F1 Singapur: Der zehnte Flutlicht GP!

Für die Silberpfeile ist der Marina Bay Circuit von Singapur eine Angststrecke. Für Ferrari bedeutet das Rennen auf dem Stadtkurs die Chancen auf einen äußerst wichtigen Sieg. Der zehnte Flutlicht Grand Prix wird zur Nagelprobe im Kampf um die Weltmeisterschaft zwischen Lewis Hamilton und Sebastian Vettel mit kleinem Vorteil für den Vierfachen!

Zur Einführung des Nachrennens von Singapur im Jahr 2008 schwelgte die Formel 1 in Superlativen. Das ‚Monaco des fernen Ostens‘ hat sich inzwischen längst etabliert. Sebastian Vettel gewann die Hitzeschlacht gleich viermal. Lewis Hamilton hielt zweimal den Siegerpokal in Händen. Fernando Alonso und zuletzt Nico Rosberg trugen sich in die noch dünne Siegerliste ein. Die Zukunft des Singapur Grand Prix scheint gesichert. F1-Boss Chase Carey ließ bereits durchblicken, das der Vertrag, der am Sonntag mit der zehnten Auflage endet, verlängert werden soll. Zu wichtig ist dieses Rennen für die Asien-Strategie des F1-Zirkus und für die neuen Besitzer. Zu wertvoll sind die spektakulären Bilder, die ab Freitag wieder live in die Wohnzimmer gesendet werden. Und zu spektakulär war die bisherige Geschichte dieses Rennens. Bereits zur Premiere 2008 gab es den Knaller schlechthin. Nelson Piquet junior fuhr in die Mauer und Fernando Alonso erbte den Sieg. Gerüchte machten die Runde, das die rennentscheidende Safety Car Phase durch Piquet absichtlich herbeigeführt wurde. Ein knappes Jahr später kam die Wahrheit ans Licht und Flavio Briatore und Technikchef Pat Symmonds wurden der Trickserei überführt und gesperrt. Immer wieder bot Singapur ein Rennspektakel. So auch 2009. Timo Glock fuhr im Toyota auf den zweiten Platz! Mal war ein Zuschauer auf der Strecke, ein anderes Mal leistete sich ein gewisser Michael Schumacher einen bösen Auffahrunfall. Nachtblindheit wurde plötzlich zum Thema, denn bereits 2011 flog Schumi in Singapur spektakulär von der Strecke. Die Nachtfahrt durch die Straßen des Stadtstaates wird auch am Sonntag seinen Reiz haben. Dafür sorgen allein schon die beiden WM-Streithähne Vettel und Hamilton.

Nach dem Pech von Monza wollen die Roten zurückschlagen. Ferrari steht unter Siegzwang und will die erneute Wende auf einem Kurs, der für die Scuderia eine Paradestrecke ist. Vettel liegt drei Punkte hinter Hamilton. Fehler oder Schwächen dürfen sich beide nicht leisten. Da passt es den Ferraristi gut ins Konzept, das dass Layout des winkligen Stadtkurses, die Hitze und die weichen Reifen den roten Renner bevorteilen. Vergleiche zu Monaco und Budapest sind angebracht. Bei beiden Rennen war Ferrari ganz oben auf dem Podest. Mercedes muss auf dem 5,073 Kilometer langen Asphaltband alles geben, doch die Bodenwellen und einige neu aspahltierte Passagen sind nicht ohne Risiko. 2015 war so ein Rennen, an das Lewis wohl nicht so gern zurückdenkt. Hochüberlegen fuhren die Mercedes von Sieg zu Sieg, in Singapur erlebten sie für ihre Verhältnisse ein Fiasko. Hamilton schied mit Motorschaden aus, Nico Rosberg verpasste als Vierter das Podest. Dafür siegte Rosberg vor einem Jahr, Hamilton wurde Dritter. Ohne Kampf wird es also am kommenden Wochenende nicht gehen. Schließlich ist die Gegnerschaft für die Silberpfeile größer geworden. Auf dem Marina Bay Circuit wollen nicht nur die Ferrari gebändigt werden, auch Red Bull hat den Sieg vor Augen. Über die Medien lieferte Daniel Ricciardo bereits eine Kampfansage. “ Ich glaube nicht, dass Singapur unsere einzige Chance ist, ein Rennen in der zweiten Saisonhälfte zu gewinnen. Es ist aber die beste!“ Mit den neuen Teilen im Gepäck sollte Red Bull in Singapur gut aufgestellt sein. Schließlich war kein Rennstall hier erfolgreicher. Drei Siege und sieben Podestplätze fuhren die Brauserenner bisher dort ein. Doch Vorsicht! Hier im Dorf glauben wir, das sich Hamilton für die entscheidenden Asien-Rennen warmgefahren hat. Siege nach der Sommerpause in Spa-Francorchamps und in Monza, zwei Strecken, auf denen Mercedes seine Motoren-Power ausspielen konnte. Erstmals gelangen damit einem Fahrer in dieser Saison zwei Erfolge nacheinander. Der dritte soll nun folgen, wenn am Sonntag um 20.00 Uhr Ortszeit (14.00 Uhr/MESZ) die roten Ampeln ausgehen. „Biest-Modus die ganze Zeit bis zur letzten karierten Flagge“, meinte der 32-Jährige. Doch selbst Hamilton weiss, die Qualifikation am Samstag stellt die Weichen zum Sieg!

In Singapur soll auch die Scheidung von McLaren und Motorenhersteller Honda offiziell verkündet werden. Fernando Alonso wird endlich erlöst und fährt im nächsten Jahr mit Renault-Power im Heck. Der Spanier wird erlöst, sein Gemecker über das leistungsschwache Aggregat hatte Erfolg. Die japanischen Motorenbauer wechseln allerdings nicht das Spielfeld. Toro Rosso erhält 2018 nun die Antriebe, die Alonso noch vor kurzem als GP2-Motoren bereichnete. Als Entschädigung muss das Red Bull B-Team Carlos Sainz an Renault abgeben, der ab Malysia Jolyon Palmer ersetzen wird. Alonso bleibt bei McLaren. Damit endet eine Geschichte, die vor drei Jahren offiziell begann und in einer für Honda unwürdigen Schlammschlacht endete. Doch die Japaner haben noch ein As im Ärmel. Wenn das Experiment mit Toro Rosso und Honda glückt, könnte Red Bull mittelfristig zu den Japanern wechseln. Der frühere Weltmeister-Rennstall ist seit Beginn der Turbo-Hybrid-Ära 2014 mit den Aggregaten von Renault nämlich alles andere als zufrieden.

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