WRC Mexiko: Der Rückblick!

Die Rallye Mexiko war mehr als nur der Kampf der Titaten zwischen Sebastien Loeb und Sebastien Ogier. Auch die beteiligten Hersteller und ihre Werksfahrer lieferten sich eine Rallye auf höchstem Niveau!

M-Sport Boss Malcolm Wilson konnte sich vermutlich ein Grinsen nicht verkneifen. Sein Weltmeisterteam aus Sebastien Ogier und Copilot Julien Ingrassia und haben die WM-Rallye Mexiko gewonnen. Am Steuer des von einem Ford EcoBoost-Turbomotor angetriebenen Fiesta WRC feierten die beiden Franzosen beim dritten Lauf zur FIA Rallye-Weltmeisterschaft ihren zweiten Saisonsieg und schrieben das nächste Kapitel in der erfolgreichen Partnerschaft zwischen M-Sport und Ford. Damit eroberten Ogier/Ingrassia auch die Gesamtführung in der Fahrer- und Beifahrer-Weltmeisterschaft zurück. In der Herstellerwertung verbesserte sich M-Sport Ford vom vierten auf den zweiten Platz. Ogiers Teamkollege Teemu Suninen belegte den zwölften Platz, Elfyn Evans fiel am Freitag im dritten Fiesta WRC aufgrund eines Unfalls aus. Zehn Jahre nach ihrem WM-Debüt sicherten sich Ogier und sein Copilot ihren insgesamt vierten Mexiko-Triumph. Der fünffache Rallye-Weltmeister fuhr auf den 22 Wertungsprüfungen mehrere Bestzeiten und überzeugte zudem mit einer taktisch cleveren Fahrweise. Für Ford war es der erste Mexiko-Triumph seit 14 Jahren. Letztmalig hatten sich Markko Märtin und Beifahrer Michael Park 2004 mit dem Ford Focus RS WRC bei diesem WM-Lauf in die Siegerliste eingetragen. „Als Titelverteidiger stehen wir jetzt unter besonderem Druck“, ließ Malcolm Wilson am Rande der Rallye durchblicken. „Die Konkurrenz wird uns keine Verschnaufpause gönnen, daher müssen wir bei jeder Rallye 100 Prozent geben. Wir haben große Fortschritte erzielt. Im vergangenen Jahr waren wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich siegfähig. Das ist in dieser Saison anders. Wir haben uns ständig weiterentwickelt und es ist schön zu sehen, dass sich die harte Arbeit auszahlt.“

Als WM-Zweiter musste Sébastien Ogier auf der ersten Etappe als zweites Fahrzeug auf die Strecke. Die Folge: Auf dem losen Schotter hatten er gegenüber den nachfolgenden Konkurrenten mit Traktionsnachteilen zu kämpfen. Doch der Franzose spielte seine weltmeisterliche Erfahrung gekonnt aus. Dank einer starken fahrerischen Vorstellung betrug sein Rückstand auf den Führenden am Ende der Freitagsetappe lediglich 31 Sekunden. Am zweiten Rallye-Tag profitierte der Weltmeister in seinem Ford Fiesta WRC als Gesamtfünfter von einer etwas besseren Startposition und setzte voll auf Angriff. Der 34-Jährige ließ sich vier WP-Bestzeiten gutschreiben und übernahm die Führung, 35,9 Sekunden vor dem Zweitplatzierten. Auf der Schlussetappe baute Ogier sein Zeitpolster sogar noch weiter aus und gewann die Rallye Mexiko mit 1,03.6 Minuten Vorsprung.

„Ich bin sehr glücklich, dass Julien und ich unser zehntes WM-Jubiläum mit einem Sieg feiern dürfen“, freute sich Ogier im Ziel. „Seit unserem ersten Erfolg in der Junioren-Weltmeisterschaft 2008 haben wir gemeinsam so viele tolle Momente erlebt. Für mich persönlich ist dieser Triumph hier in Mexiko einer der größten meiner bisherigen Karriere. Wir haben über das gesamte Wochenende wirklich alles gegeben. Am ersten Tag, als wir als eines der ersten Fahrzeuge auf die Strecke mussten, konnten wir die Zeiten der nach uns startenden Konkurrenten jedoch nicht mitgehen. Das ist immer etwas frustrierend, aber du darfst niemals aufgeben und musst einfach weiter angreifen. Am Samstag hat sich unsere Beharrlichkeit dann ausgezahlt und wir konnten am Nachmittag auch aufgrund der etwas besseren Startposition die Führung übernehmen. Auf dieses Ergebnis können wir sehr stolz sein. Wir haben bis zur letzten Prüfung wirklich alles gegeben.“

Hyundai Motorsport betrieb in Mexiko erfolgreich Schadensbegrenzung. Dani Sordo und Copilot Carlos de Barrio beendeten die Rallye mit einem starken zweiten Platz. Mit Andreas Mikkelsen auf dem vierten und Thierry Neuville auf dem sechsten Rang bauten die Koreaner ihre Führung in der WRC-Herstellerwertung weiter aus. Insbesondere Dani Sordo machte Druck und hatte auch ein Quentchen Glück auf seiner Seite. Auf der ersten Etappe am Sonntag verlor Kris Meeke im Citroen entscheidend Zeit. Sordo nutzte die Gelegenheit, fuhr hoch konzentriert und sicherte den zweiten Rang. Das Ergebnis war sein bestes seit dem zweiten Platz in Spanien von 2016. „Ich bin sehr glücklich“, sagte Sordo am Ende der Power Stage. „Ein Podiumsergebnis ist so wichtig und wir haben auf diesen echt schwierigen Schotteretappen das Beste aus unserer Startposition gemacht. Dieses Ergebnis verdanke ich Carlos und dem ganzen Team!“ Auch Andreas Mikkelsen holte sich auf der letzten Etappe zwei Zusatzpunkte.“Das war für uns keine leichte Rallye“, sagte Andreas rückblickend. „Es gab definitiv Bereiche, in denen wir mehr hätten attackieren können, aber der vierte Platz liefert uns wichtige Punkte.“ Thierry Neuville und sein Copilot Nicolas Gilsoul legten ebenfalls auf der Power Stage zu, um den Druck auf den Rallyesieger Sébastien Ogier in der Meisterschaftsjagd aufrechtzuerhalten. „Wir gingen den letzten Vormittag der Rallye mit der Entschlossenheit an, so viele Punkte wie möglich zu erzielen. Ich freue mich, von einem sehr harten Wochenende drei Zusatzpunkte mitzunehmen“, sagte Thierry im Ziel einer inbesondere für ihn harten Rallye. Als Führender fiel im die Aufgabe des Straßenkehrers zu und so wurde Thierry auf den staubigen Pisten bis auf den sechsten Rang durchgereicht. Teamchef Michel Nandan fasste die Rallye wiefolgt zusammen: „Wie alle anderen Teams auch, hatten wir in Mexiko mit ein paar Problemen zu kämpfen, aber bei so einer anstrengenden Veranstaltung mit allen drei Hyundai-i20-Coupe-WRC-Fahrzeugen unter den ersten Sechs zu sein, ist sehr ermutigend!“ Der misslungene Start bei der Monte gilt als abgehakt. Konserviert das Team seine Form und arbeitet noch an den Problemen, kann Hyundai das Ziel WM-Titel weiter optimistisch anvisieren.

Auch Citroen Racing durfte in Mexiko feiern. Allerdings mit gebremstem Schaum. Kris Meeke wurde nach seinem spektakulärem Vorjahressieg nur dritter. Sebastien Loeb stellte sich mit einem nicht wirklich notwendigen Reifenwechsel selbst ein Bein. Der Rekordweltmeister verlor die Führung und wurde fünfter. Citroen war nach dem zweiten Platz auf den schwedischen Winterpisten stark in die erste Schotterrallye des Jahres gestartet: Nach der Auftaktetappe belegte die französische Equipe mit Sebastien Loeb/Daniel Elena und Kris Meeke/Paul Nagle die Plätze zwei und vier. Insgesamt vier von zehn möglichen Bestzeiten gingen auf das Konto der beiden Citroën C3 WRC. Besonders beeindruckend agierte Loeb bei seinem ersten Rallye-WM-Einsatz seit der Monte im Januar 2015. Der neunmalige Weltmeister hielt sich bei der kurzen Zuschauerprüfung am Donnerstagabend schadlos und ging am Freitag als elfter Pilot auf Zeitenjagd – auf dem losen Schotter ein guter Startplatz, den er zu nutzen wusste: Drittschnellste Zeit auf WP2, zweitschnellste auf WP4. Auf den Wertungsprüfungen sieben und acht lief es noch besser, Loeb feierte seine ersten beiden Prüfungsbestzeiten seit ebenjener Rallye Monte Carlo 2015. „Vor dem Start wusste ich nicht genau, was uns hier erwarten würde − umso erfreulicher ist es, sechs Jahre nach unserem letzten Einsatz in Mexiko am Ende des ersten Tages auf Platz zwei zu liegen“, zog Loeb ein positives Zwischenfazit. Teamkollege Meeke feiert ebenfalls zwei Prüfungssiege, haderte allerdings mit der Reifenwahl. Zudem unterliefen ihm zwei Fahrfehler. Auf Platz vier liegend und mit nur 25 Sekunden Rückstand auf den Spitzenreiter wahrte aber auch der Nordire seine Chancen, nach dem Sieg im Vorjahr ein weiteres starkes Ergebnis in Mexiko zu erzielen. Am Samstag legten Loeb/Elena zunächst nach: Mit einem Sieg auf der 31 Kilometer langen Prüfung Guanajuatito übernahmen die sechsmaligen Mexiko-Sieger sogar die Führung. Ein Reifendefekt auf WP14 kostete das Citroën Erfolgsduo jedoch zwei Minuten – und damit auch die Chance auf einen weiteren Triumph in den Bergen um León. Am Ende des Tages lagen Loeb/Elena auf Platz fünf. Deutlich besser lief es für Meeke/Nagle im Cockpit des zweiten Citroën C3 WRC. Unter anderem mit zwei Bestzeiten verbesserte sich das nordirisch-irische Duo auf den zweiten Gesamtplatz. Den büßte Meeke allerdings auf der ersten Prüfung am Sonntag ein. Auf einer tückischen Kopfsteinpflaster-Passage rutschte er von der Strecke und verlor 47,5 Sekunden sowie einen Platz. Als Dritter feiert er dennoch seinen ersten Podiumserfolg 2018. Loeb ging auf den drei Prüfungen der Abschlussetappe keine unnötigen Risiken ein und behauptete seinen fünften Rang bis ins Ziel. Insgesamt erzielte der Citroën C3 WRC acht Prüfungsbestzeiten in Mexiko. Mit den errungenen Zählern schob sich das Citroën Total Abu Dhabi World Rally Team bis auf einen Punkt an den zweiten Platz in der Herstellerwertung heran.

Bleibt noch Toyota GAZOO Racing. Mit einem Dreifach-Erfolg beendet das Toyota GAZOO Racing World Rally Team die Rallye Mexiko: Am Finaltag des dritten Laufs der FIA Rallye-Weltmeisterschaft konnte das Motorsport-Team alle drei Wertungsprüfungen gewinnen, darunter die wertvolle Power Stage mit ihren Zusatzpunkten. Die schnellste Zeit am Sonntagmorgen fuhren Jari-Matti Latvala und Miikka Anttila im Toyota Yaris WRC Nummer 7 . Trotz technischer Probleme und einer damit verbundenen Zeitstrafe sicherten sie sich damit den achten Platz in der Gesamtwertung. Die beiden abschließenden Etappen am Las Minas Pass gingen an Ott Tänak und Martin Järveojova im Fahrzeug mit der Startnummer 8: Bei der Power Stage landete das Duo 1,3 Sekunden vor Latvala/Anttila – und machte so den doppelten Etappensieg perfekt. Der Lohn waren fünf respektive vier Bonuspunkte. „Heute konnten wir ein schwieriges Wochenende positiv beenden. Der Gewinn aller drei Wertungsprüfungen war ein großes Geschenk für uns und wir freuen uns, dass Ott auf der Power Stage einige wichtige Punkte sammeln konnte“, sagte Teamchef Tommi Mäkinen. „Die technischen Probleme zuvor waren enttäuschend, aber Punkte sammeln macht jeden glücklich und wir freuen uns auf den nächsten Lauf!“ In der WM-Wertung liegen Toyota und seine Fahrer weiterhin in Lauerstellung: Dem Toyota GAZOO Racing World Rally Team fehlen gerade einmal 17 Punkte auf den Spitzenplatz. Bei den Fahrern rangieren Latvala, Tänak und Lappi geballt auf den Plätzen fünf bis sieben.

Fortgesetzt wird die WRC mit der Tour de Corse vom 5. bis 8. April 2018: Der Klassiker auf der französischen Mittelmeerinsel Korsika ist auch als Rallye der 10.000 Kurven bekannt. Es warten enge und kurvige Asphaltstraßen in den Bergen, die auf der einen Seite von Felswänden flankiert werden. Lange Etappen und unterschiedliche Fahrbahnbeläge verlangen den Fahrern alles ab.

Doch damit nicht genug. Auf Korsika kommt es zur nächsten Auflage des Titanenkampfes zwischen Seb Ogier und Seb Loeb. Ein Duell, das die Rallyefans bereits in Mexiko elektrisiert hat!

Fotos (c) Citroen Racing, Ford Werke GmbH, RallyMexico Media, Hyundai Motorsport, Red Bull CP, Toyota Gazoo Racing