F1 Test: Kilometerfresser!

Ferrari legte Wert auf Bestzeiten, Mercedes machte dagegen Kilometer. In Barcelona brachte die erste von zwei Testeinheiten gleich mehrere Erkenntnisse. Die Silberpfeile arbeiteten ruhig und selbstsicher. Die Scuderia produzierte eine gute Show!

f1testbarcelona2016jk_1844895Formel 1 Testfahrten sind eigentlich immer gleich. Es wird getarnt, getäuscht, getrickst und am Ende stehen zwei Gewinner. Das Team mit der Tagesbestzeit und das Team mit dem Distanzrekord. Mercedes legt sich in Barcelona von Beginn an fest. Rekordrunden? Fehlanzeige! Dafür aber konsequente Weiterentwicklung der bestehenden Technologie. Rennsimulationen und Aerodynamikarbeiten standen vier Tage im Vordergrund. Die Silberpfeile wurde in Barcelona zum Kilometerfresser und legten insgesamt 675 Runden mit einer Gesamtdistanz von 3142,125 Kilometern zurück. Das sind stolze 1075 Kilometer mehr als im Vorjahr an gleicher Stelle. Die Arbeit am W07 Hybrid wurde so intensiviert, das sich ab Mittwoch Lewis Hamilton und Nico Rosberg die Arbeit im Cockpit teilten, was eigentlich nicht vorgesehen war. Das Resultat des Marathons fasste Lewis gestern im Daimler-Mediendienst zusammen: „Die Zuverlässigkeit des Autos in dieser Woche war absolut unglaublich. Es fühlt sich stark und solide an. Es fährt und fährt. So etwas habe ich noch nie zuvor erlebt!“ Auch Nico Rosberg war von der Zuverlässigkeit des Autos begeistert. Die Mercedes-Ingenieure arbeiteten ihr Testprogramm stur ab und verzichteten auf jede Zeitenjagd. Dabei zog Mercedes nur die Medium-Pneus von Pirelli auf und verzichtete völlig auf die schnellen Ultrasofts.

Ferrari setzte dagegen auf die weiche Mischung und auf weniger Sprit. Sebastian Vettel fuhr am Montag und Dienstag die Tagesbestzeit. Gestern legte Kimi Räikkönen nach. Am Donnerstag war Nico Hülkenberg im Force India schnellster Mann auf dem Track. Vergleicht man aber die gefahrenen Distanzen und nicht die Zeiten, dann hat auch Ferrari noch viel Nachholbedarf. Die Suderia legte 1643,215 Kilometer zurück. Das sind nur knapp 40 Kilometer mehr als im Vorjahr. Toro Rosso (2080,785 km.), Sauber (1917,860 km.), Williams (1754,945 km.) und Red Bull (1717,695 km.) waren beim Rundendrehen aktiver als Ferrari. Renault kam als Werksteam erstmals auf 1596,660 Kilometer. Selbst Debütant Haas war mit 1308,055 Kilometern länger unterwegs als die Hinterbänkler von Manor (1182,370 km.), die sich mit McLaren (1196,335 km.) die rote Distanzlaterne teilen.

Ab dem 1. März folgt die zweite Testeinheit. In Barcelona geht es wieder vier Tage lang um die Feineinstellungen der Boliden und dann dürften wohl auch Lewis Hamilton und Nico Rosberg auf Zeitenjagd gehen. Im internen Duell hat bisher Rosberg die Nase vorn. Am Dienstag fuhr Nico mit 1.24,867 Min. die schnellste Zeit der Silberpfeile während des gesamten Tests. Weltmeister Hamilton kam am Montag nur auf eine Zeit von 1.25,409 Min. Sebastian Vettel fuhr am Dienstag mit seinem Ferrari SF16-H die absolute Testbestzeit von 1.22,810 Min. Wie aussagekräftig Vettels Runde ist, werden wir vermutlich erst am 20. März in Melbourne wissen!

Morgen gibt es hier im Blog nur den Programmwechsel in unserem Bordkino. Ich habe ein Stück motorsportlicher Zeitgeschichte gefunden, das ich euch auf keinen Fall vorenthalten möchte. Und dann steht bereits das nächste Großereignis in den Startlöchern. Die Rallye-WM macht in Mexiko Station. Das Duell zwischen Volkswagen und Hyundai geht in die nächste Runde. Doch damit nicht genug. Auf dem Hochplateau rund um Leon kommt es zur Wertungsprüfung des Jahrhunderts. Allein der Aufschrieb für die 80 Kilometer lange Guanajuato-WP umfasst über 100 Seiten. Dazu nächste Woche mehr!

Fotos (c) Daimler-Benz AG