Motorsport 2017: Der Rückspiegel!

Das Motorsportjahr 2017 war prall gefüllt mit spannenden Rennen, Action und Emotionen. Viele davon werden in Erinnerung bleiben. Auf einige der ganz besondere Höhepunkte des Jahres werfe ich an dieser Stelle einen Blick zurück: Motorsport 2017 – Der Rückspiegel!

Bathurst 12H – Der zornige Maro!

Die 12 Stunden von Bathurst haben sich in den vergangenen Jahren glänzend entwickelt. Auch 2017 war die Weltelite der GT3-Piloten am Start. Ganz bitter endeten die 12 Stunden von Bathurst für Maro Engel und dem Team von HTP-Motorsport. Das Debüt des Mercedes AMG GT3 endete nach 11 Stunden und 45 Minuten in einem Debakel. Was war passiert? Im Kampf um den Gesamtsieg ging Teamkollege Shane van Gisbergen die letzten Rennminuten offensichtlich zu aggressiv an. Der Kiwi traf einen Porsche und räumte ihn von der Strecke. Die Rennleitung entschied sich für eine Durchfahrtsstrafe, der Sieg für den Ferrari 488 war also frei und van Gisbergen hätte sich durchaus mit dem zweiten Platz anfreunden können. Doch Shane blieb seinem Fahrstil treu und rammte seinen Mercedes im Kurvengeschlängel heftig in die Betonmauer. Das bedeutete das Aus und Kollege Maro Engel reagierte empört.

„Meiner Meinung nach hat das nichts mit Motorsport zu tun“, machte sich Maro Luft. „Alles, was ich an diesem Wochenende von Shane gesehen habe, waren Fehler!“ Engels heftige Kritik am V8 Supercars Piloten wurde in Australien zum Skandal. Maro revidierte seine Aussagen schnell wieder und war sich der Sprengkraft seiner Worte bewusst: „Wahrscheinlich hätte ich in diesem Moment kein Interview geben dürfen. Das sollte man fairerweise sagen“, räumte Engel wenig später. „Shane ist ein fantastischer Fahrer, jedermann weiß das. Aber hinsichtlich seines eigenen Maßstabs dürfte er mit seinen Fehlern, die er gemacht hat, nicht glücklich sein. Ob in der Qualifikation, als er im Kiesbett landete, oder in der Schlussphase des Rennens!“ Shane van Gisbergen blieb dagegen kleinlaut und betrieb Selbstkritik: „Ich entschuldige mich bei ihm, ich entschuldige mich bei unserem gesamtem Team und ebenso bei dem Porsche-Fahrer, mit dem ich kollidiert bin. Er versuchte, beiseite zu fahren, und ich konnte nicht ausweichen. Es war meine Schuld!“ Klare Worte eines Profis, dem nach seinem Sieg im Vorjahr ein kapitaler Fehler unterlaufen ist. Motorsport hat also immer noch mit Emotionen zu tun. Und das ist auch gut so!

WRC Mexiko – Mega Meeke!

Ganz große Emotionen durften die Fans der WRC beim WM-Lauf in Mexiko erleben. Kris Meeke gewann die Rallye Mexiko, aber nicht auf die leichte Art. Kris entschied sich für einen kleinen Umweg und meisterte vor den Augen der Weltöffentlichkeit ein Drama, das ihm beinahe zum Verhängnis wurde. Wenige Kilometer vor dem Ziel der Power Stage verlor Meeke seinen C3 WRC in einer langgezogenen Rechtskurve. Den Zuschauern stockte der Atem! Doch nach einer dramatischen Power Stage brachten Meeke und Copilot Paul Nagle ihren Dienstwagen ins Ziel und sichern Citroen den ersten Sieg des C3 WRC. Dabei hing der Gewinn des dritten WM-Laufes an einem seidenen Faden, doch Meeke hatte das Glück des Tüchtigen. Ausgestattet mit einem beruhigenden Vorsprung fuhr Meeke auf die 21,94 Kilometer lange Abschlußetappe. Auf der Jagd nach Thierry Neuvilles Bestzeit ging Meeke in einer schnellen Rechtskurve die Straße aus.


Der C3 WRC durchbrach das Buschwerk am Straßenrand und fand sich plötzlich auf einem Parkplatz wieder. Meeke touchierte beinahe mehrere geparkte Fahrzeuge und suchte verzweifelt einen Weg zurück auf die Piste. Streß total im Cockpit, denn der sicher geglaubte Sieg glitt Meeke in diesem Moment beinahe aus den Händen. Doch Copilot Paul Nagle behielt die Nerven und die Übersicht und lotste Meeke wieder zurück auf die Strecke. Der trat wieder unbeirrt aufs Gas, überquerte die Ziellinie und blieb mit einem Vorsprung von 13,8 Sekunden der schnellste Mann in Mexiko. Die Zuschauer rieben sich verwundert die Augen. So ein Finish hatten die meisten wohl noch nie gesehen!

Formel 1: Krawall in Baku!

Emotionen der etwas anderen Art erlebten die Formel 1 Fans beim Stadtrennen in Baku. Lewis Hamilton und Sebastian Vettel lieferten sich ein unwürdiges Affentheather auf und neben der Strecke! So wurde der Propaganda Grand Prix auf den menschenleeren Straßen von Baku überhaupt erst zu einem nennenswerten Ereignis. Was war passiert? Ferrari-Bubi Vettel legte sich mit Benz-Bengel Hamilton an. Das eh schon zerfahrene Rennen erhielt plötzlich eine ganz spezielle Note. Vor dem zweiten Restart fuhr Vettel dem Silberpfeil von Hamilton ins Heck und schäumte vor Wut. Nachdem beide um Kurve 16 bogen, zog Vettel längseits und revanchierte sich mit mit einem Rammstoß in Hamiltons Seite. Hamilton zog unbeeindruckt davon, doch wenige Umläufe später wurde das Rennen für gute 20 Minuten unterbrochen. Unzählige Trümmerteile auf der Strecke machten ein Großreinemachen erforderlich. Nach dem Restart löste sich dann Hamiltons Cockpitumrandung. Der Brite steuerte die Box an und verlor 10 Sekunden. Auch Vettel musste sich bei seinem Kommandostand einfinden.

Der Rammstoß gegen Hamilton wurde von den Offiziellen mit 10 Strafsekunden geahndet. Danach setzte sich Vettel auf dem vierten Platz fest, hart bedrängt von Lewis Hamilton, der sich mit dem fünften Rang zufrieden geben musste. Heute wird dem Briten der Zwischenfall egal sein. Lewis Hamilton wurde Weltmeister. Und Vettel? Der hat nach einer enttäuschenden Saison sicher gelernt, seine Nerven im Zaun zu halten!

Macao Grand Prix – Millionen Crash & F3 Spektakel!

Nicht für schwache Nerven waren auch der GT3 World Cup und das Formel 3 Weltfinale in Macao. Der Macao Grand Prix lieferte wieder einmal die Schlagzeilen des Jahres. Im Auftaktrennen des GT3 Weltcups kämpften die Piloten so verbissen, das das Rennen bereits nach einer halben Runde abgebrochen werden musste. An der Police Station Corner, einer gefüchteten Engstelle, kam es zur Massenkarambolage, der 16 Autos des Feldes zum Opfer fielen. Nach dem Restart mit nur acht Fahrzeugen konnte Edo Mortara den Sieg von vorne souverän nach Hause fahren. Zurück blieb ein Schrottplatz im Wert von mehreren Millionen Euro.

Für den sportlichen Höhepunkt des Jahres war wieder der Macao Grand Prix verantwortlich. Die Youngster der Formel 3 lieferten sich im Hauptrennen eine Show der Extraklasse. Wie knapp Triumph und Niederlage im Motorsport beisammen liegen, musste Österreichs Formel-1-Hoffnung Ferdinand Habsburg am Sonntag am eigenen Leib erfahren: Beim prestigeträchtigen und wichtigsten Formel-Rennen für Nachwuchsfahrer kämpfte der Österreicher bis zum Schluss mit Sergio Sette Camara um den Sieg. In der letzten Kurve wagte Habsburg einen Angriff und presste sich vorbei – aber er und Sette Camara verbremsten sich und schlugen in die Streckenbegrenzung ein. Der lachende Dritte war Red-Bull-Junior Daniel Ticktum: Der 18-jährige Brite profitierte vom Unfall der beiden Piloten vor ihm und überquerte die Ziellinie als Erster. Dahinter lagen McLaren-Supertalent Lando Norris und der Este Ralf Aron. Habsburg schaffte es mit seinem schwer beschädigten Formel-3-Boliden immerhin noch als Vierter über die Ziellinie – und wurde danach von seinen Mechanikern mit frenetischem Jubel an der Box empfangen!

Bald steht 2018 vor der Tür. Der Auftakt in ein sicherlich ebenso spannendes und emotionales neues Rennjahr beginnt bereits in wenigen Tagen in Südamerika. Bei der 40. Rallye Dakar meldet sich Peugeot vom Raid Rally Sport ab. MINI und Toyota suchen ihre Chance, die Löwen bei ihrer Abschiedsvorstellung zu schlagen. Mehr dazu noch in diesem Jahr!

Fotos (c) Citroen Racing, Daimler AG, Ferdi Kräling Motorsport-Bild GmbH, FIA Media, Macau Inquirer, Screenshot FIA.com, DPPI, Red Bull Content Pool