Dakar 2016: Peugeot triumphiert!

Stephane Peterhansel gewinnt die Rallye Dakar zum zwölften Mal. Die Equipe Peugeot triumphiert. Mit dem ersten Gesamtsieg nach dem Comeback im Vorjahr schließt Peugeot an die alten Zeiten an. Bereits von 1987 bis 1990 gewann Peugeot die Rallye Dakar!

7781404406_le-pilote-stephane-peterhansel-et-son-copilote-jean-paul-cottret-peugeot-vainqueurs-du-dakar-2016Vor 25 Jahren holte Stephane Peterhansel seinen ersten Sieg bei der Rallye Dakar, damals noch in Afrka und auf dem Motorrad. Inzwischen ist der Franzose 50 Jahre alt und gewann erneut. Auf seinem Peugeot 2008DKR kamen Peterhansel und Navigator Jean-Paul Cottret mit einem Vorsprung von über 34 Minuten ins Ziel und holten sich den fünften Gesamtsieg in der Autokategorie. Peugeot dominierte die 38. Rallye Dakar von Beginn an. In der ersten Woche war es Neuzugang Sebastien Loeb, der für Furore sorgte. Der neunmalige Rallyechampion lag lange in Führung, bis er in den Wüstenetappen erwartungsgemäß in Schwierigkeiten geriet. Doch Loeb kam nach vielen Rückschlagen im tiefen Sand wieder zurück und fuhr in die Top Ten. Ein achtbares Ergebnis für den Elsässer und seinen Copiloten Daniel Elena. In der Zwischenzeit übernahm Carlos Sainz für Peugeot die Führungsrolle. Allerdings fiel der Spanier auf der zehnte Etappe mit einem technischen Defekt aus. Peterhansel war zu Stelle und gab die Spitzenposition bis ins Ziel nicht mehr ab. Doch so ganz wasserdicht ist Peterhansels neuester Streich nicht. Wegen eines Protestes des X-raid-Teams wegen angeblich illegalem Nachtankens in der achten Etappe ist Peterhansels erneuter Erfolg unter Vorbehalt. Die Rennkommissare der Dakar hatten entschieden, dass bei Peterhansel und dessen Beifahrer alles mit rechten Dingen zugegangen war, X-raid war damit aber nicht einverstanden. Somit muss das Berufungsgericht nun erst noch entscheiden.

P90207741_highRes_2016-dakar-nasser-alDie in den Vorjahren so dominierenden MINIS des X-raid Teams aus dem hessischen Trebur mussten 2016 ein wenig zurückstecken. Trotzdem war das Gesamtergebnis aus Sicht des Teams beeindruckend. Vorjahressieger Nasser Al-Attiyah belegte im Klassement einen hart erkämpften zweiten Rang. „Es war wirklich schön, auf das Podium zu fahren. Aber ich glaube an mich, will 2017 zurückkommen und wieder gewinnen. Ich denke, der Sieg wäre möglich gewesen, wenn wir nicht den einen Fehler gemacht hätten. Aber das ist die Dakar, das Rennen geht über zwei Wochen und keiner ist vor Fehlern gefeit. Die meisten der Toppiloten machen Fehler, aber wir sind auf das Podium gefahren“, sagte der Katari im BMW Press Club. Die fahrerische Leistungs Nassers stand der vom Vorjahr in Nichts nach, doch der eine Überschlag war es, der ein besseres Resultat verhinderte. Allerdings muss man auch sehen, das Stephane Peterhansel seinen Vorsprung auf den letzten Etappen sehr gut verwalten konnte. Vermutlich hätte Peugeot das Tempo noch einmal anziehen können, wäre Al-Attiyah in eine rennentscheidende Angriffsposition gekommen.

image5699c466a8b7b1.92399831Eine ganz große Rallye fuhr Mikko Hirvonen. Das Dakar-Debüt des Finnen war wirklich beeindruckend. Der AXION X-raid Team Pilot auf dem MINI mit der Startnummer 315 feierte mit seinem Beifahrer Michel Périn unter anderem einen fantastischen Tagessieg und holte auf den insgesamt 13 Etappen eine Reihe weiterer Top-5-Resultate. Hirvonen im BMW Press Club: „Ich freue mich wirklich sehr, hier im Ziel zu sein. Es waren zwei fantastische Wochen, und alles hat perfekt funktioniert. Das Auto lief bestens, das Team hat einen großartigen Job gemacht, und auch die Zusammenarbeit mit Michel war perfekt. Es war insgesamt eine wirklich tolle Erfahrung!“ Mit Rang vier im Gesamtklassement hat mich Mikko Hirvonen absolut beeindruckt. Selbst von den extrem schwierigen Wüstenetappen, auf denen WRC-Kollege Loeb ins Straucheln kam, ließ sich Hirvonen nicht aus der Ruhe bringen. Allerdings hatte der fliegende Finne mit Michel Perìn einen sehr erfahrenen Dakar-Navigator an seiner Seite. Hut ab vor dieses respektablen Leistung, mit der Mikko auf der Schlußetappe sogar noch das Toyota-Team unter Druck setzten konnte.

130116_Giniel1Im finalen Schlußspurt nach Rosario sicherte sich das Toyota Gazoo Racing Team aus Südafrika den dritten Gesamtrang. Giniel de Villiers und Copilot Dirk von Zitzewitz liessen sich von Mikko Hirvonens Attacken nicht aus der Ruhe bringen. Bei der härtesten Rallye der Welt über knapp 10.000 Kilometer fuhren die beiden ihren bärenstarken Hilux auf den dritten Gesamtrang. Und das, obwohl der V8-Benziner beim diesjährigen Streckenlayout immer wieder in Schwierigkeiten geriet. So waren die langen Etappen in der Höhenluft des Altiplano Gift für den Saugmotor. Das deutsch/südafrikanische Duo ließ aber während der gesamten Rallye den Kontakt zur Führungsgruppe nie abreissen und sicherte sich auf den Flachlandetappen die wichtigen Zeitgutschriften. Auch auf der letzten Wertungsprüfung nach Rosario liessen ‚GdV‘ und ‚DvZ‘ nichts anbrennen. Ein weiterer Pluspunkt dieses Teams: Navigator Dirk von Zitzewitz machte auch in diesem Jahr keinen Fehler. Damit bauten die beiden ihre beeindruckende Dakar-Statistik weiter aus. In acht Jahren erreichten Giniel und Dirk ihren sechsten Podiumsplatz. Allerdings fand Dirk in seinem Blog auch kritische Worte über die diesjährige Dakar: „Es war eine Rallye, die alles andere als rund für uns gelaufen ist und damit natürlich nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten. In der ersten Woche war die Route zu leicht. Der Veranstalter wollte auf große Höhe hinauf und bis nach Bolivien, der Preis dafür war sportliche Eintönigkeit. Die Härte wurde nicht durch die Strecke bestimmt, sondern durch die Länge der Tage. Es war also anstrengend, aber nicht anspruchsvoll. Außer auf drei Etappen gab es ausschließlich Rallye-WM-ähnliche Routen. Die Dakar sollte aber eine Wüsten-Rallye bleiben!“

Dem Kritikpunkt kann ich mich vorbehaltslos anschließen. Die Streckenführung der Dakar 2016 stellte kaum Ansprüche an die Navigation, zumindest in der ersten Woche. Die Piloten waren zwar gefordert, allerdings hatten die ausgewählten Pisten nur dann schwieriges Niveau, wenn Unwetter und heftige Regenfälle niedergingen. Unter dem schlechten Wetter litt die Rallye in diesem Jahr besonders. Abgesagte und verkürzte Prüfungen sowie Strecken mit Geschwindigkeitsbegrenzungen sorgten für Unmut. Dazu hagelte es jede Menge Zeitstrafen. Auch die langen Tage auf Seehöhen von über 3.000 Metern warfen speziell die Saugmotor-Teams zurück. Fast schien es so, als wäre die Route nach der Absage von Chile auf die Verhältnisse von Peugeot zurecht gestutzt worden. Doch das ist nur eine Theorie. Für 2017 sollte sich der Organisationsstab um Etienne Lavigne und Marc Coma etwas mehr Kreativität in der Auswahl des Streckenprofils zutrauen!

Dakar 2016, Endstand nach Etappe 13.
1. Peterhansel/Cottret, Peugeot 2008DKR – 45:22.10 Std.
2. Al-Attiyah/Baumel, MINI All4 Racing – +34.58 Min.
3. De Villiers/Von Zitzewitz, Toyota Hilux – +1:02.47 Std.
4. Hirvonen/Perin, MINI All4 Racing – +1:05.18 Std.
5. Poulter/Howie, Toyota Hilux – +1:30.43 Std.
6. Roma/Bravo, MINI All4 Racing – +1:41.06 Std.
7. Despres/Castera, Peugeot 2008DKR – +1:53.04 Std.
8. Vasilyev/Zhiltsov, Toyota Hilux – +2:01.45 Std.
9. Loeb/Elena, Peugeot 2008DKR – +2:22.09 Std.
10. Hunt/Schulz, MINI All4 Racing – +3:11.30 Std.

11. Al Rahji/Gottschalk, Toyota Hilux – +4:38.18 Std.
14. Prokop/Tomanek, Toyota Hilux – +5:33.32 Std.
35. Tim Coronel, Maxxis-Suzuki, – +20:04.42 Std.

Bleibt noch ein Blick auf Robby Gordon, der die diesjährige Dakar nicht in guter Erinnerung behalten wird. Robby kam zwar als siebzehnter ins Ziel, ist jedoch inzwischen aus allen Wertungen verschwunden. Dies könnte in Verbindung stehen mit Meldungen argentinischer Zeitungen, die von einem schweren Unfall auf der Autobahn nach Rosario berichten.

Mehrere Blätter melden seit den frühen Morgenstunden übereinstimmend, das ein Fahrzeug von Robby Gordon bzw. seinem Team darin verwickelt gewesen sein. Auch von Verletzten ist die Rede. mehr ist zur Zeit noch nicht im Detail bekannt. Mehr dazu und ein Rückblick auf Robby Gordons Dakar 2016 dann im Verlauf der kommenden Woche!

Fotos (c) Peugeot Sport Media, DPPI, BMW MINI Team X-raid, Toyota Gazoo Racing, Robby Gordon, Maxxis Dakar Team Tim Coronel