Röhrl: Wenn du alt wirst, wirst du eben ein bisschen anders!

Nie um einen markigen Spruch verlegen, gehört Walter Röhrl auch heute noch zu den ganz Großen im internationalen Automobilsport. Geboren wurde ‚der Lange‘ am 7. März 1947 in Regensburg. Kurz vor seinem 69. Geburtstag gab er der Süddeutschen Zeitung ein bemerkenswertes Interview!

ADAC-EifelRallyeFestival15-PM09-Röhrl-RBHahn-IMG_0987Walter Röhrl im Wirtschaftsteil einer großen deutschen Tageszeitung? Wer gestern aufmerksam die Süddeutsche Zeitung durchblätterte, kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Uwe Ritzer und Jan Schmidtbauer führten mit Röhrl, der nach eigener Rechnung über 9 Millionen Kilometer im Auto zurück gelegt hat, ein ausführliches und spannendes Interview. Der Rallyefahrer des Jahrhunderts, der eigentlich Steinmetz werden sollte, hat auch heute noch viel zu sagen. Röhrl spricht über Geld und Geiz, die Familie, warum sein erstes Auto unbedingt ein Porsche sein musste und erklärt seinen Horror vor der Idee des autonomen Fahrens. Doch auch der Motorsport kommt in diesem Gespräch nicht zu kurz. Als Walter 1980 die Rallye Monte Carlo gewann, wollte er eigentlich den Rallyesport an den Nagel hängen. Sein langjähriger Copilot Christian Geistdörfer sagte damals… „Mensch, jetzt können wir endlich Geld verdienen und du willst aufhören?!“ Röhrl gewann die Monte noch dreimal, wurde zum zweifachen Weltmeister, zum Pikes Peak Rekordhalter und zur Legende. Im Interview mit der SZ räumt Röhrl auch mit ein paar Legenden auf und bekennt einen direkten Draht ’nach oben‘. Um das Risiko der rasanten Raserei zu minimieren habe er oft gebetet: „Gott, du musst mir helfen und zeigen, wo die Grenzen sind, damit mir nichts passiert.“ Für einen Sieg jedoch habe er niemals Beistand erbeten: „Das hätte ich als unverschämt betrachtet“, räumt Röhrl offen ein. Walter Röhrl, den Niki Lauda einst als ‚Genie auf Rädern“ bezeichnete, lebt mit seiner Frau in Sankt Englmar im Bayerischen Wald. An anderer Stelle bekannte er einmal: „Mir reichen mein Rennrad, eine Tour in den Bayerischen Wald und zehn Mark für eine Brotzeit zum Glücklichsein!“

„Ich pendle zwischen Größenwahn und Selbstzweifeln“ ist das Bekenntnis eines Mannes, der Probleme mit dem Älterwerden einräumt und der erstmals seit 1973 keine Rennlizenz mehr beantragt hat. Mein Tipp: Unbedingt lesen!

Foto (c) Eifel Rallye Festival