fersen des Spitzenreiters gehängt, Breen hielt als Sechster mit 41,2 Sekunden Rückstand ebenfalls Kontakt zur Spitze. Bei Khalid Al Qassimi/Chris Patterson ging es vorranging darum, möglichst viele Kilometer im noch ungewohnten Auto zu absolvieren. Das Duo rangierte in der Zwischenwertung auf Platz 15.

Am zweiten Tag, der mit Nebel und schlechter Sicht begann, wendete sich das Glück von Citroën ab. Breen überschlug sich bei der ersten Durchfahrt der 40,48 Kilometer langen Königsprüfung. Zwar konnte der Ire zunächst weiterfahren, doch im Service wurde eine Beschädigung des Überrollkäfigs festgestellt – das Aus. Gewarnt durch den Ausfall seines Teamkollegen schraubte Meeke in Absprache mit Teamchef Pierre Budar die Risikobereitschaft herunter und gab infolgedessen einen Platz ab. Doch auch der angepeilte Podiumserfolg mit Rang drei blieb verwehrt: Ein Reifenschaden bei der zweiten Durchfahrt der 40-Kilometer-Marathonprüfung zum Abschluss des Tages kostete den Briten zweieinhalb Minuten. Er fiel auf den achten Rang zurück. Al Qassimi hielt sich bei den herausfordernden Bedingungen schadlos, spulte weitere wertvolle Kilometer ab und beendete die zweite Etappe als 14.

Auf den drei Prüfungen des Abschlusstags machte Meeke noch eine Position gut und beendete den fünften Saisonlauf auf Platz sieben. Damit strich er sechs wichtige WM-Zähler plus einen Bonuspunkt für die fünftbeste Zeit auf der finalen Powerstage ein. Auch Al Qassimi erreichte bei seinem Saisoneinstand das Ziel und sammelte so wichtige Wettkampferfahrung im Citroën C3 WRC. Dabei behauptete er seinen 14. Gesamtplatz.

Taktisch clever agierten Sebastien Ogier und sein M-Sport Team. Der amtierende Weltmeister wurde vierter und holte mit seinem sechtsplatzierten Teamkollegen Elfyn Evans wichtige WM-Zähler. Die amtierenden Weltmeister Ogier/Ingrassia haben die Führung in der Fahrer- und Beifahrer-Wertung erfolgreich verteidigt. M-Sport Ford liegt in der Herstellerwertung weiterhin auf Rang zwei. „Alles in allem war das Wochenende ganz gut“, erläutert M-Sport-Teamchef Malcolm Wilson. „Wir waren nicht ganz auf dem Level, auf dem wir sein wollten, aber wir haben ein solides Punkteresultat eingefahren und Sébastien Loeb verteidigt noch immer die Führung in der Fahrer-WM. Genau das hatten wir uns vorgenommen. Bei der Rallye Mexiko lief es für uns perfekt. Hier haben wir gelernt, dass wir uns auf bestimmten Fahrbahnuntergründen noch verbessern können. Gut, dass Sébastien auf der sogenannten Power Stage die zweitschnellste Zeit fahren konnte und vier WM-Zusatzpunkte mitgenommen hat. Gemeinsam mit seinem Beifahrer weiß er genau, was er im Kampf um den Titel machen muss, und hat wichtige Zähler eingefahren. Elfyn Evans hatte sehr zu kämpfen. Das war für ihn ebenso überraschend wie für uns, zumal sein Auto problemlos lief. Mit einem starken Auftritt im Nebel am Samstagmorgen konnte er aber die Weichen stellen für Rang sechs. Teemu Suninen hat exakt das gemacht, was wir von ihm erwartet haben. Sein Argentinien-Debüt am Steuer eines World Rally Cars zu geben, ist eine schwierige Aufgabe. Es kommt hier so sehr auf Erfahrung an. Die hat er nun gesammelt, das wird ihm in Zukunft helfen.“

Die Rallye Argentinien bleibt auch weiterhin jener WM-Lauf, den Sébastien Ogier und Julien Ingrassia noch nie gewinnen konnten. Auf der ersten Etappe sah es für die beiden Franzosen sehr gut aus, mit dem Ford Fiesta WRC übernahmen sie zu Beginn sogar die Führung. Den Tag beendeten sie lediglich zehn Sekunden hinter einer Podestplatzierung, obwohl sie als Erste auf der Strecke den Staubkehrer für alle Nachfolgenden spielen mussten. Im dichten Nebel des Samstagmorgens gingen die amtierenden Weltmeister im Hinblick auf die Titelverteidigung jedoch weniger Risiko als ihre Konkurrenten und verloren den Anschluss zur Spitze. Dank der zwölf Punkte für Rang vier und vier Extrazählern für die zweitschnellste Zeit auf der abschließenden Power Stage verteidigen sie einen Zehn-Punkte-Vorsprung in der Fahrerwertung.

Den zweiten Argentiniensieg in Folge machte dagegen Skoda perfekt. Der amtierende WRC 2 Champion Pontus Tidemand und Beifahrer Jonas Andersson gewannen wie im Vorjahr die Rallye Argentinien, den fünften Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft 2018 (WRC). Damit übernahm der Schwede auch die Führung in der WRC 2-Gesamtwertung von Teamkollege Jan Kopecký, der in Argentinien planmäßig nicht am Start war. Die beiden SKODA Werksteams Pontus Tidemand/Jonas Andersson und Kalle Rovanperä/Jonne Halttunen (FIN/FIN) gingen mit einer Doppelführung in den letzten Tag der Rallye. Rovanperä verunfallte allerdings kurz vor dem Ziel der vorletzten Wertungsprüfung. Dank der umfassenden Sicherheitseinrichtungen des SKODA FABIA R5 blieb die Crew unverletzt, musste allerdings aufgeben. Die Norweger Ole Christian Veiby und Stig Rune Skjaermoen, das zweite SKODA Juniorteam am Start, erreichte nach starker Leistung das Ziel auf Rang zwei in der Klasse RC 2.

Am letzten Tag der Rallye Argentinien standen noch einmal drei Wertungsprüfungen mit einer Gesamtlänge von 55,27 Kilometern auf dem Programm. Pontus Tidemand und Beifahrer Jonas Andersson gaben alles, um ihre zu diesem Zeitpunkt führenden Teamkollegen Kalle Rovanperä/Jonne Halttunen noch abzufangen. In der Auftaktprüfung, der legendären ‚El Condor‘, waren die Schweden ganze 13,3 Sekunden schneller als die Finnen und verkürzten den Rückstand auf 9,9 Sekunden. Doch kurz vor dem Ziel der vorletzten Wertungsprüfung flogen Rovanperä/Halttunen von der Strecke, überstanden den Unfall dank der Sicherheitseinrichtungen ihres SKODA FABIA R5 glücklicherweise unverletzt. Die Rallye war für sie allerdings beendet.

Zurück an der Spitze der WRC 2-Wertung, nahm Pontus Tidemand für die abschließende Wertungsprüfung Tempo heraus. Am überlegenen Sieg änderte diese Vorsichtsmaßnahme nichts. Mit diesem Erfolg übernahm Tidemand außerdem die Gesamtführung in der WRC 2-Meisterschaft. „Tut mir wirklich leid für Kalle. Wir hatten ein tolles Duell und haben uns dabei immer an die Anweisungen des Teams gehalten. Auf diese Art und Weise wollte ich es natürlich nicht gewinnen“, sagte der Schwede.

Nach zwei Reifenschäden am Samstag eroberte SKODA Junior O.C. Veiby am Sonntag zunächst Rang drei in der Klasse RC 2. Durch den Ausfall von Rovanperä rückte der Norweger sogar noch auf den zweiten Rang vor.

Gesamtwertung – Rally Argentina

1 O. Tänak / M. Järveoja (Toyota Yaris WRC) 3:43:28.9
2 T. Neuville / N. Gilsoul (Hyundai i20 Coupe WRC) +37.7
3 D. Sordo / C. del Barrio (Hyundai i20 Coupe WRC) +1:15.7
4 S. Ogier / J. Ingrassia (Ford Fiesta WRC) +1:58.6
5 A. Mikkelsen / A. Jæger (Hyundai i20 Coupe WRC) +2:02.6
6 E. Evans / D. Barritt (Ford Fiesta WRC) +3:06.3
7 K. Meeke / P. Nagle (Citroën C3 WRC) +3:25.7
8 E. Lappi / J. Ferm (Toyota Yaris WRC) +4:32.6
9 T. Suninen / M. Markkula (Ford Fiesta WRC) +5:38.6
10 P. Tidemand / J. Andersson (Škoda Fabia R5) +12:15.8

FIA Rallye-Weltmeisterschaft 2018 – Fahrerwertung, nach 5 Läufen

1 S. Ogier 100
2 T. Neuville 90
3 O. Tanak 72
4 A. Mikkelsen 54
5 D. Sordo 45
6 K. Meeke 43
7 E. Lappi 40
8 J.M Latvala 31
9 E. Evans 26
10 C. Breen 20
11 S. Loeb 15
12 H. Paddon 10

FIA Rallye-Weltmeisterschaft 2018 – Herstellerwertung, nach 5 Läufen

1 Hyundai Shell Mobis World Rally Team 144
2 M-Sport Ford World Rally Team 129
3 Toyota Gazoo Racing World Rally Team 124
4 Citroën Total Abu Dhabi World Rally Team 93

Weiter geht es mit der Rallye Portugal vom 17. bis 20. Mai 2018: Beheimatet in Matosinhos nahe Porto im Norden des Landes, finden die klassischen Etappen vorwiegend auf sandigen und steinigen Straßen statt. Der nötige Grip ist gerade zu Beginn ein Problem auf den weichen Straßen, während beim zweiten Durchlauf Felsen freigelegt werden und tiefe Spurrillen entstehen.

Fotos (c) Hyundai Motorsport GmbH, Toyota Gazoo Racing WRT, Citroen Racing, Ford GmbH, Skoda Auto Deutschland, Red Bull Content Pool