WRC Korsika: Im Labyrinth der zehntausend Kurven!

Ab Freitag geben die Kutscher der Rallye-Weltmeisterschaft wieder kräftig Gas. Mit der Rallye Korsika wartet die erste reine Asphaltrallye der Saison. Ein Fest für die Drift-Protagonisten der WRC und für die Zuschauer. Denn Sebastien Loeb gibt ein zweites Stelldichein und das wird mit Spannung erwartet!

An Favoriten herrscht kein Mangel auf der französischen Mittelmeerinsel. Auch die Herausforderungen der Rally Corsica France sind nicht zu unterschätzen. Die Veranstalter haben das Roadbook komplett überarbeitet. Acht der zwölf Wertungsprüfungen sind für die Teams völlig neu. Bereits die Auftaktprüfung am Freitag um 09:50 Uhr gilt als äußerst herausfordernd. Die 49,03 Kilometer lange WP ‚La Porta – Valle di Rostino 1‘ gilt als der Höhepunkt des Freitages. Darauf folgt um 11:09 Uhr die mit 13 Kilometern Länge überschaubare WP ‚Piedriggio – Pont de Castirla 1‘ bevor zum Nachmittag beide WP’s noch einmal gefahren werden. Hier der komplette Zeitplan in MESZ im Überblick!

Donnerstag, 05. April

08.00 Uhr – Shakedown, Sorbo Ocagnano
18.30 Uhr – Ceremonial Start Bastia – Place Saint Nicolas

Freitag, 06. April

08.00 Uhr – Start in Bastia – Place Saint Nicolas
09.50 Uhr – WP 1 – La Porta – Valle di Rostino 1 (49,03 km)
11.09 Uhr – WP 2 – Piedigriggio – Pont de Castirla 1 (13,55 km)
15.12 Uhr – WP 3 – La Porta – Valle di Rostino 2 (49,03 km)
16.31 Uhr – WP 4 – Piedigriggio – Pont de Castirla 2 (13,55 km)

Samstag, 07. April

07.37 Uhr – WP 5 – Cagnano – Pino – Canari 1 (35,61 km)
09.18 Uhr – WP 6 – Désert des Agriates 1 (15,45 km)
11.08 Uhr – WP 7 – Novella 1 (17,39 km)
15.21 Uhr – WP 8 – Cagnano – Pino – Canari 2 (35,61 km)
17.02 Uhr – WP 9 – Désert des Agriates 2 (15,45 km)
18.39 Uhr – WP 10 – Novella 2 (17,39 km)

Sonntag, 8. April

09.23 Uhr – WP 11 – Vero – Sarrola – Carcopino (55,17 km)
12.18 Uhr – WP 12 – Pénitencier de Coti-Chiavari, Powerstage (16,25 km)

Alle Wertungsprüfungen gibt es live auf WRCPlus zu sehen. Am Samstag überträgt Red Bull TV ab 10:45 Uhr die WP 7 ‚Novella 1‘ live und kostenlos.

Die zwölf Wertungsprüfungen haben eine Gesamtlänge von 333,48 Kilometern. Das längste Geradeausstück dürfte maximal 50 Meter lang sein. Die restliche Distanz besteht aus mehr oder weniger schnellen Kurven, vorbei an Felswänden und steilen Abhängen. Der WRC-Lauf auf Korsika wurde bereits oft von Spezialisten für festen Belag dominiert. Die technisch anspruchsvollen Wertungsprüfungen erfordern einen sauberen und präzisen Fahrstil, um das Maximum aus den Reifen herauszuholen. Kris Meeke/Paul Nagle hatten die Rallye im Vorjahr zeitweise angeführt, Sébastien Loeb/Daniel Elena konnten bereits vier (2005 bis 2008) der bislang sechs Siege der Marke Citroen auf Korsika erringen.

Bis zu seinem Ausfall gewann Kris Meeke 2017 drei der fünf gefahrenen Wertungsprüfungen. Bei der Rallye Spanien feierte er einen Sieg und demonstrierte damit die Stärke des Citroën C3 WRC auf Asphalt. Doch auch Sébastien Loeb ist nach seinem spektakulären Comeback im vergangenen Monat in Mexiko nicht zu unterschätzen. Der neunmalige Rallye-Weltmeister, dessen letzter WRC-Einsatz auf Asphalt auf die Rallye Frankreich 2013 zurückdatiert, kehrt auf Korsika zu seinem Lieblingsbelag zurück, auf dem er in der Vergangenheit viele Erfolge gefeiert hat. Bei Testfahrten, die das Team nutzte, um unterschiedliche Abstimmungen für die verschiedenen Streckentypen zu erproben, brauchte Loeb nicht lange, um sich an den C3 WRC auf Asphalt zu gewöhnen. Seine schwierigste Aufgabe ist, sich wieder mit den Strecken auf Korsika vertraut zu machen. Kris Meeke und die Mitbewerber hingegen kennen bereits 36 Prozent der WP-Kilometer. 64 Prozent der Strecke sind neu, mit Prüfungen im Norden und Westen von Bastia. „Nach den zwei Podiumsplätzen in Folge in Schweden und in Mexiko werden wir auf Korsika alle Register ziehen, um unseren ersten Saisonsieg zu feiern“, prophezeite Citroën-Teamchef Pierre Budar den Medien. „Wir haben uns mit einem viertägigen Test vorbereitet, der sehr positiv war!“

Hyundai Motorsport kommt mit 12 Punkten Vorsprung in der Herstellerwertung nach Korsika und hat mit Thierry Neuville den Vorjahressieger im Kader. Andreas Mikkelsen und Dani Sordo verstärken die Mannschaft aus Alzenau bei ihrem ersten reinen Asphaltauftritt des Jahres 2018. Thierry Neuville nimmt die Rallye als Zweiter in der Fahrerwertung in Angriff, nur vier Punkte hinter dem führenden Sébastien Ogier. Er ist entschlossen, trotz eines ohne Verletzungen erfolgten Abflugs am letzten Testnachmittag den Druck aufrechtzuerhalten. „Die Tour de Corse ist einer meiner persönlichen Höhepunkte der Saison“, sagte Thierry im Hyundai Mediendienst. „Wir hatten gegen Ende der Vorbereitungstests für die Veranstaltung einen Unfall, aber das wird unsere Vorgehensweise für diese Rallye nicht ändern. Wir wissen, dass es ein knapper Kampf wird, aber wir sind entschlossen, unsere Position in beiden Meisterschaften zu stärken!“

Nach zwei Siegen bei den ersten drei Läufen zur diesjährigen Rallye-Weltmeisterschaft blicken Malcolm Wilson und das Team M-Sport Ford mit Spannung der Korsika-Rallye entgegen. Neben den Titelverteidigern Sébastien Ogier/Julien Ingrassia teilen sich Elfyn Evans und Ersatzbeifahrer Phil Mills sowie Bryan Bouffier/Xavier Panseri die beiden anderen, von einem gut 380 PS starken Ford EcoBoost-Turbobenziner angetriebenen Fiesta WRC. „Mit zwei Siegen bei drei WM-Läufen sind wir phantastisch in die neue Saison gestartet“, erläuterte M-Sport-Teamchef Malcolm Wilson seinen Plan. „Auf dieser Welle wollen wir bei der Tour de Corse weitersurfen. Alle drei Fahrer freuen sich auf die Asphaltveranstaltung, alle drei haben auf Korsika schon tolle Erfolge errungen. Dies sollte für uns ein gutes Zeichen sein. Als Tabellenführer muss Sébastien Ogier am Freitag als erster auf die Strecke, das ist gut. Elfyn Evans und Bryan Bouffier könnten durch ihre Startposition etwas benachteiligt sein, aber sie sind extrem hungrig auf ein Topresultat. Der Wettbewerb ist hart und wir alle wissen, wie herausfordernd die Rallye Korsika sein kann – aber wir fühlen uns bestens vorbereitet und peilen einmal mehr ein hervorragendes Ergebnis an!“ Als die Nummer 1 in der laufenden Fahrer- und Beifahrer-WM-Tabelle nehmen Sébastien Ogier und Julien Ingrassia die Rallye Korsika mit großen Erwartungen in Angriff: Sie dürfen am ersten Tag als Erste auf die Strecken gehen und werden dadurch die noch sauberste Ideallinie vorfinden – in Schweden hatte sich diese Startposition als immenser Nachteil erwiesen. Auf Korsika sollte das kein Problem sein. Erste Rallye-Erfahrung hat das Duo bereits 2007 auf der Mittelmeerinsel gesammelt, als Ogier und Ingrassia das Vorausfahrzeug pilotierten. 2008 folgte dann auch die Teilnahme im echten Wettbewerb und führte zu Platz zwei in der Junior-WM-Wertung. Da die Rallye Frankreich von 2009 bis 2014 im Elsaß stattfand, kehrten die World Rally Cars erst 2015 nach Korsika zurück. Ein Jahr später trugen sich die beiden Franzosen erstmals in die Siegerliste ein. Die Liste der Favoriten ist auch 2018 ziemlich lang. Sebabstien Ogier wird sich gegen Thierry Neuville zur Wehr setzen müssen. Kris Meeke gilt auf Korsika immer als Siegpilot, genauso wie Bryan Bouffier und Elfyn Evans.

Selbst mit dem Toyota-Trio um Jari-Matti Latvala (Korsika-Aieger 2015 auf Volkswagen), Ott Tänak und Esapekka Lappi ist zu rechnen. Und dann ist da ja noch der große Geheimtipp in Person eines Sebastien Loeb! Der Altmeister und neunmalige Rallyeweltmeister hält aber vor dem Start den Ball flach: “ Nachdem ich den Citroën C3 WRC auf Schotter gefahren bin, habe ich mich bei den Testfahrten auf Korsika schnell anpassen können, auch wenn der Untergrund ganz anders war“, berichtet Sébastien Loeb. „Ich begann mit Kris‘ Basisabstimmung und endete bei einem Setup, das seinem sehr ähnlich ist, mir aber entgegenkommt. Das Gefühl im Test war sehr gut, aber wir müssen jetzt abwarten und schauen, wo wir im Vergleich zur Konkurrenz stehen. Die Strecken sind heute schneller als zu meiner Zeit damals, doch es gibt noch immer viele enge, technische und wellige Passagen. Alle Prüfungen sind neu für mich, es wird nicht einfach, im Training das Roadbook für die komplette Strecke zu erarbeiten.“

Trotzdem wird der Großmeister des Rallyesports hochmotiviert und konzentriert zu Werke gehen!

Fotos (c) Citroen Racing, Rally Corsica France, Hyundai Motorsport, Toyota Gazoo Racing, Ford Werke GmbH