WTCC Vila Real: Der Joker sticht!

Pünktlich zum Ausklang der Europa-Saison überrascht die WTCC mit einer Premiere. Die Joker Lap hält Einzug in den Tourenwagensport und funktioniert. Wie überhaupt alles, was am Sonntag in Vila Real über die Bühne ging. Der flüssige Stadtkurs ist mit Abstand die spektakulärste Strecke im Kalender der Tourenwagen-WM. Nordschleife hin oder her!

Alte Traditionen neu zu beleben, kann ja ganz erfrischend sein. Als die WTCC vor drei Jahren ankündigte, in Vila Real zu fahren, waren die meisten Freunde des gepflegten Motorsports aus dem Dorf an der Düssel fest überzeugt: Der traditionsreiche und perfekt modifizierte Stadtkurs wird die ultimative Rennstrecke im Kalender der Tourenwagen-WM! Eine Einschätzung, die spätestens am vergangenen Sonntag wieder bestätigt wurde. Der ultraschnelle Leitplankenkanal mit Topspeeds jenseits der 240 km/h lieferte Rennaction, Spannung und jede Menge Atmosphäre. Zusätzlich feierte die Joker Lap ihr Debüt im europäischen Tourenwagensport. Eine Neuheit, die erst belächelt wurde, im Rennbetrieb aber für ziemliches Spektakel sorgte. Gleich zwei Piloten reizten die taktischen Optionen der Joker Lap perfekt aus. Im ersten Lauf war es Local Hero Tiago Monteiro, der gleich zwei Gegner überholen konnte, die er ohne Joker wohl kaum hätte passieren können. Im Ziel zweiter, ließ sich der Honda-Pilot feiern wie ein König. Zu Recht!

Im Hauptrennen spielte der Joker Rob Huff in die Hände. Der Brite im All-Incl. Team würgte am Start den Motor seine Citroen C Elysee ab und verlor eine weitere Chance im Kampf um den WM-Titel. Doch Huffy kämpfte mit dem Messer zwischen den Zähnen. Vom zweiten auf den letzte Platz zurückgefallen, bewies Huff sein Ausnahmekönnen und lieferte eine der besten Aufholjagden seiner Karriere. Gegner um Gegner wurde überholt, dazu gelang Huff eine perfekt geplante Joker Lap. Im Ziel wurde Huff fünfter, nur eine Zehntelsekunde hinter Volvo-Mann Nick Catsburg. Immerhin reichte es für Huff zum Sieg bei den Privatiers. Zum Gewinner des Hauptrennens kürte sich Norbert Michelisz. Mehdi Bennani war im Eröffnungsrennen erfolgreich. Riesiges Pech hatte dagegen Tom Coronel. Der fliegende Holländer kam nicht einmal zum Renneinsatz.

Bereits nach dem ersten Freitagstraining konnte Tom den Ausflug nach Portugal abhaken. Beim Anbremsen einer Schikane brachen an Coronels gelbem Chevrolet Cruze fünf Radbolzen des linken Vorderrades. Tom war nur noch Passagier und crashte zu allem Überfluss noch in einen abgestellten Rettungswagen der örtlichen Feuerwehr. Der heftige Aufprall mit gemessenen 25 g blieb für die Beteiligten ohne körperliche Blessuren, doch Toms schwer havariertes Fahrzeug war für den Einsatz in Vila Real nicht mehr zu reparieren.

Bleibt die Frage nach der Positionierung der Rettungsfahrzeuge in dieser Kurve. Die Position war offensichtlich fahrlässig gewählt und sollte nachträglich überprüft werden. Für Tom war das in der Schußlinie geparkte Feuerwehrauto aber möglicherweise ein Glückfall, wie er selbst sagte. „Rückblickend freue ich mich, dass das Fahrzeug genau da geparkt war und dass ich nicht in eine Betonmauer gekracht bin“ Für Tom und ROAL Motorsport läuft nun ein Kampf gegen die Uhr. Der Chevrolet Cruze muss schnellstens repariert werden, sonst läuft das Team sogar Gefahr, das Rennwochenende im argentinischen Termas de Rio Hondo (15./16. Juli) zu verpassen. Das große Feld der bunt lackierten Mitteklassewagen der WTCC wurde bereits am Dienstag nach Südamerika verschifft.

Noch ein Satz zur Joker Lap. Das Spannungsmoment hat sich im Rally Cross Sport seit Jahrzehnten bewährt. Die Premiere im Tourenwagensport fand hier im Dorf überwiegend positiven Anklang. Gefährliche Momente gab es keine, denn die Streckenführung der Joker Lap war sauber gewählt. Die Piloten und die Strategen an den Kommandoständen kamen schnell klar mit den Möglichkeiten des Jokers und nutzten diese clever. Ich finde, diese Idee hat auch im Tourenwagensport und speziell auf Stadtkursen echtes Potential!

Fotos (c) FIA WTCC, DPPI, Honda Pro Racing