WRC Schweden: Hyundai muss liefern!

Das Toyota GAZOO Racing World Rally Team reist mit viel Rückenwind zur Rallye Schweden. Nach den zwei Podiumsplatzierungen zum Auftakt will das Team um Tommi Mäkinen beim zweiten Lauf der FIA Rallye-Weltmeisterschaft die oberste Stufe des Treppchens erklimmen und seinen Vorjahressieg wiederholen. Hyundai Motorsport steht in Schweden bereits unter Druck und muss liefern!

Schon in der ersten WRC-Saison 1973 stand die Rallye Schweden im Rennkalender: Sie bildet das einzige echte Winter-Event. In den Wäldern Skandinaviens herrschen Schnee, Eis und Temperaturen von minus 25 Grad Celsius. Um ausreichend Traktion zu finden, sind die Rallyewagen auf Spikes unterwegs. Schneehügel am Streckenrand dienen den Fahrern als Bande und helfen beim Vollgas-Sprint durch die Kurve. Jari-Matti Latvala meisterte diese Aufgabe im vergangenen Jahr mit Bravour und fuhr im Toyota Yaris WRC den ersten Sieg ein. Auf Platz zwei folgte der inzwischen ins Toyota Team gewechselte Ott Tänak. Ideale Voraussetzungen für die diesjährige Ausgabe, denn Toyota hat mit dem eigenen Testgelände im finnischen Jyväkylä einen gewaltigen Vorspung. „Schweden ist eine der Rallyes, bei denen wir besonders stark sind. Wir hatten auch gute Testfahrten auf Schnee in Finnland, wo jeder Fahrer zwei Tage unterwegs war. Aber über allem steht eine Frage: Wir wissen, dass wir uns verbessert haben. Aber wie stark haben sich die anderen verbessert? Das ist die Herausforderung“, erklärt Teamchef Tommi Mäkinen im Toyota Mediendienst. „Wir erwarten Schneebedingungen für die komplette Rallye, was für die Zuschauer besonders interessant wird!“

Die Rallye Schweden startet am Donnerstagabend in Karlstadt, wo das Teilnehmerfeld 48 Stunden später erneut unterwegs ist. Der Freitag findet vorwiegend jenseits der Grenze in Norwegen statt, bevor die Rallye am Samstag nach Schweden zu den traditionellen Etappen nahe Hagfors und Vargasen zurückkehrt. Das Finale am Sonntag besteht aus drei Prüfungen: Die Power Stage Torsby folgt auf zwei Läufe bei Likenäs. Hier ein Blick auf den Zeitplan aller 19 Etappen mit einer Prüfungslänge von 314,25 Kilometern.

Donnerstag, 15 Februar
08:00 Uhr: Shakedown, Skalla – 6,86 Km.
20.08 Uhr WP 1, Karlstad – 1,90 km.

Freitag, 16 Februar
07.55 Uhr: WP 2, Hof-Finnskog 1 – 21,26 km.
09.07 Uhr: WP3, Svullrya 1 – 24,88 km.
09.54 Uhr: WP 4, Röjden 1 – 19,13 km.
13.41 Uhr: WP 5, Hof-Finnskog 2 – 21,26 km.
15.03 Uhr: WP 6, Svullrya 2 – 24,88 km.
15.50 Uhr: WP 7, Röjden 2 – 19,13 km.
16.56 Uhr: WP 8, Torsby 1 – 9,56 km.

Samstag, 17. Februar
07.54 Uhr: WP 9, Torntorp 1 – 19,88 km.
09.12Uhr: WP 10, Hagfors 1 – 23,40 km.
10.08 Uhr: WP 11, Vargasen 1 – 14,21 km.
12.44 Uhr: WP 12, Torntorp 2 – 19,88 km.
14.12 Uhr: WP 13, Hagfors 2 – 23,40 km.
15.08 Uhr: WP 14, Vargasen 2 – 14,21 km.
17.45Uhr: WP 15, Karlstad 2 – 1,90 km.
19.26 Uhr WP 16, Torsby Sprint – 3,43 km.

Sonntag, 18. Februar
7.50 Uhr: WP 17, Likenäs 1 – 21,19 km.
9.51 Uhr: WP 18, Likenäs 2 – 21,19 km.
12.18 Uhr WP 19 Torsby 2, Powerstage – 9,56 km.

Ott Tänak und sein Co-Pilot Martin Järveoja reisen im Toyota Yaris WRC Startnummer 8 als Zweite der Gesamtwertung nach Schweden, Jari-Matti Latvala und Miikka Anttila rangieren im Fahrzeug Nummer 7 auf Position drei. In der Herstellerwertung liegt das Toyota GAZOO Racing World Rally Team punktgleich mit M-Sport an der Spitze. Das Duell der Favoriten dürfte spannend werden und gleichzeitig können wir uns auf ein paar Überraschungen gefasst machen.

M-Sport peilt mit Sebastien Ogier in Schweden das nächste Top-Resultat an. Die amtierenden Weltmeister und aktuellen Tabellenführer bringen drei der rund 380 PS starken Ford Fiesta World Rally Cars für die Titelverteidiger Sébastien Ogier/Julien Ingrassia sowie Elfyn Evans/Daniel Barritt und Teemu Suninen/Mikko Markkula an den Start. Nach ausführlichen Testfahrten blicken alle drei Crews dem zweiten Saisonlauf mit hohen Erwartungen entgegen. „Alles deutet darauf hin, dass wir in diesem Jahr wieder eine klassische Rallye Schweden mit viel Schnee und Eis und der entsprechenden Action auf den Prüfungen erleben werden“, blickt Malcolm Wilson, der Teamchef von M-Sport Ford, voraus. „Unsere drei Crews haben ausgiebig unter diesen Bedingungen getestet und kamen mit einem guten Gefühl zurück – also mal sehen, was für uns in Reichweite liegt. Ich rechne auch im Värmland wieder mit extrem starkem Wettbewerb, speziell die skandinavischen Fahrer werden in Topform sein. Aber auch wir schicken drei überaus konkurrenzfähige Kandidaten ins Rennen. Sébastien Ogier hat in Schweden bereits drei Mal gewonnen, Elfyn Evans konnte 2016 die ebenfalls hart umkämpfte WRC 2-Kategorie für sich entscheiden. Und dann haben wir ja auch noch Teemu Suninen. Er blickt seiner ersten Winter-Rallye und seinem dritten WM-Lauf am Steuer des Fiesta WRC entgegen, deswegen stellen wir keine zu hohen Erwartungen. Aber Finnen sind auf Schnee und Eis immer schnell, darum lassen wir uns gerne überraschen. Insgesamt rechne ich für uns auf jeden Fall mit einem Podiumsresultat. Wenn wir erneut einen Sack voller WM-Punkte mit nach Hause nehmen, sind wir zufrieden!“

Einen Sack voller WM-Punkte, davon träumt auch Hyundai Motorsport. Doch die Truppe aus Alzenau, insbesondere Chefpilot Thierry Neuville, hat mit der Rallye Schweden noch eine Rechnung offen. Im verganganenen Jahr schmiss der Belgier seinen Hyundai i20 WRC auf der nur 1,9 Kilometer kurzen Zuschauerprüfung in Führung liegend in die Reifenstapel. Neuville leistete sich einen Fahrfehler, der ihm in diesem Jahr auf keinen Fall mehr passieren darf. Schließlich war bereits Thierrys Saisonstart bei der Monte ziemlich harzig. Kein Team startete schlechter in die Saison. Bei der Rallye Monte Carlo wurde Hyundai den selbstgesteckten Ansprüchen nicht gerecht und schnell wurden Stimmen laut, die Hyundai Motorsport vorwarfen, mit zu vielen Puppen auf allen möglichen Hochzeiten zu tanzen. Für einen selbst ernannten Kämpfer um Fahrer- und Hersteller-WM ein ernüchternder Auftakt. Doch das schnelle Geschäft der WRC verlangt vollste Aufmerksamkeit. Hyundai Motorsport läuft aber bereits früh in der Saison Gefahr, sich zu verzetteln. Da ist das Projekt um den i20 Coupe, der im äußert hart umkämpften Markt der R5-Autos leidlich erfolgreich ist. Seit kurzem schrauben die Techniker in den Alzenauer Hallen auch am i30 TCR, der auf der Rundstrecke für Aufmerksamkeit sorgen soll. Möglicherweise ein bisschen zu viel des Guten. Ein paar gute Resultate reissen die Saison nicht raus, wenn im November die Konkurrenz die Titel abräumen sollte.

Trotz aller Kritik geht die Mannschaft von Teamchef Michel Nandan gut motiviert nach Schweden. „Wir wollen die Enttäuschung von Monte-Carlo schnell hinter uns lassen“, sagte der Teamchef. „Wir wollen unsere Saison in Schweden neu starten, wo wir einer ganz anderen Serie von Herausforderungen begegnen werden!“ Thierry Neuville ergänzte und will sich in Schweden in Topform präsentieren. „Wir hatten letztes Jahr ein gutes Tempo drauf, aber leider endete es nicht gut, als wir zur Aufgabe gezwungen waren“, sagte Thierry. „In diesem Jahr lege ich es wieder darauf an, einen Sieg zu erzielen, aber mit einem weitaus besseren Ergebnis!“ Der Druck im Team steigt, denn auch Andreas Mikkelsen rechnet sich in Schweden gute Chancen aus. „Das ist eine besondere Veranstaltung für uns, da wir über die Grenze hinweg in unserem Heimatland Norwegen Rallye fahren können“, kommentierte Andreas. „Wir haben viel Unterstützung von Fans, Familie und Freunden. Es ist eine schöne Veranstaltung.“Hayden Paddon ist der Dritte im Hyundai-Bunde. Der Kiwi übernimmt an der Seite seines Beifahrers Seb Marschal das Auto Nummer 6 von Dani Sordo. „Schweden wird ein neuer Anfang“, sagte Hayden. „Ich werde versuchen, die Art der Leistung zu wiederholen, die mich vor zwei Jahren auf das Podium brachte!“

Interessant wird die Rallye im frostigen Schweden allemal. Denn auch Citroen will sich in Szene setzen. Neben den Stammpiloten Kris Meeke und Craig Breen übernimmt ‚Mad‘ Mads Östberg den dritten C3 WRC. Östberg kennt Citroën gut, nachdem er zwischen 2014 und 2015 als Werksfahrer sieben Podestplätze erzielt hat. In Schweden ist sein Ruf nicht nur auf seine grenzenlosen Sprünge über Colins Crest, dem berühmten Sprung auf der Vargasen-Prüfung, beschränkt. 2011 wurde Östberg in Schweden Zweiter und holte vier weitere Podiumsplatzierungen. Aber auch Kris Meeke und Craig Breen können auf die Punkte, die das Team in Monte-Carlo erzielt hat, aufbauen. Kris war nur bei seinem dritten Auftritt bei der Veranstaltung im Jahr 2016 unter den Spitzenreitern, während Craig hier fünf Mal antrat – sein bestes Ergebnis ist der fünfte Platz in 2017 – und genießt wirklich die spezifischen Schwierigkeiten dieses sehr ungewöhnlichen Terrains. In diesem Jahr wurde knapp ein Viertel des Kurses gegenüber der letztjährigen Veranstaltung geändert. Allerdings sind nur etwas mehr als fünf Kilometer der Torsby-Etappe völlig neu, während die rund zehn Kilometer auf Hagfors sowie die Torntop-Etappe bereits 2013 bzw. 2014 genutzt wurden. Ein wichtiges neues Element sind jedoch die großen Schneebänke, die in diesem Jahr die Strassen säumen werden. Dies wird wahrscheinlich nicht nur die Breite der Straßen beeinflussen, sondern auch die Winkel, in denen die Autos die Kurven anfahren, und daher auch die Pace-Notes in den Gebetbüchern der Copiloten. In den letzten Jahren hat das milde Wetter während der Rallye dazu geführt, dass sich die Crews daran gewöhnt haben, die verschneiten Stellen zu meiden. Aber diesmal müssen sie die Schneewehen besser ausnutzen, um die Kurven möglichst schnell zu verlassen. Es wird eine große Herausforderung sein, bei der Erfahrung eine Schlüsselrolle spielen kann und die für viel Spannung und Action sorgen soll!

WRCplus überträgt aus Schweden alle Wertungsprüfungen live. Red Bull TV sendet am 16, 17. und 18. Februar jeweils ab 10 Uhr eine Zusammenfassung vom Vortag. Am Samstag, dem 17. Februar sendet Red Bull TV die spektakuläre Vargasen-Prüfung mit dem Sprung über Colin’s Crest ab 14:45 Uhr live

.Fotos (c) Citroen Racing, @World Media, Hyundai Motorsport GmbH, Toyota Gazoo Racing