Dakar 2018: Robby Gordon wird uns fehlen!

Wenn am Samstag die Rallye Dakar zum 40. Jubiläum aufbricht, wird ein Mann fehlen. Robby Gordon, der Tausendsassa aus den USA, erlebte 2016 in Südamerika sein Desaster. Weder die Organisatoren, noch Gordon himself schienen danach Lust auf neue Skandale zu haben. Nicht nur in Südamerika, auch hier im Dorf müssen sich die Gordon-Fans einen neuen Helden suchen. Ein Rückblick auf zahlreiche Rückschlage!

Robby Gordons Auftritte bei der Rallye Dakar waren immer eine großspurige Mischung aus Alles oder Nichts, aus Sekt oder Selters. Im Jahr 2005 begann Robbys Dakar-Karriere, damals auf dem Volkswagen Touareg, seinerzeit das Überauto bei der Dakar. Robby gewann zwei Etappen und war damit der erste US-Amerikaner, der eine Dakar-Etappe in der Automobil-Kategorie gewinnen konnte. Im Laufe der Rallye aber warf Gordon den Touareg mit einem dreifachen Überschlag in den Wüstensand. Der damalige Volkswagen-Sportchef Kris Nissen war der Ansicht, dass dieser Unfall absolut unnötig und nur dem Übermut des Fahrers zuzuschreiben war. Die Konsequenz: Nissen warf Gordon raus.

Einige Jahre blieb es ruhig um Gordon, der im Jahr 2009 aber wieder von sich reden machte. Mit einem gewaltigen Hummer mit 7 Liter-V8-Maschine wollte Gordon die Konkurrenz aufmischen. Auf der zehnten Etappe ließ Robby den mächtigen Hummer gewaltig fliegen und lieferte sich mit Carlos Sainz ein knallhartes Duell, das der damalige VW-Pilot Sainz mit dem hauchdünnen Vorsprung von 21 Sekunden für sich entscheiden konnte. Robby’s Hummer lief bei der 2009er Dakar wie die Sau. Doch es reichte nicht für den im Motorsport so ambitionierten Selfmademan, dafür aber für Giniel de Villiers ersten Dakar-Sieg! 2010 versuchte es Gordon erneut mit dem bärenstarken Hummer. Von Startplatz Elf kommend, prügelte Gordon sein Dickschiff derart heftig durch die Wüste, das selbst die Etappenfavoriten Stephane Peterhansel und Nasser Al-Attiyah vom Amerikaner geschlagen wurden. Der hauchdünne Vorsprung von einer Sekunde reichte Robby zum Etappensieg und zum achten Gesamtrang.

Ein Jahr später musste Gordon bereits etwas kleinere Brötchen backen. Sein Sponsor Monster Energy wechselte zu X-Raid und der legendäre Hummer wurde auf 6-Liter kastriert. Der V8 leistete zwar immer noch 400 PS, doch die reichten nicht. Gordon wurde erneut achter, Volkswagen holte zum Abschied des Touareg einen Dreifacherfolg. Doch ein Robby Gordon gab nicht auf. 2012 sollte der Großangriff auf die MINI’s erfolgen. Gordons Hummer war bereit für den großen Schlag, dafür engagierte Gordon aus dem Stand Nasser Al-Attiyah. Gordon und der Katari bliesen zur Attacke auf den MINI von Stephane Peterhansel. Doch Gordon blieb das Pech treu. Die Entscheidung fiel auf dem 694 Kilometer langen Teilstück von Iquique nach Arica ungefähr 60 Kilometer vor dem Ziel. Hummer-Treiber Gordon versuchte, den vor ihm fahrenden MINI von Peterhansel zu überholen. Bei diesem Manöver traf Gordons Dienstwagen einen großen Stein. Die rechten Vorder- und Hinterreifen des Hummer platzten, außerdem wurden Teile des Unterbodens beschädigt. „Ich war dabei, Stéphane zu überholen, aber er hat keinen Platz gemacht, also habe ich diesen Stein mitgenommen und dabei gleich zwei Reifen gekillt. Wir müssen jetzt wieder aufholen und das Auto wieder fit machen, denn so wie ich es sehe, ist es arg mitgenommen! Und dann werde ich angreifen, angreifen und nochmals angreifen“, gab sich Robby gewohnt kämpferisch. Jedoch hatte der US-Amerikaner auch noch ein Problem mit der Rennleitung. Wie erst nach der Etappe bekannt wurde, war Gordons Fahrzeug nach seinem Etappensieg am Vortag durch die technische Abnahme gefallen. Die Offiziellen hatte nach der neunten Etappe am Gordon-Hummer einen Regelverstoß entdeckt, der mit dem Onboard-System zur Regulierung des Reifenluftdrucks in Verbindung zu stand. Gegen den daraus folgenden Ausschluss von der Rallye legte Gordon Berufung ein, weshalb er unter Vorbehalt weiterfahren durfte. Gordon pochte auf die reglementkonforme Auslegung dieses Systems, das er schon seit mehreren Jahren im Hummer einsetzte und das zu Beginn der Dakar von den Kommissaren geprüft und als legal erklärt wurd. Trotzdem hieß es in einer offiziellen Mitteilung: „Die Rennkommissare haben entschieden, das Auto mit der Nummer 303 zu disqualifizieren. Der Fahrer hat gegen diese Entscheidung Berufung eingelegt!“ Daher durfte Gordon, der sich gegen den Vorwurf wehrte, die Rallye bis zu einem Ergebnis des Einspruchs fortsetzen. Die finale Entscheidung oblag nun dem Internationalen Automobilverband. Gordon kam als Dritter ins Ziel, wurde aber des Schummelns überführt und disqualifiziert. Doch damit nicht genug. Auch zwischen Al-Attiyah und Gordon herrschte übler Zwist. „Nie werde ich wieder mit einem Hummer Rennen fahren und auch nie mehr in Gordons Team“, sagte Al-Attiyah. Er hatte wegen eines technischen Problems aufgeben und die Titelverteidigung endgültig abhaken müssen. Gordon konterte und beschuldigte Al-Attiyah, weil dieser das Gaspedal bis zum Anschlag durchtrete und nicht teamdienlich fahre. „Er wollte schon seit mehreren Tagen gehen“, sagte der Amerikaner über den Katari. Die Dakar 2012 endete mit einem faden Beigeschmack.

2013 folgte der nächste Rückschlag. Am 9. Januar 2013 hatte ich die Schlagzeile zu Robby Gordons Etappensieg fast schon parat. Doch leider kam es anders. Am vierten Wertungstag, nach nur 29 Kilometern, feuerte Gordon seinen Hummer wohl etwas zu heftig über eine Düne. Das US-Dickschiff hob ab und legte einen gewaltigen Überschlag hin. Mit zerstörtem Kühler blieb Gordons Spielmobil auf dem Dach liegen. Robby und sein Navigator Kellon Walch konnten das Fahrzeug unverletzt verlassen, standen nach dem Crash aber erstmal hilflos in der Wüste rum. Es dauerte Stunden, bis Gordons Hummer geborgen und der Schaden am Kühler notdürftig repariert werden konnte. Robby nahm die Wertungsprüfung zwar wieder auf, kam aber mit einem Rückstand von über 5 Stunden am Ziel in Arequipa an. In der Gesamtwertung rutschte Gordon auf den Platz 43 ab. Gordons Traum vom Gesamtsieg war mit einem Rückstand von fast 6 Stunden wieder mal geplatzt. Vermutlich weckte dieser Zwischenfall bei Gordon den Hochmut, mit möglichst großem Aufwand den Dakar-Sieg endlich in die USA zu zwingen. 2014 entwickelte Gordons Race Shop in Charlotte einen skurrilen Prototypen mit Namen Gordini. Ein Monsterlaster mit knapp 600 PS, der wie die heutigen Buggys nur über die Hinterachse angetrieben wurde. Top Speeds von mehr als 300 km/h sollten Gordon Etappensiege sichern. Doch Robby ging wieder leer aus. Der Fehler war schnell ausgemacht. Die Materialschlacht litt unter mangelnder Vorbereitung!

Die 2015er Dakar sollte zum großen Erfolg für Gordon werden, doch Gordon musste bei seiner elften Dakar-Teilnahme wieder einmal kleine Brötchen backen! Zwar posaunte Robby bereits Wochen vor der Marathon-Rallye seine Siegchancen laut heraus. Allerdings hatte die pfiffige PR-Maschine des Kaliforniers nur zweimal Grund zur Freude. Bei der Auftaktetappe gelang Gordon ein feiner zweiter Platz. Aber bereits am zweiten Tag fiel Robby auf Rang 133 zurück. Die technische Probleme am Gordini V8 konnten zwar fürs erste behoben werden, doch im Laufe der 13 Etappen machten Reifenschäden, Probleme mit dem Antriebsstrang, mangelnder Öldruck und Robbys wilder Fahrstil den Traum vom Dakar-Sieg erneut zunichte. Dazu mehrten sich im Laufe der letzten Etappen Stimmen, die Robby Gordon erneut eine planlose, wenn nicht sogar schlampige Vorbereitung unterstellten. Trotzdem bleibt für den Chef der Stadium Super Truck Serie ein klitzekleiner Trost. Die Abschlußetappe, die wegen heftiger Regenfälle auf 34 Kilometer verkürzt wurde, konnte Robby gewinnen! Für Gordon wurde die Dakar 2015 wieder einmal ein Lernprozess. Der zweite Einsatz des Gordini V8 endete auf Platz 19 des Gesamtklassements. Gordon fuhr in die Top 20! Das war Grund genug, den Kalifornier und sein Team hoch leben zu lassen. Aber vielleicht war genau dieser gefeierte Minimalerfolg der Grund für das überhebliche Desaster, welches 2016 Robby Dakarträume endgültig zunichte machten.

Robby Gordons Auftritt bei der Dakar 2016 stand ebenfalls unter keinem guten Stern. Ausgerechnet kurz vor dem Ziel in Rosario endete Gordons Ausflug nach Südamerika in einem Desaster. Robby Gordon und sein Team hinterliessen keinen guten Eindruck! Der Unfall auf der Autobahn kurz vor Rosario hätte mit Toten enden können. Mit überhohem Risiko steuerte Robby seinen Gordini in voller Fahrt längsseits an den Service-Hummer. Copilot Kellon Walch ließ sich Verpflegung durch das Seitenfenster reichen doch Robby Gordon hatte die Situation nicht unter Kontrolle. Beide Fahrzeuge kollidierten und der Service-Hummer überschlug sich. Ein Insasse wurde aus dem Truck geschleudert. Das es sich bei der Verletzung nur um ein mehrfach gebrochenes Bein handelte, war mehr Glück als Verstand. Der völlig bizarre Unfall setzte dann endgültig den unrühmlichen Schlußpunkt unter Gordons Dakar-Abenteuer. Gleichzeitig belegte der sinnlose Crash, welch irrsinnig hohes Risiko Robby Gordon auch auf öffentlichen Straßen einzugehen bereit war! Wahrlich kein Ruhmesblatt für den Kalifornier, der die Dakar 2016 in schlechter Erinnerung behalten wird. Und das aus mehreren Gründen. Bereits auf der zweiten Wertungsprüfung preschte Gordon mit weit überhöhter Geschwindigkeit in eine Tempo 50 Zone und wurde mit einer Zeitstrafe von einer Stunde belegt. Robby fand das gar nicht lustig und protestierte gegen die Entscheidung der Offiziellen. In der sechsten Wertungsprüfung hatte Gordon zu wenig Sprit an Bord und haderte erneut mit den Sportkommissaren der ASO. Das die fehlende Spritmenge womöglich sein Fehler war, kam Gordon erst gar nicht in den Sinn!

Trotz aller Rückschlage wurde Gordon in Südamerika zum Volkshelden und bei der Rallye Dakar ein Phänomen. Doch mit dem Ende der Dakar 2016 dürfte selbst dem vor Selbstbewusstein strotzendem Gordon klar geworden sein, das die Dakar keine Spaßveranstaltung für übertrieben risikofreudige Herrenfahrer ist. Robby ging einfach zu weit, vor allem mit dieser brandgefährlichen Situation auf der Autobahn nach Rosario.

Kurze Zeit später kündigte Gordon bereits an, der Dakar den endgültig den Rücken zu kehren. Möglicherweise spürte Robby aber auch, das selbst seine Technikcrew im Shop in Charlotte mit einem professionellen Dakar-Projekt überfordert war. Vielleicht scheiterte die Rückkehr aber auch an den Mühlen der argentinischen Justiz. Mit seinen Stunts, seiner Unbekümmertheit und seinem grandiosen und manchmal rücksichtslosen Fahrstil hat sich Gordon bei den Dakar-Organisatoren nicht nur Freunde gemacht. Trotzdem wird er uns auch bei der 40. Dakar fehlen, denn in Südamerika (und nicht nur da) lieben die Motorsportfans den orangefarbenen Monsterlaster und seinen verrückten Dompteur!

Fotos (c) Planet Robby, Robby Gordon