Bathurst 12H: Ende mit Schrecken!

Audi Sport Customer Racing feiert am Mount Panoram den dritten Gesamtsieg . Die Debütanten des Audi Sport Teams WRT holen sich den Erfolg in einem der wohl ereignisreichsten Rennen in der Geschichte der zwölf Stunden von Bathurst. Wenige Minuten vor dem planmäßigen Ende musste die Hatz nach einem Horrounfall abgebrochen werden, bei dem es zum Glück keine Verletzten gab!

‚The Mountain Bites‘ heißt ein geflügeltes Wort am Mount Panorama. Bei der diesjährigen Ausgabe der 12 Stunden von Bathurst biss der Berg richtig zu. Bereits in der ersten Rennrunde entfaltete sich ein Drama, das den den Piloten, den Teams und dem Fahrer des Safety-Cars alles abverlangte. Schon früh vielen einige der Favoriten durch Unfälle oder technische Unzulänglichkeiten aus oder zurück. Prominentests Opfer der hektischen Ansfangsphase wurde der McLaren 650S von YNA Autosport, der im dichten Verkehr mit fünfzig Konkurrenten einfach überhitzte. Der britische Edelbolide schaffte es allerdings über die Distanz und kam – ein wenig enttäuschend – als Elfter ins Ziel. Die große Show zog in den frühen Morgenstunden dagegen der Schnitzer-BMW M6 GT3 ab. Der Australier Chaz Mostert ging von der Pole ins Rennen und überstand die ersten kritischen Minuten der Dunkelheit ohne Probleme. Je länger das Rennen dauerte umso mehr vergrößerte Mostert den Vorsprung auf die Verfolger. Doch zahlreiche Safety-Car-Phasen sorgten dafür, dass ‚Mozzie‘ und seine Teamkollegen die für den BMW M6 GT3 guten Bedingungen am Morgen nicht mehr nutzen konnten. Im weiteren Rennverlauf büßte das Trio Positionen ein, arbeitete sich in der Schlussphase aber wieder nach vorn und nahm das Podium erneut ins Visier. Nach neuneinhalb Stunden kam jedoch endgültig das Aus für Mostert, Wittmann und Farfus. Auf Rang vier liegend war Mostert im engen Kampf mit mehreren anderen Fahrzeugen in eine Kollision involviert. Er konnte zwar zu Box zurückkehren, doch das Auto war zu schwer beschädigt, um das Rennen fortzusetzen.

Mittendrin in dieser Kollision war der Bentley Continental GT3, dessen Abschiedsvorstellung ebenfalls nicht nach Plan lief. Bei der Anreise kämpfte das Team von M-Sport mit bereits erheblichen Verzögerungen und auch sportlich lief es nicht. Der Bentley mit der Startnummer 18 kämpfte mit einen maladen Getriebe, das während des Rennens gewechselt werden musste.

Das Schwesterfahrzeug geriet in die Kollision, die zum Teil auch auf Mosterts Konto ging. „Ich bin sehr enttäuscht darüber, dass ich auf einer so guten Position liegend den Unfall hatte. Ich dachte, wenn ich an den Autos vor mir vorbeikomme, hätte ich freie Fahrt. Aber es hat nicht funktioniert. Ich habe etwas riskiert, versucht, von Überrundungen zu profitieren, und am Ende war da einfach nicht genug Platz für drei Autos. Es tut mir leid für das BMW Team Schnitzer, für BMW Motorsport und für meine tollen Teamkollegen. Es war ein großartiges Wochenende, und wir haben gezeigt, wie gut der BMW M6 GT3 hier in Bathurst ist. Wir hätten ein starkes Ergebnis verdient, aber es war einfach nicht unser Tag“, sagte Mostert im BMW Press Club. Trotz allem, Mostert fuhr ein großartiges Qualifying und einen herausragenden ersten Stint. Augusto Farfus fand tröstende Worte für seinen australischen Teamkollegen. „Chaz hat einen mega Job gemacht, ist davon gezogen, und wir haben mit dem BMW M6 GT3 eine starke Performance gezeigt. Aber als die Sonne herauskam und die Temperaturen stiegen, hat es uns etwas an Top-Speed gefehlt. Da war es schwierig für uns, zu überholen. Zudem hat uns eine Durchfahrtstrafe zurückgeworfen. Doch wir haben uns wieder nach vorne gekämpft und lagen auf einer aussichtsreichen Position. Chaz hat es versucht – manchmal klappt es, und manchmal eben nicht. Aber er hat es wenigstens versucht. Es ist natürlich schade, denn wir hatten das Podium immer noch im Visier – oder vielleicht sogar den Sieg. Es waren noch über zwei Stunden zu fahren. Doch das ist Racing, und so etwas kann passieren!“ Bester BMW wurde M6 GT3 mit Timo Glock, Philipp Eng und Sean Richards. Der Laser Plumbing & Electrical M6 mit der Startnummer 100 kam als siebter ins Ziel.

Doch viel schlimmer als der Ausfall des Mostert-BMW war der Crash zwölf Minuten vor Ablauf der angesetzten Renndauer. Grund für die Rote Flagge war ein Unfall, in dem Ash Walsh verwickelt war. Der australische Privatpilot teilte sich einen Audi R8 LMS mit seinen Landsleuten James und Theo Koundouris sowie mit Duvashen Patayachee. Sie waren auf dem Weg zum Amateur-Klassensieg, als in Runde 270 mehrere Teilnehmer am Streckenabschnit Sulman Park verunfallten. Der private Audi blieb auf der Ideallinie liegen und wurde nur Sekunden später vom heranstürmenden Mercedes-AMG GT3 der Nineteen Corp. getroffen. Der AMG GT3 war an dieser Stelle mit Vollgas unterwegs und krachte brutal in die linke Seite des Audi R8. Zahlreiche Carbontrümmerteile verteilten sich über die Strecke und die Rennleitung brach nach kurzer Überlegung das Rennen ab und erklärte es mit dem Sieg des WRT-Audi für beendet. Der Gesamtsieg war für das belgische Audi Sport Team WRT der verdiente Lohn nach einer sehenswerten Aufholjagd. Die Premiere des Teams von Vincent Vosse beim 12-Stunden-Rennen am Mount Panorama hatte mit einigen Rückschlägen begonnen. Eine fehlerhafte Funkverbindung beschränkte die strategischen Möglichkeiten in der Anfangsphase. Das Team entschloss sich zu einer Reparatur, was einen Zeitverlust bedeutete, aber dennoch die richtige Entscheidung war. So konnten Robin Frijns, Stuart Leonard und Dries Vanthoor wieder angreifen. Eine Durchfahrtstrafe für ein Vergehen in einer Gelbphase kostete das Fahrertrio weitere wertvolle Zeit. So hatte der Audi mit der Startnummer 37 zeitweilig eine Runde Rückstand. Mit einer taktisch klugen und fahrerisch starken Aufholjagd rundete sich das Audi Sport Team WRT aber wieder zurück. Ein spannender Dreikampf mit Mercedes und Porsche mit wenigen Sekunden Abstand und zahlreichen Führungswechseln prägte die letzten Rennstunden. Als das Rennen kurz vor Schluss mit der Roten Flagge abgebrochen wurde, führte Robin Frijns mit 1,5 Sekunden Vorsprung. Frijns und Leonard setzen damit eine Erfolgsserie im Zeichen der Vier Ringe fort: Sie hatten im Vorjahr mit dem Belgian Audi Club Team WRT gemeinsam den Blancpain GT Series Sprint Cup gewonnen. Mit dem Sieg bei den zwölf Stunden von Bathurst gelang Audi als Titelverteidiger des Intercontinental GT Cup ein hervorragender Start in die neue Saison.

Bleibt noch der Blick auf das weitere Podium. Das Team SunEnergy1 markierte im Mercedes-AMG GT3 und Gastfahrer Jamie Whincup den zweiten Rang. Auf Platz drei fuhr der Porsche 911 GT3 des Teams Black Swan Racing mit Marc Lieb, Timothy Pappas, Jeroen Bleekemolen und Luca Stolz. Das Quartett holte sich gleichzeitig den Klassensieg in der Kategorie A Pro-Am. Einen möglichen Sieg verhinderte letztlich nur der Rennabbruch nach einem schweren Unfall kurz vor dem Ziel. Der Mercedes-AMG GT3 Nummer 55 von STRAKKA Racing wurde als siebter gewertet, was zugleich den dritten Platz in der Klasse PRO-AM bedeutete. Den sechsten Platz der PRO-AM-Klasse (P12 gesamt) belegte der #8 Mercedes-AMG GT3 von Scott Taylor Motorsport mit Max Twigg, Craig Baird und Tony D’Alberto. Auf dem neunten Klassenrang (P15 gesamt) wurde der verunfallte #19 Mercedes-AMG GT3 von Nineteen Corp P/L mit Mark Griffith, John Martin, David Reynolds und Liam Talbot gewertet. Nach dem frühen Rückstand der #56 des Mercedes-AMG Team STRAKKA Racing, nutzten Buhk, Götz und Vorjahressieger Parente die weiteren Runden zu Testzwecken und beendeten das Rennen auf dem 28. Rang. Für den zweiten Klassensieg sorgte das Team Grove Motorsports, das mit dem Porsche 911 GT3 Cup die Kategorie B gewann.

Die Schlussphase des Langstreckenklassikers auf der 200 Kilometer westlich von Sydney gelegenen Traditionsrennstrecke war an Spannung kaum zu überbieten. Bis 47 Minuten vor dem Ziel führte Frédéric Makowiecki mit dem von Manthey-Racing eingesetzten 911 GT3 R. Dann legte das Team einen frühen Stopp ein. Durch den Rennabbruch ging diese Strategie jedoch nicht auf. Am Ende wurde ‚Mako‘ zusammen mit Dirk Werner und Romain Dumas Sechster – einen Platz hinter Langstreckenweltmeister und Le-Mans-Sieger Earl Bamber, der mit Laurens Vanthoor und Kévin Estre im 911 GT3 R von Manthey-Racing am Start war. Im 911 GT3 R von Competition Motorsports kamen Patrick Long, Porsche Young Professional Matt Campbell und dessen australische Landsleute David Calvert-Jones und Alex Davison als Vierte ins Ziel. Alle 911 GT3 R hatten in der Schlussphase im Gegensatz zu den beiden vor ihnen liegenden Konkurrenten genug Sprit an Bord, um bis zum Rennende durchfahren zu können. Der Abbruch machte diesen Vorteil jedoch zunichte.

12 Stunden von Bathurst 2018, Top 10
1. Frijns/Leonard/D. Vanthoor, Audi R8, 271 Runden
2. Habul/Vautier/Whincup/Marciello, Mercedes GT3, 271 Runden
3. Pappas/Lieb/Bleekemolen/Stolz, Porsche 911 GT3 R, 271 Runden
4. Long/Campbell/Calvert-Jones/Davison, Porsche 911 GT3 R, 271 Runden
5. Bamber/Estre/Vanthoor, Porsche 911 GT3 R, 271 Runden
6. Dumas/Werner/Makowiecki, Porsche 911 GT3 R, 271 Runden
7. Leventis/Williamson/Waters/Fumaneli, Mercedes GT3, 271 Runden
8. Manolios/Millier/Capelli/Canto, Lamborghini, 270 Runden
9. Richards/Glock/Eng, BMW M6, 270 Runden
10. Koundoris/KoundorisWalsh/Padayachee, Audi R8, 269 Runden

Trotz des Endes mit Schrecken waren die 12 Stunden von Bathurst wieder ein herausragendes Ereignis. Dabei traten die GT3-Autos den Beweis an, das sie selbst bei schweren Unfällen ihre Piloten schützen können. Das Sicherheitskonzept der weltweiten GT3-Formel hat funktioniert. Allein dafür muss man schon dankbar sein!

Fotos (c) Audi AG, BMW AG, Daimler AG, Porsche AG