Dakar 2018: Ordentlich durcheinander gewürfelt.

Auch die erste große Wüsten- und Dünenetappe der Rallye Dakar ging an Toyota. Giniel de Villier ließ auf der 267 Kilometer langen Schleife rund um Pisco den Hilux so richtig fliegen und hielt das Peugeot-Trio hinter sich. Doch plötzlich korrigierte die Zeitnahme die Wertung, ohne einen Grund zu nennen. Peugeot feierte einen Dreifachsieg. MINI Pilot Bryce Menzies lieferte dagegen Schrott ab. Der US-Amerikaner zerlegte seinen Buggy nachhaltig!

Wer die zweite Etappe zeitnah verfolgen konnte, rieb sich am frühen Sonntagabend verwundert die Augen. Mit einem Vorsprung von 27 Sekunden üerquerte der Toyota Hilux des Südafrikaners Giniel de Villiers das Ziel in Pisco. Doch aus dem zweiten Etappenerfolg für Toyota Gazoo Racing wurde nichts. Die offizielle Zeitnahme sah plötzlich Cyril Despres vorne. Wenig später folgten mit Stephane Peterhansel und Sebastien Loeb zwei weitere Peugeot-Piloten auf den Plätzen. De Villiers und der Hilux fielen auf Rang vier zurück. Der zweite Hilux mit Nasser Al-Attiyah kam als achter auf das Zeitentableau. Mit dem zugesprochenen Dreifacherfolg auf der zweiten Etappe gehen die Peugeot von Despres und Peterhansel als Führende auf die dritte Etappe. Das MINI Team X-Raid hat dagegen bereits den ersten wichtigen Ausfall zu beklagen.

Die US-amerikanischen Dakar-Debütanten Bryce Menzies und Peter Mortensen mussten nach einem schweren Unfall aufgeben. Nach einem hervorragenden vierten Platz nach dem ersten Tag hatte die Crew des brandneuen MINI John Cooper Works Buggy gestern leider Pech und wurde bereits nach sechs Kilometern in einen Unfall verwickelt.

Bryce Menzies schilderte die Situation im BMW Press Club: „Ich bin in Ordnung. Ich hatte aber mehr Angst um meinen Beifahrer, und er hat sich letztlich den Knöchel gebrochen. Wir sind auf einer zerfurchten Piste in den Tag gestartet, als Pete mir eine doppelte Warnung ansagte. Ich schaute und sah die Stelle, dachte aber, dass es eine kleinere Welle sei als es wirklich war. Wir haben sie dann getroffen, das Heck hat abgehoben und wir sind mit der Front aufgeschlagen. Ich denke, wir haben uns danach sechs oder sieben Mal überschlagen. Das ist nicht die Art, wie ich meine erste Dakar bestreiten wollte. Ich fühle mich echt schlecht für das gesamte Team, denn sie alle hatten so viel Arbeit in dieses Auto gesteckt und standen hinter mir. Alles, was ich jetzt noch tun kann, ist so hart wie möglich zu arbeiten, um im nächsten Jahr stark wiederzukommen!“

Insgesamt gab es auf der zweiten Etappe viele Zwischenfälle. Auch die MINI Crews Boris Garafulic / Filipe Palmeiro sowie Yazeed Al Rajhi und Timo Gottschalk waren zwei der Opfer. Zumindest sind alle Crew-Mitglieder dabei offenbar unverletzt geblieben und werden voraussichtlich morgen für die dritte Etappe wieder an den Start gehen können. Mikko Hirvonen musste ebenfalls den Preis für einen kleinen Navigationsfehler zahlen, wodurch er auf der zweiten Etappe ein wenig, aber wertvolle Zeit verlor. Dennoch sorgte seine umsichtige Fahrweise auf den bisherigen zwei Prüfungen dafür, dass Hirvonen nach zwei Rallye-Tagen auf Rang sechs der Gesamtwertung liegt.

Die heutige dritte Etappe der Rallye Dakar 2018 führt über 504 Kilometer von Pisco nach San Juan de Marcona. Die Startzeit für die 88 verbliebene Autos ist für 13:11 Uhr MEZ festgelegt. Neben der 208 Kilometer langen Überführungsetappe wartet eine 296 Kilometer lange und fast ausschließlich über Sand und Dünen zu fahrende Sonderprüfung auf die Teams.

Noch entwickelt sich die Dakar 2018 ein wenig zäh. Das liegt zu einem Teil sicher auch an den Organisatoren, die gestern mit den Etappenzeiten zu kämpfen hatten. Kritische Stimmen kommen aber auch von den Teams, denn erstmals sind keine Landkarten mehr erlaubt. In letzter Minute wurden analogen Navigationshilfen aus den Autos verbannt. Das macht die Navigation noch schwieriger. Peugeot-Teamchef Bruno Famin gefällt das gar nicht. „Karten zu verbieten bestraft Teams, die sich verfahren haben – etwas, das manchmal passieren kann, denn es gibt kein perfektes Roadbook. Nur das Wiederzufinden des richtigen Wegs in einer angemessenen Zeit gibt ihnen die Chance, im Kampf um den Gesamtsieg zu bleiben. Damit spielt nun der Zufallsfaktor eine Rolle. Und das entspricht unserer Meinung nach nicht dem Sportsgeist, der bei einer Veranstaltung wie der Dakar herrschen sollte“, sagte Famin den Fachmedien.

Dakar 2018 nach zwei Etappen, PKW-Klasse Top 10
1. Cyril Despres/David Castera, Peugeot, 3:21.18 Stunden
2. Stéphane Peterhansel/Jean-Paul Cottret, Peugeot, + 0.27
3. Giniel de Villiers/ Dirk von Zitzewitz, Toyota, + 5.44
4. Sébastien Loeb/Daniel Elena, Peugeot, + 6.09
5. Nasser Al-Attiyah/Matthieu Baumel, Toyota, + 12.15
6. Mikko Hirvonen/Andreas Schulz, Mini Buggy, + 12.50
7. Orlando Terranova/Bernardo Graue, Mini All4, + 12.50
8. Carlos Sainz/Lucas Cruz, Peugeot, + 13.12
9. Martin Prokop/Jan Tomanek, Ford, + 14.32
10. Bernard ten Brinke/MichelPerin, Toyota, + 17.43

Bei den Trucks schlug gestern die Stunde des Kamaz-Teams. Eduar Nikolaev holte sich den Tagesieg vor Federico Villagra im IVECCO. Alain Loprais und Martin Kolomny vom tschechischen Team Tatra Buggyra Racing bleiben dem führenden Kamaz aber auf den Fersen.

Fotos (c) Red Bull Content Pool, DPPI, BMW X-Raid, Team Kamaz-Master, Tatra Buggyra Media