WRC Mexiko: Die Ausgangslage!

Sebastien Ogier schlüpft in Mexiko wieder in die Rolle des Topfavoriten. Doch der amtierende Rallye-Weltmeister hat mit ernstzunehmenden Gegnern zu kämpfen. Andreas Mikkelsen ist der Meisterjäger im VW-Team. Auch Hyundai Motorsport hat das Potential, Volkswagen unter Druck zu setzen. Selbst Mads Östberg und M-Sport können für eine Überraschung sorgen. Die Ausgangslage vor dem dritten WM-Lauf der Saison ist äußerst spannend!

7243-2016_02_26_sebastien_ogier_julien_ingrassia_fra_fra_start_rallye_mexiko_2015Seit dem Einstieg von Volkswagen in die Rallye-WM gelten die Schotterpisten im Hochland von Leon als Polo-Country. Dreimal gewann Sebastien Ogier in Mexiko, der vierte Sieg in Folge gilt in Wolfsburg als ausgemacht. Damit würde Volkswagen den eigenen Rekord von zwölf Siegen in Folge einstellen. Für Sebastien Ogier Motivation genug, doch der Mann aus Gap hat noch einen anderen Grund. „Die Rallye Mexiko wird die 100. in meiner Laufbahn. Die beste Art, dieses Jubiläum zu feiern, ist natürlich ein Sieg, aber einfach wird das nicht“, sagte der 32-jährige im Mediendienst von Volkswagen-Motorsport. Ogier kennt die Schlüsselfaktoren dieser Rallye ganz genau. Im Jahr 2015 absolvierten Ogier und sein Copilot Julien Ingrassia vom ersten bis zum letzten Meter eine perfekte Rallye. Der Weltmeister war auf 21 Wertungsprüfungen 20 Mal unter den Top Drei zu finden und fuhr neun Bestzeiten. Bereits nach 5,61 Kilometern übernahm das VW-Duo die Führung und gab sie bis ins Ziel nicht mehr ab. Der Grund? Ein Trick! Denn bereits am Freitag festigte das Weltmeisterteam die gute Ausgangslage. Die über Kreuz montierte Mischung aus harten und weichen Reifen machte den vielgescholtenen Nachteil der ersten Startposition wett. Ogier fegte in Mexiko Staub und losen Schotter von der Piste und war trotzdem sehr schnell.

Allerdings stellte sich die Konkurrenz selbst ein Bein. Hyundai-Pilot Thierry Neuville war nur zu Beginn der Rallye ganz vorn dabei. Ein Reifenschaden mit anschließendem Überschlag und Kühlerleck brachte das Aus. Auch teamintern hatte Ogier freie Bahn. Jari-Matti Latvala fiel ebenfalls früh aus. Am kommenden Wochenende wird sich Ogier auf weit mehr Druck einstellen müssen.

7242-2016_02_26_jari_matti_latvala_miikka_anttila_fin_fin_volkswagen_polo_r_wrcVW-Youngster Andeas Mikkelsen hat sich mit guten Leistungen in die Verfolgerposition gezwängt. Die Rallye Schweden lief für Andreas zwar nicht nach Plan, der Norweger wächst aber an seinen Aufgaben. Mit Startplatz Zwei hinter Sebastien Ogier nehmen Mikkelsen/Jaeger die Verfolgung auf. Seit seinem Spanien-Sieg 2015, ebenfalls aus trockenem Schotter, gilt Mikkelsen in Mexiko als Mitfavorit. Unterstrichen wird seine Bilanz von einem hervorragendem dritten Platz in Mexiko 2015. Ob Mikkelsen wirklich alles auf eine Karte setzt und auf Sieg fährt, bleibt abzuwarten. Vizeweltmeister Jari-Matti Latvala muss in Mexiko hohes Risiko gehen. Der Finne kämpft wieder einmal mit einem absolut miserablen Saisonstart. Nach zwei Nullern sowie einer durchwachsenen Bilanz bei der Rallye Mexiko bleibt dem Finnen keine Wahl. Erfolg muss her. Latvala geht als achter Starter in die Rallye und daraus kann der Finne seinen Vorteil ziehen: „Für mich ist es also definitiv ein Vorteil, später in die Prüfungen zu starten“, sagte Latvala den Medien. Der Untergrund in Mexiko ist in der Regel ziemlich hart. Darüber befindet sich meist eine Schicht aus feinem Schotter, die den Untergrund sehr rutschig werden lässt. Je mehr Autos darüberfahren, desto sauberer und schneller wird die Piste. Dies erfordert allerdings höchste Konzentration, vor allem auf den extrem langen Etappen und der mit 80 Kilometern längsten WP des ganzen Rallyejahres. Doch selbst die Vielzahl der Mini-Etappen in Leon und in den Tunneln von Guanojuato erfordert höchste Konzentration. Ein kleiner Fehler hier kann bereits viel Zeit kosten. Jari-Matti Latvala dürfte also gewarnt sein und hofft auf ein reibungsloses Wochenende.

133909_Neuville03MEX15sv065Gefahr droht den Polo-Piloten vor allem von Hyundai und Thierry Neuville. Der Belgier rettete 2014 seinen dritten Gesamtrang dank einer extragroßen Flasche Corona und bestieg in Mexiko das erste Treppchen für Hyundai Motorsport. Im vergangenen Jahr holte Neuville ein paar wichtige Etappensiege, dann folgte der Ausfall. 2016 hat Neuville bei der Monte das Potential des neuen i20 WRC unter Beweis gestellt und wurde dritter. Hayden Paddon lieferte in Schweden eine Klasseleistung und fuhr mit den New Generation i20 gar auf den zweiten Platz. Nach zwei WM-Läufen liegt das Team aus Alzenau in der WRC-Herstellerwertung fünf Punkte hinter Volkswagen auf dem zweiten Gesamtrang. Es wird also Zeit, den Druck zu erhöhen, dafür sind in Mexiko Thierry Neuville und Dani Sordo zuständig. Die Probleme mit dem Kühlsystem am Heckdifferenzial von Neuvilles Auto sind gelöst. Technisch sind beide Werks-i20 also auf dem neuesten Stand, doch die Anforderungen an Mensch und Material sind in Mexiko besonders hoch.

133884_Neuville03MEX15cm038TDas erklärte Ziel für Hyundai Motorsport: Ein dritter Podiumserfolg im dritten WM-Lauf! Teamchef Michel Nandan weiß aber auch um die Risiken und erläuterte den Plan im hauseigenen Mediendienst: „Unser Team begibt sich nach den bisherigen Leistungen dieses Jahres mit einer sehr positiven Einstellung auf den Weg nach Mexiko. Gleichzeitig wissen wir, dass diese Rallye eine neue Serie von Herausforderungen und Anforderungen für unsere New Generation i20 WRC-Fahrzeuge sowie für das Team selbst aufstellt. Das neue Auto hat bereits bewiesen, dass es im Vergleich zum Vorgänger einen Schritt nach vorn gemacht hat, aber auf dem harten mexikanischen Boden haben wir noch mehr zu lernen. Wir werden abwarten müssen und sehen, ob wir wieder das Treppchen ansteuern können, aber das ist unser Ziel!“ Hyundai Motorsport kann sich einen gewissen Optimismus leisten, auch Thierry Neuville ist zuversichtlich: “ Wir haben ein paar Probleme behoben, die ich bei der letzten Rallye mit dem Auto hatte. Jetzt läuft alles gut und ich bin mit seinem Leistungspotenzial zufrieden. Ich freue mich, erneut die mexikanischen Etappen anzugehen und ein weiteres Mal unter den ersten Drei zu landen!“

134287_Sordo03MEX15sv194Doch damit ist es nicht getan. Dani Sordo, von Hause aus eigentlich Asphaltspezialist, muss für Hyundai ebenfalls wichtige Punkte im Kampf um die Herstellerwertung holen. Im vergangenen Jahr gewann der Spanier in Mexiko eine Etappe. Seit Beginn der Saison steckt Dani in der Gewöhnungsphase mit dem neuen Auto. Schweden lief zwar ordentlich, in Mexiko muss der Spanier seine Leistung weiter steigern, schließlich hat sich der dritte Mann im Team schon großartig auf den New Generation i20 eingeschossen. Hayden Paddon debütiert in Mexiko, fährt allerdings nicht für das Werksteam. Der Neuseeländer und sein Copilot John Kennard sitzen im i20 des Hyundai Motorsport N Teams. Paddon kann im N-Team keinen direkten Angriff auf die Herstellerwertung reiten. Der Shooting Star der Rallye Schweden muss darauf hoffen, das seine Kollegen Neuville und Sordo im Kampf um die WM-Punkte die Kastanien aus dem Feuer holen.

OSTBERG+3-33216Auch M-Sport will sich im Kampf um den Gesamtsieg einmischen. Das Team von Malcolm Wilson kann in Mexiko Teamgeschichte schreiben und den 200. WM-Lauf in den Punkten abschließen. Mit ‚Mad Mads‘ hat M-Sport dafür genau den richtigen Mann. Östberg geht in Mexiko zwar von der nicht ganz optimalen dritten Startposition ins Rennen. Der Norweger ist aber selbstbewusst und kampfstark genug, um ein Top-Resultat einzufahren. Mexiko gilt als eine von Östbergs Lieblingsrallyes. Im vergangenen Jahr fuhr der Norweger einen fabelhaften zweiten Rang ein. Auch technisch hat M-Sport aufgerüstet. Mads Östberg fährt in Mexico die neueste Version des Fiesta RS WRC, ist sich aber auch der Risiken bewusst: „Die Pacenotes müssen absolut perfekt sein“, sagte Östberg auf der Website von M-Sport. Viel Arbeit für Navigator Ola Flöne, der sich ab morgen gemeinsam mit Östberg auf eine ganz spezielle Recce einstellen muss. Dies gilt selbstverständlich auch für M-Sport Youngster Eric Camilli, der sich nach zwei Abflügen von Nicolas Klinger getrennt hat. In Mexiko übernimmt wieder Camillis alter Beifahrer Benjamin Veillas das Blättern im Gebetbuch.

In Mexiko nicht am Start ist Kris Meeke. Der 36 Jahre alte Ire, der in Schweden noch im Citroen DS3 von Khalid Al Qassimi saß, konzentriert sich in den nächsten Wochen auf die Testarbeit am Citroen World Rally Car 2017. Zurück auf die WRC-Bühne kommt dagegen Martin Prokop. Nach seinem Dakar-Abenteuer sitzen der Tscheche und sein Copilot Jan Tomanek wieder im Jipocar – Ford Fiesta RS. Da ist Action garantiert!

Archivfotos (c) Hyundai Motorsport, Volkswagen Motorsport, M-Sport WRT