WTCC & F1: Guter Sport und mächtig Spannung!

Wer gestern interessanten Rennsport verfolgen wollte, der brauchte gute Multitaskingfähigkeiten. In Budapest fuhr die WTCC und in Barcelona gab die Formel 1 ihre Visitenkarte in Barcelona ab. Beide Serien konnten am Sonntag mit guten Sport und jeder Menge Spannung überzeugen!

Für die Piloten der WTCC ging es auf dem Hungaroring nicht nur um Punkte und Platzierungen. Der WM-Kampf nimmt langsam Fahrt auf und das war bereits im ersten Lauf zu spüren. Topfavorit Tiago Monteiro baute mit seinem Sieg die Tabellenführung weiter aus. Der Portugiese im Werk-Honda hielt die Konkurrenz in Schach, insbesondere Tom Chilton und Rob Huff. Für Huffy im All-Incl. Citroen sollte eigentlich der zweite Lauf zur Triumphfahrt werden, doch es kam anders. Der Brite stand zwar auf der Pole, kam aber schlecht vom Start weg und fiel auf den vierten Platz zurück. In der zweiten Kurve nahm Huff dann den Volvo von Nick Catburg aufs Korn, der wiederum seinen Teamkollegen Nestor Girolami abräumte. Die Offiziellen analysierten die Situation und verhängten gegen Rob Huff eine Durchfahrtsstrafe. Ob die Strafe wirklich notwendig war, ist auch heute noch umstritten. Ich denke, die Situation zwischen Huff und Catsburg hätte man auch ruhig als Rennunfall durchgehen lassen können. Sei’s drum, für Rob Huff endete der zweite Lauf mit dem zehnten Rang. Mehdi Bennani holte sich seinen vierten WTCC-Erfolg vor Nick Catsburg und Tom Chilton. Auf Rob Huff wartete dagegen die Erkenntnis, das der Weg zum zweiten WTCC-Titel kein Selbstläufer wird.

Beide Rennen auf dem Hungaroring hatten sportlich durchaus ihren Reiz. Das Main Race verlor aber schnell an Bedeutung, denn in Barcelona entwickelte sich ein Formel 1 Duell der Superlative!

Lewis Hamilton vs. Sebastian Vettel. Der Zweikampf der F1-Giganten ging in Barcelona über die volle Distanz und war sehenswert und spannend zugleich. Mit einem starken Manöver übernahm Vettel bereits vor der ersten Kurve die Führung, während es im Verfolgerfeld krachte. Kimi Räikkönen und Max Verstappen gerieten aneinander. Auslöser des Crashs war Valtteri Bottas, der Räikkönens Ferrari am rechten Hinterrad traf. Der Finne musste seinen Dienstwagen abstellen, Verstappen schleppte sich noch bis in die Box. Danach entwickelte sich ein Rennen auf höchstem Niveau. Ein Rad-An-Rad-Duell, das in höchstem Maße von der Reifenstrategie geprägt wurde. Zunächst verteidigte Vettel seine Führung gegen Lewis Hamilton mit zum Teil harten aber immer fairen Manövern. in der 44. Runde fiel dann die Entscheidung zugunsten des Briten. Hamilton saugte sich mit frischen Reifen auf der Start- Zielgeraden an Vettel heran, zog vorbei und meisterte die Kurve. Der Heppenheimer musste seinen Rivalen passieren lassen.

Dabei konnte Vettel nach einem perfekten Start gar von seinem zweiten Barcelona-Sieg träumen, doch durch einen womöglich zu frühen ersten Boxenstopp in Runde 14 ermöglichte Ferrari den Silberpfeilen die Chance zum Strategiewechsel. Und die nutzten diese nahezu perfekt. Lewis Hamilton sagte nach dem Rennen im Daimler-Mediendienst: „Das war ein richtig gutes Wochenende und ein großartiger Weg, um mich nach Russland zurückzumelden. Das war der beste Zweikampf, an den ich mich seit langem erinnern kann. Das war super, dafür fahren wir Rennen. So ein enger Zweikampf gegen einen viermaligen Weltmeister ist fantastisch. Ich habe am Start einen Platz verloren und sah Sebastian an mir vorbeifliegen. Er war so schnell da vorne und ich musste alles geben, um an ihm dran zu bleiben, damit er mir nicht davonfährt. Ich achtete im ersten Stint auf meine Reifen und blieb relativ nah dran. Auf den Medium-Reifen und nach dem zweiten Stopp war es dann schwieriger, mit ihm mitzuhalten. Wir kamen sehr nah zusammen heraus, es war super eng in der ersten Kurve. Er ließ mir nicht viel Platz, es war eng! Ich dachte, dass Seb mich am Ende des letzten Stints einholen würde. Aber ich habe es geschafft. Vielen Dank an mein Team. Die Strategie und die Boxenstopps sowie die Arbeit aller in der Fabrik, die sehr hart an diesen Upgrades gearbeitet haben, haben diesen engen Zweikampf mit Ferrari erst ermöglicht.“
Teamchef Toto Wolff ergänzte: „Das war ein grandioser Grand Prix. Mehr Rad-an-Rad-Racing geht nicht – und das auch noch im Kampf um den Sieg. Einfach fantastisch. Dieser Sieg gebührt dem gesamten Team. Lewis zeigte eine großartige Leistung, unsere Strategie-Mannschaft traf super Entscheidungen, Valtteri verteidigte sich sehr gut und wir absolvierten den schnellsten Boxenstopp des Rennens. Zudem war das Auto mit unserem Upgrade sehr konstant. Nach dem Positionsverlust am Start war es aber keineswegs ein einfaches Rennen. Wir waren im Hintertreffen und als Vettel einen frühen Undercut versuchte, ließen wir Lewis länger draußen und wechselten auf den Medium-Reifen. Das sollte uns die Möglichkeit geben, am Ende mit einem weiteren frischen Satz Soft-Reifen zu fahren. Danach nutzten wir das VSC perfekt aus und gingen ein Risiko ein, indem wir fast das halbe Rennen auf einem Satz Soft-Reifen absolvierten. Wir dachten, dass es aufgehen würde. Aber es war von Anfang ein eine knappe Geschichte. Danach kam es auf eine brillante Leistung am Lenkrad sowie dem Umgang mit den Reifen und dem Motor bis ins Ziel an. Es war jedoch kein perfekter Tag: Wir verloren ein Auto durch einen technischen Defekt. Nach der Berührung in der ersten Kurve hatte Valtteri ohnehin schon mit einem beschädigten Auto zu kämpfen. Er fuhr trotzdem ein gutes Rennen und die Ein-Stopp-Strategie hätte aufgehen können!“

Lokalmatador Fernando Alonso, der mit seinem chronisch schwachen McLaren-Honda im Qualifying fast sensationell Rang sieben erreicht hatte, wurde in Kurve eins von seinem früheren Ferrari-Teamkollegen Felipe Massa leicht touchiert und ins Kiesbett geschickt. Der Spanier sah vor seinem Ausflug zum Indy 500 am Wochenende des Moncao-Grand-Prix zwar die Ziellinie, blieb aber als 12. ohne Punkte.

WTCC und Formel 1, das war endlich mal wieder echte Spannung. Jede Menge Action gab es aber auch. Im belgischen Mettet übertraf die WorldRX alle Erwartung und bot den Kontaktsport des Wochenende mit einem überraschenden Ausgang. Doch dazu morgen mehr!

Fotos (c) FIA WTCC Media, DPPI, Daimler AG