Dakar 2018: Wehe, wenn sie losgelassen!

Noch wenige Tage, dann beginnt die Rallye Dakar. Gestartet wird die 40. Jubiläumsveranstaltung am 6. Januar in Lima. Auf die über 500 Teilnehmer warten 8793 Kilometer und 14 Tage härtester Raidsport, der in ein gnadenloses Duell der Buggys ausarten wird. Peugeot verabschiedet sich aus Südamerika. MINI und Toyota wollen der Equipe die Show stehlen!

Peugeot sollte sich nicht zu sicher fühlen. Obwohl Peugeot Sport über 18.000 Testkilometer in die Weiterentwicklung des 3008 DKR investierte und den Buggy auf stolze 2,40 Meter verbreiterte, ist den Franzosen der Sieg längst noch nicht sicher. Zu stark hat die Konkurrenz aus Deutschland und Südafrika aufgerüstet. Der dritte Peugeot-Sieg, womöglich gar der erste von Sebastien Loeb, wird ein hartes Stück Arbeit. Mit einem Leergewicht von 1.700 Kilo ist der Peugeot 3008 DKR Maxi zwar rund 150 Kilo leichter als die Allradfahrzeuge, doch Peugeot ist mit dem heckgetriebenen Buggy nicht mehr allein auf der Düne. MINI und Toyota haben sich dem zuletzt so erfolgreichen Buggykonzept angenommen und es siegverdächtig interpretiert. X-Raid Teachchef Sven Quand gab im Februar grünes Licht und in Trebur entstand der MINI John Cooper Works Buggy. Anfang September war das Gefährt reif für den Rollout, doch anstatt bei Rallyes ordentlich Testkilometer zu machen beliessen es Quand und seine Crew bei einem einzigen Showrun und etwas mehr als 6.000 Testkilometern. Bei MINI X-Raid ist man optimistisch mit dem Buggy an alte Glanzzeiten anknüpfen zu können. Immerhin gewann das Team die Rallye Dakar von 2012 bis 2015 viermal in Folge. Mit dem MINI John Cooper Works Buggy betritt MINI Motorsport unbekanntes Terrain. Eine Herausforderung, die MINI begrüßt. Bei der Rallye Dakar mit Renn-Fahrzeugen zweier Kategorien anzutreten, unterstreicht das langfristige Bekenntnis von MINI Motorsport zum internationalen und nationalen Langstrecken-Rallye-Sport. Eine Disziplin, die der echten Abenteuerlust von MINI entspricht. Der neue Entwurf des MINI John Cooper Works Buggy ist kein Abschied von der AllradKategorie. Das neue Renn-Fahrzeug wird den bekannten John Cooper Works Rally ergänzen und eine weitere Plattform bieten, auf der MINI Motorsport und Motorsport Partner X-raid ein weiteres spezielles MINI John Cooper Works Langstrecken-Rallye-Auto entwickeln, verbessern und perfektionieren werden. Insgesamt setzt MINI X-Raid in Südamerika auf drei Buggys und vier der bewährten MINI 4×4. Darüberhinaus bürgt auch der Fahrerkader für Qualität. Mikko Hirvonen, ex WRC-Pilot, übernimmt einen Buggy, die zwei weiteren werden von Yazeed Al-Rajhi und US-Off Road Star Bryce Menzies pilotiert. Die Dakar-Legenden Nani Roma und Orlando Terranova bilden die MINI 4×4 Speerspitze.

Peugeot Teamchef Bruno Famin weiß um die Gefährlichkeit seiner Gegner. „Unsere Rivalen sind extrem stark, das zeigte sich auch bei der Rallye Marokko im Oktober!“ Peugeot zielte in Marokko klar auf den Gesamtsieg ab, musste sich dann aber von Toyota und Nasser Al-Attiyah schlagen lassen. Der Katari sitzt bei der Dakar im neuesten Bakkie, den die Crew um Teamchef Glyn Hall auf die Räder gestellt haben. Der bärenstarke Hilux mit V8-Motor wurde in Südafrika ausgiebig getestet und ist nach einem Jahr Verspätung nun reif für den ersten Dakar-Einsatz. Gemeinsam mit Dakar-Sieger Giniel de Villiers gilt der Toyota Hilux als die ultimative Waffe um Kampf um den Gesamtsieg. In weiten Teilen völlig neu entwickelt ist der Toyota Buggy der Topfavorit auf den Dakar-Sieg 2018. Doch die Dakar ist nicht nur purer Speed und ein Langstreckensprint über 14 Tage. Eine spannende Frage stellt sich bereits zu Beginn. Was macht das Wetter in Peru? Bei der letzten Dakar kämpften sich die Teams und Piloten durch Wolkenbrüche und über Schlammpfade. Teile der nördlichen Wertungsprüfungen mussten gar abgesagt werden. Die langfristige Prognose sieht zur Zeit gar nicht so schlecht aus. Zumindest für die ersten beiden Tage scheint die Unwettergefahr gebannt.

Dakar 2018 – Die Etappen

6. Januar, Lima – Pisco, 31 Wertungskilometer
7. Januar, Schleife Pisco, 267 Wertungskilometer
8. Januar, Pisco – San Juan de Marcona, 295 Wertungskilometer
9. Januar, Schleife San Juan de Marcona, 330 Wertungskilometer
10. Januar, San Juan de Marcona – Arequipa, 267 Wertungskilometer
11. Januar, Arequipa – La Paz, 313 Wertungskilometer
12. Januar, Ruhetag in La Paz
13. Januar, La Paz – Uyuni, 425 Wertungskilometer
14. Januar, Uyuni – Tupiza, 498 Wertungskilometer
15. Januar, Tupiza – Salta, 242 Wertungskilometer
16. Januar, Salta – Belén, 372 Wertungskilometer
17. Januar, Belén – Chilecito – 280 Wertungskilometer
18. Januar, Fiambala, Chilecoto – San Juan, 522 Wertungskilometer
19. Januar, San Juan – Cordoba – 368 Wertungskilometer
20. Januar, Schleife Cordoba – 119 Wertungskilometer

Die wichtigsten PKW-Starter 2018
Startnummer 300 – Stephane Peterhansel/Jean Paul Cottret, Peugeot 3008 DKR Maxi
Startnummer 301 – Nasser Al-Attiyah/Matthieu Baumel, Toyota Gazoo Racing Hilux
Startnummer 302 – Nani Roma/Alex Bravo, Team X-Raid MINI 4×4
Startnummer 303 – Carlos Sainz/Lucas Cruz, Peugeot 3008 DKR Maxi
Startnummer 304 – Giniel de Villiers/Dirk von Zitzewitz, Toyota Gazoo Racing Hilux
Startnummer 305 – Mikko Hirvonen/Andreas Schulz, Team X-Raid MINI Buggy,
Startnummer 306 – Sebastien Loeb/Daniel Elena, Peugeot 3008 DKR Maxi
Startnummer 308 – Cyril Despres/David Castera, Peugeot 3008 DKR Maxi
Startnummer 310 , Bryce Menzies/Peter Mortensen, Team X-Raid MINI Buggy
Startnummer 311, Martin Prokop/Jan Tomanek, Ford F150 Evo
Startnummer 314, Yazeed Al Rahji/Timo Gottschalk, Team X-Raid MINI Buggy
Startnummer 347, Tim Coronel/Tom Coronel, Jefferies Buggy

Gut ein halbes Dutzend Favoriten auf den Gesamtsieg werden sich in Lima auf die lange Reise nach Cordoba begeben. Insbesondere die beiden Toyota von Nasser Al-Attiyah und Giniel de Villiers sind hoch einzuschätzen. Überstehen die Crews von Toyota Gazoo Racing die ersten harten Tage in den Dünen Perus, dann sollte der Sieg zum Greifen nah sein. Teamchef Glyn Hall und seine Crew sind erfahren genug und auch strategisch clever, die Top-Peugeot von Peterhansel, Sainz und Loeb auf ihrer Abschiedstour zu schlagen. Der MINI Buggy ist beim ersten Wettbewerbseinsatz nur schwer einzuschätzen. Mikko Hirvonen, Bryce Menzies und ganz besonders Yazeed Al Rahji haben aber genug fahrerisches Potential, Etappensiege einzufahren um sich in Cordoba einen Podestplatz zu sichern. Die Coronel-Brüder sind gelten als Geheimtipp. Mit dem neuen Jefferies SCORE-Buggy, der mit 420 PS ordentlich motorisiert ist, sollten die Zwillinge in der Lage sein, für die eine oder andere Etappenüberrschung zu sorgen. Dazu braucht es aber auch etwas Glück. Das gilt natürlich auch für alle Topfavoriten.

Spektakulär wird natürlich auch wieder der Wettkampf in der Truck-Klasse. Das Team von Kamaz Master will seinen Dakar Sieg von 2017 wiederholen. Eduard Nikolaev, Alexander Shibalov, Airat Mardeev und Dimitri Sotnikov steuern die vier blauen Monster, die mit 6-Zylinder Motoren mit 13 Litern Hubraum ausgerüstet sind. Wie schon vor 12 Monaten wird die tschechische Mannschaft von Tatra Buggyra Racing die Herausforderung annehmen. Martin Kolomny, Jiri Stoss und Rotislav Plny teilen sich die Arbeit im Tatra Phoenix. Auch Renault schickt drei Trucks nach Südamerika. Unter der Regie des niederländischen Mammoet Rally Teams gehen zwei Renault Sherpa und ein K520 an den Start. Mit Martin van den Brink und Janus van Kasteren hat Renault zwei Piloten, die über die Erfahrung verfügen, die Renault-Trucks nach Cordoba aufs Podium zu führen. Selbstverständlich brauchen auch die Trucker viel Glück. Wir hier im Dorf drücken allen Dakar-Teilnehmern die Daumen.

Das war es also für 2017! Zur Einstimmung auf die Dakar gibt es im Bordkino ab heute ein sehenswertes Double Feature von der 50. Baja 1000. Stephans Raceblog wünscht allen Lesern einen guten Start ins neue Jahr. Bis zum 4. Januar legen wir hier den Leerlauf ein, bevor die traditionell große Berichterstattung zur Rallye Dakar Fahrt aufnimmt. In diesem Sinne, einen guten Rutsch!

Fotos (c) BMW Team X-Raid, Peugeot Sport, DPPI, Red Bull Content Pool, Team Kamaz Master, Tatra Buggyra International Racing, Maxxix Dakar Team