F1 Monza: Die Pole ist Pflicht!

Nach dem belgischen Grand Prix von Spa steht am kommenden Wochenende bereits der nächste Klassiker ins Haus. Die Formel 1 gastiert im königlichen Park von Monza. Wie schon in Spa ist für Lewis Hamilton die Pole Position Pflicht, will Mercedes die Scuderia auch beim Heimrennen schlagen!

Prognosen für Monza abzugeben sind gefährlich, zu eng ist Kampf zwischen Mercedes und Ferrari. Waren es in Spa die 10 Zusatz-PS und ein verfeinerter De-Rating Prozess, der Lewis Hamilton nach 44 Runden den Erfolg in den Ardennen sicherte, kann sich das Blatt in Monza bereits wieder wenden. Ferrari hat über die Sommerpause einen großen Entwicklungssprung bei der Aerodnamik gemacht. Bei Mercedes machte man sich bereits vor dem Rennen in Spa Sorgen, die Lewis Hamilton mit seiner fehlerfreien Fahrt von der Pole Position aber zerstreuen konnte. Doch wäre Vettel in Spa nur einmal in Führung gegangen, hätte Lewis wohl keine Chance mehr gehabt. Ferrari und Vettel lieferten in Spa einen Vorgeschmack auf den Grand Prix in Monza, der bisher Mercedes-Territorium war. 2014 und 2015 war Lewis Hamilton erfolgreich. 2016 siegte Nico Rosberg. Der letzte Ferrari-Erfolg war 2010, damals mit Fernando Alonso. Die Roten haben also Nachholbedarf und überaus gute Chancen.

Beim letzten F1-Lauf auf europäischem Boden bringt Ferrari das Motorenupdate, denn Monza ist eine jener Strecken, auf der man den Einfluss der Motorleistung am meisten spürt. Jedes Defizit in diesem Bereich hat direkte Auswirkungen auf die Performance. Wer weniger Leistung hat, muss die Autos oftmals mit weniger Luftwiderstand abstimmen. Dadurch wird weniger Abtrieb in den Kurven produziert, man hat aber auch weniger Luftwiderstand auf den Geraden, auf denen Positionen gewonnen oder verloren werden. Lewis Hamilton fuhr im vergangenen Jahr bei geöffnetem DRS und mit starkem Windschatten einen Top Speed von 359,0 km/h. 2017 gingen die Boliden in die Breite und der Luftwiderstand wurde höher. Ob sich diese Geschwindigkeit im Rennen toppen lässt, ist fraglich. Im Qualifying könnte der Vorjahreswert mit jeder Menge Windschatten aber fallen. Das Ferrari im Kampf um die Pole bereits in der Lage ist, einen Windschatten beinahe in eine Pole umzumünzen, haben Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel in Spa bewiesen. Der Finne zog den Vierfachen auf den zweiten Startplatz. Vor den frenetischen Tifosi halte ich einen erfolgreichen Ferrari-Angriff auf die Pole für durchaus möglich.

Ein Faktor spricht allerdings gegen die Roten. Lewis Hamilton will der Größte werden. Dafür fehlt im eine Bestmarke, die er in Monza erreichen kann. Sichert sich Hamilton die Pole, hat er den lange für unerreichbar scheinenden Rekord von Michael Schumacher übertroffen. Trotz Hamiltons Quali-Offenbarung und seinem Sieg in Spa herrscht bei den Silberpfeilen Alarmstufe Rot. „Von uns muss mehr kommen. Wir brauchen mehr Magie“, forderte der Engländer, dem trotz seines 58. Sieges im 200. Formel-1-Rennen nicht wirklich zum Feiern zumute war. „Mal ist das Auto im Qualifying nicht da, wo wir es brauchen, mal im Rennen. Wir brauchen mehr Konstanz“, forderte der dreimalige Weltmeister unverblümt. Hamilton hat den Sieg in Spa seiner Pole zu verdanken. Die gleiche Strategie wird auch Ferrari verfolgen. Angetrieben von mehr als 100.000 Tifosi und beflügelt von seiner Vertragsverlängerung bis 2020 wittert Vettel nun auch auf der Power-Rennstrecke schlechthin die Chance auf den Sieg.

„Ich denke, wir müssen uns vor keiner Strecke mehr fürchten, die dieses Jahr noch kommt“, sagte der viermalige Champion, der auch ein wenig der vergebenen Siegchance in Spa nachtrauerte: „Nach dem Neustart habe ich ins Lenkrad gebissen, weil ich fast zu dicht dran war. Da hätte ich ihn packen können. Aber Lewis hat keinen Fehler gemacht, ich auch nicht. Es war ein Kampf auf höchstem Niveau!“ Wer am Ende jubelt, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur eins: Bereits das Qualifying am Samstag wird hochdramatisch!

Fotos (c) Daimler AG