NHRA Pomona: Feiertag für John Force Racing!

Da hat der Altmeister des US Drag Racing aber mal richtig hingelangt. Bei den NHRA Finals in Pomona holte John Force Racing alle zwei Titel der Nitro-Klassen. Brittany Force überzeugte mit einem fulminenten Schlußspurt und holte ihren ersten Top Fuel Titel. Kurze Zeit vorher setzte JFR-Pilot Robert Hight ein Zeichen und sicherte sich seine zweite Funny Car Meisterschaft. Der Sonntag wurde zum Feiertag für John Force Racing!

Das Saisonfinale im kalifornischen Pomona wurde zum Wochenende von Brittany Force und ihrem Monster Energy Top Fuel Dragster. Bereits im Qualifying deutete die zweitälteste Tochte von John Force ihre Titelambitionen klar und eindeutig an. Von Startplatz 1 kommend schlug sie am Sonntag Terry Haddock und Richie Crampton. Hauptkonkurrent Steve Torrence hatte zu diesem Zeitpunkt mit der Titel-Entscheidung nichts mehr zu tun. Der Überraschungsmann der Top Fuel Saison 2017 fiel in der ersten Elimination Round Antron Brown zum Opfer. In der zweiten Elimination gelang Brittany sogar ein Sieg über Antron Brown. damit war der Weg ins Finale frei. Brittanys Kür gegen Shawn Langdon bestätigte erneut, warum Brittay in diesem Jahr den Top Fuel Titel redlich verdient hat. Mit einer fast doppelt so langen Reaktionszeit als Langdon schleppte Brittany ihre 10.000 PS Maschine auf den Drag Strip, nahm dann aber höllisch Fahrt auf. Während Langdon auf halber Trecke mit den Reifen kämpfte und ein wenig Gas rausnehmen musste, blieb Brittany voll auf dem Pedal. Der Rennsieg und die Meisterschaft waren in trockenen Tüchern. Ihre Zeit: 3,668 Sekunden mit einem Schnitt von 330,07 Meilen pro Stunde. Der Erfolg von Pomona war ihr vierter Sieg in diesem Jahr und der siebte in ihrer Karriere.

Entsprechend riesig waren die Emotionen nach dem Rennen. „Ich kann nicht glauben, es scheint wie ein Traum „, jubelte Brittany Force. „Der Grund, warum wir hier sind, ist wegen dieses Monster-Teams, aller Sponsoren und jedem bei John Force Racing. Wir kämpften, wir hatten unsere Höhen und Tiefen, aber wir hielten zusammen, wenn es am meisten darauf ankam. Ich gebe alles an meine Crew-Chefs Alan Johnson und Brian Husen weiter. Sie haben es möglich gemacht. Sie stärkten immer meinen Rücken und sie drängten mich immer weiter. Das hat mein Team getan, sie haben mich nie aufgegeben und gekämpft. Ich kann nicht glauben, dass wir hier sind. Ich muss meinem Vater, meiner Familie danken. Das ist ein sehr stolzer Moment!“ Kein Wunder, denn die 31-jährige wurde gleichzeitig Nachfolgerin der Top Fuel Legende Shirley Muldowney und damit die erst zweite Frau in der langen Geschichte der NHRA, die den Titel Top Fuel Champion führen darf. Kein Wunder, das der stolze Vater John am Sonntag aus dem Jubeln nicht mehr herauskam. Schließlich folgte Brittany den Spuren ihres legendären Vaters, der immerhin 16-facher Funny Car Champion ist.

Auch Johns jüngste Tocher Courtney hielt sich in Pomona wacker. Zumindest rechnerisch hatte die 29-jährige, die seit 2015 mit Indycar-Pilot Graham Rahal verheiratet ist, noch Chancen. Doch im Verlaufe der Eliminations hatte Courtney nicht den entscheidenden Schwung. In der zweiten Elimination Round schied sie gegen ihren Teamkollegen Robert Hight aus. Zu diesem Zeitpunkt war Hight der Titel des Funny Car Champions bereits sicher, den Rivale Ron Capps verlor bereits in der ersten Runde sein Duell gegen Del Worsham. Hight kam mit Siegen über Tim Wilkerson und Matt Hagan locker ins Finale und wollte gegen ‚Tommy Johnson Jr. eine Show abziehen. Mit einer Reaktionszeit von 0,55 Sekunden katapultierte Hight seine ‚ProckRocket‘ auf die Piste. Doch nach 60 Fuß bekam Hight Probleme mit den Reifen, nahm Gas weg und rollte aus. Der Sieg ging verdient an Johnson. Trotz des verpatzten Finales holte sich Robert Hight nach 2009 seine zweite Funny Car Meisterschaft und machte damit seinen Teamchf John Force glücklich.

„Es war wie ein Film“, sagte John Force nach seinem zweifachen Titelgewinn als Team- und Fahrzeugbesitzer. „Man hätten die Geschichte nicht besser schreiben können. Manchmal ist das Glück unberechenbar, aber als Teambesitzer bin ich wirklich stolz darauf, wie die Leute zusammen geblieben sind und zusammen gekämpft und zusammen gearbeitet haben. Wir haben die Band wieder zusammengestellt, das habe ich Jim Campbell von Chevrolet versprochen. Und wir haben Wort gehalten! “ Für den inzwischen 68 Jahre alten Force ging am Sonntag vermutlich sein größter Traum in Erfüllung. Tochter Brittany holte sich als zweite Frau, 35 Jahre nach Shirley Muldowney, den inoffiziellen Weltmeistertitel in der Top Fuel Klasse. „Ist das nicht großartig“, sagte John Force den Tränen nahe. „Sie hat dieses Jahr als Fahrer gekämpft. Und sie ist wirklich eine Art Anfängerin“, fuhr er fort. „Aber um hier aufzuspringen und den Sieg zu holen, könnte ich nicht mehr stolz sein!“ Knapp 30.000 Zuschauer erlebten auch Johns zweiten Erolg hautnah mit. Robert Hight ließ sich in Pomona die Chance auf den zweiten Titel nicht mehr aus den Händen reissen. Ein großartiger Erfolg, auch für John Force alten Crewchief Jimmy Prock, der aus Hights Chevrolet Camaro im Laufe der Saison die 10.000 PS starke und inzwischen legendär gewordene ProcksRocket kreierte! Stolz sein darf John aber auch auf Courtney, die in diesem Jahr eine überragende Saison fuhr. Zwar reichte es nicht zum Funny Car Titel, dafür gewann Courtney aber den prestigeträchtigen Traxxas Nitro Shootout und holte sich den Sieg in Houston!

Der Titel des NHRA Pro Stock Champions ging an Bo Butner, der sich in Pomona wieder einmal brilliant in Szene setzen konnte. Butner ging vom fünften Startplatz in die Eliminations und entledigte sich Shance Gray und Jeg Coughlin. Im Halfinale wurde es für Butner erstmal richtig ernst, denn mit Greg Anderson wartete ein ernsthafter Anwärter auf den Titel. Butner gewann das Rennen knapp und der Weg ins Finale war frei. Dort lauerte mit Tanner Gray der Überraschungsrookie der Saison. Gray überraschte Butner an der Startampel mit einer ultraschnellen Reaktionszeit von 0,22 Sekunden, doch davon ließ sich der erfahrene Bo nicht einschüchtern. Gray kämpfte auf halber Distanz mit den Reifen und diese Chance nutzte Butner eiskalt aus, zog an Gray vorbei und krönte sich zum 18. Pro Stock Champion der NHRA. Für Buter war es nach 2006 der zweite wichtige Titelgewinn. Von ganz besonderer Bedeutung war für ihn, das er sich ab Mitte der Saison immer öfter gegen das ständig stärker werdende Team von Summit Racing durchsetzen konnte. So hatten auch in Pomona die Summit-Piloten Jason Line und Greg Anderson das Nachsehen.

Für eine der schnellen NHRA-Damen bedeutete das Finale von Pomona das Ende ihrer Drag Racing Karriere. Alexis DeJoria stieg 2005 in die NHRA ein und debütierte im September 2011 im Toyota Camry Funny Car. Im Team von Kalitta Motorsports holte sie fünf Funny Car Siege, erlitt aber auch einige Rückschläge. Im Sommer 2016 brach sie sich bei einem schweren Unfall das Becken. In der Saison 2017 kam Alexis noch einmal zurück und holte im August 2017 bei den Lucas Oil Nationals in Brainerd ihren letzten Sieg. Die 40-jährige Milliardärstochter schrieb damit Geschichte. DeJorias Erfolg war der 250. Sieg einer Frau in der NHRA. Das nun Schluß ist erklärte Alexis auf ihre eigene Art: „Meine Grund hinter dieser Entscheidung ist einfach. Es ist Zeit für mich, mich auf meine Familie zu konzentrieren. “ Alexis DeJoria ist verheiratet und hat eine Tochter. Da kann man diese Entscheidung durchaus verstehen. Ihr letzter Auftritt in Pomona war trotzdem aller Ehren Wert. Von Startplatz Fünf ging Alexis in die Eliminations und schied in der zweiten Runde gegen den späteren Sieger Tommy Johnson Jr. aus. Was bleibt, sind fantastische Erfolge und Geschichten. So war Alexis die erste Frau, die in der NHRA auf 100 Funny Car Rennen kam. Ihr größter Erfolg war ohne jeden Zweifel ihr Sieg bei den sechszigsten. U.S. Nationals 2014 in Indianapolis. Aber seht selbst…

Die NHRA Teams gehen nun in die verdiente Winterpause. Doch bereits am 11. Februar startet die Saison 2018 mit den Lucas Oil WinterNationals auf dem Auto Club Raceway in Pomona.

Fotos (c) Chevrolet/GM Media, LA Times, DragIllustrated, USA Today, NHRA Media