Dakar 2018: Nach dem Ruhetag!

Die erste Woche das Rallye Dakar war ohne Zweifel die härteste in der Südamerika-Ära der großen Marathonrallye. Selbst für die Top Teams war es eine schwierige erste Woche. Der Ruhetag in La Paz kam für die Teams in den Autos wie gerufen. Keine Ruhe dagegen für die Mechaniker und Ingenieure: Die Fahrzeuge werden komplett auseinandergenommen, gecheckt und für den zweiten Teil der Dakar vorbereitet!

Peugeot ließ mit dem Ausfall von Sebastien Loeb und dem gewaltigen Zeitverlust von Cyril Despres kräftig Federn. Nur noch zwei der vier Peugeot 3008 DKR Maxi kämpfen um den Gesamtsieg. Stephane Peterhansel und Carlos Sainz liegen aber auf den aussichtsreichen Plätzen Eins und Zwei. Am sechsten Tag der Rallye Dakar feierte Peugeot-Pilot Carlos Sainz seinen ersten Etappensieg des Jahres, den insgesamt vierten für den Peugeot 3008 DKR Maxi. Als die Teams nach einer langen Etappe durch das bolivianische Hochland die Metropole La Paz erreichten, hatte das Team Peugeot Total seine Doppelführung in der Gesamtwertung durch Stéphane Peterhansel und Carlos Sainz weiter ausgebaut. Toyota Gazoo Racing hält mit den drei noch verbliebenen Toyota Hilux die Verfolgerplätze. Teamchef Glyn Hall blies in La Paz bereits zum Angriff. „Wir wissen, das Rennen ist noch nicht beendet. Alles was wir tun, ist den Druck auf Peugeot zu erhöhen!“ Doch so einfach wird der Plan nicht. Insbesondere die extremen Höhen der Anden machen dem Hilux zu schaffen. Trotzdem herrscht Zuversicht bei Toyota, denn die Zuverlässigkeit der Fahrzeuge und des Teams ist sprichwörtlich. In den Cockpits der Hilux warten die Crews nur auf einen Fehler der Equipe. Peugeot-Teamchf Bruno Famin weiss um den Druck und sagte im Peugeot-Mediendienst. „Wir sind nach dem ersten Teil der Rallye in einer guten Position, auch wenn es anders ist als vor dem Start. Wir dachten, wir würden Nasser Al Attiyah mit unseren vier Autos jagen. Stattdessen liegen wir mit zwei PEUGEOT 3008DKR Maxi bequem in Führung und unseren drei Hauptkonkurrenten hinter uns. Natürlich ist es immer besser, an der Spitze zu stehen, aber da nur noch zwei Autos im Rennen um den Sieg sind und zwei Drittel des Rennens noch bevorstehen, können wir noch nicht entspannt sein. Bei Marathonrallyes und vor allem bei dieser Dakar 2018 gibt es immer Risiken! „

Beim dritten in der Buggy-Klasse war die erste Dakar-Woche ziemlich ereignisreich. Das MINI Team X-Raid verlor gleich am zweiten Tag den ersten MINI Buggy mit Bryce Menzies. Dank des stabil gebauten Überrollkäfigs war den beiden nichts Schlimmeres passiert. Allerdings hatte sich Copilot Peter Mortensen das rechte Sprunggelenk gebrochen. „So wollte ich meine erste Dakar nicht beenden“, sagte Menzies. „Der erste Tag war für uns super gelaufen und ich habe mich extrem auf die restlichen Tage gefreut. Jetzt denken wir schon an 2019. Wir wollen den Buggy, der sehr gut gelaufen ist, weiter testen und stärker zur Dakar zurückkehren!“ Nur einen Tag später musste das Team von Sven Quand den Ausfall von Nani Roma und Alex Haro verkraften. Roma kehrte nach zwei Tagen im Krankenhaus in Lima nach Barcelona zurück. Dort lässt er sich momentan gründlich durchchecken. „Ich bin wirklich traurig, dass die Dakar für mich zu früh beendet war“, so der MINI JCW Rally Pilot. „Mir liegen so harte Rennen wie in diesem Jahr. Alex und ich hätte die Chance auf ein gutes Ergebnis gehabt. Aber jetzt heißt es, an die Zukunft zu denken.“ Auch Yazeed Al-Rajhi und Timo Gottschalk waren im zweiten MINI John Cooper Works Buggy nicht gerade vom Glück verfolgt. Sie waren an Tag zwei mit ihrem Teamkollegen Boris Garafulic in der Wüste kollidiert. Beide verloren viel Zeit bis die Fahrzeuge wieder repariert und fahrbereit waren. Zwei Tage später landete das Duo durch einen unglücklichen Umstand im Pazifik. Sie waren einer Spur entlang des Meeres gefolgt und wurden von einer hohen Welle erfasst und ins tiefere Wasser gezogen. Zum Glück konnten sie sich mit Hilfe ihrer Teamkollegen befreien und ins Ziel gebracht werden. Die X-raid Mechaniker arbeiteten die ganze Nacht am Buggy und wurden kurz vor dem Etappenstart fertig. Mikko Hirvonen und Andreas Schulz starten im dritten MINI John Cooper Works Buggy von Gesamtrang 13 in die zweite Woche. Für Hirvonen waren die ersten Tage in den Dünen hauptsächlich Lehrzeit: „Diese Art der Dünen bin ich bisher noch nicht gefahren“, erklärt der Finne. „Man kann sie im vierten, fünften oder sechsten Gang durchfahren, aber ich bremse immer wieder, da ich Angst habe, eine gefährliche Stelle zu übersehen.“ Allerdings verlor das finnisch/deutsche Duo am dritten Tag viel Zeit als die eine Düne seitlich runtergerutscht waren und an einem Berg seitlich zum Stehen kamen. Zwar halfen ihnen später Yazeed Al-Rajhi und Timo Gottschalk, aber in der Gesamtwertung waren sie weit zurückgefallen. „So eine Dakar haben wir noch nie erlebt“, sagte X-raid Team-Manager Sven Quand den Medien. „Sie hat extrem hart angefangen – fast schon zu hart. Aber wir können sagen, dass es bisher keinen technischen Defekt gab. Der MINI JCW Buggy hat sein Potenzial unter Beweis gestellt und auch der MINI JCW Rally läuft super!“

Bei den Trucks hält Kamaz-Chefpilot Eduard Nikolaev trotz eines spektakulären Überschlags in den Dünen weiter die Gesamtführung vor Federico Villagra im IVECO. Im Tatra Team von Buggyra Racing kämpft man dagegen mit der Höhenkrankheit. Martin Soltys und Martin Kolomny hielten zwar auf der sechsten Etappe gut mit, sind aber im Gesamtklassement auf Rang zwölf und vierzehn zurückgefallen.

Dakar 2018 Stand nach dem Ruhetag, PKW-Klasse
1. Stéphane Peterhansel (FRA) / Jean-Paul Cottret (FRA), PEUGEOT 3008DKR Maxi, 16h25m02s
2. Carlos Sainz (ESP) / Lucas Cruz (ESP), PEUGEOT 3008 DKR Maxi, +27m10s
3. Bernhard Ten Brinke (NLD) / Michel Perin (FRA), Toyota 4WD, +1h20m41s
4. Nasser Al Attiyah (QAT) / Matthieu Baumel (FRA), Toyota 4WD, +1h24m20s
5. Giniel de Villiers (ZAF) / Dirk von Zitzewitz (ZAF), Toyota 4WD, +1h35m59s
6. Jakub Przygonski (POL) / Tom Colsoul (BEL), Mini 4WD, +2h25m16s
7. Martin Prokop (CZE) / Jan Tomanek (CZE), Ford 4WD, +2h25m52s
8. Sheikh Khalid Al Qassimi (ARE) / Xavier Panseri (FRA), Peugeot 3008DKR, +2h29m06s
9. Eugenio Amos (ITA) / Sebastien Delaunay (FRA), Buggy 2WD, +2h30m58s
10. Patrick Sireyjol (FRA) / Francois-Xavier Beguin (FRA), Buggy 2WD, +3h25m35s

Die siebte Etappe führt heute von La Paz nach Uyuni. die 726 Kilometer lange Strecke ist mit einer 435 Kilometer langen Wertungsprüfung  verknüpft und ist der erste Teil einer sogenannten Marathon-Etappe, bei der es am Abend keinen Service durch das Team, nur durch die Teilnehmer selbst gibt. Und es ist eine sehr lange Etappe – im vergangenen Jahr wegen schlechten Wetters abgesagt. Toyota Navigator Dirk von Zitzewitz sieht in der Etappe große Herausforderung „Wegen der Länge und wegen der Dünen, die auch dabei sein sollen. Die sind zwar nicht so knifflig wie die in Peru, unterschätzen sollte man sie aber auch nicht. Marathon heißt: Es gibt keinen Service vom Team, nur von uns selbst und auch nur mit dem, was wir an Bord haben. Also: Auto möglichst heile lassen, auch die Reifen schonen. Die müssen schließlich zwei Tage durchhalten – und das ist bei der Leistung unseres Hilux auch nicht ganz ohne!“ Startzeit der Wertungspüfung ist heute um 16:07 Uhr MEZ.

Fotos (c) Peugeot Sport, Toyota Gazoo Racing, MINI Team X-Raid, Red Bull Content Pool, Team Kamaz Master, Buggyra Media, DPPI