Macao Grand Prix: World Cup im Chaos!

Wer am Wochenende zu früher Stunde Motorsport sehen wollte, der erlebte einen chaotischen Macao Grand Prix. Insbesondere der FIA GT World Cup wurde zum dramatischen Roulette. Haarsträubende Unfälle gingen nur mit viel Glück glimpflich aus. Audi-Pilot Laurens Vanthoor überschlug sich und wurde zum Sieger erklärt!

a1612207_largeDer Giua-Circuit von Macao gilt nicht umsonst als der Tyrannosaurus Rex unter den Rennstrecken-Dinos. Am Wochenende machte der 6,120 Kilometer lange Leitplankenkanal seinem schlechten Ruf wieder alle Ehre. Leidtragende wurden ausgerechnet echte Profis. Der DTM-Vizemeister Edo Mortara und sein belgischer Audi-Kollege Laurens Vanthoor waren mit mehr als nur einem Schutzengel unterwegs. Erneut stellt sich die Frage, ob dieser Kurs noch zeitgemäß ist. Was war passiert: Unmittelbar nach dem Start zum Qualifikationsrennen am Samstag flog Polesitter Edo Mortara in der ersten Kurve heftig in die Leitplanken. Mortaras Audi R8 LMS kreiselte zurück in das heranstürmende Feld, das mit viel Glück einen Einschlag verhindern konnte. Mortara kroch mit heftig zerfleddertem Auto zurück an die Box. Dort wurde hektisch repariert, um dem Italiener noch eine halbwegs aussichtsreiche Position für das Sonntagsrennen zu ermöglichen. Inzwischen war auch Nico Müller aus dem Rennen, der in der Lisboa-Kurve die Leitplanken touchierte.

An der Spitze duellierten sich inzwischen die beiden Porsche von Earl Bamber und Kevin Estre mit dem Führenden Laurens Vanthoor. Auf Platz vier suchte Maro Engel auch nach einer Chance, seine Position zu verbessern. Doch den Verfolgern lief die Zeit davon. Laurens Vanthoor sollte am Sonntag auf der Pole stehen, verfolgt von den beiden Porsche 911 GT3 und dem Mercedes-Benz AMG GT3 mit Titelverteidiger Maro Engel am Steuer.

m16_5815_fineAm frühen Sonntagmorgen war es genau jener Maro Engel, der unmittelbar nach dem Start seine ganz persönliche Schrecksekunde erlebte. Im dichten Pulk raste das Feld auf die erste Kurve zu, da kam es zu einer Berührung mit dem Porsche GT3 von Earl Bamber. Engel konnte seinen giftgrünen Mercedes nur mit Mühe auf Kurs halten. Nach dieser brandgefährlichen Situation nahm das Chaos dann seinen Lauf. Gegen Ende der ersten Runde verunfallte ein australischer Gastfahrer mit seinem BMW Z4 so heftig, das der GT World Cup abgebrochen werden musste. In den Boxen fand Maro Engel vor laufenden Kameras klare Worte in Richtung Gegner und deutete die Gefährlichkeit solcher Aktionen an. Engel forderte gar eine Untersuchung des Starts durch die Rennleitung. Die Offiziellen hatten aber genug mit dem schleppenden Zeitplan zu tun, der durch die Reparatur der Leitschienen immer mehr ins Hintertreffen geriet. Das Feld ging also wieder auf die Strecke und beim fliegenden Restart liess sich Laurens Vanthoor von Earl Bamber im Porsche 911 GT3 überrumpeln. Bamber ging in Führung und das Feld flog mit Vollgas auf die berüchtigte Mandarin-Kurve zu. Vanthoor überfuhr den inneren Kerb, verlor die Kontrolle, touchierte die Leitplanke und überschlug sich heftig. Vanthoors Fahrzeug rutschte auf dem Dach noch einige hundert Meter weiter und wieder war das Glück dem Fahrer hold. Das gesamte Feld schoß an Vanthoors Wrack vobei.

jprice_macaugp16-9714Laurens entstieg dem extrem sicher konzipierten Audi R8 LMS unverletzt und das Rennen wurde erneut abgebrochen. Nach der roten Flagge war die Rennleitung aufgrund der fortgeschrittenen Zeit dann endgültig gezwungen, auf einen weiteren Neustart zu verzichten und den Rennstand vor dem Unfall zu werten. So wurde Laurens Vanthoor zum Sieger erklärt und stand sichtlich geschockt auf dem Podium. „Ich bin glücklich und erleichtert, dass ich unverletzt geblieben bin“, sagte Vanthoor, der mit Audi bereits drei internationale GT-Titel gewonnen hat. „Mein Unfall geschah an einer der schnellsten Streckenstellen. Ich habe einen Fehler gemacht und einen Unfall ausgelöst, und trotzdem habe ich gewonnen. Ich weiß noch nicht richtig, wie ich diesen Sieg einordnen soll!“ Nach 2011, 2012 und 2013 gewann Audi zum vierten Mal das Rennen in den engen Straßenschluchten der asiatischen Metropole.

Der zweite Platz ging an Kevin Estre, dritter wurde Maro Engel. Der Weltcupsieger des Jahres 2015 profitierte doch noch von einer Reaktion der Rennleitung, die Earl Bamber nach einer Analyse des Starts im Nachhinein mit einer 5-Sekunden-Strafe belegte. Mercedes-Pilot Engel äußerte sich erleichtert darüber, dass das chaotische Rennen für alle Beteiligten ein gutes Ende gefunden hatte. „Es ist großartig zu sehen, dass es Laurens gut geht. Keiner von uns will sehen, wie jemand in dieser Kurve bei 250 km/h einen Unfall hat“, sagte der 31-jährige Münchner, der allerdings auch mit den Fans fühlte: „Es tut mir leid für die Zuschauer, dass wir keine gute Show und kein gutes Rennen zeigen konnten. Aber am Ende zählt nur, dass alle wieder gesund nach Hause heimkehren!“

Heute muss man sich wirklich die Frage stellen, ob der FIA World Cup in Macao eine Zukunft hat. Für die GT-Piloten ist der ultraschnelle und gleichzeitig enge und verwinkelte Stadtkurs die ultimative Herausforderung. Nur die Nürburgring Nordschleife und die Strecke über den Mount Panorama von Bathurst haben diesen weltweit einmaligen Ruf. Doch Macao ist weitaus gefährlicher. Das Risiko, bei einem Highspeed Crash vom heranstürmenden Feld getroffen zu werden, war noch nie so hoch wie am vergangenen Wochenende. Die Unfälle von Mortara und Vanthoor waren ohne Fremdeinwirkung und hätten ganz böse ausgehen können. Auch der brutale Startcrash im F3 Qualifying Race muss uns eine Warnung sein. Die FIA-Offiziellen sollten in Ruhe nachdenken, ob auf dieser völlig veralteten Rennstrecke auch weiterhin Titelrennen und WM-Entscheidungen ausgefahren werden sollten!

Gewinner des FIA F3 World Cups wurde übrigens Antonio Felix da Costa. Stefano Comini wurde nach zwei völlig chaotischen Tourenwagenrennen Champion der TCR International Series!

Fotos (c) Sports Bureau of Macao SAR Government / ID / GCS, Thomas Lam, Ho Kean Chew, Porsche AG