F1 Melbourne: Die bittere Pille!

Das Weltmeisterteam von Mercedes muss beim Großen Preis von Melbourne gleich mehrere bittere Pillen schlucken. Im Qualifying zerstört Valtteri Bottas seinen Silberpfeil nach einem Fahrfehler nachhaltig. Das Rennen gewinnt Sebastian Vettel, der Lewis Hamiton schlagen kann. Der Brite wird Opfer einer peinlichen Datenpanne am Kommandostand der Silberpfeile!

Sebastian Vettel konnte sich nach seinem Sieg beim Saisonauftakt im Albert Park von Melbourne ein breites Grinsen nicht verkneifen. Hatte er doch gerade den schnellsten Mann auf der Strecke besiegt. Lewis Hamilton blieb nach der Führungsarbeit nur ein zweiter Platz. Immerhin besser als nichts. Doch der Fehler, der bei Mercedes den Führungswechsel einläutete, sorgt auch Tage nach dem Rennen für Irritationen. Das Drama begann in der 25. Runde. Romain Grosjean musste seinen Haas F1 nach einem schlampigen Boxenstopp mit nicht ordnungsgemäß montierten Vorderrad abstellen. Die Rennleistung aktivierte das Virtuelle Safety Car, das die Meute auf gleichbleibendem Abstand hielt. Ferrari reagierte auf das Mißgeschick ihres Partnerteams und lotste Sebastian Vettel an die Box. Lewis Hamilton kontrollierte zu diesem Zeitpunkt das Rennen und auch sein Stopp, eine Reaktion auf den frühen Boxenbesuch von Kimi Räikkönen, sollte eigentlich nichts daran ändern. Hamiltons Rückstand auf Vettel betrug 11,3 Sekunden. Der knappe Abstand hätte nach Ansicht der Benz-Analytiker locker reichen müssen um Hamilton die Führung zu sichern. Doch… „nach dem Boxenstopp von Lewis glaubten wir, dass wir die Szenarien für eine Safety Car-Phase und ein virtuelles Safety Car so abgedeckt hätten, dass Sebastian nicht an die Box gehen und vor Lewis wieder herauskommen könnte“, sagte Mercedes-Benz Teamchef Toto Wolff nach dem Rennen. „Wir hätten um mehrere Sekunden im sicheren Bereich liegen müssen. Dann sahen wir plötzlich auf den TV-Bildschirmen, dass das nicht der Fall war. Bei einem VSC ist es normal, dass man manchmal davon profitiert und manchmal etwas verliert. Aber es war eindeutig ein Problem auf unserer Seite, das wir analysieren, verstehen und beheben müssen. Es ist umso frustrierender, weil wir heute die Pace für einen Sieg hatten. Lewis kontrollierte das Rennen im ersten Stint sowie nach seinem Boxenstopp. Es sah so aus, als ob er auf Kurs zu einem starken Sieg liegen würde. Aber es hat nicht sollen sein!“

Mercedes blieb keine Wahl als auch diese bittere Pille zu schlucken und so entwickelte sich nach der Halbzeit des Rennens eine Hetzjagd, die die Zuschauer begeisterte. Vettel wurde von Hamilton gejagd, dahinter kämpfte Kimi Räikkönen mit Daniel Ricciardo. Doch beiden Verfolgern gelang kein ernstzunehmender Durchbruch. Nur Hamilton fuhr gegen Ende des Rennens die schnellsten Runden, auch dank der ‚Strat14’Option, die dem Briten zu mehr Leistung verhalf. Hamilton kam Vettel näher, doch im alles entscheidenden Moment verbremste sich der Brite und der Abstand vergrößerte sich auf 2,2 Sekunden. Für Sebastian Vettel war der Sieg von Melbourne der 100. Podiumsplatz. „Wir hatten genug Rennen vergangenes Jahr, in denen es anders rum war und das Safety Car uns nicht geholfen hat“, meinte Vettel. „Das Auto hat großes Potenzial, aber wir kämpfen noch ein bisschen“, ergänzte der Heppenheimer. Zwei Ferraris übten erfolgreich Druck auf den führenden Hamilton aus, dessen Teamkollege sich vom 15. Startplatz mühsam in die Punkte kämpfte und nicht strategisch eingreifen konnte. Mercedes hat auch nach der Pleite von Melbourne das schnellste Paket. Das stellten die Silberpfeile in Melbourne durchaus unter Beweis. Doch auch hinter dem Podiumstrio gab es Gewinner und Verlierer. Daniel Ricciardo zeigte das Potential des neuen Red Bull und fuhr mit 0,7 Sekunden Rückstand auf Rang vier. Der teaminterne Verlierer war Max Verstappen. Der hochgelobte Holländer war wieder einmal zu aggressiv unterwegs. Ein paar Aussetzer reichten und Max drehte seinen Red Bull punktgenau um 360 Grad. Mit Rang sechs war Verstappen am Ende gut bedient. Fernando Alonso hatte in Australien viele Gründe zum Aufatmen. Der neue Renault-Motor im Heck seines McLaren lieferte die notwendige Leistung und hat sich im harten Wettbewerb auch die Macken aus den Vortests abgewöhnt. Alonso wurde mit einer fabelhaften Leistung und einem Quentchen Glück fünfter. Auch Nico Hülkenberg war im Renault fehlerlos unterwegs. Platz sieben zum Auftakt macht Hoffnung auf mehr!

Am 8. April steht in Bahrain das nächste Rennen an. In der Wüste von Sakhir hofft Vettel auf den nächsten Adrenalin-Kick und bei Mercedes sinnt man auf Revanche!

Fotos (c) Daimler AG, Ferrari, Red Bull CP