Über den Berg in Down Under.

Mount Panorama

Am kommenden Wochenende erlebt die australische V8 Supercar Serie ihren spektakulären Saisonhöhepunkt. Das Bathurst 1000 steht an. 161 Runden a 6,2 Kilometer über den berüchtigten Mount Panorama. In diesem Jahr feiert das Rennen, das auf ganz normalen öffentlichen Strassen gefahren wird, sein 45-jähriges Bestehen. Und Zigtausend autralischer Motorsportfans werden wieder in die Wälder am Streckenrand pilgern, ihr Barbecue aufbauen, Fosters trinken und staunend zusehen, wie die V8 Kutscher ihre Fahrzeuge über den Berg wuchten. Mount Panorama ist harte Arbeit am Lenkrad. Zwei lange Geraden zu Beginn und am Ende der Runde, dazwischen ein Bergauf- und Bergabgeschlängel mit bis zu 16% Steigung. Blinde Kurven, Sprunghügel und vor allem keine Auslaufzonen! Wer im oberen Streckenteil sein Auto verliert, kracht gewaltig in die Mauer. PC-Spiele Fans können das in DTM-Race-Driver gern mal ausprobieren.

Seit 1938 wird der Berg (eigentlich ist es ja ein Hügel mit 174 Metern Höhe) als Rennstrecke genutzt. Aber erst im Jahr 1963 beginnt am Mount Panorama die moderen Renngeschichte. Das „Great Race“, ein Tourenwagenrennen über 500 Meilen zog vom Phillip Island Raceway nach Bathurst. Das „Armstrong 500“, jeweils Anfang Oktober, wird in Bathurst zur Tradition. 1973 änderten die Australier die Maßeinheit und aus den 500 Meilen wurden 1000 Kilometer; das Bathurst 1000 war geboren. Ford Cortinas und die klassischen Tourenwagen der Siebziger bestimmen damals die Szene. Mitte der 80er Jahre dominieren die schnellen Tourenwagen nach Gruppe A Reglement die Bathurst 1000. Ford Sierra Cosworth, Jaguar XJ-S, BMW 635i, Mercedes 190 2.5-16 und die australischen Holden und Falcons fuhren gegeneinander. Auch die beiden „Kläuse“ Ludwig und Niedzwiedz traten auf einem Eggenberger-Ford Sierra RS 500 am Mount Panorama an. Frank Biela und Klaus Niedzwiedz wurden 1989 Zweite im Gesamtklassement. Aber nur Armin Hahne errang als einziger deutscher Fahrer 1985 auf einem Walkinshaw-Jaguar XJ-S den Gesamtsieg. 1987 fand dann sogar ein Lauf zur Tourenwagen-Weltmeisterschaft im Rahmen der Bathurst 1000 statt. 

Brock Skyline  

Ab 1993 waren dann die australischen Tourenwagen unter sich. Mit Topfahrern wie Tony Longhurst, Mark Skaife, Paul Radisich und Peter Brock entstand die V8 Supercars Serie. Peter Brock gewann das Rennen in Bathurst übrigens neunmal und verstarb im September 2006 bei einem Rallyeunfall. Der australischen Rennlegende wurde in Bathurst mit „Brocks Skyline“ ein ein Streckenteil gewidmet und neben dem National Motor Racing Museum wird ein Peter Brock Memorial entstehen. Das Bathurst 1000 ist eines der letzten, wenn nicht sogar das letzte Rennen aus einer Ära im Tourenwagensport, wie wir sie heute (fast) nicht mehr erleben können. In Zeiten von riesigen Auslaufzonen und größten Sicherheitsanstrengungen ganz sicher ein Anachronismus. Aber wer einmal beim Bathurst 1000 dabei war, wird sich der Magie dieses Rennens nie mehr entziehen können.

Die Startflagge zum 2007er Bathurst 1000 fällt übrigens am kommenden Sonntag um 10:30 Uhr australischer Zeit. Und Motors TV überträgt ab 12:00 Uhr deutsche Zeit das Rennen zeitversetzt.