WRC Monte Carlo: Ogier setzt neuen Monte-Rekord!

Das Sebastien Ogier den Fußstapfen von Sebastien Loeb folgt wird spätestens gestern klar. Nach schwachem Auftakt kämpft sich der Weltmeister im Schnee zurück und gewinnt die Ralle Monte Carlo zum fünften Mal in Folge. Ein neuer Rekord. Ott Tänak spielte die Rolle des Jägers und führte ein starkes Toyota-Team an. Hyundai Motorsport erlebte bei der Mutter aller Rallyes ein Debakel!

Die 86. Rallye Monte Carlo wurde ihrem Ruf wieder einmal gerecht. Selbst der amtierende Champion hatte zu kämpfen. „Das war ein schwieriges Wochenende“ sagte Sebastien Ogier im Ziel. „Oft sind die Bedingungen bei der Rallye Monte Carlo hart, aber diesmal waren sie besonders schwierig. Ich hatte mich einige Male bei der Reifenwahl vergriffen. Aber es gab es ein gutes Ende. Wir gewannen und nun bin ich sehr zufrieden. Jeder Fahrer machte an diesem Wochenende Fehler, ich auch!“ Der Unterschied zur Konkurrenz: Ogier machte weniger Fehler und übernahm nach dem ersten Rallyewochenende die Tabellenführung. Teamchef Malcolm Wilson wird den Sieg seines Starfahrers mit einem Grinsen zur Kenntnis genommen haben. Die erweiterte Zusammenarbeit mit Ford Performance scheint sich bereits früh in der Saison auszuzahlen. Auch strategisch machte M-Sport keine groben Fehler. Mit vier Etappensiegen, dem notwenigen Speed und etwas Glück bewies Ogier auf den Straßen nahe seiner Heimststadt Gap seine Extraklasse. Am Freitag drehte Ogier seinem M-Sport Ford Fiesta in einer langsamen Kurve. Am zweiten Tag rutsche Sebastien in einen Graben, kam aber dank tatkräftiger Hilfe einiger Fans schnell zurück auf die Strecke. Auch dem Druck von Ott Tänak im Toyota Yaris hielt der Champion stand.

Tänak und Toyota zeigten zum Saisonaftakt eine brilliante Leistung. Der Neuzugang bei Toyota Gazoo Racing arbeitete sich am Samstag bis auf 14 Sekunden an Ogier heran und feierte gestern einen umjubelten zweiten Platz. Allerdings kam auch Tänak nicht ohne Ausritte über die Distanz. Bis zur Powerstage arbeitete das Team von Tommi Mäkinen an einer starken-Monte Bilanz. Die Plätze zwei (für Tänak), drei (für Latvala) und vier (für Lappi) waren in Reichweite. Doch Lappi unterlief am Samstag ein Fehler, der dem finnischen Youngster viel Zeit kostete. Lappi fiel auf Rang sieben zurück. In einer langsamen Linkskurve verlor der Finne seinen Yaris WRC und rutsche in eine Schneewand. Als Folge des Aufpralls löste sich das Hinterrad von der Felge. Ein Lerneffekt für den Youngster, den man eventuell von Ott Tänak erwarten hatte. Doch der Este zeigte im neuen Auto eine herausragende Fahrleistung, gepaart mit Nervenstärke. Tänak blies am Freitag und Samstag zur Jagd auf Ogier. Am Sonntag ließ es Tänak gemächlicher angehen und schielte auf Punkte und Podium. Zu Recht, denn Tänaks Einstand bei Toyota hätte auch so wohl kaum besser sein können!

Kris Meeke und Citroen blieb das Podium verwehrt. Der Brite und sein C3 WRC mussten sich mit dem vierten Rang zufrieden geben. Der Rückstand von weit mehr als vier Minuten zeigte überdeutlich, Citroen und Meeke kämpfen nachwievor mit Problemen. Doch am legendären Col de Turini schienen den Schwierigkeiten wie weggeblasen. Meeke holte sich auf der traditionsreichen Bergstrasse den Etappensieg. „Es war die härteste Monte, die ich je erlebt habe“, sagte Meeke im Ziel. „Wir hatten alles. Mit Slicks auf Eis am Donnerstagabend, Regen am Freitag und Schnee und Frost am Samstag und Sonntag. Ich bin wirklich überrascht, ins Ziel gekommen zu sein!“ Die siebzehn WM-Punkte wird Meeke gern mitgenommen haben. Wie konkurrenzfähig der C3 WRC wirklich ist, wird sich vermutlich erst beim übernächsten WM-Lauf in Mexiko zeigen. Dann steigt kehrt Sebastien Loeb ins Cockpit zurück und wartet auf einen Einsatz, der auch hier im Dorf mit Spannung erwartet wird.

Nur wenig Spannung lag bei Hyundai Motorsport an. Das Team aus Alzenau kämpfte sich durch eine zermürbende und enttäuschtende Monte, hielt den Druck aber bis zur letzten Etappe aufrecht. Insbesondere Thierry Neuville zeigte Kampfgeist. Zum Auftakt der Rallye verlor Thierry vier Minuten und fiel im Gesamtklassement auf den 17. Platz zurück. Mit Einer entschlossenen Einstellung und einige resolute Leistungen am Sonntagvormittag kämpfte sich Neuville entgegen allen Erwartungen zurück. „Die Plätze, die wir heute wettgemacht haben – ganz bis zum Ende der Power Stage – zeigen, wie wichtig es ist, bis zum Schluss Druck zu machen“, sagte der Belgier. „Ohne den Platten und die schwierigen Schneeverhältnisse gestern wäre ein Podium noch möglich gewesen. Das ist Monte-Carlo!“ Ingesamt holte Hyundai Motorsport sechs Etappensiege, fünf für Neuville und einen für Mikkelsen. Andreas Mikkelsen blieb bereits am Freitag mit defekter Lichtmaschine liegen. Dani Sordo wurde für einen Tag zur Hyundai-Speerspitze, doch der Spanier rutsche am Samstag von der Strecke und fiel aus. Hyundai-Teamchef Michel Nandan analysierte die Monte-Leistung nüchtern. „Die Monte ist für uns nie eine besonders nette Rallye gewesen, und wieder müssen wir ohne viel Lohn für unsere Mühen gehen. Wir hatten heute ein paar bessere Etappenergebnisse, und einen starken Power-Stage-Lauf von Thierry und Andreas, trotzdem können wir eigentlich nur auf ein Wochenende mit einer enttäuschenden Rallye zurückblicken. Wir müssen dies hinter uns lassen und unsere 2018er Saison in Schweden richtig beginnen!“

Der zweite Lauf der WRC 2018 findet vom 15. bis zum 18. Februar in Schweden statt, wo Hyundai mit drei Autos antreten wird. Neben den Stammfahrern Thierry Neuville und Andreas Mikkelsen wird Haydon Paddon wird das Hyundai-Team verstärken!

Rallye Monte Carlo, Endstand
1. Sébastien Ogier / Julien Ingrassia (Ford Fiesta WRC) 4:18:55.5
2. Ott Tänak / Martin Järveoja (Toyota Yaris WRC) +58.3
3. Jari-Matti Latvala / Miikka Anttila (Toyota Yaris WRC) +1:52.0
4. Kris Meeke / Paul Nagle (Citroen DS3 WRC) +4:43.1
5. Thierry Neuville / Nicolas Gilsoul (Hyundai i20 Coupe WRC) +4:53.8
6. Elfyn Evans / Daniel Barritt (Ford Fiesta WRC) +4:54.8
7. Esapekka Lappi / Janne Ferme (Toyota Yaris WRC) +4:57.5
8. Bryan Bouffier / Xavier Panseri (Ford Fiesta WRC) +7:39.5
9. Craig Breen / Scott Martin (Citroen DS3 WRC) +9:06.7
10. Jan Kopecky / Pavel Dresler (Skoda Fabia R5) +16:43.0

Fotos (c) Citroen Racing, Hyundai Motorsport GmbH, Red Bull Content Pool, Toyota Gazoo Racing