F1: Der Brandbrief!

Die Formel 1 Piloten proben den Aufstand. Gestern veröffentlichte die Grand Prix Drivers Association einen offenen Brief. Die Fahrergewerkschaft drängt auf Mitsprache. Und die ist nach dem Qualifying-Desaster von Melbourne auch dringend notwendig!

Das Maß ist voll und die Sprecher der GDPA haben die Zeichen der Zeit erkannt. In einem offenen Brief forderten die F1-Piloten am Mittwoch die Entscheidungsträger in der Motorsportkönigsklasse zu radikalen Reformen und mehr Mitsprache auf. Damit wird deutlicher denn je, das Vertrauen der Fahrer in die Prozesse des F1-Managements ist aufgebraucht. „Wir haben den Eindruck, dass einige Regeländerungen – ob sie sportlicher oder technischer Natur beziehungsweise geschäftlich begründet sind -, zerstörerischen Einfluss auf die Formel 1 haben. Sie gehen die wirklichen Probleme unseres Sports nicht an und setzen den langfristigen Erfolg der Serie aufs Spiel“, hieß es im Statement der GDPA unter dem Vorsitz von Ex-Pilot Alexander Wurz und den Sprechern Sebastian Vettel und Jenson Button. Die Piloten stellen fest, dass „der Prozess der Entscheidungsfindung in diesem Sport überholt und schlecht strukturiert ist und damit Fortschritte verhindert. Dies rücke unseren Sport in ein schlechtes Licht!“

Starke und berechtigte Worte der GPDA, die nach langem Dornrösschenschlaf endlich Flagge zeigen will. Die F1- Strategiegruppe, die Formel-1-Kommission und der Motorsportweltrat sollten nun endlich wach werden. Das Fällen von Entscheidungen und Regeländerungen ohne Beteiligung der Piloten muss endgültig der Vergangenheit angehören. „Wir Piloten wissen am besten, was funktioniert und was nicht“, hatte bereits Weltmeister Lewis Hamilton lautstark gefordert.

Ein Sturm im Wasserglas? Oder vielleicht doch die Chance für die überfällige Umstrukturierung der Formel 1? Der offene Brief der GPDA beweist das Engagement der Piloten, die sich mit ihrer Rolle als schweigende PS-Dompteure nicht mehr abfinden wollen. Alexander Wurz stellte übrigens gestern klar, das der offene Brief keine kurzfristige Reaktion war: „Es war keine spontane Reaktion auf das Qualifying-Experiment“, versicherte Wurz und erklärte weiter: „Dieses Statement ist wohldurchdacht und wurde von allen Piloten bereits seit einiger Zeit geplant. In Melbourne wurde beim Treffen der GPDA noch einmal darüber gesprochen. Letztendlich wurde darüber abgestimmt, ob man den Brief tatsächlich veröffentlichen will. In diesem Fall war es ein extrem klares Ergebnis“, berichtete Wurz den Medien.

Man kann der GPDA zu diesem Schritt nur gratulieren. Ich hoffe, dass alle Verantwortlichen hinter den Kulissen das Schreiben ernst nehmen. Der Appell der Piloten und die konstruktive Kritik ist wichtiger denn je. Trotzdem habe ich meine Zweifel, ob die Herren Ecclestone, Todt und Co. die Kutscher wirklich beim Wort nehmen. Noch gibt es in der F1 zu viele Interessen, die sich nur ums Geld drehen. Die Bosse dieses Systems haben kein Interesse an mündigen Piloten. Ich wünsche der GPDA viel Glück. Doch zum Durchsetzen der berechtigten Fahrerinteressen braucht es etwas mehr als nur einen offenen Brief, selbst wenn die weltweite Reaktion darauf überwiegend positiv ist.