F1 Mexiko: Der überrundete Weltmeister!

Lewis Hamilton entscheidet in Mexiko-City die F1 Weltmeisterschaft zu seinen Gunsten. Allerdings wird dieses Rennen in den Augen des neuen Champions, kaum Gnade finden. Anstatt, wie angekündigt, glanzvoll auf Sieg zu fahren, muss sich Hamilton nach einer Rennrunde bereits als letzter einreihen. Überrundet vom späteren Grand Prix Sieger Max Verstappen reicht dem Benz-Buben der neunte Platz dann doch zum vierten Titel!

Lewis Hamilton ist verdienter Weltmeister. Der Silberpfeil-Pilot war während der gesamten Saison der überragende Mann. Ob in der Glitzerwelt neben der Rennstrecke oder im silbernen Formel 1 Boliden. Hamilton machte seinen Job perfekt und mit schon fast beängstigender Gelassenheit. So auch in Mexiko City. Nur vom dritten Startplatz ging Lewis in das entscheidende Rennen. Sebastian Vettel und Red Bull Youngster Max Verstappen hatten die besseren Startplätze und so wurde die erste Runde bereits mit Hochspannung erwartet. Vettel versuchte auf dem Autodromo Hermanos Rodriguez noch einmal alles, um das Blatt im Titelkamüf zu wenden. Doch die 50. Pole Position nutzte dem Ferrari-Piloten nichts. Zunächst zog Verstappen, von Platz zwei gestartet, spektakulär an Vettel vorbei. Beim Versuch sich zu verteidigen demolierte sich Vettel den Frontflügel. Teile flogen durch die Luft, aufgeschlitzt wurde Hamiltons rechter Hinterreifen aber von Vettels Restflügel. „Hat er mich bewusst getroffen?“, fragte Hamilton seine Box. Die Rennleitung schaute sich die Manöver an und entschied: Keine Strafen! Nach dem Start-Drama mussten beide WM-Protagonisten ihre Boxen ansteuern. Vettel holte sich einen neuen Frontflügel und neue Soft-Reifen ab. Hamilton bekam ebenfalls einen Satz neuer Soft-Reifen. Damit konnten sie eigentlich durchfahren. Auf den Plätzen 19 und 20 reihten sich Vettel und Hamilton ein. Für Hamilton kein Grund zur Panik, denn Vettel musste mindestens Zweiter werden, um den Titelgewinn des Briten in Mexiko zu verhindern, solange dieser nicht unter die ersten zehn kommen würde. Auf Rang zwei fuhr aber Runde um Runde Hamiltons Teamkollege Bottas, der Rückstand Vettels auf den Finnen betrug zunächst über eine Minute. So richtig enstpannt sollte der Nachmittag für Hamilton dennoch nicht verlaufen. In der 22. Runde musste sich der Brite von Max Verstappen überrunden lassen. Das Rennen wurde zu einem Rechenspiel der Strategen. Der Benz-Kommandostand wollte Hamilton unbedingt auf den neunten Platz bringen.

Eine virtuelle Safety-Car-Phase nutzten die Teams zum nächsten Reifenwechsel. Vettel stieg auf die ultrasoften Pneus um, Hamilton auf die supersoften. Beide machten Meter um Meter gut, Position um Position. 13 Runden vor Schluss war Vettel auf Rang vier, nur noch Verstappen, Bottas und Räikkönen waren vor ihm. 23 Sekunden trennten die beiden Ferrari-Kumpels. „Mamma mia, das ist ein bisschen zuviel“, kommentierte Vettel via Boxenfunk. Hamilton schaffte es zudem zur gleichen Zeit bis auf Rang zehn und überholte dann auch noch seinen ehemaligen McLaren-Kollegen Fernando Alonso. Damit war die Entscheidung gefallen. Es reichte nicht für Vettel. Die zweite Saisonhälfte mit zu vielen Pannen an seinem Ferrari und zu vielen eigenen Patzern machte die bis zur Sommerpause blendenden Aussichten auf den fünften WM-Triumph zunichte.

Aus einem 14-Punkte-Vorsprung von Vettel wurde bis zur Entscheidung in Mexiko ein 66-Punkte-Rückstand. Nach vier Siegen in der ersten Saisonhälfte gelang Vettel im zweiten Abschnitt bis jetzt noch kein Einziger. Hamiltons vierter WM-Titel war in trockenen Tüchern. Für Sebastian Vettel wurde der Kampf von Mexiko zur bitteren Niederlage. „Natürlich bin ich niedergeschlagen. Es ist nicht einfach, die Ziellinie zu überqueren und zu wissen, dass es vorbei ist“, sagte Vettel, der nach dem Startdrama von Mexiko auf Rang vier ins Ziel kam. Wissend, das auch seine allerletzte WM-Hoffnung geplatzt war. Beinahe zwe Drittel der Saison hatte Vettel gute Chancen, den WM-Titel mit Ferrari zu gewinnen. Doch Sebastian Vettel hat die WM nicht in Mexiko verloren. Es waren die Asienwochen mit dem Startcrash in Singapur und den technischen Problemen in Malaysia und Japan, die Vettel um den Titel brachten. Zwei Rennen vor dem Ende der Saison heißt es jetzt: Nach vorne blicken. Denn spätestens mit seinem Sieg in der Höhenluft von Mexiko-City hat sich mit Max Verstappen der neue Superstar in Stellung gebracht. Der Holländer wird im Brauserenner immer stärker. Nicht wenige Beobachter sind überzeugt, das 2018 der große Titeldreikampf zwischen Verstappen, Vettel und Hamilton ausbrechen wird. Lewis hat den Kampf bereits angenommen und sagte… „Vier ist eine fantastische Zahl, aber jetzt möchte ich Nummer fünf!“

Der fünfte Titel ist dem König der Rennfahrer bereits im nächsten Jahr zuzutrauen. Hamilton fuhr 2017 bereits auf einem höheren Niveau als im Vorjahr. Nur Michael Schumacher ( 7 Titel) und Juan Manuel Fangio ( 5 Titel) holten mehr Weltmeisterschaften. „Lewis ist sicher einer der besten Fahrer der Geschichte“, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff: „Er hat in diesem Jahr brillante Leistungen gezeigt, ganz besonders seit der Sommerpause. Seitdem fuhr er in einer eigenen Liga!“ Nichts scheint den Glamour Boy aufzuhalten!

Fotos (c) Daimler AG, Red Bull CP