F1 Sao Paulo: Das ungewöhnliche Qualifying!

So hätte sich Lewis Hamilton den Start in die Qualifikation zum Brasilien GP ganz sicher nicht vorgestellt. Das Abschlußtraining war nur wenige Minuten alt, da flog der frisch gekürte Weltmeister in die Streckenbegrenzung. Die Pole Position ging trotzdem an die Silberpfeile. Im entscheidenden Moment setzte sich Valtteri Bottas gegen Sebastian Vettel durch!

Womöglich keimte bei Ferrari gleich zu Beginn des Qualifyings so etwas wie Schadenfreude auf. Lewis Hamilton stopfte seinen Silberpfeil bereits zu Beginn des Q1 in die Mauer. Der Mercedes-Pilot blieb bei dem heftigen Einschlag in die Streckenbegrenzung unverletzt, sein Silberpfeil wurde aber stark beschädigt. „Ich bin okay“, funkte Hamilton noch aus dem Auto und kehrte anschließend zu Fuß an die Box zurück. Keine zwei Minuten nach dem Start des Qualifyings hatte er die Kontrolle über seinen Boliden verloren. Ferraris Angstgegner war raus aus der Entscheidung um die Pole und startet heute um 17:00 Uhr vom Ende des Feldes. Für Hamilton wohl keine große Sache. Der Brite nahm im Daimler-Mediendienst die Schuld auf sich und sagte „Ich weiß nicht genau, was passiert ist. Es ging alles ganz schnell, aber ich nehme es voll auf meine Kappe. Natürlich ist es nicht das Ergebnis, das ich mir erhofft hatte, aber Herausforderungen machen das Leben interessant und sie zu bewältigen, gibt dem Leben einen Sinn. Es ist schade, aber so ist es nun einmal. Ich werde einfach versuchen, das Negative zu nehmen, um aus dieser Erfahrung meine Lehren zu ziehen und nach vorne zu blicken. Vor einigen Jahren startete ich hier von weit hinten und hatte ein großartiges Rennen. Deshalb werde ich versuchen, morgen so viel Spaß wie möglich zu haben!“ Es sei ihm gegönnt, den an der Spitze des Feldes kann sich Valtteri Bottas in Szene setzen.

Der Finne fuhr im dritten Teil des Qualifyings die perfekte Runde. „Im Qualifying ging es sehr eng zu, wie es in Brasilien immer der Fall ist. Ich wusste vor meinem letzten Run im Q3, dass ich mich verbessern musste, wenn ich die Pole einfahren wollte. Ich fühlte und merkte, dass ich mich von Kurve zu Kurve steigerte. Es ist ein sehr schönes Gefühl, am Ende alles zusammenzubekommen. Es war schade, dass Lewis im Q2 und Q3 nicht mitwirken konnte. So lag es an mir, die Kohlen für das Team aus dem Feuer zu holen. Ich bin froh, dass mir das gelungen ist. Mein klares Ziel ist immer noch, Zweiter in der Fahrer-Weltmeisterschaft zu werden. Ein gutes Ziel zu haben, lässt alle im Team härter arbeiten und da schließe ich mich mit ein. Morgen wird es wichtig, ein gutes, sauberes Rennen zu fahren, aber es wird nicht einfach. Ferrari ist ebenfalls sehr schnell. Die ersten beiden Kurven sind in Interlagos immer etwas knifflig. Aber ich hoffe, dass ich einen guten Start erwische und es dadurch keine Schwierigkeiten gibt. Es ist erst meine dritte Pole Position, also werde ich den Ausblick vom ersten Startplatz morgen sehr genießen!“

Für Sebastian Vettel war der Verlust der Pole eine Addition aus kleinen Fehlern. Vettel verlor die beste Startposition um 38 Tausendstelsekunden, obwohl nach dem ersten Schuß alles nach einer Vettel-Pole aussah. „Doch dann sind mir die beiden Q3-Runden nicht optimal gelungen. Im ersten Versuch bin ich in der Kurve vor der Geraden quergestanden. Beim zweiten habe ich die erste Kurve zu früh angebremst. Schade, weil der Grip dagewesen wäre. Ich hatte die Reifen perfekt aufgewärmt!“ Nun muss der Vierfache am Start schauen, wie er Bottas niederringen kann. Einfach wird das nicht, der Start in Interlagos gilt als heikel. Vettel kann sich aber einen Angriff leisten, denn hinter Vettel steht Kimi Räikkönen als Wing Man bereit. Der Wetterbericht verspricht ein sonniges Rennen mit Temperaturen um 28 Grad. Zwei Stints sollten heute zum Sieg reichen und bieten auch genügend strategische Optionen. Ob am Ende ein Ferraripilot auf der höchsten Stufe des Podests stehen wird ist längst noch nicht sicher. Beim Start droht erneut die Red Bull Gefahr in Gestalt von Max Verstappen, der hinter den beiden Ferrari auf seine Chance lauert. Teamkollege Ricciardo sollte für die Scuderia kein Risiko dartellen. Der Australier nimmt in Sau Paulo eine Rückversetzung von zehn Startplätzen in Kauf.

Machen wir uns nach einem ungewöhnlichen Qualifying auf ein Rennen gefasst, das traditionell Spannung verspricht!

Fotos (c) Daimler AG