Formel E Hongkong: Wie gewonnen, so zerronnen!

Seit dem Wochenende läuft die vierte Saison der Formel E, die hier im Dorf immer noch belächelt wird. So richtig ernst nehmen die Freunde des gepflegten Motorsports die Stromschnellen immer noch nicht. Der Saisonauftakt in Fernost trug ebenfalls nicht dazu bei, die Beziehung zu diese Serie zu vertiefen. Daniel Abt wurde der Sieg nach einem Formfehler aberkannt!

Es hätte das perfekte Geburtstagsgeschenk werden können. An seinem 25. Geburtstag siegte Daniel Abt beim zweiten Lauf des ePrix-Wochenendes in Hongkong. Doch der turbulente Saisonauftakt der Formel E endete für Audi mit einer Enttäuschung. Bei seinem ersten offiziellen Einsatz als Audi-Werksfahrer kam der Kemptener nach einem starken Auftritt als Erster über die Ziellinie. Für Audi, erstmals werksseitig in der Formel E mit dabei, war der Erfolg auf dem 1,86 Kilometer kurzen Straßenkurs von großer Bedeutung. Entsprechend groß war die Freude bei allen Beteiligten, inklusive Wolfgang Ullrich, der seinen letzten Auftritt in Audi-Diensten erlebte. Am Sonntagabend wurde Daniel Abt der auf der Rennstrecke verdient herausgefahrene erste Sieg in der weltweit ausgetragenen Elektro-Rennserie wegen eines angeblichen Formfehlers aberkannt. Das Team Audi Sport ABT Schaeffler hat gegen den Wertungsausschluss Berufung angekündigt. Bei der Technischen Abnahme nach dem Rennen hatten die Technischen Kommissare Abweichungen bei Teilenummern im technischen Wagenpass bemängelt. Der Wertungsausschluss erfolgte, auch wenn die Teile absolut baugleich sind und vollständig der Homologation entsprechen.

„Daniel ist an beiden Tagen fantastisch gefahren und hat diesen Sieg absolut verdient“, sagte Allan McNish, Teamchef des Teams Audi Sport ABT Schaeffler. „Was uns vorgeworfen wird, ist offenbar ein Formfehler im Wagenpass, der uns keinen Vorteil gebracht hat. Wir wollen uns die Möglichkeit vorbehalten, im Detail zu klären, was geschehen ist. Deshalb haben wir eine Berufung angekündigt!“ Sportchef Dieter Gass ergänzte. Positiv ist, dass wir an beiden Tagen eine starke Renn-Performance hatten. Aber natürlich hatten wir uns den Sonntagabend etwas anders vorgestellt.“ Im ersten Rennen am Samstag hatte Daniel Abt nach einer Aufholjagd den fünften Platz belegt. Titelverteidiger Lucas di Grassi blieb an beiden Tagen ohne Punkte – am Samstag nach einem Aufhängungsschaden, am Sonntag wegen eines Problems an der Batterie. Dass Abt das Rennen zuvor auf Platz eins beendet hatte, verdankte er einem Fahrfehler des ehemaligen Audi-Fahrers Edoardo Mortara, der in der Formel E für das von Mercedes unterstützte Venturi-Team aus Monaco startet. Mortara hatte in seinem erst zweiten Rennen in der Serie bis drei Runden vor Schluss geführt, drehte sich dann aber nach einem Verbremser und fuhr schließlich als Dritter hinter Abt und dem Schweden Felix Rosenqvist ins Ziel. „Da wollte ich wohl zu viel: Nicht nur den Sieg, sondern auch die schnellste Rennrunde“, gab Mortara hinterher zu. Auch Rosenqvist erlebte ein ereignisreiches Rennen: Er hatte sich in der Anfangsphase gedreht und fuhr eine starke Aufholjagd von Rang elf.

Tags zuvor hatte der britische DS-Virgin-Fahrer Sam Bird das erste Rennen der neuen Saison gewonnen. Abt zeigte eine starke Leistung, verlor aber einen nahezu sicheren Podiumsplatz, weil sein zweites Auto nach dem Fahrzeugwechsel nicht ansprang. Erst beim dritten Versuch konnte der Allgäuer losfahren. Er kam als Fünfter ins Ziel. Abts Audi-Teamkollege und Titelverteidiger Lucas di Grassi erlebte in Hongkong ein Wochenende zum Vergessen. Im Samstagsrennen kam es zur Kollision mit seinem Erzrivalen Sébastien Buemi. Nach einem Aufhängungsschaden und vorzeitigem Autowechsel blieb er ohne Punkte. Gestern rollte das Auto des Brasilianers in der Runde vor dem Boxenstopp ohne Vortrieb aus. Wieder gab es für Di Grassi keine Punkte. „Ich habe mein Glück für dieses Jahr wohl verbraucht, aber im neuen Jahr greife ich wieder voll an“, meinte der Brasilianer. Der nächste Lauf zur Formel E ist am 13. Januar in Marrakesch. Der deutsche Formel E Lauf findet am 19. Mai in Berlin statt. Hier der komplette Kalender 2018.

13.01. Marrakesch
03.02. Santiago de Chile
03.03. Mexico City
17.03. Sao Paulo
14.04. Rom
28.04. Paris
19.05. Berlin
10.06. Zürich
14.07. New York
15.07. New York
28.07. Montreal
29.07. Montreal

Es mag ja sein, das einige Beobachter der Formel E Motorsport vom Allerfeinsten zuschreiben. In Hongkong lieferte die Serie jedoch eine Verkettung von technischen Mankos, gepaart mit überharten Strafen. Ein Zieleinlauf unter Vorbehalt, nur aufgrund vertauschter Strichcodes ist ziemlich lächerlich. Ein aufgeblähter Strafenkatalog nach dem Vorbild der Formel 1 ist ein grober Fehler, den die Formel E Verantwortlichen unbedingt vermeiden sollten. Stephans RaceBlog bleibt aber auch weiterhin dem klassischen Motorsport treu. Am zurückliegenden Wochenende startete in Frankreich die Tropheé Andros. Mehr dazu im Verlauf der Woche! Und dann sind es ja auch nur noch 33 Tage bis zur Rallye Dakar.

Fotos (c) Audi Communications Motorsport / Michael Kunkel, BMW AG Marcio Rodrigo Machado / Power Sport Images